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Der galaktische Faustus: Science Fiction -  Alfred Bekker

Der galaktische Faustus: Science Fiction (eBook)

eBook Download: EPUB
2019 | 1. Auflage
130 Seiten
Uksak E-Books (Verlag)
978-3-7389-1577-8 (ISBN)
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Fausto Cagliari ist auf der Suche nach absoluter Erkenntnis und gerät an den mephistotelischen Manager eines interstellaren Konzerns. Dieser überredet Fausto dazu, auf einem abgelegegen Wasserplaneten Teil eines gleichermaßen waghalsigen wie größenwahnsinnigen Experiments zu werden. Doch dessen Ausgang ist anders als erwartet und erweckt eine wahrhaft kosmische Macht zum Leben... Alfred Bekker schreibt Fantasy, Bücher für junge Leser, Krimis und Historische Romane. Seine Bücher um 'Das Reich der Elben' machten ihn einem großen Publikum bekannt. Cover: STEVE MAYER

Im Gegensatz zu seinem zweitgeborenem Bruder zeigte Fausto Cagliari zu keiner Zeit irgendwelche Ansätze zu einem Lebensstil, den Antonio positiv bewertet hätte. Auch er war in den Augen seines Vaters ein Versager, der niemals dazu in der Lage sein würde, mit seinem Erbe etwas Gewinnbringendes anzufangen.

Fausto wuchs wohlbehütet auf, und der einzige Sinn, den war in seinem Leben zu sehen schien, war der des Genießens.

Er hatte weder einen übertriebenen Hang zum Handeln, wie man ihn bei Antonio kannte, noch den Phlegmatismus seiner Mutter. Sein Temperament war irgendwo dazwischen angesiedelt.

Er verbrachte seine Tage mit den verschiedenen Vergnügungen, die sich ihm durch das Geld seines Vaters anboten, und stellte auch insofern einen Gegenpol zu seinem Bruder Enrico dar, als er sich zu keiner Zeit irgendwelche Gedanken über Politik machte.

»Wozu dieser pessimistische Quatsch? Wozu Politik?« lachte er einmal seinen Bruder aus. »Nimm, was du kriegen kannst, denn morgen bist du tot!«

Den Weggang seines Bruders schien er kaum zur Kenntnis zu nehmen und die darauf folgenden Appelle seines Vaters (jetzt seines Musterknaben beraubt und um die Nachfolge in seinem Industrie-Imperium bangend) zeigten keinerlei Wirkung.

Als die Familie nach der Revolution von Catakri nach New Salisbury auf Thompson umzog, verbesserte sich die Lage für Fausto noch. Auf dem vierten und größten Mond von Wega 336 war der Lebensstandard um einiges höher, und so gab es auch raffiniertere Methoden des Zeitvertreibs.

Für seinen Vater sah es natürlich weniger günstig aus: Da auf Thompson alle Schlüsselindustrien, wie zum Beispiel Hydroponische Aquarien und Sauerstoffwerke verstaatlicht waren, gelang es ihm nie wieder, eine ähnlich machtvolle Position zu erlangen, wie er sie auf Catakri innegehabt hatte.

Die Tage seines heimlichen Königtums, seines hemmungslosen Marionettenspiels waren endgültig vorbei.

Als Fausto kleiner gewesen war, hatten seine Eltern ihn gezwungen, die Hypnoschulungen über sich ergehen zu lassen, später ließ er sich das nicht mehr bieten.

Antonio war oft sehr wütend auf ihn, schrie ihn an, bedachte ihn mit endlosen Ketten unflätiger Bezeichnungen, drohte ihm dieses und jenes an, worüber Fausto nur verächtlich den Mund verziehen konnte.

Enrico war nicht mehr zur Rechenschaft zu ziehen, und so hatte Fausto die Wut seines Vaters über seinen jüngeren (und inzwischen hingerichteten) Bruder mitzuertragen.

