Väter und andere Helden (eBook)
416 Seiten
dotbooks (Verlag)
978-3-96148-063-0 (ISBN)
Annegrit Arens hat Psychologie, Männer und das Leben in all seiner Vielfalt studiert und wird deshalb von der Presse immer wieder zur Beziehungsexpertin gekürt. Seit 1993 schreibt die Kölner Bestsellerautorin Romane, Kurzgeschichten und Drehbücher. Fünf ihrer Werke wurden für die ARD und das ZDF verfilmt. Die Autorin im Internet: www.annegritarens.de Annegrit Arens veröffentlicht bei dotbooks folgende Romane: Der 'Therapeut auf meiner Couch' 'Die Macht der Küchenfee' 'Aus lauter Liebe zu dir' 'Die Schokoladenkönigin' 'Die helle Seite der Nacht' 'Ich liebe alle meine Männer' 'Wenn die Liebe Falten wirft' 'Bella Rosa' 'Weit weg ist ganz nah' 'Der etwas andere Himmel' 'Der geteilte Liebhaber' 'Wer hat Hänsel wachgeküsst' 'Venus trifft Mars' 'Süße Zitronen' 'Karrieregeflüster' 'Wer liebt schon seinen Ehemann?' 'Suche Hose, biete Rock' 'Kussecht muss er sein' 'Mittwochsküsse' 'Liebe im Doppelpack' 'Lea lernt fliegen' 'Lea küsst wie keine andere' 'Väter und andere Helden' 'Herz oder Knete' 'Verlieben für Anfänger' 'Liebesgöttin zum halben Preis' 'Schmusekatze auf Abwegen' 'Katzenjammer deluxe' 'Ein Pinguin zum Verlieben' 'Absoluter Affentanz' 'Rosarote Hundstage' 'Die Liebesformel: Ann-Sophie und der Schokoladenmann' 'Die Liebesformel: Anja und der Grüntee-Prinz' 'Die Liebesformel: Tamara und der Mann mit der Peitsche' 'Die Liebesformel: Susan und der Gentleman mit dem Veilchen' 'Die Liebesformel: Antonia und der Mode-Zar' 'Die Liebesformel: Ann-Sophie und il grande amore'
Annegrit Arens hat Psychologie, Männer und das Leben in all seiner Vielfalt studiert und wird deshalb von der Presse immer wieder zur Beziehungsexpertin gekürt. Seit 1993 schreibt die Kölner Bestsellerautorin Romane, Kurzgeschichten und Drehbücher. Fünf ihrer Werke wurden für die ARD und das ZDF verfilmt. Die Autorin im Internet: www.annegritarens.de Annegrit Arens veröffentlicht bei dotbooks folgende Romane: Der "Therapeut auf meiner Couch" "Die Macht der Küchenfee" "Aus lauter Liebe zu dir" "Die Schokoladenkönigin" "Die helle Seite der Nacht" "Ich liebe alle meine Männer" "Wenn die Liebe Falten wirft" "Bella Rosa" "Weit weg ist ganz nah" "Der etwas andere Himmel" "Der geteilte Liebhaber" "Wer hat Hänsel wachgeküsst" "Venus trifft Mars" "Süße Zitronen" "Karrieregeflüster" "Wer liebt schon seinen Ehemann?" "Suche Hose, biete Rock" "Kussecht muss er sein" "Mittwochsküsse" "Liebe im Doppelpack" "Lea lernt fliegen" "Lea küsst wie keine andere" "Väter und andere Helden" "Herz oder Knete" "Verlieben für Anfänger" "Liebesgöttin zum halben Preis" "Schmusekatze auf Abwegen" "Katzenjammer deluxe" "Ein Pinguin zum Verlieben" "Absoluter Affentanz" "Rosarote Hundstage" "Die Liebesformel: Ann-Sophie und der Schokoladenmann" "Die Liebesformel: Anja und der Grüntee-Prinz" "Die Liebesformel: Tamara und der Mann mit der Peitsche" "Die Liebesformel: Susan und der Gentleman mit dem Veilchen" "Die Liebesformel: Antonia und der Mode-Zar" "Die Liebesformel: Ann-Sophie und il grande amore"
Kapitel 2
Il Silenzio
Das Taxi steuerte auf ein Rondell zu. Bunte Flaggen waren zu einem Strauß gebündelt, ein Transparent verkündete »Willkommen in Velden!«, einen Moment lang war es wie früher.
