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Der Alpdruck (eBook)

Roman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 3., Überarbeitete Fassung
268 Seiten
Null Papier Verlag
978-3-96281-353-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der Alpdruck - Hans Fallada
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Es ist die Zeit zwischen Krieg und Frieden: April 1945; der Untergang hat stattgefunden - Deutschland liegt am Boden. Die Gräueltaten der Nazis werden vielen erst jetzt bewusst. Die deutsche Bevölkerung ahnt, was auf sie zukommen mag. In den Köpfen und Herzen und Träumen der Menschen geht der Krieg unvermittelt weiter. Der Schriftsteller Doll kann sich von den Schrecken der Bombennächte nicht lösen. Um seine Mitschuld wissend, versucht er die Russen willkommen zu heißen. Doch diese machen keine Unterschiede zwischen den Deutschen. Die Handlung weißt nur allzu leicht erkennbare Parallelen mit dem Schicksal Falladas nach dem Kriege auf. Auch er ahnte die sich aufzeichnende Bürde der Schuld. Null Papier Verlag

Hans Fallada (21. Juli 1893-5. Februar 1947), eigentlich Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen, war ein deutscher Schriftsteller. Sein nüchterner, objektiver Stil, in dem er seine fiktionalen Berichte über meist scheiternde Gestalten verfasste, macht ihn zu einem der wichtigsten Vertreter der 'Neuen Sachlichkeit'.

Hans Fallada (21. Juli 1893–5. Februar 1947), eigentlich Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen, war ein deutscher Schriftsteller. Sein nüchterner, objektiver Stil, in dem er seine fiktionalen Berichte über meist scheiternde Gestalten verfasste, macht ihn zu einem der wichtigsten Vertreter der "Neuen Sachlichkeit".

Vorwort des Autors
Erster Teil. Der Sturz
Erstes Kapitel. – Die eine Täuschung
Zweites Kapitel. – Die andere Täuschung
Drittes Kapitel. – Das verlassene Haus
Viertes Kapitel. – Die Herren Nazis
Fünftes Kapitel. – Die Ankunft in Berlin
Sechstes Kapitel. – Die neue Last
Siebentes Kapitel. – Trennung der Dolls
Zweiter Teil. – Die Gesundung
Achtes Kapitel. – Die selbstständige Entlassung
Neuntes Kapitel. – Robinson
Zehntes Kapitel. – Robinson geht in die Welt
Elftes Kapitel. – Anfang mit Streit
Zwölftes Kapitel. – Die Genesung

Erstes Kapitel. – Die eine Täuschung


Im­mer in die­sen Näch­ten um den großen Zu­sam­men­bruch her­um wur­de Dr. Doll, wenn er wirk­lich ein­mal ein­sch­lief, von dem glei­chen Angst­traum heim­ge­sucht. Sie schlie­fen sehr we­nig in die­sen ers­ten Näch­ten, stets angst­voll ir­gend­ei­ne Be­dro­hung des Lei­bes oder der See­le er­war­tend. Längst war die Nacht ge­kom­men – nach ei­nem Tage vol­ler Qual –, und noch im­mer sa­ßen sie an den Fens­tern und späh­ten auf die klei­ne Wie­se, nach den Bü­schen, zu dem schma­len Ze­ment­fuß­weg hin­aus, ob ein Feind käme, bis ih­ren schmer­zen­den Au­gen al­les in­ein­an­der­floss und sie nichts mehr sa­hen.

Oft frag­te dann ei­nes: »Wol­len wir nicht doch lie­ber schla­fen ge­hen?«

Aber meist ant­wor­te­te nie­mand, son­dern wei­ter sa­ßen sie, starr­ten und fürch­te­ten sich. Bis Dr. Doll dann plötz­lich vom Schlaf wie von ei­nem Räu­ber über­fal­len wur­de, des­sen große Hand sich er­sti­ckend über sein gan­zes Ge­sicht leg­te. Oder es war auch wie dich­tes Spin­nen­ge­we­be, das mit der Atem­luft in sei­ne Keh­le drang und sein Be­wusst­sein über­wäl­tig­te. Ein Alp­druck …

So ein­ge­schla­fen zu sein, war schon schlimm ge­nug, aber sol­chem schlim­men Ein­schla­fen folg­te so­fort der Angst­traum, im­mer der glei­che. Und zwar träum­te Doll dies:

