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Der letzte Zentaur (eBook)

Novelle

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 3., Überarbeitete Fassung
54 Seiten
Null Papier Verlag
978-3-96281-134-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der letzte Zentaur - Paul Heyse
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Neue Deutsche Rechtschreibung Paul Johann Ludwig von Heyse (15.03.1830-02.04.1914) war ein deutscher Schriftsteller, Dramatiker und Übersetzer. Neben vielen Gedichten schuf er rund 180 Novellen, acht Romane und 68 Dramen. Heyse ist bekannt für die 'Breite seiner Produktion'. Der einflussreiche Münchner 'Dichterfürst' unterhielt zahlreiche - nicht nur literarische - Freundschaften und war auch als Gastgeber über die Grenzen seiner Münchner Heimat hinaus berühmt. 1890 glaubte Theodor Fontane, dass Heyse seiner Ära den Namen 'geben würde und ein Heysesches Zeitalter' dem Goethes folgen würde. Als erster deutscher Belletristikautor erhielt Heyse 1910 den Nobelpreis für Literatur. Null Papier Verlag

Paul Heyse (1830-1914) ist ein Mitglied der Riege deutscher Literaturnobelpreisträger. Er bekam den Preis 1910 als erster deutscher Dichter überhaupt verliehen - Mommsen (1902) war Historiker. Theodor Fontane glaubte 1890, dass Heyse seiner Epoche »den Namen geben« und ein »Heysesches Zeitalter« dem Goetheschen folgen werde. Heyse war Schriftsteller, Dramatiker und Übersetzer. Er pflegte zahlreiche Freundschaften und war auch als Gastgeber berühmt. Viele seiner Novellen siedelte Heyse in seiner Wahlheimat Italien an.

Paul Heyse (1830-1914) ist ein Mitglied der Riege deutscher Literaturnobelpreisträger. Er bekam den Preis 1910 als erster deutscher Dichter überhaupt verliehen – Mommsen (1902) war Historiker. Theodor Fontane glaubte 1890, dass Heyse seiner Epoche »den Namen geben« und ein »Heysesches Zeitalter« dem Goetheschen folgen werde. Heyse war Schriftsteller, Dramatiker und Übersetzer. Er pflegte zahlreiche Freundschaften und war auch als Gastgeber berühmt. Viele seiner Novellen siedelte Heyse in seiner Wahlheimat Italien an.

Der letzte Zentaur

Der letzte Zentaur


(1904)

Vom Turm der Frau­en­kir­che schlug es Mit­ter­nacht.

Ich kam aus ei­ner Ge­sell­schaft, in der man sich ver­ge­bens be­müht hat­te, eine sehr lah­me und tro­ckene Un­ter­hal­tung mit gu­tem Wein in Fluss zu brin­gen. Der Kopf war mir im­mer hei­ßer ge­wor­den und das Herz im­mer küh­ler. End­lich hat­te ich mich weg­ge­stoh­len in den som­mer­war­men Mond­schein hin­aus und schlen­der­te ziel­los durch die to­ten­stil­le, taghel­le Stadt, um den Un­mut über die ver­lo­re­nen Stun­den ver­damp­fen zu las­sen. Als ich an der ehr­wür­di­gen Ma­ri­en­kir­che vor­bei durch das Frau­en­gäss­chen in die Kau­fin­ger­gas­se trat, blieb ich plötz­lich ste­hen.

Mir ge­gen­über lag, sei­ne drei Stock­wer­ke mit den dunklen Fens­tern ge­gen Mit­ter­nacht er­he­bend, ein wohl­be­kann­tes Haus mit vor­sprin­gen­der Ecke und ei­nem blau­en La­tern­chen über dem Ein­gang, in dem ich vor mehr als ei­nem Jahr­zehnt man­che un­ver­ge­ss­li­che Nacht bei schlech­te­rem Ge­tränk als heu­te, aber un­ter feu­ri­ge­ren Ge­sprä­chen zu­ge­bracht hat­te. Ich las die In­schrift über der zier­lich ge­schnitz­ten, von zwei Ka­rya­ti­den ge­stütz­ten Hol­zum­rah­mung des Tor­wegs: »Wein­hand­lung von Au­gust Schi­mon«.

