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Anton und Gerda (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 3., Überarbeitete Fassung
311 Seiten
Null Papier Verlag
978-3-96281-350-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Anton und Gerda - Hans Fallada
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Falladas Frühwerk - »Menschen? Hungrige Hirne, mit Schleckerei gefüttert, schlaff gemacht.« Der mittellose Dichter Anton Färber ist bei Freunden auf dem Land untergekommen. Aus einer plötzlichen Laune heraus, begibt es er sich auf eine Wanderung ans Meer. Und er (oder der Autor?) erinnert sich zurück an sein Elternhaus. Das experimentelle Frühwerk Falladas, das zwischen langen Monologen, knappen Dialogen und rätselhaften Geschehnissen changiert und schwer zu erarbeiten ist. Man weiß nie genau, ob das, was passiert, real ist, ob es vielleicht mal passiert ist oder ob es nur den Wünschen Färbers (Falladas?) entspringt. Null Papier Verlag

Hans Fallada (21. Juli 1893-5. Februar 1947), eigentlich Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen, war ein deutscher Schriftsteller. Sein nüchterner, objektiver Stil, in dem er seine fiktionalen Berichte über meist scheiternde Gestalten verfasste, macht ihn zu einem der wichtigsten Vertreter der 'Neuen Sachlichkeit'.

Hans Fallada (21. Juli 1893–5. Februar 1947), eigentlich Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen, war ein deutscher Schriftsteller. Sein nüchterner, objektiver Stil, in dem er seine fiktionalen Berichte über meist scheiternde Gestalten verfasste, macht ihn zu einem der wichtigsten Vertreter der "Neuen Sachlichkeit".

Erstes Buch
Warum müssen Hunde nachmittags bellen?
Spazierwandeln. Anfang
3 – Spazierwandeln. (Fortgesetzt)
Schwer. Schwer
Fortsetzung
Mulus in jedem Belang
Trautes Heim – Glück alleim
Vollkommen unverständlich
Der zu Schleifende
Kotzen
Trara! Trara!
Seltsam unverständliches Gespräch
Denkens Beginn
Heimgang in der Frühe
Horche auf, Kleiner …
Der Träumer legt sich von der Herzseite auf die rechte
Abgetan im Unratwinkel
Fiebertag
Abfuhr
Kleines Gewitter
Mutter und Sohn
Onkel Otto
Der Traum
Angst
Im Garten
Schaukel und Kokotte
Der Gummi
Garten im Mondschein
Eine Wolkenwand vorm Monde
Zweites Buch – Auftakt
Heimkunft
Wiedersehen
Letzter Rundgang
Kleinmädchengeschichte
Die Zeitung
Hotelhalle
Wirbel
Abend
Diskorde
Nacht
Refrain
Noch Nacht, bald Dämmern
Morgen
Mittag … doch bald Dämmerung
Drittes Buch – Im Wartesaal
Erinnerung
Wind, Wellen, Nacht erzählt
Fremde Stadt
Lokal
Begegnungen
Irre … wo Ziel?
Angst
Gesang von Wind und Wellen, Gesang der Nacht
Erwachen
Wie werde?
Nachtwanderung
Nachtvergnügung
Schlafsaal
Halbe Heimat
Fort, nur zu ihr …
Marsch
Das Sandfarbene
Wartesaal
Viertes Buch – Motiv
Hierhin – dorthin
Dampfer Möwe
Dämmerungswege …
Halbwach
Das andere Gesicht
Die Glücks- und Unglückstage
Morgen am Meer
Strand, Sand, Sonne
Verhalten
Tage … Nächte …
Variationen über ein Thema
Zwei Briefe
Zwei Gegner
Entspannung
Mahnung …
Freundin?
Feindin …?
Vor dem Brief
Brief – Katze – Brief
Intermezzo …
Noch einmal der Strand …
Und das Meer …

Fiebertag


Längst schlug die Uhr fünf. Lich­ter wur­de die Nacht.

Schon er­kennt er, ver­ne­belt noch, die schnörk­li­gen Hoch­gie­bel der al­ten Häu­ser mit ih­ren La­de­lu­ken, am Wall.

Nicht nur sie. Eine klei­ne hol­de Ge­stalt streicht ihm ent­ge­gen – sein Herz stockt: »Nein, nein, wie soll­te sie es sein?« –, eine Hand fasst ihn, und aus dem Stimm­klang ahnt er das fro­he Lä­cheln hin­term Schlei­er­hauch, als sie ihn grüßt: »Siehst du, da bist du!« Und: »Du muss­test ja kom­men.«

»Frei­lich, ich woll­te wäh­len, über­le­gen, doch dann merk­te ich, dass al­les längst be­schlos­sen.«

(»Aber das sage ich dir nicht, dass ich dich ver­riet. Selbst dir nicht!«)

»Nun aber hin­auf mit dir! Wie kalt dei­ne Hän­de sind und wie feucht!«

(»Ja – doch! Ein­mal wer­de ich dir auch das sa­gen kön­nen … einst.«)

»So, und nun hier die Stu­fen. Wart einen Au­gen­blick, schlie­ße das Haus nur noch zu. – Hier sind wir.«

Der Schal­ter knackt, Licht flammt auf, und in ih­rem Auf­schrei – »Gott, wie siehst du aus!« – er­blickt er vor sich einen Jun­gen, blut­lee­ren Ge­sich­tes, Haa­re wild in der Stirn, mit flam­men­dem Mund wie ein Wun­driss, ge­beu­tel­ten Klei­dern, feuch­ten, ver­dreck­ten, und dem ir­ren­den Blick ei­nes Zweif­lers.

