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Die Hand Oberons (eBook)

Die Chroniken von Amber 4

(Autor)

eBook Download: EPUB
2017 | 1. Auflage 2018
272 Seiten
Klett-Cotta (Verlag)
978-3-608-10984-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Die Hand Oberons - Roger Zelazny
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»Das Farbigste, Exotischste und Unvergesslichste, was unser Genre je gesehen hat.« George R.R. Martin Um Kräfte zu sammeln, zieht es Corwin und seine Geschwister immer wieder in ein »Muster« genanntes Labyrinth, das demjenigen, der es löst, spezielle Fähigkeiten verleiht. Doch das ursprüngliche Muster trägt Schäden davon, als Blut von Corwins Familie auf ihm vergossen wird. Corwins Bruder Brand will das Muster endgültig zerstören. Prinz Corwin lebte nach einem Gedächtnisverlust auf der Erde, ohne zu wissen, wer er ist. Als eines Tages ein Mitglied seiner Familie versucht, ihn zu töten, beginnt er, nach seiner Vergangenheit zu forschen.   Und so setzt er alles daran, in das Königreich Amber zurückzukehren. Bald schon erfährt er, dass seine Verwandtschaft über einige sehr ungewöhnliche Kräfte verfügt. Alle Nachfahren des Königshauses können zwischen Amber, den Schattenwelten und dem Chaos hin- und herreisen, indem sie die Realität manipulieren. Sie benutzen magische Spielkarten, um zu kommunizieren und sich an andere Orte zu versetzen. Aber vor allem sind sie alle in einen erbarmungslosen Kampf um den Thron verstrickt. Und nicht zuletzt muss das Geheimnis um das Verschwinden ihres königlichen Vaters Oberon aufgedeckt werden.

Roger Zelazny (1937-1995) gehört zu den wichtigsten Fantasy- und Science-Fiction-Autoren aller Zeiten. Seine Bücher und Serien wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem gewann er sechsmal den Hugo Award und dreimal den Nebula Award. Der Muschelkrebs Sclerocypris zelaznyi ist nach ihm benannt.

Roger Zelazny (1937-1995) gehört zu den wichtigsten Fantasy- und Science-Fiction-Autoren aller Zeiten. Seine Bücher und Serien wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem gewann er sechsmal den Hugo Award und dreimal den Nebula Award. Der Muschelkrebs Sclerocypris zelaznyi ist nach ihm benannt.

1.


Ein hell lodernder Blitz der Erkenntnis, der zu jener absonderlichen Sonne passte …

Dort lag es, ausgebreitet in diesem Licht, ein Gebilde, das ich bis jetzt nur als Leuchten in der Dunkelheit wahrgenommen hatte: das Muster, das große Muster von Amber, ausgebreitet auf einem ovalen Felsabsatz gleichzeitig unter und über einem seltsamen Himmel-Meer.

… Vielleicht ließ mich das Element, das uns alle zusammenkettete, die Wahrheit erkennen – jedenfalls wusste ich, dass es sich um das einzig wirkliche Muster handelte. Woraus sich ergab, dass das Muster in Amber lediglich der erste Schatten dieses Musters war. Woraus sich ergab …

Woraus sich ergab, dass ganz Amber nur ein Schatten war, allerdings ein besonderer Schatten, denn das Muster wurde nicht an Orte versetzt, die außerhalb von Amber, Rebma und Tir-na Nog’th lagen. Mit anderen Worten: Der Ort, den wir hier erreicht hatten, war das wirkliche Amber.

Ich wandte mich zu einem lächelnden Ganelon um, dessen Bart und verfilztes Haar in der gnadenlosen Helligkeit wie verschmolzen wirkten.

»Woher wusstest du das?«, fragte ich.

»Du weißt, dass ich zu mutmaßen verstehe, Corwin«, erwiderte er. »Ich erinnere mich an alles, was du mir über die Zusammenhänge in Amber verraten hast: wie seine Schatten und die eurer Mühen über die Welten geworfen werden. Bei meinen Überlegungen wegen der schwarzen Straße habe ich mich oft gefragt, ob nicht irgendetwas in der Lage war, einen solchen Schatten auch nach Amber selbst hineinzuwerfen. Dabei kam ich zu dem Ergebnis, dass ein solches Etwas eine ganz grundlegende Kraft sein muss, sehr stark und geheim.« Er deutete auf die Szene vor uns. »Etwa wie das hier.«

»Sprich weiter«, forderte ich ihn auf.

