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Der Krieg der Welten (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2017
Anaconda Verlag
978-3-7306-9173-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der Krieg der Welten - H. G. Wells
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Ein seltsames Objekt liegt da auf der Wiese, vom Himmel gefallen wie ein Meteorit. Ihm entsteigen hässliche Wesen. Neugierig nähern sich Londons Bürger den Besuchern aus dem All, bald liegen die ersten tot da, verkohlt durch einen brutalen Hitzestrahl. Und sie sind nicht die letzten Opfer dieser Invasoren mit ihren perfiden Waffen. Was wollen sie, wo kommen sie her und was kann ihr Zerstörungswerk aufhalten? 'Der Krieg der Welten' ist der erste Roman, der eine Begegnung mit Außerirdischen schildert - ein frühes Meisterwerk der Science-Fiction-Literatur.

Herbert George Wells, geboren 1866 in Bromley bei London, widmete sich nach einem naturwissenschaftlichen Studium immer mehr dem Schreiben. Er bezeichnete sich selbst als Autor 'wissenschaftlich fundierter Abenteuergeschichten' und führte Phänomene wie Unsichtbarkeit, Zeitreisen und die Invasion der Erde durch Ungeheuer aus dem All in die Literatur ein. Damit gelangte der Gesellschaftssatiriker und Utopist nicht nur zu Weltruhm, sondern gestaltete die Entwicklung der Science fiction entscheidend mit. H. G. Wells starb 1946 in London.

1 Der Vorabend des Krieges


In den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts hätte niemand geglaubt, dass Intelligenzen, größer als die menschliche und doch ebenso sterblich, diese Welt neugierig observierten; dass sie die Menschen prüften und studierten, während diese ihren Angelegenheiten nachgingen, und zwar in fast ebensolcher Nahsicht, wie ein Mensch unter dem Mikroskop die flüchtigen Wesen studiert, die in einem Tropfen Wasser umherwimmeln und sich vermehren. In grenzenlosem Behagen liefen die Menschen geschäftig auf diesem Erdball umher, völlig gelassen im festen Glauben daran, dass man alles im Griff hatte. Möglich, dass es die Infusionstierchen unter dem Mikroskop ebenso hielten. Niemand verschwendete einen Gedanken daran, dass von den älteren Himmelskörpern im Weltraum den Menschen Gefahr drohen könnte, oder dachte allenfalls an sie, um die Vorstellung von Leben auf ihnen als unmöglich oder ganz unwahrscheinlich abzutun. Wenn man sich heute in Erinnerung ruft, wie über so manches damals gedacht wurde, muss man sich wundern. Im äußersten Fall stellten sich die Erdbewohner vor, dass es andere Menschen auf dem Mars gab, die ihnen möglicherweise unterlegen wären und eine Forschungsmission bereitwillig empfingen. Doch betrachteten Geister, uns etwa so überlegen wie unser Verstand demjenigen des Viehs, gewaltige, kalte, gefühllose Verstandeskräfte, weit hinten im Schlund des Weltalls diese Erde mit neidischem Blick und schmiedeten so langsam wie beharrlich ihre Pläne gegen uns. Und zu Beginn des 20. Jahrhunderts zerplatzte das große Trugbild.

Der Mars, ich muss den Leser wohl kaum daran erinnern, kreist in einer mittleren Entfernung von 140 000 000 Meilen um die Sonne, und er empfängt von der Sonne kaum halb so viel Licht und Wärme wie unser Planet. Sofern die Nebularhypothese zutrifft, ist er älter als die Erde, und lange bevor diese aufgehört hatte, sich zu verdichten, muss auf seiner Oberfläche bereits Leben aufgetreten sein. Da der Mars nicht einmal ein Siebtel des Volumens der Erde hat, dürfte er verhältnismäßig rasch abgekühlt sein bis auf eine Temperatur, bei der sich Leben ausprägen kann. Er verfügt über Luft und Wasser und bietet auch sonst alles, was Lebensformen ihr Dasein ermöglicht.

Doch so eitel ist der Mensch und durch seine Eitelkeit so blind geworden, dass sich bis ans Ende des 19. Jahrhunderts kein Autor je zu der Möglichkeit geäußert hat, dort könne sich intelligentes Leben weit oder doch immerhin klar über dem irdischen Niveau ausgeprägt haben. Auch wurde aus der Tatsache, dass der Mars älter ist als die Erde, kaum ein Viertel ihrer Oberfläche hat und weiter von der Sonne entfernt ist, nie der notwendige Schluss gezogen, dass das Leben dort nicht nur eher begonnen hat, sondern sich auch eher dem Ende zuneigt.

