Dr. Stefan Frank 2432 (eBook)
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-5997-8 (ISBN)
Jonathan kann es kaum fassen, als sich ausgerechnet die bekannte und wunderschöne Schauspielerin Marie Burghardt in seiner Logopädie-Praxis einfindet. Dr. Stefan Frank hat die junge Frau an ihn vermittelt, da ihr Stimmprobleme zu schaffen machen.
Von Anfang an scheint zwischen Jonathan und Marie eine ungewöhnliche Verbindung zu existieren, die über das Berufliche hinausgeht. Nach einer gemeinsam besuchten Veranstaltung überrascht Marie ihn schließlich mit einem Kuss.
Der Stimmtherapeut ist zunächst überglücklich, doch recht schnell folgt die Ernüchterung. Als er nämlich seinerseits einen Schritt auf Marie zugehen will, blockt sie erschrocken jeden Annäherungsversuch ab, und einem Wiedersehen weicht sie aus. Hat er sich ihre Zuneigung nur eingebildet? War das alles für sie nur ein Spiel? Oder hat er sie mit etwas verschreckt?
Jonathan ahnt nicht, dass die erfolgreiche Schauspielerin ein Trauma mit sich herumträgt, dass es ihr nahezu unmöglich macht, seine Liebe zuzulassen ...
Die lauten Rufe des Regisseurs waren bis ins Praxisklo zu hören. Schwester Martha lauschte. Dann wusch sie sich energisch die Hände am Waschbecken, rubbelte sie trocken und zupfte vor dem Spiegel ihr Haar zurecht.
Es geschah nicht alle Tage, dass ihr Arbeitsplatz zu einem Filmset umfunktioniert wurde. Sie musste auf alles vorbereitet sein!
Nicht auszudenken, wenn Robin Deuber plötzlich auf die Toilette musste! Was, wenn er mit einem Schlag leibhaftig vor ihr stand?! Und wenn sie ihn hierher zum stillen Örtchen begleiten musste? Nein, es war wichtig, dass ihre Frisur saß!
Martha Giesecke nickte zufrieden und versprühte etwas Raumspray in der Luft. Sie warf ihrem Spiegelbild noch einen letzten kritischen Blick zu und ging dann endlich zurück zu ihrer Kollegin.
Marie-Luise Flanitzer stand mit verzücktem Gesichtsausdruck am Fenster.
„Beeilen Sie sich doch, Schwester Martha! Er steigt gerade aus dem Auto …“, stammelte sie und fasste sich ans Herz. „Der Kerl sieht einfach zum Dahinschmelzen aus!“
Schwester Martha drängte sich neben Marie-Luise. Jetzt sah sie ihn auch: Robin Deuber, Schwarm aller Frauen im Alter zwischen sechzehn und sechsundneunzig. Er hatte das charmante Aussehen eines jungen Leonardo DiCaprio, aber es umgab ihn auch die reife Aura eines lebenserfahrenen Robert de Niro.
Selten hatte es in der deutschen Filmlandschaft einen heißer umschwärmten Star gegeben. Robin Deuber war mit seinen gerade mal dreißig Jahren am vorläufigen Gipfel seiner Karriere angelangt.
„Das ist der Höhepunkt meines Lebens!“, schwärmte Marie-Luise Flanitzer ergriffen. „Robin Deuber, nur wenige Meter Luftlinie von mir entfernt!“
„Entfernt von uns!“, verbesserte Schwester Martha mahnend. „Ick bitte darum, unseren Star schwesterlich zu teilen. He, er hat eben rüber zum Fenster geguckt. Ick glaube, ick werd ohnmächtig!“
Hinter sich hörten die beiden ein erheitertes Lachen. Ertappt drehten sich die zwei Arzthelferinnen um. Es war ihr Chef, Dr. Stefan Frank. Der Hausarzt zeigte sich von dem Geschehen vor seiner Praxis absolut unbeeindruckt.
„Also, wenn dieser Milchbubi da draußen der Höhepunkt eines Frauenlebens sein soll …“, witzelte er. „Wie mag dann erst der Tiefpunkt aussehen? Der Junge ist ein Wichtigtuer und Schleimbolzen. So viel zu meiner fachlichen Meinung.“
Schwester Martha hielt empört die Luft an. Vor wenigen Monaten hatte die Produktionsfirma Global-Entertainment angefragt, ob sie die Genehmigung erhalten würden, ein paar Außenaufnahmen vor Dr. Franks Villa in Grünwald zu drehen. Und natürlich hatte Martha alles darangesetzt, ihren Chef zu überzeugen. Vor allem, als sie erfahren hatte, dass Robin Deuber im Film die Hauptrolle spielen würde!
