Der Pakt des Terroristen (eBook)
300 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7448-9165-3 (ISBN)
Gerald Gräf, Jahrgang 1957, lebt seit frühester Kindheit in einer kleinen Ortschaft am östlichen Rande Hamburgs. Nach dem Tod seiner Frau veröffentlichte er 2009 sein erstes Buch, »DIE LIQUOR-STRATEGIE«, in dem er das Leiden und Sterben seiner Frau verarbeitete. Zwei Jahre später erschien dann der erste Roman: »DER SCHATTEN VON APOPHIS« ist ein Mystery Science Fiction Drama, das im Januar 2016 in vollständig überarbeiteter Neuauflage erschienen ist. In dem Werk beschäftigt sich der Autor mit den Abgründen der menschlichen Seele und der Vergänglichkeit des Lebens auf der Erde. Ein weiteres autobiografisches Werk veröffentlichte Gerald Gräf 2013 zusammen mit seiner Lebensgefährtin Iris Lewe. »WO BITTE GEHTS DENN HIER ZUM LEBEN?« erzählt die Geschichte einer neuen Liebe, die aus der Trauer der beiden Autoren hervorgegangen ist. Im Jahr 2015 legte Gräf seinen ersten Thriller vor. In »GOTTES UNSICHTBARE ARMEE« beschreibt er in vielen kleinen Episoden die Geschichte eines vermeintlich intelligent handelnden Virus. Mit dem Thriller »DER MODELLBAUER« veröffentlichte der Autor 2016 sein bisher düsterstes Werk, in dessen Verlauf der Leser mit einer bizarren Beziehung zwischen einem Serienkiller und einem Polizisten konfrontiert wird. In dem 2017 erschienen Thriller »DER PAKT DES TERRORISTEN« wird die Geschichte des Modellbauers aufgegriffen und weiterentwickelt. Der Autor thematisiert in seinem neusten Werk eine gefährliche Entwicklung. Das Gute scheint mit dem Bösen zu kooperieren ... und umgekehrt?
1.
40 Jahre später
Z ögerlich, doch voller Neugierde, überließ er seinem Mitbewohner die Kontrolle … und genoss mit geschlossenen Augen den verlockenden Abstieg in das immerwährende Reich des Schreckens. Wie schon viele Male zuvor tat er es in dem Bewusstsein, die eigenen Bedürfnisse einem höheren Ziel unterzuordnen, um das Böse in dieser Welt zu bekämpfen – notfalls auch mit dessen Hilfe.
Schwarz schimmerndes Wasser sickerte aus den grob gehauenen Wänden. Der nackte, zerklüftete Fels, durch den der Obdachlose orientierungslos stolperte, glänzte matt im schwachen Schein der Grubenlampen, die über ihm ihr fahles Licht in die Dunkelheit des unterirdischen Stollens verströmten. Einige von ihnen flackerten – und tauchten die Szenerie in ein gespenstisches Zwielicht –, andere wiederum hatten ihren Dienst komplett eingestellt, sodass der verwahrloste, bärtige Mann mit den langen, fettigen Haaren immer wieder aufs Neue in das dunkle Nichts hineinstrauchelte, das sich schier endlos vor ihm auftat.
Gehetzt blickte er sich um, doch noch konnte er nicht erkennen, wer ihm nach dem Leben trachtete. Die Geräusche kamen näher. Hallende Schritte, Wasser spritzte auf, keuchender Atem schlug ihm in den verschwitzten Nacken. Seine Kräfte schwanden, doch die Todesangst schien ihm Flügel zu verleihen. Ein zähnefletschendes Brüllen aus den Tiefen des Stollens trieb ihm den Angstschweiß auf die Stirn. Etwas verfolgte ihn, war ihm auf der Spur und heftete sich an seine Fersen, um …
Es … will mich töten. Nein, bitte nicht … bitte …
Plötzlich fiel er der Länge nach hin. In der öligen Lache unter ihm spiegelte sich sein schmerzverzerrtes Gesicht; der steinerne Boden ließ seinen Körper erzittern, und für einen kurzen Moment schien es, als wenn sich sein verschrecktes Bewusstsein an einen anderen Ort begeben würde.
