Der Mann aus dem Dschungel (eBook)
130 Seiten
CORA Verlag
978-3-7337-5485-3 (ISBN)
'Hilf mir!' - hat er das wirklich gesagt, oder hat Libby es sich nur eingebildet? Sie beschließt, den gefesselten Mann, den seine Entdecker für eine Art Tarzan halten, zu befreien. Gemeinsam fliehen sie in den Dschungel, und hier entdeckt Libby etwas Erstaunliches: Dieser raue Typ kann ungeheuer zärtlich und leidenschaftlich sein ...
<p>Anne Stuart liebt Japanische Rockmusik, tragbare Kunst, ihre beiden Kinder, Clairefontaine - Papier, ihren Hund Rosie, ihren Ehemann, mit dem sie schon über 30 Jahre verheiratet ist, befreundete Autoren, ihre beiden Katzen, Geschichten zu erzählen und in Vermont zu leben. Sie ist nicht sehr politisch, mag Diäten nicht gern und Winter die niemals aufhören sind ihr auch ein Graus. Wenn Sie mehr über sie erfahren möchten, besuchen Sie sie auf ihrer Website www.anne-stuart.com.</p>
1. KAPITEL
Noch niemals in ihrem Leben war Dr. Elizabeth Holden so müde gewesen. Es war paradox – sie hatte die vergangenen achtzehn Stunden im bequemen Sitz der ersten Klasse eines Flugzeugs verbracht, mit allen Annehmlichkeiten, die sie sich nur wünschen konnte. Ganz gesundheitsbewusst hatte sie sich jede Stunde die Beine vertreten, um ihre Muskulatur zu lockern, und sie hatte tief und fest geschlafen. Seit sie die Armbanduhr freiwillig abgelegt hatte, fühlte sie sich durch die Zeitverschiebung nicht länger gestört.
Das winzig kleine Flugzeug versetzte ihr einen heftigen Stoß. Sie hasste diese kleinen Maschinen mit wahrer Leidenschaft. Nicht, dass sie von den großen wirklich begeistert war, aber in ihnen fühlte sie sich doch wesentlich sicherer. Beinahe hatte sie sich geweigert, in das kleine Flugzeug zu steigen, das darauf wartete, sie nach Ghost Island zu bringen. Am Ende hatte sie den Schritt nur gewagt, um nicht völlig die Selbstachtung zu verlieren.
Wider Erwarten hatte sie den Flug überlebt. Und jetzt war sie bereit für die Aufgabe, die auf sie wartete.
Sie hasste es, keine Uhr am Handgelenk zu tragen. Wirklich, sie hasste es. Sie brauchte Ordnung und Regelmäßigkeit in ihrem Leben. Ohne Uhr fühlte sie sich angreifbar und verletzlich. Eigentlich keine große Sache, aber sie hasste es.
Entspannt lehnte sie sich im Ledersitz der Limousine zurück. Sie fragte sich, ob sie in ihrer Aktentasche nach ihrer Uhr suchen sollte, jetzt, wo die Reise fast zu Ende war. Aber dann würde sie den riesigen einsilbigen Fahrer nach der genauen Uhrzeit in dieser Zeitzone fragen müssen. Plötzlich war sie sich gar nicht mehr so sicher, dass sie sie wirklich wissen wollte.
Sie starrte aus dem Fenster in den tropischen Urwald. Es war früher Abend, vermutete sie, aber es konnte genauso gut kurz nach Sonnenaufgang sein. Dunkle Schatten lauerten am Rand des dichten Urwaldes, der die enge Straße begrenzte. Sie fragte sich, welche Wildnis dort drinnen wohl versteckt lag.
Hoffentlich keine Schlangen. Libby hasste Schlangen ebenso leidenschaftlich wie Flugzeuge. Aber dies war eine Insel, eine große, private Insel irgendwo in der Mitte vom Nichts. Waren Inseln nicht frei von Schlangen? In Irland gab es keine, wenn der Heilige Patrick seine Arbeit ordentlich erledigt hatte. Und auf Hawaii auch nicht. Es blieb ihr nichts anderes übrig als darauf zu vertrauen, dass diese Insel, weit entfernt von jeder Zivilisation, halbwegs schlangenfrei war.