Die zunehmende Abkühlung, die eines Tages auch über unseren Planeten kommen wird, ist bei unserem Nachbarn bereits weit fortgeschritten. Seine physische Beschaffenheit ist kaum enträtselt, doch wir wissen heute, dass selbst im Bereich seines Äquators die Tageshöchstwerte kaum die Temperaturen unserer kältesten Winter erreichen. Die Luft ist dort viel dünner als bei uns, seine Meere haben sich so weit zurückgebildet, dass sie nur noch ein Drittel der Oberfläche bedecken, und durch den langsamen Wechsel seiner Jahreszeiten sammeln sich an beiden Polen gewaltige Schneemassen an, die wieder schmelzen und dabei stets aufs Neue die gemäßigten Zonen überschwemmen. Jenes letzte Stadium der Auszehrung, das uns noch so unglaublich fern ist, bereitet den Bewohnern des Mars längst Probleme. Der unmittelbare Handlungsdruck hat ihre geistigen Fähigkeiten geschärft, ihre Kräfte erhöht und ihre Herzen verhärtet. Mit ihren Apparaturen und Geistesgaben, von denen wir selbst nicht einmal träumen können, blicken sie nun ins Weltall, und da sehen sie in nächster Nähe, nur 35 000 000 Meilen sonnenwärts entfernt, einen Morgenstern der Hoffnung, unseren eigenen, wärmeren Planeten, grün vor Vegetation und grau vor Wasser, mit einer wolkenbedeckten Atmosphäre, die Fruchtbarkeit verheißt, und zwischen den Wolkenfeldern freier Sicht auf breite Abschnitte besiedelten Landes und enge Meere voller Schiffe.

Und wir Menschen, die Bewohner dieser Erde, müssen ihnen als mindestens so andersartige und niedere Wesen erscheinen wie uns die Affen und Lemuren. Der kluge Teil der Menschheit hat längst begriffen, dass das Leben ein unentwegter Kampf ums Dasein ist, und auf dem Mars sieht man dies wohl ebenso. Deren Welt ist schon viel weiter abgekühlt und unsere noch reich bevölkert, wenngleich mit Lebewesen, die für sie nichts als minderwertige Tiere darstellen. So bleibt ihnen denn als einzige Rettung vor der Vernichtung, die Generation für Generation schleichend näher rückt, den Krieg sonnenwärts zu tragen.

Bevor wir zu streng über sie urteilen, müssen wir uns vor Augen halten, welch skrupellose und totale Zerstörung unsere eigene Gattung ins Werk gesetzt hat, nicht nur bei ausgestorbenen Tieren wie dem Bison oder dem Dodo, sondern auch bei unterlegenen Rassen. Ihrer Menschengestalt zum Trotz wurden die Tasmanier in einem von europäischen Einwanderern geführten Ausrottungskrieg binnen fünfzig Jahren völlig von der Erde getilgt. Sind wir solche Apostel des Erbarmens, dass wir uns beklagen könnten, wenn die Marsianer uns in demselben Geist bekriegen?

Die Marsianer – deren mathematische Kenntnisse den unsrigen offenkundig weit überlegen sind – scheinen ihre Landung sehr exakt berechnet und ihre Vorbereitungen in nahezu völliger Einmütigkeit getroffen zu haben. Wären unsere Instrumente dazu in der Lage gewesen, so hätten wir schon viel früher im 19. Jahrhundert erkennen können, welches Unheil sich da zusammenbraute. Männer wie Schiaparelli beobachteten den roten Planeten – ist es übrigens nicht seltsam, dass der Mars seit Jahrhunderten als Stern des Krieges gilt? –, doch sie missdeuteten die ständigen Veränderungen auf der von ihnen so sorgsam kartografierten Oberfläche. In dieser ganzen Zeit müssen sich die Marsianer bereitgemacht haben.

Während der Opposition von 1894 wurde auf dem angestrahlten Teil der Scheibe ein großes Licht registriert, erst im Lick-Observatorium, dann von Perrotin in Nizza, schließlich von weiteren Beobachtern. Englische Leser erfuhren davon durch die Nature-Ausgabe vom 2. August. Ich neige zu der Ansicht, dass dieses Leuchten von einer riesigen Kanone herrührte, aufgestellt in einer gewaltigen Senke ihres Planeten, von wo aus sie ihre Schüsse auf uns abfeuerten. Sonderbare, noch ungedeutete Verschattungen wurden während der nächsten beiden Oppositionen nahe der Stelle dieses Ausbruchs gesichtet.