Ja­wohl, sag­te ich vor mich hin, die Zei­ten wan­deln sich und wir mit ih­nen! Das ist noch der­sel­be Name, der da­mals in je­der Wo­che uns­re Lo­sung war. Aber der ihn trug, der be­hä­bi­ge Mann mit dem schwar­zen Kraus­haar und den ver­schmitz­ten klei­nen Au­gen, – wo ist er hin­ge­kom­men? Sein Glücks­stern hat­te nur über die­sem Hau­se leuch­ten wol­len. Als er es ver­ließ, um in ei­nem pracht­vol­len Ho­tel den Wirt zu ma­chen, war es mit ihm rück­wärts ge­gan­gen, bis zu ei­nem trau­ri­gen Ende. Sei­ne Gut­mü­tig­keit soll ihn in un­glück­li­che Spe­ku­la­tio­nen an­de­rer ver­wi­ckelt ha­ben, viel­leicht auch ein fan­tas­ti­scher Zug zum Gro­ßen und Ge­wag­ten, den er mit ei­ni­gen sei­ner Gäs­te ge­mein hat­te. Er war eben ein Idea­list un­ter den Gast­wir­ten, und sein An­den­ken ist mir teu­er ge­blie­ben, trotz sei­ner Wei­ne, auf die Freund Ema­nu­el da­mals nach der Me­lo­die des Dies irae1 die schö­ne Stro­phe dich­te­te:


Sed post Schi­mo­nen­se vi­num
Ma­lum ve­nit ma­tu­ti­num,
Luc­tum quod vo­cant fe­li­num!

Heut­zu­ta­ge, da die Er­ben das Ge­schäft fort­set­zen, sol­len die Wei­ne sich be­deu­tend ge­bes­sert ha­ben und der al­ten Fir­ma Ehre ma­chen. Aber kön­nen die bes­ten neu­en Wei­ne für die gute alte Ge­sell­schaft ent­schä­di­gen, die nun nicht mehr von ih­nen trinkt und den trü­ben Le­the­trank oder selbst den Nek­tar der Uns­terb­lich­keit gern hin­gä­be um ein paar Fla­schen je­nes dun­kel­ro­ten Un­gar­wei­nes, den wir mit To­des­ver­ach­tung und »fest­lich ho­her See­le« so manch­mal hier »dem Mor­gen zu­ge­bracht«? Wie gern ließ’ ich al­les mor­gend­li­che Nach­weh über mich er­ge­hen, könnt’ ich noch ein­mal dich, teu­rer Ge­nel­li, hin­ter dem Ti­sche in dem nied­ri­gen leicht an­ge­rauch­ten Wein­stüb­chen sit­zen se­hen, die vol­le Un­ter­lip­pe halb freu­dig, halb trot­zig auf­ge­wor­fen, wäh­rend eine gött­li­che Kin­der­fröh­lich­keit dir aus den Au­gen blitz­te! Da­mals warst du noch nicht Groß­her­zog­lich Wei­ma­ri­scher Pro­fes­sor und Fal­ken­rit­ter; du hat­test noch nicht in dem Frei­herrn von Schack den Mä­zen ge­fun­den, der dich in den Stand setz­te, die Ent­wür­fe dei­ner Ju­gend end­lich nach jahr­zehn­te­lan­gem Hof­fen und Har­ren in Far­ben aus­zu­füh­ren. Oben in dei­nem be­schei­de­nen Quar­tier am Stadt­gar­ten sa­ßest du, und die Ge­sell­schaft dei­ner Göt­ter und Hero­en ließ dich die Welt ver­ges­sen, die dich ver­gaß. Aber wenn du auch oft zu warm warst, um die Blei­stif­te zu be­zah­len, mit de­nen du, in zar­ten Li­ni­en leicht um­ris­sen, dei­ne Träu­me von den Göt­tern Grie­chen­lands auf rein­li­che Blät­ter schriebst: nie sah ich den Schat­ten von Er­den­not und Sor­ge auf dei­ner olym­pi­schen Stirn, die wie ein Berg­gip­fel über al­lem Ge­wölk sich im ewi­gen Äther sonn­te. Und wie auch die Sor­ge an dei­nem Her­de die Rol­le des Heim­chens spie­len moch­te – ein­mal in je­der Wo­che lenk­test du den Schritt zu die­sem Hau­se, um den An­flug von Staub und Mo­der, der sich etwa an dei­ne See­le zu set­zen ver­sucht, im Wei­ne weg­zu­spü­len. Ob der wa­cke­re Schi­mon die Ehre zu schät­zen wuss­te, die du ihm an­ta­test? Ich ent­sin­ne mich kaum, dass ich dich dei­nen Wein hät­te be­zah­len se­hen, wie an­de­re Er­densöh­ne. Frei­lich warst du auch stets der Letz­te, der ging, noch ganz auf­rech­ten Haup­tes und fes­ten Gan­ges, ge­feit ge­gen das viel be­ru­fe­ne ma­lum ma­tu­ti­num, und auch dar­um viel­leicht un­serm Wirt so teu­er, weil du den Glau­ben an die Un­ver­fälscht­heit sei­nes ro­ten Un­gar mit der Macht dei­ner Rede und dei­nes Bei­spiels ver­tei­dig­test.

