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Der junge Goedeschal (eBook)

Ein Pubertätsroman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 3., Überarbeitete Fassung
334 Seiten
Null Papier Verlag
978-3-96281-356-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der junge Goedeschal - Hans Fallada
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Das Frühwerk Falladas Dieser von Fallada als Pubertätsroman bezeichnete Band war die erste ernst zu nehmende Veröffentlichung des Autors, zu der dieser aber zeitlebens ein zwiespältiges Verhältnis haben sollte. Aus Verärgerung lies er sogar Restbestände der ersten Auflage aufkaufen und einstampfen. Das Buch hatte keinen Erfolg und es wurden kaum Tausend Exemplare verkauft. Fallada schrieb seinen ersten Roman unter dem Eindruck der Begegnung mit Egmont und Anne Marie Seyerlen. Zu Anne Marie hatte er auch ein erotisches Verhältnis und er widmete ihr diesen Roman. In einer expressiven und sprunghaften Sprache schildert Fallada die pubertären Nöte des jungen Kai Goedeschal, eines Beamtensohnes der wilhelminischen Epoche, der mit seinen Gefühlen und Wünschen bei seiner Umwelt kein Verständnis erntet. Null Papier Verlag

Hans Fallada (21. Juli 1893-5. Februar 1947), eigentlich Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen, war ein deutscher Schriftsteller. Sein nüchterner, objektiver Stil, in dem er seine fiktionalen Berichte über meist scheiternde Gestalten verfasste, macht ihn zu einem der wichtigsten Vertreter der 'Neuen Sachlichkeit'.

Hans Fallada (21. Juli 1893–5. Februar 1947), eigentlich Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen, war ein deutscher Schriftsteller. Sein nüchterner, objektiver Stil, in dem er seine fiktionalen Berichte über meist scheiternde Gestalten verfasste, macht ihn zu einem der wichtigsten Vertreter der "Neuen Sachlichkeit".

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Es klopf­te. Arne Schütt trat her­ein, groß, aus­ge­wach­sen, mas­sig ge­formt, und ging zum Lang­stuhl, in den er sich warf. Dann, wäh­rend er eine Zi­ga­ret­te an­brann­te: »Ser­vus, Kai. Was machst du?«

»Sieh da, Arne. Ich si­mu­lie­re, wie un­ser ge­mein­schaft­li­cher Freund Bie­der­mann sa­gen wür­de, über die Un­zu­läng­lich­keit des Le­bens.«

»Und?« Da Kai schwieg: »Wie­so? Wa­rum? Wes­halb?«

»Ach nichts, ich habe mich über Tap­pert ge­är­gert.«

»Nanu? Er lob­te dich über den grü­nen Klee.«

»Das ist’s ja gra­de. Du hast na­tür­lich wie im­mer nicht auf­ge­passt.«

»Bit­te. Bit­te.« Arne warf sein Ge­sicht vor, be­weg­te die Hän­de sal­bungs­voll durch die Luft und imi­tier­te ver­zerrt und faul: »Eine wa­cke­re Leis­tung, Goe­de­schal. Treff­lich nach­emp­fun­den. Was denn?«

»Du hast es ge­hört und fragst, warum ich mich är­ge­re?«

»Haupt­sa­che ist die eins.«

»Die eins ist be­lang­los, we­nigs­tens für mich. Den El­tern, Pau­kern und so wei­ter ist sie na­tür­lich die Haupt­sa­che. Aber …« Kai blieb am Fens­ter ste­hen, trom­mel­te ge­gen die Schei­ben und über­leg­te, wäh­rend er auf den von ei­nem Schnee­schau­er über­peitsch­ten Schmuck­platz sah, ob er nicht doch lie­ber schwei­gen soll­te. Aber die Lust zu spre­chen war grö­ßer als die klei­ne, im Hin­ter­grund lie­gen­de Hem­mung. »Ich sag­te vor­hin: Un­zu­läng­lich­keit des Da­seins, im Scherz. Nun wie­der­ho­le ich es ernst­haft.«

