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Jerry Cotton 3164 (eBook)

Angriff aus dem Nichts

(Autor)

eBook Download: EPUB
2018 | 1. Aufl. 2018
64 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-5836-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Jerry Cotton 3164 - Jerry Cotton
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Ein Cyberangriff auf das Bostoner Energieuntnernehmen Lightning Energy hatte zu einem fünfstündigen Blackout in mehreren Städten an der Ostküste geführt - mit dramatischen Folgen: Ausgefallene Ampelanlagen hatten Massenkarambolagen verursacht, Notstromaggregate in Krankenhäusern waren ausgefallen, in einer U-Bahn war es zu tumultartigen Szenen gekommen. Mai-Lin, unsere Computerspezialistin, hatte die DDos-Attacke bis zum Massachusetts Institute of Technology in Cambridge zurückverfolgen können. Bevor Phil und ich uns richtig auf dem Unicampus umsehen konnten, geschah der nächste Stromausfall und tauchte die Welt in tiefste Dunkelheit ...

Jonathan Waters war früh ins Büro gekommen. Er musste ein Zeichen setzen. Die Zahlen standen schlecht, es ging schon seit einer Weile bergab mit der Firma. Das wussten auch die Mitarbeiter. Waters war zum Geschäftsführer ernannt worden, um das zu ändern. Da sah es gut aus, wenn er als Erster auf der Arbeit war.

Wobei es noch einen anderen Grund gab, weshalb er bereits um halb sechs morgens im Büro war. Er wollte auf keinen Fall verpassen, wie es anfing. Denn heute würde sich das Blatt wenden.

Waters kam mit einer Tasse dampfenden Kaffees aus der Küche, als die Deckenlampe in seinem Büro zu flimmern begann. Auch die Schreibtischlampe flackerte, erlosch kurz, leuchtete dann wieder. Ein elektrisches Surren lag in der Luft. Waters ließ sich auf seinen Schreibtischstuhl fallen und nahm vorsichtig den ersten Schluck Kaffee. Das Getränk war genauso, wie er es mochte: so heiß, dass man sich fast die Zunge verbrannte.

In seinem Drehstuhl wandte er sich zum Fenster hinter dem Schreibtisch um, von dem aus er die Essex Street überblickte. Im Gebäude gegenüber, in dem sich Versicherungsbüros befanden, brannte bereits Licht in den ersten Fenstern. Oder besser gesagt: Es flackerte. Auch die Straßenlaternen leuchteten nicht mehr gleichmäßig, sondern mal heller, mal dunkler. Zwischendurch setzten sie ganz aus.

Waters warf einen Blick auf seine Armbanduhr. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis die Kettenreaktion einsetzen würde. Die Zeit spielte für ihn: Je später es wurde, desto mehr Menschen standen auf, schalteten ihre Lampen an, ihre Kaffeemaschinen und Toaster, ihre Fernseher und Computer. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Stromnetze vollends kapitulierten.

Blackout.

Waters setzte die Kaffeetasse erneut an, als es im Zimmer dunkel wurde. Ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. Er öffnete das Fenster und lehnte sich hinaus, um eine bessere Sicht auf das Schauspiel zu haben. Das Gebäude gegenüber war in Dunkelheit getaucht. Hier und da gingen Fenster auf, Menschen steckten die Köpfe heraus.

Auch das Licht der Straßenlaternen war erloschen, und die Ampeln an der Kreuzung leuchteten nicht mehr. Zwar würde noch eine Weile vergehen, bis die Bostoner Rushhour ihren Höhepunkt erreichte, aber schon jetzt bildeten sich Schlangen von Autos vor der Kreuzung. Waters hörte Bremsen quietschen und Hupen tönen. Keine Minute später verkündete ein lautes Krachen den ersten Unfall.

Waters wandte sich nach links. Aus der im Dunkeln liegenden South Station Boston strömten Menschen. Er konnte sich das Chaos im Inneren des Bahnhofs lebhaft vorstellen.

Er hatte genug gesehen. Waters schloss das Fenster und schaltete das kleine, batteriebetriebene Radio auf seinem Schreibtisch an, das er extra mitgebracht hatte.

Die Moderatorin klang aufgeregt. »… betroffen von dem Stromausfall ist nicht nur ganz Massachusetts. Auch in Connecticut, New Hampshire und Rhode Island ist es zu Ausfällen gekommen. Die Polizei konnte uns zu den Ursachen bislang nichts sagen. Sie bittet die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren, möglichst das Haus nicht zu verlassen und die Autos in der Garage zu lassen.«

Waters lächelte.

