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Die Pilgerfahrt nach dem Unerreichlichen (eBook)

Lebensrückschau

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 3., Überarbeitete Fassung
789 Seiten
Null Papier Verlag
978-3-96281-212-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Die Pilgerfahrt nach dem Unerreichlichen - Isolde Kurz
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Neue Deutsche Rechtschreibung Isolde Kurz ist auch heute noch eine ambivalente Schriftstellerin. Schon in jungen Jahren selbstständig als Autorin und Übersetzerin, war sie eine Seltenheit im wilhelminischen Deutschland. Später jedoch geriet sie wegen ihres Schweigens im Dritten Reich und ihrer altmodischen Sprache in Kritik. Hervorzuheben sind ihre Werke 'Vanadis' und 'Florentiner Novellen'. Isolde Kurz wuchs in einem liberalen und an Kunst und Literatur interessierten Haushalt auf. Anfang der 1890er Jahre errang sie erste literarische Erfolge mit Gedicht- und Erzählbänden. Null Papier Verlag

Isolde Maria Klara Kurz (21.12.1853-06.04.1944) war eine deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie wuchs in einem liberalen und an Kunst und Literatur interessierten Haushalt auf. Schon früh wurde sie mit den Schriften der klassischen Antike bekannt und arbeitete in jungen Jahren als Übersetzerin. Anfang der 1890er Jahre errang sie erste literarische Erfolge mit Gedicht- und Erzählbänden.

Isolde Maria Klara Kurz (21.12.1853–06.04.1944) war eine deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie wuchs in einem liberalen und an Kunst und Literatur interessierten Haushalt auf. Schon früh wurde sie mit den Schriften der klassischen Antike bekannt und arbeitete in jungen Jahren als Übersetzerin. Anfang der 1890er Jahre errang sie erste literarische Erfolge mit Gedicht- und Erzählbänden.

Erstes Kapitel – Sternenstunde
Zweites Kapitel – Mutterrecht
Drittes Kapitel – Kindesseele und Überwelt
Viertes Kapitel – Das Gestirn des Vaters
Fünftes Kapitel – Noch einmal die Jugendstadt
Sechstes Kapitel – Florenz
Siebtes Kapitel – Der Weg
Achtes Kapitel – Unser Thole
Neuntes Kapitel – Die Villa mit dem Granatbaum
Zehntes Kapitel – Durchbruch
Elftes Kapitel – Wie Wasser von Klippe zu Klippe geworfen
Zwölftes Kapitel – Lebensmitte
Dreizehntes Kapitel – Wir begründen ein Weltbad
Vierzehntes Kapitel – Sonnenwende
Fünfzehntes Kapitel – Das Verglimmen
Sechzehntes Kapitel – Vorboten
Siebzehntes Kapitel – Im Weltbrand
Achtzehntes Kapitel – Den Du nicht verlässest