»Was hat das mit dei­nem Auf­satz zu tun?«

»Du wirst hö­ren.« Kai schwieg. Er dach­te nach, vie­les dräng­te. Um den Wor­ten mehr Ge­wicht zu ge­ben, bil­de­te er – un­be­wusst – am Mun­de zwei Fal­ten, die er dann doch gleich als ro­man­haft mar­kant är­ger­lich mit der fla­chen Hand fort­strich. Er spür­te auf den Lip­pen einen tau­ben Reiz und sag­te nun has­tig: »Hast du’s nicht schon ge­fühlt, mor­gens beim Auf­ste­hen, dass al­les so trost­los grau war? Schu­le, Schu­le, nicht ab­zu­se­hen, im­mer Schu­le, Ar­bei­ten, Pau­ker, dann die El­tern, nichts, nichts. Al­les war schon da, al­les so alt, so reiz­los. Du be­sinnst dich, du über­legst, was zu hof­fen sei, was neu­es. Du fin­dest nichts. Am Ende scheint es dir so sinn­los, dich über­haupt an­zu­zie­hen, wozu? Lebst du denn? Was ist das? Eine Ma­schi­ne, die rat­tert. Im­mer den glei­chen Gang. Du fasst die Stüh­le an, siehst dich im Spie­gel – al­les war schon da, wird so im­mer da sein. Und wäh­rend du dann am Fens­ter stehst, über­kommt es dich plötz­lich. Dei­ne Hand­ge­len­ke bren­nen. Von oben möch­test du sie in das spit­ze, split­tern­de Glas hin­ein­schla­gen, in die Puls­adern, so, so – nur da­mit du fühlst, am ro­ten Strö­men dei­nes Blu­tes fühlst: du lebst, lebst, lebst.«

Arne mach­te eine Be­we­gung, Kai rief has­tig: »Nein, jetzt nicht!« Er ging schnell auf und ab; dann ru­hi­ger: »Mehr: oder dann, abends, im Ein­schla­fen, wenn ich träu­me, ist es, als ob ein Schlei­er fällt und noch ei­ner und wie­der ei­ner. Ich ste­he auf den Ze­hen, drän­ge mich an die Luft, schmie­ge mich in sie hin­ein, nä­her, nä­her, ich zit­te­re. In den Fin­ger­spit­zen bebt schon die Nähe wär­me­rer Strö­me. Aber dann – dann ist ein Wi­der­stand da, nichts von au­ßen, in mir – nein, nein, auch nicht in mir, – ein Wi­der­stand, und gren­zen­los ent­täuscht sehe ich nichts als Schlei­er, Ne­bel, Ne­bel.«

»Das ver­schlei­er­te Bild von Sais, mein Lie­ber, das ha­ben wir alle ge­fühlt.«

»Wie falsch, o, wie falsch, was du sagst. Hat’s dich nie über­rascht, wenn du et­was re­de­test, ganz plötz­lich, sehr heiß: dies hast du doch nicht ge­sagt? Eben sprach doch et­was aus dir? – Oder – du liegst im Bett und dann merkst du ein war­mes Quel­len in der Nähe, du ahnst die Wär­me ei­nes an­de­ren Kör­pers und du duckst dich ganz hin­ein in dich, du wirst ganz klein, nur noch Kern und dei­ne Ner­ven­spit­zen ste­cken voll War­ten in der Dun­kel­heit und du war­test, du at­mest nicht, war­ten, war­ten … jetzt! Jetzt kommt es! – Du wirfst die ge­spreiz­ten Hän­de in die Luft – – – nichts! nichts! Es war wie­der nichts!«

Stil­le. Auf dem Gang drau­ßen Schrit­te, die nä­her­ka­men, an der Tür zö­ger­ten und wei­ter ver­hall­ten. Eine Tür klapp­te. Arne warf von der Sei­te einen ra­schen Blick auf den Freund und sah ver­le­gen fort.

»Aber das al­les ist nicht das Schlimms­te. Es gibt an­de­res. Grau­en­haf­tes. Hast du schon ein­mal die Au­gen der Leu­te an­ge­se­hen? Auf der Stra­ße? Alle Au­gen sind ge­stor­ben, sind tot. Es ist, als sei­en Häut­chen über sie ge­wach­sen. Manch­mal sehe ich mich voll Angst im Spie­gel an, voll elen­der Angst, auch mei­ne Au­gen könn­ten schon so sein. Dass ich falsch sehe, falsch se­hen muss. Nicht mehr das Le­ben se­hen kann. Und das ist es ja: es muss ja doch kom­men, muss doch. Das nun, das ist Frat­ze­rei, Ver­zer­rung, Tod. Und da, im War­ten baut man sich et­was, ein Stück Land, ein Fleck­chen Gar­ten, das ei­nem selbst ge­hört, in dem man zu Haus ist, das sagt: du lebst, du bist du.«

