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Märchen vom Stadtschreiber, der aufs Land flog (eBook)

Holzschnitte von Heinz Kiwitz

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 3., Überarbeitete Fassung
249 Seiten
Null Papier Verlag
978-3-96281-365-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Märchen vom Stadtschreiber, der aufs Land flog - Hans Fallada
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Mit wundervollen Illustrationen von Heinz Kiwitz Von einfachen Landarbeitern, die er ursprünglich literarisch verewig wollte, inspiriert, schrieb Fallada dieses längere Märchen für Erwachsene, genauer handelt es sich um ein Kunstmärchen mit wundervollen Illustrationen des jung verstorbenen Holzschneiders und Karikaturisten Heinz Kiwitz. In diesem Märchen dreht sich alles um einen finsteren Fluch und teuflische Mächte, aber auch um die Hoffnung auf Liebe. »Was brauchet der Mensch Flügel - hat er doch die Liebe!« Hans Fallada (21. Juli 1893-5. Februar 1947), eigentlich Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen, war ein deutscher Schriftsteller. Sein nüchterner, objektiver Stil, in dem er seine fiktionalen Berichte über meist scheiternde Gestalten verfasste, macht ihn zu einem der wichtigsten Vertreter der 'Neuen Sachlichkeit'. Heinz Kiwitz (4.09.1910-1938 in Spanien) war ein deutscher Holzschneider des Expressionismus und ein politisch links orientierter Karikaturist. Er starb im Spanischen Bürgerkrieg im Kampf gegen das Franco-Regime. Null Papier Verlag

Hans Fallada (21. Juli 1893-5. Februar 1947), eigentlich Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen, war ein deutscher Schriftsteller. Sein nüchterner, objektiver Stil, in dem er seine fiktionalen Berichte über meist scheiternde Gestalten verfasste, macht ihn zu einem der wichtigsten Vertreter der 'Neuen Sachlichkeit'.

Hans Fallada (21. Juli 1893–5. Februar 1947), eigentlich Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen, war ein deutscher Schriftsteller. Sein nüchterner, objektiver Stil, in dem er seine fiktionalen Berichte über meist scheiternde Gestalten verfasste, macht ihn zu einem der wichtigsten Vertreter der "Neuen Sachlichkeit".

Vorrede des verlegenen Verfassers
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebtes Kapitel

Erstes Kapitel



»Hört, Land­be­woh­ner! all mir zu«.

