Emily – so schön und so geheimnisvoll (eBook)
130 Seiten
CORA Verlag
978-3-7337-5413-6 (ISBN)
Eine Flut kastanienroter Locken, ein betörendes Lächeln und ein unergründlicher Blick aus meergrünen Augen: Die bezaubernde Emily, deren geheimnisvolle Vergangenheit ihren Reiz nur erhöht, hat Dominics Herz in Flammen gesetzt. Aber noch fühlt sich der attraktive Viscount gebunden. Denn vor sechs Jahren verschwand seine unscheinbare, aber äußerst vermögende Ehefrau und kehrte nie mehr zurück. Jetzt, nachdem er seine wahre Liebe gefunden hat, macht Dominic sich auf die Suche nach der Vermissten. Er muss wissen, ob er frei ist, bevor er seiner Herzdame einen Antrag macht. Endlich stößt er auf eine heiße Spur - und die führt geradewegs zu Emily...
Die Engländerin schreibt historical romances und entspannt sich gerne in ihrem Garten. Diesen hat sie bereits öfter zugunsten des Fondes der Kirche in ihrem Dorf der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
1. KAPITEL
Dominic Carlton, Viscount Linford, zuckte beim laut bis in die Bibliothek dröhnenden Pochen des Türklopfers zusammen und fühlte sich in seiner Ruhe gestört. Verärgert verengte er die blauen Augen und dachte daran, dass er nur eine Person kannte, die derart ungestüm Einlass begehrte. Wenn er sich nicht sehr irrte, wurde er jetzt von seiner amüsantesten Verwandten heimgesucht.
Gleich darauf wurde an die Bibliothekstür geklopft, und auf sein Geheiß erschien der Butler, der in beinahe entschuldigendem Ton verkündete, Lady Henrietta Barnsdale wünsche Seine Lordschaft zu sprechen. „Bitten Sie meine Tante herein, Peplow“, erwiderte Dominic und erhob sich aus seinem Lieblingssessel.
Mit wehenden Hutfedern und raschelnden Röcken rauschte sie in den Raum.
„Wie reizend, dich zu sehen, Tante Henrietta“, begrüßte Dominic sie herzlich.
„Lüg nicht so dreist, Dominic!“, erwiderte sie lächelnd. „Wärst du gewillt gewesen, mich zu sehen, hättest du dir die Mühe gemacht, mir deine Ankunft mitzuteilen. Gib mir bitte ein Gläschen Madeira.“
„Irgendwie bringst du es immer fertig, meinen Aufenthaltsort herauszufinden, Tante, ohne dass ich dich benachrichtigen muss“, entgegnete er trocken, schenkte ihr ein und wartete, bis sie sich gesetzt hatte. Dann goss er sich selbst ein Glas Wein ein, nahm ihr gegenüber Platz und fuhr schmunzelnd fort: „Deine Spione waren heute bemerkenswert fleißig. Ich bin erst vor knapp drei Stunden eingetroffen.“
„Das weiß ich“, äußerte sie belustigt. „Amy hat dich in deiner Karriole ankommen sehen.“ Sie trank einen Schluck und schaute einen Moment lang prüfend den Neffen an. „Ein ziemlich seltsamer Zeitpunkt, um sich jetzt hier einzufinden“, sagte sie erstaunt. „Die Saison ist zur Hälfte vorbei. Warum bist du hergekommen? Oder sollte ich dich das besser nicht fragen?“
„Nein“, antwortete Dominic. „Es wäre mir jedoch neu, würdest du deine Neugier einmal zügeln.“
Henrietta überging die Spitze und schnaubte abfällig. „Ich wette, du protegierst eine neue Errungenschaft. Ich weiß alles über dein französisches Liebchen, mit dem du im vergangenen Jahr zusammen warst.“
Er blickte auf die Wand hinter der Tante und hatte jäh in Gedanken ein höchst erfreuliches Bild vor sich. „Die Dame war entzückend“, gestand er versonnen. „Nur leider hat sie bald ihren Reiz verloren, wie das auch bei meinen anderen Amouren der Fall war.“
Henrietta schüttelte den Kopf. „Denkst du, das wüsste ich nicht? Keine dieser Affären hat dir das Mindeste bedeutet. Daher war ich sehr erstaunt, als du Rebecca Standish kampflos aufgegeben hast. Du hättest sie heiraten können, denn sie hat dich sehr gemocht.“
„Sie liebte Edmond“, erwiderte Dominic. „Falls du jedoch glaubst, ich sei im letzten Jahr ins Ausland gereist, weil ich an gebrochenem Herzen litt, dann täuschst du dich sehr.“
„Warum bist du dann so plötzlich abgereist?“, wunderte sich Henrietta. Zu ihrer Verwunderung furchte er die Stirn, und einen Augenblick lang war sie sicher, dass er ihre Wissbegierde nicht befriedigen werde.