Er lag am Grun­de ei­nes un­ge­heu­ren Bom­ben­t­rich­ters, auf dem Rücken, die Arme fest an die Sei­ten ge­presst, im nas­sen, gel­ben Lehm. Ohne den Kopf zu be­we­gen, konn­te er die in den Trich­ter hin­ab­ge­stürz­ten Baum­stäm­me se­hen, auch die Fassa­den von Häu­sern mit den lee­ren Fenster­höh­len, hin­ter de­nen nichts mehr war. Manch­mal quäl­te Doll die Be­fürch­tung, die­se Din­ge könn­ten tiefer in den Bom­ben­t­rich­ter und da­mit auf ihn stür­zen, aber nie än­der­te eine die­ser be­droh­li­chen Rui­nen ihre Lage.

Noch quäl­te ihn der Ge­dan­ke, dass tau­send Was­sera­dern und Quel­len, Doll über­schwem­mend, sei­nen Mund ganz mit dem gel­ben Lehm­brei fül­len wür­den. Dem war nicht zu ent­ge­hen, denn Doll wuss­te, er wür­de aus ei­ge­ner Kraft nie aus die­sem Trichter­grun­de auf­ste­hen kön­nen. Aber auch die­se Be­fürch­tung war grund­los, denn nie hör­te er einen Laut von den Quel­len und dem Rie­seln der Was­sera­dern, wie es über­haupt to­ten­still war in dem rie­si­gen Bom­ben­t­rich­ter.

Dann war auch der drit­te quä­len­de Ein­druck eine Täu­schung: Un­ge­heu­re Ra­ben- und Krä­hen­schwär­me zo­gen un­un­ter­bro­chen über den Him­mel des Bom­ben­t­rich­ters da­hin; er fürch­te­te sich sehr, sie könn­ten ihr Op­fer im Lehm er­spä­hen. Aber nein, al­les blieb wei­ter to­ten­still, es gab die­se un­ge­heu­ren Vo­gel­schwär­me nur in Dolls Ein­bil­dung, er hät­te we­nigs­tens ihr Kräch­zen hö­ren müs­sen.

Aber zwei an­de­re Din­ge wa­ren kei­ne Ein­bil­dung, von ih­nen wuss­te er ganz ge­nau. Das eine die­ser Din­ge war dies, dass end­lich Frie­de ge­wor­den war. Kei­ne Bom­be zer­riss mehr krei­schend die Luft, kein Schuss fiel mehr; es war Frie­de, es war still ge­wor­den. Eine letz­te un­ge­heu­re Ex­plo­si­on hat­te ihn noch in den Grund­lehm die­ses Trich­ters hin­ab­ge­ris­sen. Nicht al­lein lag er in die­sem Ab­grund. Ob­wohl er nie einen Laut hör­te und nichts wie das Be­schrie­be­ne sah, wuss­te er doch: Mit ihm lag sei­ne gan­ze Fa­mi­lie hier und das gan­ze deut­sche Volk und über­haupt alle Völ­ker Eu­ro­pas, alle eben­so hilf- und wehr­los wie er, alle von den glei­chen Ängs­ten wie er ge­quält.

Aber im­mer, in all den end­lo­sen qual­vol­len Traum­stun­den, da der am Tage tä­ti­ge und ener­gi­sche Dr. Doll aus­ge­löscht und nur Angst in ihm war – aber im­mer in die­sen mör­de­ri­schen Schlaf­mi­nu­ten sah er noch ein an­de­res. Und das, was er sah, war dies:

Am Ran­de des Trich­ters sa­ßen schwei­gend und still und ohne eine Be­we­gung die Gro­ßen Drei. Noch im Trau­me nann­te er sie nur mit die­sem Na­men, den der Krieg un­aus­lösch­lich in sein Hirn ge­brannt hat­te. Dazu fan­den sich dann die Na­men Churchill, Roo­se­velt und Sta­lin, ob­wohl ihn der Ge­dan­ke manch­mal quäl­te, dass es da vor kur­z­em noch eine Ver­än­de­rung ge­ge­ben habe.