Erstes Kapitel – Sternenstunde


Aus freund­li­chen Le­ser­krei­sen bin ich wie­der und wie­der ge­fragt wor­den, warum ich mei­ne Ju­gen­derin­ne­run­gen, die mit der Über­sied­lung un­se­rer Fa­mi­lie nach Ita­li­en ab­schlie­ßen, nicht spä­ter wie­der auf­ge­nom­men und fort­ge­führt habe. Man woll­te die zahl­rei­chen Son­der­dar­stel­lun­gen, die den ein­zel­nen Glie­dern mei­nes Hau­ses so­wie den Men­schen mei­ner spä­te­ren Um­welt ge­wid­met sind, nicht für einen voll­wer­ti­gen Er­satz neh­men, weil man in dem ab­sicht­li­chen Zu­rück­stel­len der ei­ge­nen Per­son eine Art Aus­wei­chen zu se­hen mein­te, was es ja in ge­wis­sem Sin­ne auch war. Im Au­gen­blick, wo ein ge­lieb­ter Mensch die Au­gen schließt, er­lischt ganz plötz­lich die Ta­ges­be­leuch­tung mit den durch sie her­vor­ge­brach­ten Schat­ten und Ver­zeich­nun­gen, die großen Grund­li­ni­en ord­nen sich in ih­rem ei­ge­nen Lich­te zu dem gott­ge­woll­ten Ur­bild der un­voll­kom­me­nen und sich wi­der­spre­chen­den ir­di­schen Er­schei­nung. Mit die­sem hat der Bio­graf als mo­nu­men­ta­ler Künst­ler, der er sein muss, zu tun, und er be­sorgt sein zar­tes und ver­ant­wor­tungs­vol­les Amt am bes­ten, wenn er nicht sich sel­ber als Ge­gen­spie­ler zu den Dar­ge­stell­ten auf die Büh­ne be­gibt. Ich trat zu­rück, um ih­nen an kei­ner Stel­le durch mei­nen her­ein­fal­len­den Schat­ten das Licht zu be­ein­träch­ti­gen. Weil ich aber ei­nem eng ver­bun­de­nen Fa­mi­li­en­kreis an­ge­hört habe, des­sen ein­zel­ne Glie­der alle schick­sal­haft auf­ein­an­der be­zo­gen wa­ren – ein je­des von den an­dern grund­ver­schie­den, aber je­des für sich eine ein­heit­li­che Per­sön­lich­keit –, so kann ich kein Ka­pi­tel mei­nes Le­bens auf­rol­len, ohne dass das gan­ze Stern­bild sich mit­be­wegt. Ich kann dem Le­ser je­doch nicht zu­mu­ten, sich die Un­ter­grün­de und Zu­sam­men­hän­ge aus den ver­schie­de­nen Erin­ne­rungs­bü­chern zu­sam­men­zu­su­chen. Da bleibt nichts üb­rig, als ge­le­gent­lich in den al­ten Far­ben­topf zu grei­fen und den zu­vor in ih­rer Le­bens­fül­le ge­schil­der­ten Ge­stal­ten ihr Er­den­kleid we­nigs­tens leicht­hin wie­der um­zu­hän­gen. Da­bei ist es un­ver­meid­lich, dass aus mei­nem Le­ben her­aus ge­se­hen die zu­vor nur in ih­ren ei­ge­nen Wer­ten und Rech­ten Ge­schil­der­ten nun­mehr an­ders er­schei­nen und das gan­ze Blick­feld sich ver­än­dert. Auch von den aus­ge­präg­ten Ge­stal­ten, die von au­ßen her mei­nen Weg ge­kreuzt ha­ben, sind die meis­ten ent­we­der schon in Son­derab­hand­lun­gen dar­ge­stellt, oder sie ste­hen ir­gend­wo ver­klei­det in mei­nen Bü­chern, dann frei­lich so ver­wan­delt und in­ein­an­der um­ge­gos­sen, dass sie sich sel­ber nicht mehr er­ken­nen wür­den noch ihre Glie­der an sich zu neh­men ver­möch­ten, da das eine vom einen, das an­de­re vom an­dern stammt, und die­se ge­misch­ten Be­stand­tei­le nun­mehr na­tür­lich wie bei Le­ben­den in­ein­an­der­grei­fen und neue In­di­vi­dua­li­tä­ten bil­den. Ich glau­be, der große Schöp­fer hält es auch nicht an­ders, als dass er sei­ne Ge­bil­de im­mer wie­der mischt und an­ders zu­sam­men­setzt. Wie soll­te ich sol­che ver­tausch­ten Glie­der wie­der von­ein­an­der lö­sen und je­dem das sei­ne zu­rück­ge­ben? Die selbst­ge­schaf­fe­nen Bil­der sind dem Ur­he­ber, der sie mit Tei­len sei­nes ei­ge­nen We­sens ver­kit­tet, glaub­haf­ter und we­sent­li­cher als die leib­haf­ten Vor­la­gen, die, nach­dem sie ein­mal die­sen Dienst ge­leis­tet, in der Erin­ne­rung zu­rück­tre­ten und ver­blas­sen. Was die Dich­tung sich ein­mal zu­ei­gen ge­nom­men hat, das ge­hört ihr für im­mer und kommt für die Rück­ver­set­zung in die Wirk­lich­keit nicht mehr in Be­tracht. Ja, selbst mein ei­ge­nes Le­ben ist zum großen Tei­le nicht mehr mein, da es schon durch hun­dert Kanä­le, in Spie­ge­lun­gen und Par­al­le­len und in wirk­li­chen Epi­so­den, die ein­mal mein wa­ren und jetzt den er­fun­de­nen Per­so­nen ge­hö­ren, von mir ab­ge­flos­sen ist und da­mit eben­falls auf wei­te Stre­cken für die Selbst­bio­gra­fie un­brauch­bar ge­wor­den. Blei­be es, wo­hin ich es ge­ge­ben habe, sonst müss­te man­ches, was hier nur noch flüch­tig ge­streift wer­den kann, einen viel wei­te­ren Raum auf die­sen Blät­tern ein­neh­men.