Ja, auch er zwei­felt, wen­det sich ab, zwei­felt mit dem Mund, irrt mit den Au­gen, wen­det sich ab.

Da be­greift der Acht­zehn­jäh­ri­ge, dass er in die­sen re­gen­ge­stri­che­nen, wind­durch­s­aus­ten Nacht­stun­den noch an­de­re Wege ging wie die lehm­feuch­ten des Walls, bit­te­re Wege, be­greift’s, dass die grad­li­ni­gen amö­nen Wie­sen­pfa­de pas­siert sind, dass nun die He­cken und Knicks kom­men, die so stach­lig sind, un­über­sicht­lich, eng.

War es dies, das ihn mur­meln mach­te: »Ver­ur­teilt vor der Schuld und ver­dammt ohne Be­ru­fung …?«

Sie stand ne­ben ihm, sah das Wei­cher­wer­den des Ge­sichts – schon zuck­te die Lip­pe –, und sie ahn­te viel­leicht, dun­kel und trü­be, das Zer­ren der al­ten Ban­de, das Er­wa­chen ei­ner Stall­mü­dig­keit, das Erin­nern an wel­che El­tern, aber weich­hän­dig spielt sie die Sträh­nen aus der Stirn, schmei­chelt die Fal­ten fort, ruft: »Was schaust du dich an? Wirst dich doch ken­nen. Dort hin­ein und ins Bett. Ei­nen Tee koch ich dir …«

Im Zim­mer stand er, sah um sich, at­me­te auf. »Al­lein! Sie hat mich nicht er­ra­ten!«

Wun­der­sam strei­chelt die glat­te Küh­le der La­ken die er­hitz­ten Glie­der, sei­dig schmiegt sich das Kis­sen in den Na­cken, die Li­der sin­ken zu, und nur die Nase noch schnup­pert nach ei­nem Ge­misch von Düf­ten, das sie zu un­ter­schei­den be­ginnt, aber des­sen Be­stand­tei­le sie nicht be­stim­men kann. Klei­ne Bil­der blü­hen hin­ter den ge­schlos­se­nen Li­dern auf: ein ova­ler Ring in lila Far­be, bläu­li­che Flämm­chen za­cken von ihm, dann ein tief­blau­er Ball mit weiß­gol­de­nem Rand, dann – und er reißt die Au­gen auf, fal­tet die Hän­de, als ihm ein­fällt, dass es viel­leicht sinn­los ist, das Abend­ge­bet zu spre­chen, da sich doch al­les so ver­än­der­te. Aber auch das muss erst durch­dacht wer­den, er wird das Ge­bet so lan­ge zu­rück­stel­len und auch ge­ra­de hier, ob es nicht hier ge­schmack­los ist?

»Aber nein, gra­de hier …« und stei­gen­den Trotz in sich und das Be­wusst­sein, wie kin­disch doch sol­cher Trotz, be­tet er – ge­gen die an­de­ren, ge­gen die El­tern und auch ge­gen ihn, den Gott – sein Va­terun­ser, at­met ein paar­mal rasch, schluckt, fühlt das Be­dürf­nis, laut zu sa­gen: »Al­les egal!«, und bläst wie­der in die Kis­sen.

Als die Tür auf­geht und er hell­wach tas­ten­den Schrit­ten lauscht.

»Jo?«

»Ja?«

»Ich habe dir dei­nen Tee ge­bracht. Aber al­les Licht ist aus. Ja, hät­test du nur we­nigs­tens die Nacht­lam­pe an­ge­las­sen. Wie soll man denn …«

Ganz lei­se und zag: »Ver­zeih nur.«

Das Licht glüht sanft, sie sagt: »O du Dum­mer du, wie soll ich denn im Dun­kel mein Bett fin­den?«

»Ich dach­te … dein Bett …«

»Ja, mein Bett … wie …?«

»O ver­zeih nur …«

»Da schaust du. Wo steht es wohl, mein Bett?«

»Aber, Ger­da! Hät­test du das doch ge­sagt. Ich gehe, einen Mo­ment …«

Und er will hin­aus, hält voll Scham inne, an­gelt mit dem nack­ten Fuß in der Küh­le, sieht sie so ver­zwei­felt an, dass sie ihn aus­lacht. »Die­ses eine Zim­mer hab ich eben nur. Nein, schau nicht so ängst­lich aus, wir wer­den uns schon ver­tra­gen. Leg dich rum, schau dir die Ta­pe­te an, gleich bin ich bei dir.«

(Es ist ein Mär­chen. Ein Traum. Gleich wa­che ich auf, und Mar­tha ruft mich zum Kaf­fee. Auf­stehn, jun­ger Herr …! Gott!)