„Ich habe mich nicht in Rebecca verliebt, obwohl sie ein Schatz ist“, äußerte Dominic ruhig. „Das hätte jedoch leicht der Fall sein können. Sie hat mich indes dazu gebracht, über meine Lage nachzudenken. Die Situation kann nicht so bleiben, wie sie ist. Was hätte ich Rebecca offerieren können?“, fügte er hinzu und zog eine Augenbraue hoch. „Hätte ich ihr anbieten sollen, meine Mätresse zu werden?“
Nachdenklich betrachtete Henrietta den Neffen. Das unerklärliche Verschwinden seiner Gattin war eine ständige Belastung für ihn. In der Öffentlichkeit verbarg er seinen Kummer und seine Schuldgefühle hinter aufgesetztem Zynismus und geheucheltem Gleichmut. Vor Henrietta hatte er seine Beunruhigung jedoch nie verheimlichen können.
„Die Sache ist jetzt sechs Jahre her, Dominic“, sagte sie weich. „Du nimmst doch nicht an, dass du nach all der Zeit herausfinden kannst, was aus Emily geworden ist, selbst wenn sie noch am Leben sein sollte, was ich bezweifele. Schließlich hast du in dieser Hinsicht bereits alles Menschenmögliche getan und keinen Erfolg gehabt.“
„Du hast recht, aber ich kann nicht einfach die Hände in den Schoß legen“, entgegnete Dominic ernst. „Sollte sich herausstellen, dass Emily tot ist, kann ich zumindest dafür sorgen, dass sie in der Familiengruft bestattet wird. Sollte sie wider Erwarten noch leben … Nun, dann werde ich ihr die Entscheidung überlassen, ob sie zu mir zurückkehrt oder nicht. Zumindest könnte ich dann sicherstellen, dass es ihr an nichts fehlt.“
„Aller Wahrscheinlichkeit wird sie den größten Wert darauf legen, wieder in Gnaden von dir aufgenommen zu werden“, vermutete Henrietta.
„Wenn dem so wäre, warum ist sie dann inzwischen nicht zu mir zurückgekommen?“
„Falls sie noch lebt, kann ich mir keinen Grund für ihr Verhalten denken“, antwortete Henrietta ehrlich. „Sollte sie jemals zurückkehren, kann es unmöglich deine Absicht sein, dich wieder mit dieser verrückten Person einzulassen.“
Befremdet schaute er die Tante an und fragte irritiert: „Wie kommst du auf den absonderlichen Gedanken, dass sie nicht bei Verstand ist? Sie ist, oder war, sehr intelligent. Sie war nur immer sehr zurückhaltend und schüchtern.“
Henrietta war verblüfft, erholte sich indes schnell von der Überraschung. „Du kannst nicht leugnen, dass Emily sich seltsam aufgeführt hat“, hielt sie ihm vor. „Gewiss, ich war nach eurer Hochzeit nur einige Tage bei euch, aber in dieser Zeit hat Emily nur einige Worte mit mir gewechselt. Und dauernd hatte sie diese Puppe bei sich! Mit sechzehn Jahren, Dominic! Das ist doch nicht normal!“
„Gut, ich kann mir vorstellen, dass du das eigenartig gefunden hast. Ich gebe zu, auch ich habe mich darüber gewundert. Erst nach ihrem Verschwinden habe ich langsam begriffen, dass sie in ihrem kurzen Leben schreckliche Erfahrungen gemacht haben muss.“
Fragend schaute Henrietta den Neffen an. „Ich entsinne mich, dass du erwähnt hast, ihr Vater sei ein Eigenbrötler. Hatte sie eine so furchtbare Kindheit und Jugend?“
„Ja“, bestätigte Dominic. „Sie hat ein elendes Dasein gehabt.“ Er stand auf, ging durch den Raum und blieb vor dem Kamin stehen.
In angespannter Haltung starrte er vor sich hin. Henrietta neigte nicht zu Rührseligkeit, doch in diesem Moment fühlte sie sich den Tränen nahe. Sie wusste zu gut, dass ihr dummer Eigensinn Dominic über Jahre hinweg unnötigen Schmerz bereitet hatte.