Schö­ne, am­bro­si­sche Mit­ter­näch­te, wenn der zwei­fel­haf­te Nek­tar sei­ne Kraft be­wies und den Meis­ter über alle Not der Ge­gen­wart hin­weg in sei­ne rö­mi­sche Ju­gend zu­rück­führ­te! Dann wur­den, wäh­rend Dich­tung und Wahr­heit sich trau­lich in eins ver­schlan­gen, die Schat­ten der wa­cke­ren Vor­fah­ren her­auf­be­schwo­ren, die in Rom zu­erst, nach Win­ckel­manns und Cars­tens Heim­gan­ge, der deut­schen Kunst eine Frei­stät­te be­rei­tet hat­ten. Der selt­sa­me Poet und selt­sa­me­re Ma­ler, der als Ma­ler Mül­ler dem heu­ti­gen Ge­schlecht trotz neu­er Aus­ga­ben sei­ner Schrif­ten nur noch dem Na­men nach be­kannt ist, und von dem Ge­nel­li gern eine Stro­phe an­führ­te, die er sehr be­wun­der­te, eine In­schrift auf ei­nem Trink­ge­fäß, fol­gen­der Fas­sung:


Trin­ke, Freund, aus die­ser Scha­le,
Die der Gott der Lust
Einst ge­formt bei ei­nem Göt­ter­mah­le
Auf Cy­the­rens Brust.

Als zwei­ter dann, der nicht min­der wun­der­li­che Ti­ro­ler Koch, von des­sen treff­li­chen Land­schaf­ten je­doch we­ni­ger ge­spro­chen wur­de, als von sei­ner »Rum­ford­schen Sup­pe«, je­ner mit der­bem Witz und bit­te­rem Hohn reich­lich über­pfef­fer­ten Her­zenser­gie­ßung über den Ver­fall der Kunst, de­ren Kraft­stel­len un­ser Freund mit schmun­zeln­dem Be­ha­gen zu zi­tie­ren lieb­te. End­lich der alte Rein­hard, ein wa­cke­rer Meis­ter in sei­ner Art, und doch min­der groß und glück­lich als Künst­ler, denn als Jä­ger. Noch hör’ ich Ge­nel­li die be­rühm­te Ge­schich­te er­zäh­len, wie der alte Nim­rod ei­nes Ta­ges im Zwie­licht mit lee­rer Jagd­ta­sche und dem Schuss noch in der Flin­te in sein dämm­ri­ges Zim­mer trat, un­wirsch über den ver­lo­re­nen Tag. Da sieht er auf sei­nem Tisch et­was sich re­gen, als ob es da­von lau­fen wol­le, und in un­ge­kühl­ten Jagdtrie­be reißt er, ohne sich zu be­sin­nen, das Ge­wehr von der Schul­ter, legt an und schießt. Als er hin­zu­tritt, zu se­hen, was er ge­schos­sen, fin­det er einen al­ten Käse, den die Ku­gel glatt durch­bohrt hat, ohne doch das tau­send­fäl­ti­ge Le­ben in ihm zu tö­ten.

Das ist eine von den so­ge­nann­ten Jagd­ge­schich­ten!...

Erscheint lt. Verlag 1.7.2025
Reihe/Serie 99 Welt-Klassiker
99 Welt-Klassiker
Verlagsort Neuss
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Schlagworte Adel • Adolf Friedrich von Schack • Betrug • Doge • Dogen • Emanuel Geibel • Felix Dahn • Franz von Kobell • Friedrich Bodenstedt • Gondel • Hermann Lingg • Italien • Kaiser • König • Robert von Hornstein • Tyrannei • Untergang • Verrat • Wilhelm Heinrich Riehl • Wilhelm Hertz
ISBN-10 3-96281-134-6 / 3962811346
ISBN-13 978-3-96281-134-1 / 9783962811341
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