»Genau wie früher«, sagte Marga. In ihrem Kopf gesellte sich das Trompetensolo zu den stolz flatternden Fahnentüchern, majestätisch und herzergreifend. Fehlte nur noch der See. »Wartens nur ab«, erwiderte der Taxifahrer und bog auf die Seestraße ab.
»Schweinszüngerl« stand groß auf einer in die Mitte des Bürgersteigs gerückten Tafel, eine Tafel weiter waren »Brathenderl« im Angebot. Eine poppig bunte Menschenschlange bewegte sich in Slalomlinien zwischen den angepriesenen Touristenmenüs und Ständern mit Trachtenpüppchen Richtung Seepromenade, die entgegenkommende Schlange drängte frontal auf das Taxi zu. Marga starrte auf gebräunte, gerötete und bleiche Gesichter mit sich pausenlos bewegenden Mündern. Kauen-reden-kauen-reden, auch in ihrem Taxi-Kokon wußte Marga, daß der Rummel dort draußen schlimmer als in Königswinter nach der Weinlese war.
»Mein Gott«, sagte sie.
»Sehens!« Der Fahrer blinkte und bog ab. Wahrscheinlich Wales besser so, befand Marga. Ihr drehte sich der Magen um, wenn sie daran dachte, auch ihr Schloßhotel und der See könnten so geworden sein. Dann schon lieber gleich durchfahren zu der abseits gelegenen Pension, in der sie einmal gewohnt hatte, als im Hotel alles belegt war.
Sie war fünfzehn gewesen und krank. Sie hatte im Bett gelegen, gedöst, gegessen und rasch ihren Schmöker unter dem Kissen verschwinden lassen, sobald die Schritte ihrer Mutter sich näherten. Jedes Anzeichen von Gesundung hätte unweigerlich bedeutet, daß Marga in den geordneten Familienalltag hätte zurückkehren müssen: gemeinsame Mahlzeiten, ordentliche Kleidung und Nacharbeiten der Hausaufgaben, die Margas Mutter sich Tag für Tag von einer Schulkameradin – was für eine Verräterin! – ansagen ließ. Marga hätte ewig weiter in diesem warmen Bettümpel bleiben mögen, wenn nicht plötzlich diese Geschäftsreise nach Kärnten dazwischengekommen wäre.
»Ich habe da für Hannes ein Haus in Sicht«, hatte ihr Vater gesagt, »direkt am Hang und mit Blick auf den Wörthersee, eigentlich könnte ich Marga mitnehmen, damit sie sich wieder bekrabbelt.« Das bloße Wort »Wörthersee« hatte Marga elektrisiert, ihr Trompetensolo erklingen und sie aufspringen lassen: »Super!« Natürlich hatte ihre Mutter ihr die Sache vermiesen wollen: »Heute früh warst du noch zu schlapp zum Zähneputzen!« Aber Margas Vater hatte Schonung und Vokabelüben und eine klimabedingte Wunderheilung versprochen und sie trotzdem mitgenommen.
Das Wunder hieß Hannes. Hannes war Verleger, er war spezialisiert auf Kunst, und wenn er gelegentlich zu den Merlins zu Besuch kam, brachte er Marga immer eins von seinen Magazinen mit. »Du wirst immer hübscher«, sagte er, »und gescheiter, nach dem Abitur arbeitest du für mich, okay?« Seitdem hatte Marga sich in ihren Lieblingsfächern Deutsch und Kunst noch mehr angestrengt und sich vorgenommen, dieses »hübsch« in »schön« umzuwandeln und ganz groß als Kulturredakteurin herauszukommen. Hannes, der Kunde ihres Vaters, nannte ihre Mutter »schön«, was zweifelsfrei stimmte. Aber die Zeit spielte gegen die Mittdreißigerin. Damals hatte Marga angefangen, nach ersten Spuren des Alterns zu suchen, und ihre geplante Karriere war eine doppelte Trumpfkarte. Margas Mutter betrieb die Kunst nur als Hobby.