Die­se Gro­ßen Drei sa­ßen dicht bei- oder doch nicht weit aus­ein­an­der; sie sa­ßen, wie sie eben aus ih­rer Welt­ge­gend ge­kom­men wa­ren, und starr­ten voll stum­mer Trau­er in den un­ge­heu­ren Trich­ter hin­ab, auf des­sen Grund Doll mit sei­ner Fa­mi­lie und das deut­sche Volk und alle Völ­ker Eu­ro­pas wehr­los und be­schmutzt la­gen. Und wäh­rend sie so stumm und vol­ler Trau­er sa­ßen und starr­ten, wuss­te Doll mit al­ler Be­stimmt­heit in sei­nes Her­zens tiefs­tem Grun­de, dass die Gro­ßen Drei un­un­ter­bro­chen dar­über nach­grü­bel­ten, wie ihm, dem Doll, und mit ihm al­len an­de­ren wie­der auf­zu­hel­fen und wie aus ei­ner ge­schän­de­ten wie­der eine glück­li­che Welt auf­zu­bau­en sei. Ja, dar­über grü­bel­ten sie un­un­ter­bro­chen, die Gro­ßen Drei, wäh­rend end­lo­se Krä­hen­schwär­me über das be­frie­de­te Land heim­zo­gen, von den Schlacht­fel­dern der Welt zu ih­ren al­ten Hors­ten, und wäh­rend stil­le Quel­len un­hör­bar rie­sel­ten, de­ren Was­ser den gel­ben Lehm­brei sei­nem Mun­de im­mer ge­fähr­li­cher na­he­brach­ten.

Er aber, Doll, konn­te gar nichts tun, mit den eng an sei­nen Leib ge­press­ten Ar­men muss­te er stil­le lie­gen und war­ten, bis die trau­rig grü­beln­den Gro­ßen Drei zu ei­nem Ent­schlus­se ge­kom­men wa­ren. Dies war viel­leicht das Al­ler­quälends­te in die­sem Angst­traum für Doll, dass er, noch im­mer von vie­len Ge­fah­ren be­droht, nichts tun konn­te, son­dern stil­le war­ten muss­te, eine end­lo­se, end­lo­se Zeit! Die lee­ren Häu­ser­fassa­den konn­ten noch über ihn ein­bre­chen, die lei­chen­hung­ri­gen Krä­hen­schwär­me den Wehr­lo­sen ent­de­cken, der gel­be Lehm sei­nen Mund fül­len: Er konn­te gar nichts tun, nur war­ten, und viel­leicht wur­de es über die­sem War­ten für ihn und die Sei­nen, die er sehr lieb­te, zu spät … Vi­el­leicht gin­gen sie doch noch alle zu­grun­de!

Es dau­er­te eine sehr lan­ge Zeit, bis die letz­ten Res­te die­ses quä­len­den Angst­traums Doll ver­lie­ßen; völ­lig frei wur­de er erst von ih­nen, als eine Wen­dung sei­nes Le­bens ihn zwang, das Grü­beln auf­zu­ge­ben und wie­der ein tä­ti­ger Mensch zu sein. Aber noch viel län­ger dau­er­te es, bis Doll klar er­kann­te, dass die­ser gan­ze, aus sei­nem In­nern ge­spens­tisch auf­ge­tauch­te Angst­traum ihn nur narr­te und täusch­te. So qual­voll die­ser Traum auch war, Doll hat­te an sei­ne Wahr­heit ge­glaubt.

Sehr lan­ge dau­er­te es, bis er be­griff, dass da nie­mand in der Welt war, be­reit, ihm aus dem Dreck auf­zu­hel­fen, in den er ge­stürzt war. Kein Mensch, nicht die Gro­ßen Drei, von sei­nen Lands­leu­ten ganz zu schwei­gen, in­ter­es­sier­te sich für Dr. Doll. Wenn er im Lehm­brei ver­kam, umso schlim­mer für ihn, aber nur für ihn! Kein Herz auf der Welt wur­de schwe­rer dar­um. Wenn er ernst­lich den Wunsch hat­te, noch ein­mal et­was zu ar­bei­ten und dar­zu­stel­len, so war es sei­ne Sa­che al­lein, die­se Apa­thie zu über­win­den, auf­zu­ste­hen, den Dreck von sich...

Erscheint lt. Verlag 1.7.2025
Reihe/Serie Hans Fallada bei Null Papier
Hans Fallada bei Null Papier
Verlagsort Neuss
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Schlagworte Alkohol • Alkoholismus • Armut • Berlin • Berlinerisch • Drittes Reich • Hyperinflation • Inflation • Knast • Weimarer Republik
ISBN-10 3-96281-353-5 / 3962813535
ISBN-13 978-3-96281-353-6 / 9783962813536
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