Nie hätte sie es ihrem Chef verziehen, wenn er die Dreharbeiten abgelehnt hätte. Nun war der große Tag endlich da, aber zum Leidwesen der aufgelösten Mitarbeiterinnen war der Drehort auf der Straße sorgfältig abgeriegelt. So blieb ihnen nur ein schmachtender Blick aus dem Fenster.
„Robin Deuber ist ein absolutes Naturtalent!“, schwärmte Marie-Luise Flanitzer, als wäre sie seine neue Filmagentin. „Außerdem sieht er blendend aus und weiß, wie man Frauen behandelt. Er ist der letzte Gentleman, den es gibt, Dr. Frank. Haben Sie ihn nicht in seiner Paraderolle als fürsorglichen Mann der todgeweihten Kassiererin gesehen? Er hat dafür immerhin den Deutschen Filmpreis gewonnen.“
Dr. Frank schüttelte amüsiert den Kopf.
„Ich glaube nicht, dass dieser eingebildete Schnösel in den letzten Jahren je eine echte Kassiererin zu Gesicht bekommen hat“, mutmaßte er. „Bestimmt lässt er seine Einkäufe von seiner Assistentin erledigen. Im Übrigen sagen Filmrollen rein gar nichts über die Person hinter der Maske aus. Wir wissen nichts über Robin Deuber. Wir wissen rein gar nichts.“
„Jetzt kommt die Hexe!“, kreischte Marie-Luise Flanitzer plötzlich schrill auf.
Schwester Martha stellte sich auf die Zehenspitzen und ballte ihre Hände zu Fäusten.
„Ick fasse es nicht!“, brummte sie. „Ausgerechnet Marie Burghardt! Dieses Gör hat dem armen Robin in der Vergangenheit nur Unglück gebracht. Hoffentlich wickelt sie ihn mit ihrem geheuchelten Grinsen nicht gleich wieder um ihren Finger.“
Marie-Luise Flanitzer presste ihr Gesicht an die Scheibe.
„Diese falsche Schlange!“, bestätigte sie. „Erst serviert sie den armen Robin eiskalt ab, und jetzt wanzt sie sich wieder an ihn heran. Hoffentlich verfällt er ihr nicht noch einmal!“
Jetzt stellte sich Dr. Frank doch interessiert zu seinen Mitarbeiterinnen.
„Von wem sprechen Sie da, bitte?“, fragte er verunsichert.
Die zwei Frauen machten großzügig Platz und nahmen ihren Chef in die Mitte. Draußen am Set stand nun nicht mehr nur der umschwärmte Robin Deuber, sondern auch eine schüchtern wirkende rothaarige Frau.
„Det ist Marie Burghardt“, erklärte Martha Giesecke abfällig. „Sie spielt in etlichen Vorabend-Serien mit. Ick kann die einfach nicht leiden, seit sie dem armen Robin den Laufpass gegeben hat. Die Kleene spielt eindeutig mit falschen Karten.“
Dr. Frank sah seine geschätzte Mitarbeiterin erschrocken an. Normalerweise war Martha Giesecke ein Ausbund an Liebenswürdigkeit. Was nur hatte sie gegen diese arme Schauspielerin? War sie etwa eifersüchtig?
Tatsächlich hatte sich eine erhitzte Röte ins Gesicht von Schwester Martha geschlichen. Sie starrte sehnsüchtig auf die Straße hinaus. Stefan Frank musste lächeln.
„Hoffentlich küsst Robin diese falsche Kuh nicht vor unseren Augen!“, flüsterte Marie-Luise Flanitzer. „Sonst muss ich mich für den Rest des Tages leider krankschreiben lassen.“
Dr. Frank schüttelte erheitert den Kopf.
„Wir sollten langsam zurück an die Arbeit kehren!“, schlug er vor. „Mir gefällt nicht, wie abfällig Sie beide über diese junge Schauspielerin sprechen!“
Entgeistert starrten Martha Giesecke und Marie-Luise Flanitzer ihren Chef an.