Manchmal verirrte Antonio sich so weit in seinen unbändigen Gram, daß er ernsthaft erwog, Fausto aus dem Hause zu verstoßen und ihm jegliche ökonomische Grundlage zu entziehen.

Sollte Fausto doch dahingehen, wo er ebenfalls angefangen hatte - in der Gosse! Sollte er dort beginnen, und dann würde sich zeigen, wieviel er wert war.

Als Antonio seinem Sohn damit drohte, konterte dieser jedoch einfach mit einem Hinweis darauf, daß es auf Thompson (im Gegensatz zu Catakri) ein Familienrecht gab, das Eltern dazu verpflichtete, ihren Kindern angemessenen Unterhalt zukommen zu lassen, bis diese auf eigenen ökonomischen Füßen stehen konnten.

Das hatte Antonio natürlich zum Kochen gebracht, und er hatte herumgetobt wie selten. Hier auf Thompson mußte auch er die Gesetze achten und konnte nicht auf 60% Marktanteile an der Nahrungsmittelproduktion hinweisen.

So blieb ihm also nur die Hoffnung, daß es doch noch eine Wende geben würde - aber es bestand wenig Grund dazu.

Dann kamen Faustos Eltern bei einem Gleiterabsturz auf einen Schlag ums Leben. Er war der einzige Erbe und lebte in der Gewißheit, nie in seinem Leben irgendwelche Arbeit annehmen zu müssen.

Als ihm Thompson nach einigen Jahren zu eng wurde, zog er nach La Ville Blanche auf Neufrankreich - eine Welt, die zu den wohlhabenden Planeten zählte.

Hier blieb er mehr als achtzig Jahre, und in dieser Zeit wurde Neufranzösisch zu seiner zweiten Muttersprache.

Er lebte von seinem Erbe, und sein Lebensstil änderte sich nicht, bis sich langsam die ersten Zeichen des Alters bemerkbar machten.

Zunächst waren das relativ leicht zu behebende Schäden - die neu-französische Medizin war recht fortgeschritten. Aber es gab mit den Jahren immer mehr Organe, die ausgewechselt werden mußten, und bald war er jemand, der sich mühsam von einem Jahr zum anderen retten mußte.

Als er sein hundertstes Lebensjahr überschritten hatte, begann sich der dauernde Gedanke an den irgendwann mit Sicherheit eintretenden Tod zu einem panikartigen Gemütszustand zu steigern.

Er verlor die Freude am Leben, konnte das Vergnügen nicht wirklich ausleben, bemühte sich aber gleichzeitig, so intensiv wie möglich zu leben, um noch so viel wie möglich vom Dasein zu haben.

Doch diese Intensität hatte etwas zutiefst Zwanghaftes, und jener schreckliche Gedanke nagte täglich an ihm und nahm ihm schließlich die Kraft, die ein intensives Leben fordert.

Um seine Angst vor dem Unaussprechlichen zu betäuben, unternahm er ausgedehnte Reisen zu den verschiedenen Planetensystemen, ließ fremdartige Eindrücke auf sich wirken und versuchte unbewußt, durch raschen Ortswechsel seine Panik irgendwo zurückzulassen - dabei ständig begleitet von einem Team Ärzte.

Er begann sich zu fragen, wann er überhaupt je wirklich gelebt hatte; es kam ihm alles so kurz und unwesentlich vor, was er getan und gesehen hatte.

Seine Erinnerungen bestanden nur aus einer endlosen Kette zusammenhangloser Szenen und dem vagen Gefühl der Nutzlosigkeit.

Schließlich kehrte er nach Neufrankreich zurück und gab das Reisen auf. Sein Körper machte einfach nicht mehr mit.

Der Entropiefluß, die Zeit, zerrte immer heftiger an ihm, und er hatte innerhalb von zwei Wochen vier Herzinfarkte.

Aber die moderne Medizin flickte ihn wieder zusammen, entriß ihn noch einmal dem Zeitstrom. Man wechselte sein Herz aus (es war ohnehin sein drittes) und gab ihm auch gleich seine vierten Elektro-Nieren und eine Kunstmilz.