»Zwar wollte die Polizei uns das nicht offiziell bestätigen«, fuhr die Moderatorin fort, »aber unsere Quellen sagen, dass hinter dem Blackout ein Hackerangriff auf das Stromnetz stecken könnte. Möglicherweise handelt es sich sogar um einen Terroranschlag. Wenn es neue Entwicklungen geben sollte, erfahren Sie es bei uns …«

Waters fuhr sich durchs Haar. Alles lief nach Plan. Und der nächste Schritt war schon vorbereitet. Er warf einen bedauernden Blick in seine halbleere Tasse. Das Einzige, was er vergessen hatte, war eine Thermoskanne Kaffee.

***

Ich hätte das Ding am liebsten aus dem Fenster des Jaguar geworfen. Genervt tippte ich auf dem Touchscreen meines Smartphones herum, dann drückte ich die Knöpfe an der Seite. Aber es tat sich nichts. Der Bildschirm blieb eingefroren. Das Handy hatte mir in vielen Einsätzen gute Dienste erwiesen. Aber in den letzten Tagen streikte es immer häufiger. Als ich vorhin meine dienstlichen E-Mails hatte abrufen wollen, hatte es komplett den Geist aufgegeben.

Ich stand an der üblichen Ecke, um Phil abzuholen, der sich heute Morgen ein wenig verspätete. Als mein Partner schließlich einstieg, warf ich ihm das Smartphone auf den Schoß.

»Hey«, protestierte Phil. »Ich weiß, dass ich zu spät bin, aber das ist kein Grund, mich mit Handys zu bewerfen.«

Ich wusste, dass er nur einen Scherz machen wollte, aber dafür hatte ich gerade einfach keinen Nerv.

»Mein Handy spinnt sein Tagen. Kannst du mal versuchen, es wieder zum Laufen zu bringen?«

Phil kannte sich besser mit Technik aus als ich. In Einsätzen war er derjenige, der immer seinen Laptop dabeihatte. Doch vor meinem Handy musste auch er kapitulieren. Nachdem er ein paarmal erfolglos darauf herumgedrückt hatte, zuckte er mit den Schultern.

»Lässt sich nicht mal neustarten«, meinte er. »Ist wohl ein Fall für Mai-Lin.«

Jetzt musste ich wider Willen doch lachen. Dr. Mai-Lin Cha war die Computerexpertin und Mathematikerin des Scientific Research Team in Quantico. Sie hatte sicher Wichtigeres zu tun, als sich um mein Handy zu kümmern.

»Ein Fall für Mai-Lin wäre es nur, wenn sich herausstellen sollte, dass sich irgendein ausländischer Geheimdienst auf mein Smartphone eingehackt hat.«

»Das kann ich mir kaum vorstellen«, brummte Phil.

»Ich vermute eher, dass das Gerät das Zeitliche segnet, weil es im Einsatz ein paarmal zu oft einen Schlag abgekriegt hat.«

»Oder weil der Besitzer nicht fachgerecht damit umgegangen ist«, sagte Phil grinsend. »Vielleicht solltest du die gesamte Technik künftig mir überlassen.«

Ich lachte, wieder etwas besser gelaunt. »Dann müsstest du uns in Zukunft ja auch zur Arbeit fahren. Nein, lass mal gut sein. Ich bin sicher, unsere IT-Abteilung kriegt das Ding wieder hin.«

***

Im FBI-Hauptquartier im J. Edgar Hoover Building fing uns Dorothy Taylor, die Sekretärin unseres Chefs, bereits auf dem Flur ab.

»Mister High erwartet Sie«, sagte sie.

Phil und ich tauschten einen Blick. Das konnte nur bedeuten, dass er einen neuen Fall für uns hatte. Angesichts der Tatsache, dass ich ansonsten einen Bericht zu unserem letzten Fall hätte fertigstellen müssen, kam mir das gelegen. Den Papierkram ließ ich nur zu gern noch ein paar Tage liegen.

Im Büro von Assistant Director High bot sich uns die nächste Überraschung. Denn nicht nur unser Chef erwartete uns, sondern auch Mai-Lin, die per Videokonferenz zugeschaltet war. Phil und ich ließen uns auf die Besucherstühle gegenüber von Mr Highs Schreibtisch nieder.

