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Der blaue Express (eBook)

Ein Fall für Poirot
eBook Download: EPUB
2018 | 1. Auflage
288 Seiten
Atlantik Verlag
978-3-455-00225-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der blaue Express -  Agatha Christie
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Hercule Poirot ermittelt nicht nur im Orientexpress ... Der Fahrplan stimmt, der Zeitplan auch. Poirot reist an die Riviera - natürlich mit dem Luxuszug von Calais über Paris nach Nizza. Auch die reiche amerikanische Erbin Ruth Kettering fährt mit dem »Blauen Express«, doch als der Schaffner in Nizza an ihr Abteil klopft, findet er eine Leiche. Ein perfekter Mord - so scheint es. Doch eine kleine Unstimmigkeit lässt Hercule Poirots kleine graue Zellen nicht mehr ruhen: Die Frage nämlich, warum das Gesicht der jungen Frau entstellt wurde.

Agatha Christie begründete den modernen britischen Kriminalroman und avancierte im Laufe ihres Lebens zur bekanntesten Krimiautorin aller Zeiten. Ihre beliebten Helden Hercule Poirot und Miss Marple sind - auch durch die Verfilmungen - einem Millionenpublikum bekannt. 1971 wurde sie in den Adelsstand erhoben. Agatha Christie starb 1976 im Alter von 85 Jahren.

Agatha Christie begründete den modernen britischen Kriminalroman und avancierte im Laufe ihres Lebens zur bekanntesten Krimiautorin aller Zeiten. Ihre beliebten Helden Hercule Poirot und Miss Marple sind - auch durch die Verfilmungen - einem Millionenpublikum bekannt. 1971 wurde sie in den Adelsstand erhoben. Agatha Christie starb 1976 im Alter von 85 Jahren.

Cover
Verlagslogo
Titelseite
Widmung
Der weißhaarige Mann
Monsieur le Marquis
Das Feuerherz
In der Curzon Street
Ein nützlicher Herr
Mirelle
Briefe
Lady Tamplin schreibt einen Brief
Ein abgelehntes Angebot
Im Blauen Express
Mord
In der Villa Marguerite
Van Aldin erhält ein Telegramm
Ada Masons Geschichte
Der Comte de la Roche
Poirot erörtert den Fall
Ein aristokratischer Herr
Derek isst zu Mittag
Unerwarteter Besuch
Katherine schließt Freundschaft
Beim Tennis
Monsieur Papopoulos frühstückt
Eine neue Theorie
Poirot erteilt Ratschläge
Trotz
Eine Warnung
Gespräch mit Mirelle
Poirot spielt Eichhörnchen
Ein Brief von daheim
Miss Viners Urteil
Mr Aarons' Mittagessen
Katherine und Poirot vergleichen ihre Notizen
Eine neue Theorie
Wieder im Blauen Express
Erklärungen
Am Meer
Über Agatha Christie
Impressum

Viertes Kapitel In der Curzon Street


Mrs Derek Kettering wohnte in der Curzon Street. Der Butler, der die Tür öffnete, erkannte Rufus Van Aldin sofort und gestattete sich ein diskretes Begrüßungslächeln. Er ging voran, die Treppe hinauf zum großen doppelten Salon in der ersten Etage.

Eine Frau, die dort am Fenster saß, sprang mit einem Schrei auf.

»Also, so was Liebes von dir, Dad, dass du gekommen bist! Den ganzen Tag lang habe ich mit Major Knighton telefoniert, um dich zu erreichen, aber er konnte nicht genau sagen, wann man dich zurückerwartet.«

Ruth Kettering war achtundzwanzig Jahre alt. Ohne schön oder im eigentliche Sinn des Wortes hübsch zu sein, sah sie doch sehr reizvoll aus, und zwar wegen ihrer Farben. Van Aldin war zu seiner Zeit »Möhre« und »Ingwer« gerufen worden, und Ruths Haar war ein beinahe reines Rotbraun. Hinzu kamen dunkle Augen und tiefschwarze Wimpern – Kunstfertigkeit verstärkte die Wirkung ein wenig. Sie war groß und schlank und bewegte sich anmutig. Auf den ersten Blick hatte sie das Gesicht einer Raffael-Madonna. Erst wenn man genauer hinsah, bemerkte man die ausgeprägten Wangenknochen und das markante Kinn wie in Van Aldins Gesicht, was für die gleiche Härte und Entschlossenheit sprach. Dem Mann stand es gut, der Frau jedoch weniger. Seit ihrer Kindheit war Ruth Van Aldin daran gewöhnt, immer ihren Willen durchzusetzen, und wer sich ihr entgegenstellte, erfuhr bald, dass Rufus Van Aldins Tochter nie nachgab.

»Knighton hat mir gesagt, dass du angerufen hast. Ich bin erst vor einer halben Stunde aus Paris zurückgekommen. Was ist denn wieder los mit Derek?«

Ruths Gesicht rötete sich vor Ärger.