Fast wäre Margas Reise nach Kärnten dann doch noch geplatzt, weil ihr Vater kein Zimmer mehr für sie im Schloßhotel bekam. Aber er war clever. Vor seiner Frau bezeichnete er die »Römerschlucht« einfach als Dependance. Von wegen! Selbst mit dem Auto war’s eine Viertelstunde von Haus zu Haus, und Marga hatte es genossen, dieses Geheimnis mit ihrem Daddy zu teilen und als Fünfzehnjährige solo zu logieren. Solo? Die Bilder in ihrem Kopf waren um Hannes gekreist, den Mittvierziger und erfolgreichen Verleger und zukünftigen Chef.
»Ein Glück«, sagte Marga zu ihrem Taxifahrer, »ein Glück, daß ich so weit außerhalb gebucht habe, auch wenn’s dann bis zum See etwas weiter ist. Ich war nämlich früher schon mal in der ›Römerschlucht‹. Mit fünfzehn.«
Der Mann warf ihr einen Blick zu, so als ob er taxieren wolle, wie lange das wohl her sei. »Naja«, sagte er dann.
»Naja« hörte sich an, als ob Margas Teenagerzeit in grauer Vorzeit läge. Oder meinte er etwas anderes? »Erzählen Sie mir nicht, daß sich in den paar Jahren auch die Kuhweiden in einen Rummelplatz verwandelt haben.«
»Sehens selbst«, brummte der Fahrer und chauffierte weiter an endlosen Reihen von weiß gekalkten Häusern vorbei, deren auf rustikal getrimmte Balkone einheitlich mit Wäschespinnen und Plastikmöbeln mit geblümten Polsterauflagen bestückt waren. Davor parkten Autos mit deutschen Kennzeichen.
Anscheinend hatte Margas Erinnerung die Entfernung schrumpfen lassen. Gleich mußte endlich das Weideland beginnen. Damals hätte sie bis dicht ans Schloß quer über Wiesen laufen können, was sie natürlich nicht getan hatte, weil dann der Stacheldraht ihre Kleider und der Kuhdung ihre Pikkoloabsätze gefährdet hätten. Im Schloßhotel erschien man nicht als Landpomeranze, und vor einem erfolgreichen Verleger – »Du wirst immer hübscher, Kleines!« – erst recht nicht. Hannes hatte ebenfalls im Schloßhotel gewohnt. Offiziell war das so.
»Da wären’s!« Der Wagen hielt.
Marga schreckte auf. Konnte nicht sein. Keine Wiese, geschweige denn Kühe, nur Hausfronten mit massenhaft deutschen PKWs vor der Eingangstür. Hier gab’s sogar eingezeichnete Parktaschen, was das Königswinter-nach-der-Weinlese-Ambiente noch verstärkte.
»Es muß noch eine andere ›Römerschlucht‹ geben«, sagte sie, »meine ›Römerschlucht‹ war quasi nur ein Landhaus mit vier angebauten Holzpavillons zur Obstwiese hin.«
»Da!« Der Fahrer streckte die Hand aus.
Marga sah in die gewiesene Richtung. Lediglich die vier Balkone verrieten, daß es sich um einen Anbau handelte. Am Haupthaus war das geschnitzte Holz dunkel, hier war es hell, früher hatte es im Anbau lediglich den ebenerdigen Austritt in den Garten gegeben. Der aufgesetzte zweite Stock war ebenso neu wie der Swimmingpool davor.
»Mein Gott«, sagte Marga. Es ging ihr schon selbst auf den Nerv, wie oft sie den da oben heute bemühte. Es war die pure Hilflosigkeit, und nützen tat’s erst recht nichts. Ihr Kontakt zu dem allmächtigen Drahtzieher machte schon schlapp, als es das Paradies hier unten für sie noch gab.