Sie seufzte und fuhr sich mit der Hand durch ihr kurz geschnittenes, lockiges Haar. Es muss angenehm sein, der siebtreichste Mann auf der ganzen Welt zu sein, dachte sie im Stillen. Edward J. Hunnicutt bekam absolut alles, was er sich wünschte. Gleichgültig, ob es sich um eine große Privatinsel in der Nähe von Australien handelte oder ob eine ganze Universität seine Befehle erwartete. Ganz und gar gleichgültig, ob eine Anthropologin, die Schlangen hasste und die Zivilisation nur ungern verließ, sich auf der Stelle aufmachte und für ihn alles stehen und liegen ließ.
Wenn Edward J. Hunnicutt mit dem Finger schnippte, dann sprang der Präsident der Universität Stansfield, und mit ihm der gesamte Fachbereich. Es war Hunnicutt, der die gesamte Forschung finanzierte. Hunnicutt finanzierte auch Libbys wissenschaftliche Arbeit und ihre Stelle. Hunnicutt wünschte, dass Libby auf der Stelle die Universität verließ, ins Flugzeug stieg und um die halbe Welt flog, um die Forschungsarbeit zu seinem neusten Fund zu leiten.
Und Libby tat, was er von ihr verlangte. Hunnicutt war ein Milliardär, der sich nicht damit zufrieden gab, ein Vermögen anzuhäufen, das Libbys Vorstellungskraft bei weitem überstieg. Er wollte außerdem für bedeutende wissenschaftliche Entdeckungen verantwortlich sein. Dafür zahlte er jeden Preis.
Und offensichtlich ließ Libby Holden sich kaufen. Der Gedanke sollte sie eigentlich bedrücken, aber im Moment war sie dankbar, dass überhaupt irgendjemand sie haben wollte.
Denk nicht darüber nach, befahl sie sich. Richard hat sich eben dafür entschieden, mit jungen Studentinnen ins Bett zu gehen anstatt dich zu heiraten. Schluss, aus, vorbei. Sex wurde überhaupt viel zu sehr überschätzt. Richard war ein ausgesprochener Langweiler, und außerdem sollte sie sich besser auf ihre Karriere konzentrieren als auf eine gescheiterte Beziehung, die schon länger als ein Jahr beendet war.
Eigentlich hatte man erwartet, dass Richard der Liebling von Hunnicutt wurde. Richard ärgerte sich maßlos, dass Libby an seiner Stelle auserwählt worden war. Lautstark machte er klar, dass er sich für weitaus höher qualifiziert hielt. Libby kannte ihn genau. Sie wusste, dass er die angebliche Ungerechtigkeit immer noch nicht verkraftet hatte. Wahrscheinlich tobte er heute noch.
Und sie konnte es ihm noch nicht einmal verübeln. Sie hatte keinen blassen Schimmer, warum Edward J. Hunnicutt ausgerechnet sie für die Betreuung seines neusten Forschungsprojekts gerufen hatte. Das Projekt unterlag strengster Geheimhaltung. Wenn sie diesem verdammten Kerl jemals begegnen würde, würde sie ihn geradeheraus fragen, warum sie die Auserwählte war.
Es war fast dunkel, als die Limousine anhielt. Libby blinzelte angestrengt und fragte sich, ob der Jetlag für ihre Schläfrigkeit verantwortlich war. Sie stolperte vom Rücksitz des Wagens hinaus in die heiße, stickige Tropenluft. Ehrfurchtsvoll richtete sie ihren Blick auf das Gebäude, das sich vor ihr erhob.
Es war beeindruckend. Das Bauwerk wirkte wie eine Festung, glänzend und noch so neu, dass der Geruch von Bauholz und frischer Farbe den eindringlich feuchten Geruch des Dschungels hinter ihr mühelos überdeckte. Die Festung breitete sich bis zum Gipfel des Hanges aus. Endlich bemerkte sie, dass sie höher und höher gestiegen waren. Es war zu dunkel, um es mit Sicherheit sagen zu können, aber sie vermutete, dass sie auf dem höchsten Punkt der Insel angekommen waren. Wenn es Fenster an der Vorderfront des Gebäudes gab, würde sie die gesamte Gegend überschauen können. Es gab keine Fenster.
„Was ist das hier?“, fragte sie den Fahrer, der geschäftig ihre Koffer hinaufgeschleppt hatte. Er achtete nicht auf sie und stieg die ersten Stufen der Vordertreppe hoch. Ihr blieb keine Wahl. Sie musste ihm folgen. An der linken Seite konnte sie einige separate Gebäude erkennen, die fast vollständig vom Dschungel verdeckt wurden. Sie sahen genauso neu aus wie das Bauwerk, vor dem sie sich jetzt befand. Hier hatte jemand weder Kosten noch Mühe gescheut. Aber weder Kosten noch Mühe hatten für Edward J. Hunnicutt irgendeine Bedeutung.