Er zuckte die Achseln.

»Es muss also eine Stufe der Realität geben, die tiefer geht als euer Amber«, erklärte er, »eine Ebene, auf der die wirkliche Schmutzarbeit getan wird. Euer Wappentier hat uns nun an einen Ort geführt, der diesen Vorstellungen zu entsprechen scheint, und der Fleck dort auf dem Muster sieht aus wie die Schmutzarbeit. Du hast mir zugestimmt.«

Ich nickte. »Mich hat mehr deine Hellsichtigkeit verblüfft als die eigentliche Schlussfolgerung«, sagte ich.

»Ihr seid mir zuvorgekommen«, sagte Random von rechts, »doch auch ich hatte tief drinnen eine Ahnung. Ich glaube, das Gebilde dort unten ist so etwas wie die Grundlage unserer Welt.«

»Ein Außenseiter hat manchmal einen klareren Durchblick als jemand, der dazugehört«, kommentierte Ganelon.

Random warf mir einen Blick zu und konzentrierte sich wieder auf die Szene.

»Glaubst du, dass sich die Umgebung noch weiter verändert«, fragte er, »wenn wir hinabreiten und uns das Ding aus der Nähe ansehen?«

»Es gibt nur eine Möglichkeit, das herauszufinden«, sagte ich.

»Wir reiten hintereinander«, stimmte Random zu. »Ich voran.«

»Einverstanden.«

Random lenkte sein Pferd nach rechts, nach links und wieder nach rechts, in einer langen Folge von Kehren, die uns im Zickzack den größten Teil des Hanges hinabführten. Die Reihenfolge beibehaltend, die wir den ganzen Tag gewahrt hatten, folgte ich ihm, und Ganelon bildete den Abschluss.

»Scheint alles ziemlich stabil zu sein«, stellte Random fest.

»Bis jetzt«, sagte ich.

»Da unten gibt’s eine Art Öffnung im Gestein.«

Ich beugte mich vor. Weiter rechts gähnte eine Höhlenöffnung in Höhe der ovalen Ebene. Von oben hatten wir sie nicht sehen können.

»Wir kommen ziemlich dicht daran vorbei«, bemerkte ich.

»… schnell, vorsichtig und leise«, fügte Random hinzu und zog sein Schwert.

Ich zog Grayswandir, und eine Kurve über mir griff Ganelon ebenfalls zur Waffe.

Vor der Höhle bogen wir jedoch wieder nach links ab und kamen nur auf zehn oder fünfzehn Fuß heran. Ein unangenehmer Geruch stieg mir in die Nase, den ich nicht zu identifizieren vermochte. Die Pferde dagegen reagierten nervös darauf, sie legten die Ohren an und stießen ein Schnauben aus, während sie sich unruhig gegen die Zügel sträubten. Sie beruhigten sich wieder, als wir den Bogen beschrieben hatten und uns von der Höhle entfernten, und wurden wieder nervös, als wir unseren Abstieg beendeten und auf das beschädigte Muster zuzureiten versuchten. Sie ließen sich nicht dazu bewegen, sich der Erscheinung weiter zu nähern.

Random stieg ab. Er ging zum Rand des Linienlabyrinths, blieb stehen und starrte darauf. Nach einer Weile ergriff er das Wort, ohne sich umzudrehen.

»Nach allem, was wir wissen«, sagte er, »ist es wahrscheinlich, dass der Schaden absichtlich herbeigeführt wurde.«

»So sieht es jedenfalls aus«, sagte ich.

»Ebenso klar ist, dass wir aus einem bestimmten Grund hierhergebracht wurden.«

»Das würde ich auch sagen.«

»Dann braucht man nicht allzu viel Fantasie, um auf den Gedanken zu kommen, dass wir hier feststellen sollen, wie das Muster beschädigt wurde und was man tun kann, um es zu reparieren.«

»Möglich. Wie lautet deine Diagnose?«

»Noch habe ich mir keine Meinung gebildet.«

Er bewegte sich am Rand der Erscheinung entlang nach rechts, wo der verwischte Fleck begann. Ich stieß mein Schwert zurück in die Scheide und wollte absteigen. Ganelon hielt mich an der Schulter zurück.

»Ich schaffe es auch allein …«, begann ich.