»Sie haben wohl schon von Jerrys Problemen mit seinem Handy gehört«, witzelte Phil. »Hat sich etwa doch jemand eingehackt?«

»Was?«, fragten Mr High und Mai-Lin fast gleichzeitig. Beiden stand das Entsetzen ins Gesicht geschrieben.

Ich hob beschwichtigend die Hände. »Phil macht nur einen Scherz. Mein Handy funktioniert seit einigen Tagen nicht richtig. Aber ich vermute, dass irgendein technisches Problem dahintersteckt.«

Mr High sah nicht beruhigt aus. »Besser, Sie geben das Telefon sofort in die IT-Abteilung, Jerry. Die Kollegen werden überprüfen, ob sich darauf Schadsoftware befindet. Eigentlich sollten unsere Diensttelefone gegen Cyberangriffe geschützt sein. Aber man weiß ja nie …«

»Ich habe wirklich nur einen Scherz gemacht, Sir«, murmelte Phil mit rotem Kopf.

»Sicher ist sicher«, sagte unser Chef. »Geben Sie das Smartphone gleich Dorothy. Sie wird alles Weitere veranlassen und Ihnen ein Ersatzhandy besorgen, Jerry. Und jetzt zum eigentlichen Grund, warum ich Sie beide gerufen habe. Sie haben sicher von dem Blackout vor drei Tagen an der Ostküste gehört.«

Phil und ich nickten. Auch die Washingtoner Medien hatten über den Stromausfall am vergangenen Freitag in Massachusetts, Connecticut, New Hampshire und Rhode Island berichtet. Er hatte fast fünf Stunden gedauert und dramatische Folgen gehabt: Ausgefallene Ampelanlagen führten zu Massenkarambolagen. In einer vollen U-Bahn, die in einem Tunnel stecken geblieben war, brach eine Massenpanik aus, bei der mehrere Menschen verletzt wurden. In einem Krankenhaus in Springfield fiel das Notstromaggregat aus, sodass Patienten mit dem Helikopter in andere Kliniken geflogen werden mussten.

Einige Medien hatten zunächst über einen Terroranschlag spekuliert. Mittlerweile hieß es aber, dass technische Probleme eines großen Energielieferanten zu dem Blackout geführt hatten.

»Die Ursache des Stromausfalls wurde bisher nicht öffentlich gemacht«, sagte Mr High. »Denn es handelt sich um ein hochsensibles Thema: Der Blackout wurde durch einen Cyberangriff auf das Bostoner Energieunternehmen Lightning Energy ausgelöst.« Er wandte sich an Mai-Lin. »Agent Cha, können Sie Jerry und Phil bitte die technischen Hintergründe erklären?«

Mai-Lin nickte eifrig. »Es war eine sogenannte DDoS-Attacke. Das bedeutet Distributed Denial of Service, also eine verbreitete Verweigerung des Dienstes. Dabei schicken die Angreifer, vereinfacht gesagt, massenhaft elektronische Anfragen an den Zielserver. Irgendwann ist er so überlastet, dass er den Dienst einstellt.«

»Ich verstehe«, sagte ich.

»Genau das ist im Fall von Lightning Energy passiert. Der Hauptserver stürzte ab. Dadurch wurde die Verbindung zum Industriesteuerungssystem getrennt, das die Energieverteilung regelt. Das System fuhr herunter – mit den uns...

Erscheint lt. Verlag 6.2.2018
Reihe/Serie Jerry Cotton
Jerry Cotton
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Abenteuer • Al Capone • alfred-bekker • Anna Basener • Bahnhofsroman • Bestseller • Cora • Deutsch • eBook • eBooks • Groschenheft • Hamburg • Heft • Heftchen • Heftchen-Roman • Heftroman • Heft-Roman • Jerry Cotton • Kindle • Klassiker • Krimi • Kriminalgeschichten • Kriminalroman • Krimis • martin-barkawitz • Mira • Polizeiroman • Pulp • Pulp Ficition • Romanheft • Roman-Heft • schwerste fälle • serial content • Serial Novel • Serial Novels • Serie • Serien • Seriennovellen • Soko-Hamburg • spannende Krimis • Spannungsroman • Tatort • Terror • thomas-herzberg • Thriller • Wegner
ISBN-10 3-7325-5836-3 / 3732558363
ISBN-13 978-3-7325-5836-0 / 9783732558360
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