Doch die Angst ließ seine Sinne erwachen …
Er konnte spüren, dass sich etwas Fremdartiges, abgrundtief Böses über seinen Rücken beugte. Grunzende Laute und ein übel riechender Atem ließen ihn erschaudern und lähmten seine Muskeln. Wie erstarrt gab er sich seinem scheinbar unabänderlichen Schicksal hin und wartete darauf, dass das Monster ihn packen würde, doch schließlich erwachte sein Überlebenswille, und er mobilisierte alle ihm verbliebenen Kräfte, um sich dem drohenden Angriff seines Verfolgers zu entziehen.
Ruckartig sprang er auf die Knie und setzte zur Flucht an, da schlangen sich mächtige, starke Klauen um seine Fußgelenke. Seine Beine schwenkten nach oben; er wurde bäuchlings weggezogen und war nicht mehr imstande, seinen Körper auf den Rücken zu drehen. Panisch griff er um sich, doch die feuchten, felsigen Wände boten keinen Halt, sodass die Haut an seinen Händen aufriss und seine dreckigen Fingernägel abbrachen. Sein Gesicht schlitterte über den steinigen Boden und zog eine verschlierte Blutspur hinter sich her. Das unbekannte Wesen schleifte ihn wie einen Kartoffelsack über den kalten Fels. Er schrie sich die Lunge aus dem Leib, doch niemand schien seine Hilferufe zu hören. Immer schneller bewegte sich das seltsam anmutende Gespann durch die verwinkelten Gänge des Bergwerkes, bis der Obdachlose verstummte.
Plötzlich veränderte sich der Untergrund.
Der Fremde zog ihn in einen gekachelten, hell erleuchteten Raum und legte seinen geschundenen Körper unsanft ab. Durch das Blut in seinen Augen blinzelte der zerlumpte Mann weißen Fliesen entgegen, in denen er ein quadratisches Muster zu erkennen glaubte, das ihm irgendwie bekannt vorkam.
Stöhnend drehte er sich auf die Seite.
Blut tropfte auf den Fußboden und floss in feinen Rinnsalen in einen verrosteten Abfluss, der sich in der Mitte des quadratischen Raumes befand. An der Decke flackerten Neonlampen. Der Boden war übersät mit Abfall, und aus den aufgeplatzten Fugen der Wandfliesen krabbelte allerlei Ungeziefer, das sich auf der Suche nach Nahrung im Raum verteilte.
Verschwommen sah er die rückwärtige Silhouette seines Peinigers. Der Mann stand an einem hölzernen Tisch an der gegenüberliegenden Seite des Raumes. Er schien etwas vorzubereiten. Dem Obdachlosen kam ein furchtbarer Verdacht.
Er hat dich nicht ohne Grund verfolgt.
Den verschiedenen Geräuschen nach zu urteilen baute er irgendetwas zusammen – oder war es vielleicht eine Demontage? Da waren metallische Laute zu hören, das Drehen eines Schraubenziehers, ein Klirren und Schaben, dann wieder so etwas wie das Knarren einer rostigen Schraube, die sich standhaft zu weigern schien, den vorgesehenen Platz einzunehmen.
Der Mann fluchte grunzend; sein schnaufender Atem ließ den Obdachlosen erschaudern.
Was will er mir antun? Woran arbeitet er dort?
Der Fremde trug ein pelziges Oberteil; die stark behaarten Beine waren nackt. Auf dem Hinterkopf sah er einen roten Schopf, der wirr in alle Richtungen abstand. Offensichtlich war das pelzige Wesen für längere Zeit beschäftigt, sodass sich der Obdachlose bemühte, auf die Füße zu kommen. Die Gelegenheit für eine Flucht schien günstig zu sein, doch seine Beine versagten, und als sich der Fremde zu ihm umdrehte, legte sich die Angst wie ein Kettenhemd um seinen misshandelten Leib.
Das Gesicht – nein, es war kein normales Gesicht, sondern vielmehr eine Fratze – grinste ihm unverhohlen entgegen. So, als wolle sie sagen: Du kommst hier nicht mehr lebend raus, du bist mein Gefangener und ich mache mit dir, was ich will.
Sein Antlitz war voll von Pockenbeulen, die Zähne verfault, schwarz und teilweise ausgefallen und in seinen Augen funkelte eine abgrundtiefe Bosheit, die dem Obdachlosen die Luft zum Atmen nahm.