Wenn ich mich nun trotz der be­schrän­ken­den Um­stän­de doch zu­letzt noch von mei­nem Vor­satz, die Fe­der nicht mehr zur Selbst­dar­stel­lung ein­zut­au­chen, ab­wen­dig ma­chen las­se, so be­we­gen mich dazu vor al­lem die man­nig­fa­chen ir­ri­gen Ver­mu­tun­gen über mein Werk und Le­ben, de­nen ich be­son­ders bei Ge­le­gen­heit mei­nes acht­zigs­ten Ge­burts­tags in der Pres­se be­geg­net bin. Die­se zu be­rich­ti­gen liegt mir nicht nur als Ein­zel­per­sön­lich­keit, son­dern auch als Trä­ge­rin wert­vol­ler Fa­mi­li­en- und Kul­tu­r­über­lie­fe­run­gen ob. Man kann aber ge­gen sol­che Miss­ver­ständ­nis­se nicht im ein­zel­nen an­ge­hen, man kann nur an Stel­le der Ver­zeich­nun­gen das rich­ti­ge Bild set­zen, wozu au­ßer mir selbst nie­mand in der Lage ist, weil sich mein Le­ben zum größ­ten Tei­le au­ßer­halb Deutsch­lands ab­ge­spielt hat und von sei­nen frü­he­ren Zeu­gen nur noch we­ni­ge am Le­ben sind. Dass ich nicht mehr mit der Fül­le bun­ter Ein­zel­hei­ten und in der kla­ren zeit­li­chen Ab­fol­ge be­rich­ten kann wie in den Schil­de­run­gen »Aus mei­nem Ju­gend­land«, ver­steht sich von selbst. Vom an­dern Zei­tu­fer her ver­wan­deln sich die Ge­stal­ten, die die Räu­me un­se­rer Erin­ne­rung be­völ­kern, aus selbst­stän­dig han­deln­den Per­so­nen mehr und mehr in sym­bo­li­sche, sie wer­den die un­be­wuss­ten Trä­ger schick­sal­for­men­der Zeit und Le­bens­ge­wal­ten, trei­ben­der und hem­men­der, mit de­nen man sich am Ende aus­ein­an­der­zu­set­zen hat.

Es kann sich also nur um das Wa­g­nis ei­ner Sinn­deu­tung des ei­ge­nen Da­seins han­deln, und dies ist es ja auch ganz ei­gent­lich, wozu ich auf­ge­ru­fen bin.

Frei­lich, hier stut­ze ich aufs neue. Kann aus ei­nem stil­len Ein­zel­ge­schick, das ab­seits von dem großen Strom der Zeit­ge­schi­cke ver­lau­fen ist, über­haupt so et­was wie ein ver­steck­ter Sinn, wie eine ab­sicht­li­che Füh­rung her­aus­ge­le­sen wer­den? Ist es nicht aus­schließ­lich eine Sa­che der Trä­ger des Welt­ge­sche­hens, uns zu sa­gen wie sie wur­den, was sie sind, und wo­hin sie zie­len? Das Amt des Dich­ters ist ein lei­se­res und so schwer mit Wor­ten zu um­zir­ken. Denn die künst­le­ri­schen Be­fruch­tun­gen ge­hen im Dun­kel vor sich, und das mensch­li­che Le­ben in sei­nem Ablauf weiß we­nig von sich. Ich habe das Men­schen­we­sen, das ich mit dem Wört­lein »Ich« be­zeich­nen muss, nie so lan­ge und tief ins Auge ge­fasst wie die äu­ße­ren Er­schei­nun­gen, und die Fe­der, die sich mit ihm be­schäf­ti­gen soll, ist bei der un­ge­wohn­ten Auf­ga­be im­mer in Ver­su­chung, auf ein Au­ßer­per­sön­li­ches ab­zuglei­ten....

Erscheint lt. Verlag 1.7.2025
Reihe/Serie Klassiker bei Null Papier
Klassiker bei Null Papier
Verlagsort Neuss
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Schlagworte Adel • Adolf Friedrich von Schack • Betrug • Doge • Dogen • Emanuel Geibel • Felix Dahn • Franz von Kobell • Friedrich Bodenstedt • Gondel • Hermann Lingg • Italien • Kaiser • König • Paul Heyse • Robert von Hornstein • Tyrannei • Untergang • Verrat • Wilhelm Heinrich Riehl • Wilhelm Hertz
ISBN-10 3-96281-212-1 / 3962812121
ISBN-13 978-3-96281-212-6 / 9783962812126
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