»Es ist unsäglich. Es geht auf keine Kuhhaut«, rief sie. »Er – er hört auf gar nichts, was ich sage.«

In ihrer Stimme mischten sich Verwunderung und Ärger.

»Auf mich wird er hören müssen«, sagte der Millionär grimmig.

Ruth fuhr fort.

»Seit einem Monat habe ich ihn kaum gesehen. Überall taucht er mit dieser Frau auf.«

»Mit welcher Frau?«

»Mirelle. Sie tanzt im Parthenon, weißt du.«

Van Aldin nickte.

»Vorige Woche war ich in Leconbury. Ich – ich habe mit Lord Leconbury gesprochen. Er war ganz reizend zu mir, voller Verständnis. Er hat gesagt, er würde Derek gründlich die Leviten lesen.«

»Ah!«, sagte Van Aldin.

»Was meinst du mit ›ah!‹, Vater?«

»Das, was du gerade denkst, Ruthie. Der arme alte Leconbury ist doch am Ende. Natürlich spielt er den Verständnisvollen, natürlich versucht er, dich zu beschwichtigen. Da er seinen Sohn und Erben mit der Tochter eines der reichsten Männer aus den Staaten verheiratet hat, will er die Sache jetzt natürlich nicht vermurksen. Aber er steht doch schon mit einem Fuß im Grab, jeder weiß das, und was immer er sagt, wird bei Derek verdammt wenig bewegen.«

»Kannst du nicht etwas tun, Dad?«, bedrängte Ruth ihn nach ein paar Momenten des Schweigens.

»Ich könnte«, sagte der Millionär. Er dachte eine Sekunde nach und fuhr dann fort: »Es gibt ein paar Dinge, die ich tun könnte, aber nur eins hätte wirklich Sinn. Wie viel Mumm hast du denn, Ruthie?«

Sie starrte ihn an. Er nickte ihr zu.

»Ich meine genau das, was ich sage. Hättest du den Mut, vor aller Welt zuzugeben, dass du einen Fehler gemacht hast? Aus diesem Schlamassel gibt es nur einen Ausweg. Schreib deine Verluste ab und fang neu an.«

»Du meinst …?«

»Scheidung.«

»Scheidung!«

Van Aldin lächelte trocken.

»Du sprichst das Wort aus, Ruth, als ob du es noch nie gehört hättest. Dabei lassen sich doch all deine Freundinnen jeden Tag scheiden.«

»Ach, das weiß ich doch. Aber …«

Sie hielt inne und biss sich auf die Lippen. Ihr Vater nickte verständnisvoll.

»Ich weiß, Ruth. Du bist wie ich, du kannst es nicht ertragen, etwas aufzugeben. Aber ich habe gelernt, und auch du musst es lernen, dass es Zeiten gibt, wo das die einzige Möglichkeit ist. Ich könnte Mittel finden, um Derek zurückzupfeifen, zurück zu dir, aber am Ende käme alles wieder auf dasselbe hinaus. Er taugt nichts, Ruth; er ist durch und durch verdorben. Und weißt du, ich mache mir Vorwürfe, dass ich dir je erlaubt habe, ihn zu heiraten. Aber du hattest ihn dir nun mal in den Kopf gesetzt, und damals schien er ernsthaft ein neues Leben anfangen zu wollen – und, tja, ich hatte dir einmal einen Strich durch die Rechnung gemacht, Liebes …«

Er sah sie bei den letzten Worten nicht an. Hätte er es getan, so hätte er die plötzliche Röte bemerken können, die ihr Gesicht überzog.

»Das hast du«, sagte sie mit harter Stimme.

»Ich war verdammt zu weich, das ein zweites Mal zu machen. Aber ich kann dir nicht sagen, wie sehr ich wünsche, ich hätte es doch getan. Die letzten Jahre hast du ein Hundeleben gehabt, Ruth.«

»Es war nicht besonders – angenehm«, stimmte Mrs Kettering zu.

»Deshalb sage ich dir, damit muss jetzt Schluss sein!« Er schlug die Hand heftig auf den Tisch. »Vielleicht hängst du immer noch an dem Kerl. Mach Schluss! Stell dich den Tatsachen. Derek Kettering hat dich wegen deines Gelds geheiratet. Mehr ist nicht dran. Gib ihm den Laufpass, Ruth.«

Ruth Kettering schaute ein paar Momente zu Boden; dann sagte sie, ohne den Kopf zu heben:

»Und wenn er nicht einwilligt?«

Van Aldin sah sie erstaunt an.

»Er hat dazu gar nichts zu sagen.«

Sie errötete und biss sich auf die Lippen.

»Nein – nein – natürlich nicht. Ich habe nur gemeint …«

Sie hielt inne. Ihr Vater musterte sie aufmerksam.

»Was hast du gemeint?«

»Ich meine …« Sie machte eine Pause und wählte ihre Worte sorgfältig. »Vielleicht nimmt er es nicht so einfach hin.«

Der Millionär reckte grimmig das Kinn.