Arne sag­te, un­über­zeugt: »Ich ver­ste­he. So dein Auf­satz.«

Kai schwieg, dann wie­der stil­ler: »Als ich schrieb, wan­der­te ich drau­ßen in der Ein­sam­keit auf der Su­che. Ich stürm­te alle Hü­gel hin­an, zu mei­nen Fü­ßen ra­schel­te das ge­pan­ther­te Laub des Ahorn. Mei­ne Ein­sam­keit flog oben am Him­mel über mir als Ha­bicht. Ich war es, mein nä­he­res Le­ben wein­te, als ich mein Haupt zwi­schen Gun­der­mann und Schafgar­be am stau­bi­gen Gra­ben­rand schluch­zen ließ. Ich schäm­te mich, als ich den Auf­satz ab­gab. Nachts zit­ter­te ich, dass hier ein we­nig Wahr­heit, die ich nie bei an­de­ren fand, of­fen an den Tag trat. Sah ich sein blas­ses Ge­sicht mit dem spitz ver­schnit­te­nen Bart über die Ar­beit ge­beugt, press­te ich mei­ne Hän­de zu­sam­men, um nicht auf­zu­schrei­en. Dann gab er sie zu­rück. Es zuck­te in sei­nen Mund­win­keln, als er mich an­sah. Ich hät­te ihn er­schla­gen mö­gen, weil er wuss­te, es wuss­te.«

Er lehn­te den Kopf an die Schei­ben, er schwieg. Drau­ßen trieb der Ost­wind noch im­mer in schrä­gen Stri­chen Mil­lio­nen Schnee­flo­cken dem Bo­den zu. Kai folg­te ei­nem Kris­tall, bis es ir­gend­wo im Stru­del ver­schwand, seufz­te auf und wand­te sich wie­der zu Arne, der sprach: »Und was nennst du je­nes Le­ben, auf das du so war­test?«

Kai sag­te still: »Ich weiß es nicht.«

»Im Grun­de möch­test du nur raus, möch­test du nur was an­de­res. Die­ses hier lang­weilt dich, das ist al­les.«

»Et­was an­de­res, ja«, wie­der­hol­te Kai.

Nun war Arne im Fluss: »Ich will dir et­was sa­gen: du lebst zu al­lein. Ich weiß schon, die an­de­ren sind alle Pro­le­ten, mit de­nen kom­me ich dir auch gar nicht erst. Aber das: du hast dies Pech ge­habt mit dei­ner Krank­heit, gra­de als die Tanz­stun­de an­fing. Wä­rest du mit da­bei, wür­dest du nicht so re­den.«

Kai lä­chel­te: »Mag sein.«

»Nein, du brauchst nicht zu la­chen, ich mei­ne na­tür­lich nicht das Tan­zen, aber die jun­gen Mä­dels. So bist du zu al­lein. Du musst dich ver­lie­ben.«

»Geht das so auf Kom­man­do?«

»Du weißt nicht, wie schön das ist, Kai.«

»Du hast gut re­den. Wie soll ich das tun? Ich kann nicht zum nächs­ten jun­gen Mäd­chen auf der Stra­ße sa­gen: ›Mein gnä­di­ges Fräu­lein, ich lie­be Sie!‹«

»Na­tür­lich nicht. Aber komm mit in die Tanz­stun­de. Ich füh­re dich als Gast ein. Heu­te ha­ben wir großen Schluss­ball. Vi­el­leicht, dass du je­mand fin­dest.«

Und, als Kai schwieg: »Fräu­lein Rei­ser, mei­ne Dame, hat eine...

Erscheint lt. Verlag 1.7.2025
Reihe/Serie Hans Fallada bei Null Papier
Hans Fallada bei Null Papier
Verlagsort Neuss
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Schlagworte Alkohol • Alkoholismus • Armut • Berlin • Berlinerisch • Drittes Reich • Hyperinflation • Inflation • Knast • Weimarer Republik
ISBN-10 3-96281-356-X / 396281356X
ISBN-13 978-3-96281-356-7 / 9783962813567
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