Das Pockengesicht kam näher.
Mit hoch erhobenen Armen durchquerte er den Raum und zerquetschte dabei zahlreiche Insekten, die geschäftig seinen Weg kreuzten. In der Rechten blitzte die scharfe Klinge eines Teppichmessers auf, links hielt er eine Rolle Klebeband in der verkrüppelten, mit Pockennarben übersäten Hand.
»Der Innendekorateur ist wieder da!«, brüllte er, seine Stimme tief und verzerrt. Dann brach das Fratzengesicht in schallendes Gelächter aus. Er hielt sich den fettwanstigen Bauch, bog sich vor Lachen und spuckte währenddessen einen schleimigen Auswurf auf die Fliesen. Sein seltsamer Ausbruch war heftig und endete abrupt. Mit wenigen Schritten erreichte er den angstvoll zurückweichenden Obdachlosen, der die Hände schützend vor sich hielt. Er setzte sich auf die Brust des Mannes, drückte mit den Knien seine Arme auf den blutbesudelten Boden, dann beugte er sich grinsend zu ihm herab und schnitt mit dem Teppichmesser eine der Pockenbeulen auf, die sein abstoßendes Gesicht verunstalteten.
Eine eitrige, gelbrote Flüssigkeit tropfte auf den Obdachlosen herab.
»Findest du, dass ich hässlich bin?«, brüllte er dem am Boden liegenden entgegen.
»Bitte … nein … ich …«, krächzte der Obdachlose kraftlos und wandte sein Gesicht ab, um der eitrigen Flüssigkeit zu entgehen.
»Doch, findest du, hä. Stimmt doch, oder? Gib es ruhig zu«, fauchte das Pockengesicht geifernd. »Aber ich werde dich erlösen. Wenn ich mit dir fertig bin, wirst du mich nicht mehr sehen müssen.« Erneut brach das pelzige Monster in schallendes Gelächter aus, das sich kurz darauf in einen röchelnden Hustenanfall verwandelte.
»Dann bist du noch viel hässlicher als ich, du elendiger Penner«, fügte er hustend hinzu.
Er legte das Klebeband neben sich ab, griff dem Obdachlosen in die Haare und zerrte seinen Kopf auf die Seite. Dann ergriff er das Ohr des Mannes, setzte das Teppichmesser direkt am Knorpel an und trennte die Ohrmuschel mit wenigen Schnitten ab.
Die erbärmlichen Schreie des Mannes interessierten ihn nicht. Nachdem er das abgetrennte Ohr neben dem Klebeband platziert hatte, zerrte er den Kopf des Mannes auf die andere Seite und wiederholte die Prozedur.
»Ohne Ohren siehst du gleich viel besser aus«, sagte das Fratzengesicht und schaute sich das dreckige Ohr des schreienden Mannes von allen Seiten prüfend an. Dann riss er ein Stück Klebeband ab, legte das Ohr auf ein Auge des Obdachlosen und befestigte es mit dem klebrigen Streifen. Er wiederholte den Vorgang, sodass die Augen des bedauernswerten Mannes mit seinen Ohren verklebt waren.
Kritisch überprüfte das Pockengesicht seine Arbeit. »Jetzt müssen wir nur noch so lange warten, bis dir die Dinger festgewachsen sind. Dann wirst du nie wieder etwas sehen. Nie wieder sehen … Nie wieder …«
Der Übergang kam ohne Vorwarnung. Wie immer katapultierte ihn der Andere aus den vielschichtigen Gefilden der Hölle heraus, ohne einen erkennbaren Grund hierfür durchblicken zu lassen. Keine Ankündigung, kein Dialog und natürlich auch keine abschließende Bewertung, um das Erlebte in irgendeiner Form einordnen zu können. Während er den Abstieg zulassen und kontrollieren...
| Erscheint lt. Verlag | 16.10.2017 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | Elbphilharmonie • Genmanipulation • Persönlichkeitsspaltung • schießende Drohne • Terroranschlag in Hamburg |
| ISBN-10 | 3-7448-9165-8 / 3744891658 |
| ISBN-13 | 978-3-7448-9165-3 / 9783744891653 |
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