»Corwin«, sagte er jedoch, meine Worte ignorierend, »dort draußen, zur Mitte hin, scheint es eine Unregelmäßigkeit zu geben. Sieht nicht so aus, als gehöre das Ding dorthin …«

»Wo?«

Etwa in der Mitte lag etwas, das nicht zum Muster gehörte. Ein Stock? Ein Stein? Ein zusammengeknülltes Stück Papier …? Aus dieser Entfernung war es nicht deutlich zu erkennen.

»Ich sehe es«, sagte ich.

Wir stiegen ab und näherten uns Random, der inzwischen rechts von uns über die Maserung gebeugt kniete und die Verfärbung untersuchte.

»Ganelon hat in der Mitte etwas entdeckt«, sagte ich.

Random nickte.

»Schon bemerkt«, erwiderte er. »Ich versuche gerade, mir darüber schlüssig zu werden, wie man am besten dorthin kommt, um sich das Ding näher anzusehen. Mir missfällt die Vorstellung, ein zerstörtes Muster zu beschreiten. Andererseits frage ich mich, welchem Einfluss ich Tür und Tor öffne, wenn ich versuche, über die geschwärzte Fläche zur Mitte zu laufen. Was meint ihr?«

»Die vorhandenen Teile des Musters abzuschreiten, würde Zeit kosten«, sagte ich, »wenn der Widerstand dem entspricht, was wir von zu Hause kennen. Außerdem hat man uns eingeschärft, dass wir sterben müssen, wenn wir vom Muster abweichen – und wie die Dinge hier liegen, müsste ich das Muster verlassen, sobald ich den Fleck erreiche. Andererseits könnte ich, wie du sagst, unsere Feinde herbeirufen, die sich des schwarzen Weges bedienen. Folglich …«

»Folglich wird es keiner von euch tun«, warf Ganelon ein. »Ich gehe.«

Ohne unsere Antwort abzuwarten, nahm er Anlauf, sprang auf den schwarzen Streifen und rannte darauf zur Mitte hin; hastig hob er den kleinen Gegenstand auf, drehte sich um und kam zurück.

Sekunden später stand er wieder vor uns.

»Das war aber ziemlich riskant«, bemerkte Random.

Er nickte.

»Hätte ich es nicht getan, würdet ihr immer noch diskutieren.« Er hob die Hand und hielt sie uns entgegen. »Was sagt ihr dazu?«

Er hielt einen Dolch in der Hand. Die Klinge hatte sich durch ein fleckiges Stück Pappe gebohrt. Ich nahm ihm den Fund ab.

»Sieht wie ein Trumpf aus«, stellte Random fest.

»Ja.«

Ich löste die Karte, glättete die eingerissenen Teile. Der Mann, den ich betrachtete, war mir halb vertraut – was zugleich bedeutete, dass er mir halb fremd war. Blondes, glattes Haar, ein wenig spitz im Gesicht, ziemlich schmal gebaut, ein halbes Lächeln.

Ich schüttelte den Kopf.

»Den kenne ich nicht«, sagte ich.

»Lass mal sehen.«

Random nahm mir die Karte ab und blickte stirnrunzelnd darauf.

»Nein«, sagte er nach einer Weile. »Ist mir auch unbekannt. Ich habe das Gefühl, ich müsste ihn kennen, aber … nein.«

In diesem Augenblick begannen die Pferde wieder wiehernd und schnaubend an ihren Zügeln zu zerren. Wir brauchten uns nur ein kleines Stück umzudrehen, um den Grund ihrer Unruhe zu erkennen: Etwas war aus der Höhle herausgekommen.

»Verdammt«, zischte Random.

Ganelon räusperte sich und zog sein Schwert.

»Weiß einer von euch, was das ist?«,...

Erscheint lt. Verlag 16.12.2017
Reihe/Serie Die Chroniken von Amber
Die Chroniken von Amber
Übersetzer Thomas Schlück
Verlagsort Stuttgart
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Fantasy
Schlagworte Billig • Brüder • eBook • E-Book • Familien • Fantastische Literatur • Fantastische Welten • Fantasy • Fantasyklassiker • Game of Thrones • günstig • Kampf um den Thron • Kartenspiel • Klassiker • Könige • Königsfamilien • Magie • Mythologie • New York • Parallelwelten • Prinzen • Schattenwelten • Spielkarten • Taschenbuch • Thron • USA • verschiedene Realitäten • Welten
ISBN-10 3-608-10984-6 / 3608109846
ISBN-13 978-3-608-10984-9 / 9783608109849
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