J. F. Cooper; Der Lot­se


Vor vie­len Jah­ren leb­te in ei­ner großen Stadt ein jun­ger Mann, der auf der Ge­schäfts­stu­be ei­nes Rats­herrn, ge­nannt Asio, Schrei­ber­diens­te zu ver­rich­ten hat­te. Von mor­gens bis in den spä­ten Abend hin­ein saß er an sei­nem Tisch, sich ge­gen­über einen an­de­ren, aber äl­te­ren Schrei­ber, na­mens Bubo, und schrieb flei­ßig ab, was ihm sein Herr an Ver­trä­gen, Ur­kun­den, Re­gres­sen, Ak­ten auf den Platz ge­legt. Wenn er die Hand mit der Fe­der zum Tin­ten­fas­se führ­te, be­geg­ne­te sie wohl der Hand des Schreib­ge­fähr­ten drü­ben, und wenn er dann un­will­kür­lich den Blick hin­über­rich­te­te, sah er das ge­senk­te Auge des an­de­ren, das schon die nächs­te Zei­le der Vor­la­ge im vor­aus las, und umso em­si­ger kehr­te er, wie ein er­tapp­ter Faul­mann, zum ei­ge­nen Schreib­werk zu­rück. Aber wie eif­rig er sich auch müh­te, nie war der Berg der Auf­ga­ben vor ihm ganz ab­zu­tra­gen, und mein­te er den einen Abend, heu­te habe er es aber gut ge­macht und mor­gen sei Ar­beit ein gar ra­rer Ar­ti­kel, so hat­te den Rats­herrn über Nacht ge­ra­de das Zip­per­lein ge­plagt, und er hat­te in sei­ner Schlaf­lo­sig­keit so vie­les aus Schrän­ken und Map­pen her­vor­ge­kramt, dass am Mor­gen der Berg hö­her lag, denn je. Dar­über wur­de das Schrei­ber­lein fast trüb­sin­nig, und wenn er dann gar in das erns­te, graue Ge­sicht sei­nes Ge­gen­über sah, in des­sen Fal­ten sich der Ak­ten­staub vie­ler Jah­re nie­der­ge­setzt zu ha­ben schi­en – wenn er sich dann so recht leb­haft vor­stell­te, dass er in zehn oder zwan­zig Jah­ren auch so ernst­haft da­sit­zen wür­de, mit wei­ter nichts im Kopf, als den Wett­lauf zwi­schen Pa­pier­berg und Fe­der – so hät­te er am liebs­ten den Hut vom Na­gel ge­ris­sen und wäre hin­aus­ge­lau­fen in die wei­te Welt. Jede Stra­ße wäre ihm recht ge­we­sen, wenn sie nur fort­führ­te von der pa­pie­re­nen Ge­schäfts­stu­be. Sol­ches zu tun aber ver­bot sich, denn er hat­te nie­man­den, der für sei­ne Nah­rung und Klei­dung sorg­te, als sich sel­ber. Kein Va­ter und kei­ne Mut­ter, kein Ver­wand­tes sah nach ihm; al­lein muss­te er sich sein Es­sen ko­chen, al­lein sein Klei­der­werk fli­cken; und wenn er in die wei­te Welt hin­aus­rann­te, so wuss­te er doch, dass er nichts ge­lernt hat­te, wie ein biss­chen Schrei­be­rei, und die wür­de auf kei­ner Amts­stu­be an­ders aus­se­hen als auf die­ser. Als er nun an ei­nem recht trü­ben, dunklen No­vem­ber­vor­mit­tag über dem Schrei­ben schon dann und wann nach dem Fens­ter schiel­te, vor dem die Vö­gel hei­schend lärm­ten – denn es war fast sein ein­zi­ges Ver­gnü­gen, die­se sei­ne Freun­de um die Mit­tags­stun­de zu füt­tern –, hob plötz­lich sein ält­li­ches Ge­gen­über, der Schrei­ber Bubo, den Kopf, sah ihn freund­lich an und sprach: »Nun, Bru­der, öff­ne schon das Fens­ter und streue Dei­nen Lieb­lin­gen ihr Brot. Auf ein paar Mi­nu­ten wird es wohl nicht an­kom­men, so flei­ßig, wie wir heu­te wa­ren, und der Herr Asio kommt vor zwei Stun­den nicht wie­der vom Bür­ger­meis­ter­amt.«

Höf­lich, aber ein we­nig ver­wirrt, be­dank­te sich der Schrei­ber für die un­ge­wohn­te Gunst, die ihm der an­de­re in den man­cher­lei Jah­ren, da sie ein­an­der ge­gen­über sa­ßen, noch nie ge­währt hat­te. Und wäh­rend er das Fens­ter öff­ne­te und noch im­mer ganz be­nom­men den Mei­sen und Spat­zen, Am­seln und Fin­ken und was sich an Vo­gel­ge­tier im­mer an die­sen Fut­ter­platz ge­wöhnt hat­te, die Brot­bro­cken hin­streu­te, hör­te er den an­de­ren recht mit­lei­dig sa­gen: »Oft dau­erst Du mich sehr, Bru­der, wenn ich Dich so von mor­gens bis in die Nacht über Dei­ner Ar­beit sehe. Ich bin ein al­ter Mensch, und mir macht es nichts mehr, aber um Dich jun­ges Blut ist es jam­mer­scha­de!«

Da hat­te der an­de­re et­was ge­sagt, was der Stadt­schrei­ber oft im Stil­len bei sich ge­dacht, und eif­rig stimm­te er nun dem Ge­fähr­ten zu. Was sie doch für ein gar elen­des, aus­sichts­lo­ses Le­ben führ­ten, schlim­mer noch als die Skla­ven bei den Hei­den, denn de­ren Le­ben sei ih­ren Her­ren doch noch eine Sum­me Gel­des wert, wäh­rend ih­rer ei­ner, kaum dass er nur ein we­nig krank ge­wor­den, in Not und Elend ver­sto­ßen und auf der Stel­le durch einen an­de­ren er­setzt wer­de.

Der an­de­re hör­te dem kla­gen­den Ge­schwätz gar bei­fäl­lig zu, nick­te mit dem Kopf und frag­te dann teil­neh­mend, ob der Bru­der denn nie­man­den Ver­wand­tes habe, der ihm mit ei­nem freund­li­chen Zu­spruch und ei­nem klei­nen Lust­geld für den Sonn­tag bei­sprin­gen könn­te?