Fausto Cagliari wußte, daß mit all diesen Maßnahmen der Tod nur um ein paar weitere Jahre aufgeschoben wurde.

Doch er würde kommen, zweifellos.

Irgendwann würden die Medotechniker von Neufrankreich ihm auch nicht mehr helfen können, und er würde vergehen.

Es würde so sein, als hätte es ihn nie gegeben.

Manchmal weinte er nachts wie ein kleines Kind, wenn er an der Seite eines seiner Androidenmädchen erwachte, geneckt von düsteren Gedanken an das immer näher rückende Ende seiner Existenz.

Hinterher wünschte er oft alles und jeden zum Teufel und schlug um sich, zerstörte Möbel, bereute aber alles hernach wieder.

Eine Zeitlang versuchte er, sich mit einem Panzer aus Härte und Zynismus zu umgeben, um sich unverwundbarer zu machen. Aber das paßte ganz einfach nicht zu ihm - und es wirkte auch nicht.

Seine Verzweiflung wuchs, und er sah keinen Ausweg, als sich mit der Tatsache abzufinden, daß auch seine Existenz einmal ein Ende haben würde.

Doch dann erfanden die Medotechniker von Neuwelt endlich eine Möglichkeit zur Gehirntransplantation in Kunstkörper.

Es kostete ihn ein halbes Vermögen, dieser neuartigen Behandlungsmethode unterzogen zu werden - und damals war ihm auch noch nicht klar, daß er damit gewissermaßen den Tod gegen den Wahnsinn getauscht hatte.

Damals war eine wirkliche Wandlung mit ihm vor sich gegangen (die allerdings nichts an seiner naiven Politik-Abstinenz änderte), und jener Fausto war nach und nach entstanden, der jetzt unter dem harten Blick Gustavo Mendelews förmlich zusammenzuckte.

»Na, haben Sie es sich überlegt, Senhor Cagliari?«

»Ja.«

Irgend etwas war heute anders als gestern; Cagliari begann es zu suchen und fand es schließlich: Mendelew hatte seinen Pudel nicht mitgebracht,

»Und? Wie sieht Ihre Entscheidung aus?«

»Ich werde mit Ihnen kommen.«

»Das ist gut, Senhor. Sie werden es nicht bereuen.«

»Das hoffe ich auch.«

»Unser Schiff geht heute abend. Ich werde Sie abholen.«

»Gut«, erwiderte Cagliari, völlig abwesend.

»Der Vertrag... Vergessen Sie nicht, ihn mit Ihrer Privatcode-Nummer zu signieren, damit er rechtsgültig wird.«

Cagliari bemerkte kaum, wie Mendelew sich dann verabschiedete und ging.

ZUNÄCHST NAHMEN SIE eine Raumpassage nach Neufrankreich und gelangten von dort aus über Tywyn und Olendi nach Neu Uruguay. Von da ab wurden die Verbindungen spürbar schlechter: Ganze zwei Monate mußten sie auf ein Schiff warten, das sie nach Tarasco brachte.

Von dort ging es nur mit einem Privatraumer des Arantes-Konzerns weiter nach Sao Neto, dem einzigen und ziemlich unerschlossenen Planeten eines Sonnensystems, das politisch den Status einer angolanischen Kolonie besaß.

Zu 99% war dieser Planet mit Ozeanen bedeckt, die jedoch einen derart hohen Gehalt an giftigen Salzen enthielten, daß eine Aufbereitung als Export-Trinkwasser nicht lohnte.

Etwa hunderttausend Angolaner lebten hier, die meisten davon in Nova Chitembo, der einzigen wirklichen Stadt dieses...

Erscheint lt. Verlag 9.6.2019
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
ISBN-10 3-7389-1577-X / 373891577X
ISBN-13 978-3-7389-1577-8 / 9783738915778
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