Es gab keine Klinke an der Eingangstür, kein Fenster und keine Türklingel. Als der Chauffeur sich mit dem Gepäck in den Händen der Tür näherte, öffnete diese sich lautlos. Libby presste ihren Laptop fest gegen die Brust und ging hinein.
Die Tür schloss sich lautlos hinter ihr. Sie stand allein in einer weißen leeren Halle. Der Chauffeur war verschwunden und hatte sie in der klimatisierten Stille zurückgelassen. Sie machte einen vorsichtigen Schritt vorwärts. Das Licht ging an. Sie trat zurück und es ging aus. Sie versuchte es noch einmal, mit zwei Schritten. Weitere Lichter erleuchteten die Halle. Wirklich gruselig, dachte sie und fragte sich, ob sie ihren schweigsamen Fahrer wohl davon überzeugen konnte, sie zurückzubringen.
Aber ihr Fahrer blieb spurlos verschwunden. „Ist da jemand?“, rief sie laut und deutlich. Sie hoffte, dass ihre Stimme forsch und professionell klingen würde, aber sie vernahm ein verräterisches Schwanken in ihren Worten. Unzufrieden räusperte sie sich.
„Hier hinten, meine Liebe.“ Edward J. Hunnicutt erschien durch eine versteckte Tür, die sie bislang noch gar nicht bemerkt hatte. Auf seinem Gesicht lag ein leicht amüsierter Ausdruck. „Haben Sie geglaubt, wir hätten Sie im Stich gelassen?“
„Ich bin ein bisschen durcheinander. Der lange Flug“, erklärte sie. Ihre Stimme versagte fast. „Ich wusste nicht, was ich glauben sollte.“
Sie wusste es immer noch nicht. Sie hatte den berüchtigten Edward J. Hunnicutt noch niemals leibhaftig gesehen – er lebte sehr zurückgezogen. Irgendwie hatte sie sich ihn anders vorgestellt.
Sie war nicht besonders groß, aber er war nicht viel größer als sie. Durch ihre Forschungsarbeit war ihr bekannt, dass er sogar noch jünger war als sie. Sein erstaunliches Vermögen hatte er durch die Entwicklung von Computertechnik angehäuft, aber davon abgesehen interessierte sie sich nicht für ihn. Finanzielle Angelegenheiten langweilten sie. Sie interessierte sich nur für ihre wissenschaftlichen Daten. Hunnicutt war weder besonders hübsch noch auffallend hässlich. Im Grunde sah er auf alarmierende Weise durchschnittlich aus. Seine Gesichtszüge waren glatt und gleichmäßig. Das braune Haar kämmte er sich direkt in die hohe Stirn, und sein durchtrainierter Körper war mit einem leichten Tropenanzug bekleidet. Er wirkte weder wie ein Computerfreak noch wie ein Finanzgenie oder ein Multimilliardär.
„Es war sehr freundlich von Ihnen, in Stansfield alles stehen und liegen zu lassen und sofort hierher zu kommen“, meinte er und ließ außer Acht, dass sie keine Wahl gehabt hatte. „Ich bin sicher, Sie würden sich jetzt gern erfrischen und sich ein wenig ausruhen, aber ich befürchte, dass mein Terminkalender das nicht zulässt. Wir müssen jetzt miteinander reden. In zehn Minuten reise ich ab.“
Entsetzt starrte sie ihn an. „Zehn Minuten?“ Nimm mich mit, bettelte sie innerlich. Aber wollte sie zurück? Zurück zu Richard, der sie süffisant angrinsen würde, weil sie versagte, noch bevor die Arbeit...
| Erscheint lt. Verlag | 3.1.2018 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Digital Edition |
| Digital Edition | Digital Edition |
| Übersetzer | Jutta Nickel |
| Verlagsort | Hamburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | bücher für frauen • Cora • cora bücher • cora digital edition • cora liebesromane • cora neuerscheinungen • cora romane • Cora Verlag • cora verlag kindle • eBook • ebook angebote • ebook günstig • ebook liebesroman • Frauenroman • Frech • Liebesgeschichte • Liebesroman • romantisch • Romantische Bücher • Sexy |
| ISBN-10 | 3-7337-5485-9 / 3733754859 |
| ISBN-13 | 978-3-7337-5485-3 / 9783733754853 |
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