»Nein«, sag­te der jun­ge Schrei­ber. »Von den Spat­t’s, von de­nen ich mich her­schrei­be, bin ich der ein­zi­ge, der noch lebt. – Und so muss ich denn se­hen«, setz­te er et­was küm­mer­lich lä­chelnd hin­zu, »dass ich es so wei­ter trei­be, wie es nun ein­mal läuft.«

So wis­se er denn in die­sem Punk­te we­nigs­tens mehr als der Bru­der Spatt, sag­te der alte Schrei­ber lis­tig. Vor ein paar Wo­chen habe er die Ak­ten in ei­nem Grenz­streit zu be­ar­bei­ten ge­habt, und der eine von den bei­den Bau­ern, und ein schwer­rei­cher sei es ge­we­sen, habe Spatt ge­hei­ßen.

Dem Jun­gen ver­schlug es zu­erst die Rede. Dann mein­te er schüch­tern, es sei ja mög­lich, dass sein Name noch da und dor­ten im Lan­de vor­kom­me, aber wenn das wirk­lich Ver­wandt­schaft sei, sei es so ent­fern­te, dass sie den frem­den Hun­ger­lei­der leicht ent­beh­ren wer­de.

»Im Ge­gen­teil!« rief der an­de­re, und sei­ne großen, gelb­li­chen Au­gen sa­hen den Schrei­ber­ling recht zau­be­risch-ein­dring­lich an. »Im Ge­gen­teil!« Ob sich denn der Bru­der Spatt nicht mehr ent­sin­ne, dass er vor vie­len Jah­ren als ein klei­ner Jun­ge einen gan­zen Som­mer bei die­sem On­kel Spatt, der sein Va­ters­bru­der sei, zu­ge­bracht habe –? Von dort habe er doch auch erst sei­ne Vor­lie­be für al­les Vo­gel­ge­tier mit­ge­bracht! – Und er zeig­te auf das Fens­ter­brett, wo die Vö­gel sich um die letz­ten Bro­cken strit­ten.

Dem jun­gen Mann wur­de ganz wun­der­lich über dem Ge­re­de des an­de­ren. ›Wie kannst Du von mir wis­sen, was ich selbst nicht weiß‹, woll­te er ihm zu­ru­fen. Aber vor dem im­mer hel­ler leuch­ten­den gel­ben Blick wur­de es ihm an­ders. Dun­kel reg­te es sich in ihm, ganz ver­ges­se­nes Erin­nern stieg auf: ein statt­li­ches wei­ßes Haus, mit Wein be­rankt, er­höht über der Dorf­stra­ße ge­le­gen, brei­te Stein­stu­fen führ­ten em­por, die für das Kind zu hoch wa­ren – der war­me, heim­li­che Ge­ruch ei­nes dun­keln­den Stal­les – Heu­hau­fen, grö­ßer als ein Bett, auf de­nen man in je­der Rich­tung schla­fen konn­te … War es Traum, war es wirk­lich Erin­nern –?

La­chend hat­te un­ter­des der an­de­re wei­ter­ge­spro­chen. Im Som­mer sei frei­lich solch Be­such nicht zu emp­feh­len, die Bau­ern wüss­ten auch, was ein jun­ger Mann zur Ern­te­zeit wert sei, und spann­ten ihn mehr als ihm lieb ein. Da käme der Bru­der Spatt wohl gar vom Re­gen in die Trau­fe! Aber jetzt, im be­gin­nen­den Win­ter­wet­ter, sei ge­ra­de die rech­te Zeit. Da lie­ge der Bau­er auf der fau­len Haut und esse nur von mor­gens bis abends präch­tig, was ihm die Ern­te­zeit in alle Kam­mern zu­ge­tra­gen … Der Bru­der möge nur nicht säu­men,...

Erscheint lt. Verlag 1.7.2025
Reihe/Serie Hans Fallada bei Null Papier
Hans Fallada bei Null Papier
Verlagsort Neuss
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Schlagworte Alkohol • Alkoholismus • Armut • Berlin • Berlinerisch • Drittes Reich • Hyperinflation • Inflation • Knast • Weimarer Republik
ISBN-10 3-96281-365-9 / 3962813659
ISBN-13 978-3-96281-365-9 / 9783962813659
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