»Der da oben hat nichts damit zu tun. Zweihundertneun Schilling, bittscheen!« Der Fahrer zeigte vom Himmel auf sein Taxameter und fuhr fort, die Auswirkungen der Touristenschwemme auf seine Heimat in Schilling zu übersetzen, während Marga eben nach denselben in ihrem Portemonnaie suchte, wo sich zwei Währungen mischten. Am liebsten hätte sie gleich kehrtgemacht. Was sie natürlich nicht tat. Sie stieg aus.
Sie wurde schon erwartet. Brav ließ Marga den Rundgang durch die rustikaleichene Bar und den rustikaleichenen Frühstücksund Fernsehraum über sich ergehen, nickte folgsam zu der Aufzählung aller Modernisierungen wie Minibar, Bad und Television in sämtlichen Zimmern und verschwieg der stolzen Wirtin, daß sie beide sich bereits kannten. Vor fast dreißig Jahren war die Wirtin eine junge Frau und vernarrt in einen Dreikäsehoch, der mit seinem Tretroller die Kühe oder die Gäste verfolgte. Seine Mutter mußte ihn immer nur auf der hinter dem Haus gelegenen Weide oder in einem der Holzpavillons, die es nicht mehr gab, suchen. Er wurde »Bubbelchen« gerufen. Marga stellte sich ein dreißigjähriges Bubbelchen vor, das auf einem Tretroller durch die rustikaleichene Pracht hier düste. Sie grinste.
»Es gefällt Ihnen also.« Die Wirtin nickte zufrieden. Mittlerweile hatte der Rundgang sie in das für Marga bestimmte Gästezimmer geführt, sie standen nun unmittelbar vor einer ebenfalls rustikal ummäntelten Minibar.
Hatte sie, Marga, diesen Alptraum etwa gelobt? Braves Mädchen! Verlogenes Mädchen!
Eine Antwort schien sich aus Sicht der Wirtsfrau zu erübrigen, die Tür schloß sich bereits hinter ihr. Marga steuerte auf die Balkontür zu. Wahrscheinlich war das Läuten der Kuhglocke auch nur Einbildung oder ein Kunstprodukt wie die lila Schokoladenkuh oder die poppig bunte Babynahrung-Plastikkuh in der Werbung.
Der Türgriff sperrte, das Holz war alt, echt alt, und auch die reich geschnitzte Balustrade und die Dachsparren waren die von vor dreißig Jahren. Margas Zimmer lag zur Seite hin. Wenn sie sich vorbeugte, konnte sie den Waldsaum, drei friedlich grasende Kühe und den Schotterweg erkennen, der zuerst einen Schlenker zum Milchhof und zum Forsthaus hin machte und dann parallel zur Uferstraße nach Velden führte.
Hannes hatte immer diesen Weg genommen. Er fuhr einen Range Rover mit Vierradantrieb, für den es kein Hindernis gab. Fehlte nur noch das passende Haus in den Kärntner Bergen, dafür hatte Margas Vater gesorgt. Um das andere kümmerte sie sich selbst.
Morgens früh ist es frisch. In einem Fetzen Organza ist es verdammt frisch. Roter, durchsichtiger Stoff mit Volants, der eigentlich meiner Mutter gehört, obwohl sie allmählich aus dem Alter für rote Shorties à la Doris Day heraus ist. Ich nicht! Ich renne zurück ins Zimmer, klettere auf einen Stuhl, drehe und wende mich vor dem Spiegel über dem Waschbecken und finde mich schön. Hinreißend und verrucht und sehr verführerisch. Bei dem Gedanken, daß mein Vater unwissentlich zu meinem Komplizen wird, jagt’s mir noch heißere Schauder über den Rücken. Rot werde ich auch, naturrot, das ist weniger sexy. Ich bestäube Wangen...
| Erscheint lt. Verlag | 25.10.2017 |
|---|---|
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Comic / Humor / Manga |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | eBooks • Erinnerungen • Erste Liebe • Familie • Familienroman • Feelgood-Roman • Flirt • Kaernten • Kärnten • Kinder • Koeln • Köln • Komödie • Komoedie • Liebesroman • Mutter • Petra Hülsmann • Romantik • Sophie Kinsella • Vater |
| ISBN-10 | 3-96148-063-X / 396148063X |
| ISBN-13 | 978-3-96148-063-0 / 9783961480630 |
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