»Du meinst, er wird die Scheidung verweigern? Soll er doch! Aber, ganz nebenbei, da irrst du. Jeder Anwalt, den er konsultiert, wird ihm sagen, dass er keinen Boden unter den Füßen hat.«

»Du glaubst also nicht –« sie zögerte – »ich meine – aus reiner Böswilligkeit mir gegenüber könnte er – also, er könnte Schwierigkeiten machen?«

Ihr Vater sah sie einigermaßen erstaunt an.

»Die Scheidung anfechten, meinst du?«

Er schüttelte den Kopf.

»Ziemlich unwahrscheinlich. Weißt du, er müsste nämlich einen Grund haben.«

Mrs Kettering antwortete nicht. Van Aldin sah sie scharf an.

»Komm, Ruth, raus damit! Dich beunruhigt doch was – was ist es?«

»Nichts, wirklich gar nichts.«

Aber ihre Stimme klang nicht überzeugend.

»Du hast Angst vor der Öffentlichkeit, wie? Ist es das? Überlass das nur mir. Ich drücke die ganze Affäre so glatt durch, dass es überhaupt kein Aufsehen gibt.«

»Na gut, Dad, wenn du meinst, dass es wirklich das Beste ist.«

»Hast du den Burschen etwa noch gern? Ist es das?«

»Nein.«

Sie sagte das mit unmissverständlichem Nachdruck. Van Aldin schien zufrieden. Er klopfte seiner Tochter auf die Schulter.

»Alles wird gut werden, Kleines. Mach dir keine Sorgen. Jetzt denk nicht mehr daran. Ich habe dir ein Geschenk aus Paris mitgebracht.«

»Für mich? Etwas Schönes?«

»Ich hoffe doch, dass du es schön findest«, sagte Van Aldin lächelnd.

Er nahm das Päckchen aus der Manteltasche und reichte es ihr. Sie packte es eifrig aus und klappte das Etui auf. Ein langgezogenes »Oh« kam über ihre Lippen. Ruth Kettering liebte Juwelen – hatte sie immer geliebt.

»O Dad, wie – wie wunderbar!«

»Eine Klasse für sich, oder?«, sagte der Millionär befriedigt. »Sie gefallen dir, was?«

»Gefallen? Dad, sie sind einzigartig. Wie bist du an sie gekommen?«

Van Aldin lächelte.

»Ah! Das ist mein Geheimnis. Ich habe sie natürlich privat kaufen müssen. Sie sind ziemlich bekannt. Siehst du den großen Stein in der Mitte? Vielleicht hast du von ihm gehört; das ist das historische Feuerherz

»Feuerherz!«, wiederholte Mrs Kettering.

Sie hatte die Steine aus dem Etui genommen und hielt sie an ihren Busen. Der Millionär beobachtete sie. Er dachte an all die Frauen, die diese Juwelen getragen hatten. Die gebrochenen Herzen, die Verzweiflung, den Neid. Das Feuerherz hatte wie alle berühmten Steine eine Spur von Tragödien und Gewalt hinterlassen. In Ruth Ketterings ruhiger Hand schien das Juwel jedoch seine böse Kraft zu verlieren. Mit ihrer kühlen, beherrschten Haltung schien diese Frau aus dem Westen eine Widerlegung aller Tragik, aller wilden Aufwallungen zu sein. Ruth legte die Steine zurück ins Etui; dann sprang sie auf und schlang die Arme um den Hals ihres Vaters.

»Danke, danke, danke, Dad. Sie sind ganz wunderbar! Immer machst du mir die herrlichsten Geschenke.«

»So ist das richtig«, sagte Van Aldin; er tätschelte ihre Schulter. »Du bist alles, was ich habe, weißt du, Ruthie.«

»Du bleibst doch zum Dinner, Vater, nicht wahr?«

»Ich glaube nicht. Du wolltest doch ausgehen?«

»Ja, aber das kann ich ohne weiteres absagen. Nichts besonders Aufregendes.«

»Nein«, sagte Van Aldin. »Halt deine Verabredung ein. Ich habe noch genug zu erledigen. Wir sehen uns morgen, Liebes. Ich rufe dich noch an, vielleicht könnten wir uns bei Galbraith treffen?«

Galbraith, Cuthbertson & Galbraith waren Van Aldins Londoner Anwälte.

»Gut, Dad.« Sie zögerte. »Ich hoffe,...

Erscheint lt. Verlag 14.3.2018
Übersetzer Gisbert Haefs
Verlagsort Hamburg
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Schlagworte Cosy Mystery • Detektiv • England • Ermittler • Ermittlungen • Frankreich • Hercule Poirot • Juwelenraub • Kommissar • Krimi • Kriminalpolizei • Kriminalroman • Mord • Polizist • Privatdetektiv • Spannungsroman • Zugfahrt
ISBN-10 3-455-00225-0 / 3455002250
ISBN-13 978-3-455-00225-6 / 9783455002256
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