»O Ger­da, Ger­da, was habe ich ge­macht! Ich muss doch nach Haus. Was sol­len denn die El­tern den­ken, wenn ich um sie­ben nicht zum Kaf­fee da bin?«

»Gleich legst du dich wie­der hin.«

Aber er hat es schon ge­tan, denn im Auf­fah­ren sah er et­was Wei­ßes, at­mend Be­weg­tes. ›O Gott ich habe ihre Brust ge­se­hen. Nein, nein, ich darf nicht so an sie den­ken. Ich be­schmut­ze sie und mich und all mei­ne Ge­füh­le für sie, wenn ich so an sie den­ke. Aber wenn sie wüss­te!‹

Und wie­der kommt die Angst, und wie­der bet­telt er: »Lass mich doch auf­ste­hen, Ger­da. Du weißt nicht, was ge­schieht …«

»Du bleibst lie­gen. Das wäre noch schö­ner, so nass und ver­fro­ren gleich wie­der her­aus. Wo du gra­de ein biss­chen warm ge­wor­den bist. Da trin­ken die Her­ren El­tern eben ein­mal al­lein Kaf­fee. Was ist da­bei? Ein so großer Sohn …«

»Aber du ver­stehst nicht, es ist un­mög­lich …«

Doch sie lacht nur, lacht sei­ne Un­mög­lich­kei­ten in den Grund. »Wenn du jetzt nicht ganz still bist, so stel­le ich mich wie ich bin, split­ter­fa­den­nackt, vor dein Bett und neh­me dich in mei­ne Arme …«

Er sagt kein Aber mehr, er schweigt, doch er muss im­mer dar­an den­ken, was sein wird, mor­gen früh, am Kaf­fee­tisch, die El­tern, das un­be­rühr­te Bett, die Fra­gen … Und sein Kopf ist so selt­sam heiß, nun dreht sich al­les, das Bett scheint un­ter ihm fort­zu­rut­schen, wird lang, län­ger, schräg, und er glei­tet dar­auf hin­ab, rei­ßend schnell … Nein, das ist ja die War­now. Er steht auf dem Damp­fer­steg, das Was­ser glei­tet so schnell un­ter ihm, gluckst an den Pfos­ten, als lach­te es … Nun trei­ben Bla­sen, schwind­lig greift er zum Ge­län­der, will sich hal­ten, aber das Ge­län­der ist fort, er greift ins Lee­re. Und im­mer schnel­ler treibt das Was­ser, im­mer schnel­ler, singt lei­se, kühl, kühl, et­was Wei­ßes treibt dar­auf, ein Blatt Pa­pier, der Ex­amensauf­satz: Iphi­ge­nie, ein In­be­griff deut­scher Sehn­sucht, nein, es ist eine Blü­te, eine große wei­ße Blü­te, und sie treibt nä­her, im­mer nä­her, sie rührt ihn kühl an –: er schreit, er reißt die Au­gen auf. Da ist ihr Ge­sicht über ihn ge­neigt: ein Le­ben ge­nügt nicht, die­sen ih­ren Blick zu er­schöp­fen, in dem al­les liegt: Lie­be, Not, Nicht­hel­fen­kön­nen und die Angst der zu oft Ent­täusch­ten.

»Ist dir bes­ser, ar­mer Jun­ge?«

»Das ist dein Ge­sicht, Ger­da? O das ist gut. Hal­te es nahe. Es weht kühl von ihm, aber in mir ist eine Hit­ze, ich ver­bren­ne. Das ist die Sün­de in mir, die den Leib ver­brennt …«

»Was soll­test du wohl für eine Sün­de in dir ha­ben, mein klei­ner Kerl?«

»Das ist die Sün­de, dass ich falsch ge­dacht habe und sünd­haft, dass ich hoch­mü­tig ge­we­sen bin und ehr­gei­zig und stolz. Er aber hat ge­sagt: ich will dei­ne Sün­den von dir neh­men und dich rein wa­schen wie ein Lamm, das zur Scher­bank kommt. Nein, das ist nicht der Spruch, den ich mei­ne. Wo steht er doch? Er steht im ers­ten Bu­che Mo­sis und...

Erscheint lt. Verlag 1.7.2025
Reihe/Serie Hans Fallada bei Null Papier
Hans Fallada bei Null Papier
Verlagsort Neuss
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Schlagworte Alkohol • Alkoholismus • Armut • Berlin • Berlinerisch • Drittes Reich • Hyperinflation • Inflation • Knast • Weimarer Republik
ISBN-10 3-96281-350-0 / 3962813500
ISBN-13 978-3-96281-350-5 / 9783962813505
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