„Aber Chef!“, protestierte Martha. „Können Sie sich denn gar nicht an den Skandal erinnern? Marie Burghardt hat den armen Robin Deuber damals brutal verlassen und emotional vernichtet.“
Stefan Frank schüttelte den Kopf. Er interessierte sich nicht für Klatsch und Tratsch.
„Das Ende einer Beziehung ist oft brutal“, erwiderte er. „Und auch hier gilt: Wir können nicht hinter die Kulissen blicken!“
„Doch!“, behauptete Marie-Luise Flanitzer mit felsenfester Überzeugung. „Ich habe es damals genau in den Zeitschriften verfolgt. Marie und Robin haben sich am Set ihres ersten Fernsehfilms kennengelernt. Damals war Marie gerade mal süße sechzehn. Noch während der Dreharbeiten sind sie zusammengekommen und gaben für einige Monate das Traumpaar der deutschen Filmszene ab. Aber kaum war der Film abgedreht, hat Marie den armen Robin fallen lassen. Es hat eine Ewigkeit gedauert, bis er über die gemeine Schlange hinweggekommen ist.“
Stefan Frank sah seine sonst so vernünftige Mitarbeiterin ratlos an. Was machte diese Scheinwelt der Stars und Sternchen nur aus seinen patenten Mitarbeiterinnen? Er erkannte seine beiden Angestellten kaum wieder. Merkten sie denn nicht, dass sie Gericht über einen Teenager hielten? Damals war Marie Burghardt noch nicht einmal volljährig gewesen.
Wie konnten sie einer Sechzehnjährigen vorwerfen, einen älteren Kollegen emotional zerstört zu haben? Der deutlich ältere Robin Deuber hatte damals vermutlich gewusst, auf was er sich einließ. Und es würde Gründe dafür geben, dass die Beziehung so schnell wieder zerbrochen war.
„Nun ja, offenbar ist inzwischen Gras über diese alte Sache gewachsen …“, sagte Stefan Frank dann. „Schließlich stehen die beiden ja wieder miteinander vor der Kamera und scheinen sich versöhnt zu haben.“
Schwester Martha gab ein zischendes Geräusch von sich.
„Ja. Zehn Jahre nach der Trennung drehen sie erstmals wieder gemeinsam einen Kinofilm. Der Grünwalder Morgen munkelt schon, dass es zu einem Liebes-Comeback der beiden kommen könnte. Immerhin ist Robin inzwischen ein Superstar. Marie wäre wirklich dumm, wenn sie ihn noch einmal von der Bettkante stoßen würde.“
„Ach, die gute alte Bettkante!“, seufzte Stefan Frank. „Mir scheint, es geht hier nur um Eifersucht. Neidet ihr dieser jungen Frau wirklich ihre Teenie-Romanze? Nachdem sie damals Schluss gemacht hat, war Robin Deuber vielleicht doch nicht der göttliche Liebhaber, den ihr beide in ihm vermutet.“
Auffordernd klatschte er in die Hände.
„Hollywood verabschiedet sich für heute“, entschied er dann. „Wir müssen uns um das echte Leben unserer Patienten kümmern!“
***
Marie Burghardt hielt die Luft an. Dann zählte sie stumm bis zehn. Eine Therapeutin hatte ihr vor einigen Jahren diesen Trick beigebracht. Sie wandte ihn an, wann immer sie in Gefahr war, die Kontrolle zu verlieren.
Robin Deuber warf ihr exakt den scheuen und unschuldigen Blick zu, für den er von seinem Publikum geliebt wurde. Was war nicht schon alles in diesen schmachtenden Blick hineingedeutet worden? Aber Marie kannte die Wahrheit. Sie atmete endlich tief ein, und ihr Kreislauf beruhigte sich wieder.
„Ist der Ablauf jetzt klar?“, fragte Klaus ungeduldig. Der Regisseur sah mit hochgezogenen Augenbrauen von Robin zu Marie. „Robin, der Wagen hält genau hier, und du steigst aus. Wir nehmen eine Totale der Villa im Hintergrund...
| Erscheint lt. Verlag | 30.1.2018 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Dr. Stefan Frank |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
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| ISBN-10 | 3-7325-5997-1 / 3732559971 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-5997-8 / 9783732559978 |
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