Sie hatte ihn zum Ebenbild seines Vaters, ihres älteren Bruders Alfred, heranwachsen sehen. Trotz dessen charakterlicher Schwächen hatte sie ihn vergöttert. Alfred hatte ein Vermögen für seine hübsche, flatterhafte Gattin ausgegeben und nach deren Tod den Sohn nach Strich und Faden verwöhnt. Dominic war von seinem ihn abgöttisch liebenden Vater restlos verzogen worden und hätte Selbstdisziplin und Zurückhaltung lernen müssen. Allerdings hatte er es nicht verdient, dass sein verschwenderischer Vater ihm einen solchen Schuldenberg hinterließ.
Leise seufzend lehnte Henrietta sich zurück. Sie war imstande und gewillt gewesen, dem Neffen zu helfen, vorausgesetzt, er hätte seinen Lebensstil geändert. Es war ihr ein Herzensanliegen gewesen, ihn sesshaft werden und heiraten zu sehen.
Er hatte sich vermählt, aber nicht mit einer der hübschen Debütantinnen, die Jahr für Jahr in die Gesellschaft eingeführt wurden. Stattdessen hatte er Emily Weston, die Tochter eines reichen Kaufmanns, geehelicht, eine unansehnliche, verschlossene Person, die meistens schwieg.
„Wäre ich doch nur nicht so halsstarrig gewesen!“, murmelte sie und sah den Neffen sie verdutzt anstarren. „Hätte ich dir das Geld an dem Tag, als du mich darum gebeten hast, geliehen, dann wären dir viele sorgenvolle Jahre erspart geblieben.“„Nein, Tante Hetta“, erwiderte er und lächelte zärtlich. „Du darfst dir keine Vorwürfe machen. Du hattest recht, dich zu weigern. Hättest du meinem Ansinnen entsprochen, wäre ich der leichtfertige, sich nur um sein Vergnügen und sonst um nichts und niemanden kümmernde Narr geblieben, der ich damals war.“ Unwillkürlich dachte er an den kalten Februartag vor sechs Jahren. „Als ich das Schreiben von Emilys Vater gelesen hatte, hielt ich es für ein Gottesgeschenk. Ehe ich Roderick Weston aufsuchte, hatte ich ihn vielleicht ein halbes Dutzend Mal gesehen. Er hat mir auf dem Krankenlager versichert, er werde meine gesamten Schulden übernehmen, wenn ich Emily heirate.“ Dominic lachte verbittert auf. „Sie war bei dem Gespräch dabei, hat sich jedoch nicht zu diesem Vorschlag geäußert. Ich hatte sie zwar nur flüchtig zur Kenntnis genommen, war indes sofort einverstanden. Drei Wochen später sind wir in demselben Raum getraut worden. Als ich dann mit meiner sechzehnjährigen Gattin und der schriftlichen Zusage ihres Vaters in der Tasche in der Kutsche saß, wusste ich sehr gut, was von beidem mir mehr bedeutete. Mein Schwiegervater hatte mir versprochen, dass die Übernahme der Schulden nur Teil der Zuwendungen sein würde, die ich von ihm erhielte, wenn ich mich mit Emily vermählte. Glaub mir, Tante Hetta, das allein hat mir genügt. Kaum ein halbes Jahr nach der Trauung ist er dann verstorben, und seine Anwälte haben mich hier aufgesucht. Mein Schwiegervater hinterließ ein Vermögen von einer halben Million. Ja, Tante Hetta“, setzte er angesichts ihrer erstaunten Miene lächelnd hinzu. „Dennoch hat der alte Knauser nie einen Penny für die Instandhaltung...
| Erscheint lt. Verlag | 18.11.2017 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Digital Edition |
| Digital Edition | Digital Edition |
| Übersetzer | Roy Gottwald |
| Verlagsort | Hamburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | bücher für frauen • Cora • cora bücher • cora digital edition • cora liebesromane • cora neuerscheinungen • cora romane • Cora Verlag • cora verlag kindle • eBook • ebook angebote • ebook günstig • ebook liebesroman • Frauenroman • Frech • Liebesgeschichte • Liebesroman • romantisch • Romantische Bücher • Sexy |
| ISBN-10 | 3-7337-5413-1 / 3733754131 |
| ISBN-13 | 978-3-7337-5413-6 / 9783733754136 |
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