Vor sechs Jahren dann brach der Sturm über uns los. Als der Mars sich der Opposition näherte, gab Lavelle auf Java über die Leitung der astronomischen Meldestelle die unglaubliche Mitteilung von einer gewaltigen Explosion weißglühenden Gases auf dem Planeten durch. Das war am 12. gegen Mitternacht geschehen; und das Spektroskop, das er sofort zum Einsatz brachte, deutete auf eine glühende Gasmasse hin, im Wesentlichen Wasserstoff, die sich mit enormer Geschwindigkeit auf die Erde zubewegte. Dieser Feuerstrahl war gegen Viertel nach zwölf nicht mehr zu sehen. Lavelle verglich ihn mit einer ungeheuren Stoßflamme, die mit einem Mal heftig aus dem Planeten schoss »wie entzündetes Gas aus einem Geschütz«.

Diese Formulierung erwies sich als denkbar passend. Am nächsten Tag allerdings war in den Zeitungen bis auf eine kleine Meldung im Daily Telegraph nichts über das Thema zu lesen, und so war die Welt ohne Kenntnis von einer der schlimmsten Gefahren, die die Menschheit je bedroht hat. Vielleicht hätte auch ich nichts von der Eruption erfahren, wäre ich nicht in Ottershaw dem bekannten Astronomen Ogilvy begegnet. Die Nachricht hatte ihn ganz munter werden lassen, und im Überschwang seiner Empfindungen lud er mich ein, in der nächstfolgenden Nacht gemeinsam mit ihm den roten Planeten einer gründlichen Prüfung zu unterziehen.

Trotz allem, was seither passiert ist, erinnere ich mich noch sehr genau an jene Nachtwache: an das stillschwarze Observatorium, den matten Lichtschein, den die dunkle Laterne auf den Boden in der Ecke warf, das beständige Ticken des Uhrwerks am Teleskop, den kleinen Spalt im Dach – ein länglicher Schlund, durch den der Sternennebel zog. Ogilvy ging umher, nicht sichtbar, doch hörbar. Beim Blick durchs Teleskop sah man einen tiefblauen Kreis, in dem der kleine runde Planet schwebte. Ganz zart wirkte er, so hell und reglos, leicht gekerbt von querlaufenden Streifen und nicht vollkommen kreisrund. Er war so klein, so silbrig-warm – ein Stecknadelkopf aus Licht! Es schien, als zittere er, doch dies rührte vom Teleskop her, das vibrierte, wenn es mithilfe des Uhrwerks neu auf den Planeten ausgerichtet wurde.

Während ich hindurchsah, schien der Planet größer und wieder kleiner zu werden, näherzukommen und zurückzuweichen, doch dies lag allein an meinem müden Auge. Vierzig Millionen Meilen war er von uns entfernt – mehr als vierzig Millionen Meilen des Nichts. Wenige Menschen sind sich der immensen Leere bewusst, in der der Staub des stofflichen Universums schwebt.

Im Sichtfeld dicht neben ihm, so weiß ich noch, befanden sich drei schwache Lichtpunkte, drei teleskopische Sterne unendlich fern, und drum herum war nichts als die gähnende Finsternis des leeren Alls. Man kennt die Finsternis, wie sie in einer sternklaren Frostnacht herrscht. Durchs Teleskop betrachtet wirkt sie noch weit tiefer. Und für mich nicht zu erkennen, weil es so fern und...

Erscheint lt. Verlag 17.11.2017
Reihe/Serie Große Klassiker zum kleinen Preis
Große Klassiker zum kleinen Preis
Übersetzer Jan Strümpel
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte Anaconda • Anaconda Verlag • Außerirdisch • Außerirdische • Bakterien • Booktok • eBooks • Herbert George Wells • H. G. Wells • H.G. Wells • Kampfmaschinen • Klassiker • Kolonialpolitik • Krieg der Welten • Mars • Marsianer • Militär • Reclam • Satire • Science-fiction • Science Fiction • SciFi • Serien • SF • War of the Worlds
ISBN-10 3-7306-9173-2 / 3730691732
ISBN-13 978-3-7306-9173-1 / 9783730691731
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