Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

G. F. Unger Sonder-Edition 124 (eBook)

Apache Springs

(Autor)

eBook Download: EPUB
2017 | 1. Aufl. 2017
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-5442-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

G. F. Unger Sonder-Edition 124 - G. F. Unger
Systemvoraussetzungen
1,99 inkl. MwSt
(CHF 1,90)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen

Die Besatzung von Apache Springs und die in seinen Schutz geflüchteten Frauen und Kinder waren dem Tod geweiht. Coloradas Victorio, der Häuptling der Chiricahua-Apachen, wollte Rache für sein von weißen Skalpjägern grausam niedergemetzeltes Dorf.
Doch dann tauchte Les Quinnahan auf, der Mann, dem Red Vic die kleine Schwester geraubt hatte ...

1

Als Les Quinnahan die Quelle erreicht, lebt Bill Sherburn noch. Die Apachen haben ihn mit einer Lanze am Boden festgenagelt.

Bill Sherburn liegt ganz still. Sein Gesicht ist schweißbedeckt. Wahrscheinlich spürt er die Schmerzen schon nicht mehr richtig. Als er den Reiter auf dem löwengelben Pferd auftauchen sieht, kehrt sein Verstand noch einmal zurück. Seine Energie lässt seine Lebensgeister noch einmal aufflackern.

Nach einer Weile erkennt er Les Quinnahan sogar. Sie begegneten sich manchmal in den wenigen Siedlungen des Landes und in Städten wie Tucson, Nogales, Silver City, Las Palomas und El Paso. Er verzerrt sein zerschundenes, schweißbedecktes Gesicht zu einem Grinsen. »Pass nur auf«, stößt er hervor, »dass sie dich nicht auch erwischen! Denn sie sind gewiss noch in der Nähe. Ich war …«

»… auf Skalpjagd«, unterbricht ihn Les Quinnahan heiser. »Du gehörtest zu einer Mannschaft, die auf Skalpjagd war. Am Pinto Creek habt ihr ein Dorf mit Frauen und Kindern gefunden und es überfallen. Ihr habt viele Skalps erbeutet.«1)

»Ja«, erwidert der Sterbende mühsam. »Ich selbst erwischte sieben Skalps und hätte mir für die Prämie eine neue Milchkuh und einige andere Dinge kaufen können. Die Apachen fügten mir immer wieder großen Schaden zu, und ich dachte mir, dass nun sie einmal bezahlen … Oh, ich konnte ihnen nicht entkommen. Coloradas Victorio holte uns ein. Er erwischte nacheinander alle von uns. Ich bin der letzte Mann. Doch bevor sie mich mit der Lanze hier festnagelten, sagte er mir, dass er dorthin ginge, wo unsere Frauen und Kinder lebten und …«

Er kommt nicht weiter. Seine leise und vor Schmerz heisere Stimme versagt.

Les Quinnahan saß inzwischen ab. Er berührt mit den Fingern die Lanze, doch er zögert, sie herauszuziehen. Er hat in diesem Land schon mehr als einen Mann auf diese oder ähnliche Art sterben sehen. Bill Sherburn wäre noch schneller tot, entfernte man die Lanze.

Sherburn öffnet wieder seine Augen.

»Du bist Quinnahan, nicht wahr? Reite zu meiner Frau und sag ihr, dass sie frei ist. Ich war schon immer ein Versager. Coloradas Victorio ist unterwegs, um kleine Siedlungen und Ranches zu überfallen. Er will Rache für unser Massaker nehmen. Ann und Joe müssen fort. Vielleicht können sie sich bis Fort Grant …«

Er schließt plötzlich die Augen, zuckt zusammen und entspannt sich allmählich. Er ist tot.

Les Quinnahan weiß es.

Er starrt auf Bill Sherburn nieder und weiß nicht, ob er ihn bedauern oder verachten soll.

Bill Sherburn war einer von diesen zähen, verwegenen Siedlern, die es wagten, mit Frau und Kind in einem Land zu leben, in dem sie ständig von wilden Apachen bedroht wurden. Diese Siedler setzten all ihre Chips darauf, dass es der Armee gelingen würde, die Apachen endgültig zu befrieden.

Doch zumeist verloren sie dieses Spiel – wie jetzt Bill Sherburn. Die Apachen stahlen oder töteten ihr Vieh und ihre Pferde. Sie brannten ihnen die Hütten nieder, vergifteten ihre Brunnen oder Wasserstellen. Oder sie töteten die Männer, manchmal auch die Frauen – niemals jedoch die Kinder.

Les Quinnahan steht bei dem Toten und denkt über all diese Dinge nach. Plötzlich erinnert er sich an Bill Sherburns Frau, an ihr rotes Haar und ihre grünen Augen, an ihren Gang, ihre Stimme und an die Art, wie sie das Kinn hob.

Das sah er damals in Tucson, als Sherburn mit seiner Frau aus der Bank kam, wo er einen Kredit bekommen hatte. Les hatte dem Paar nachgesehen und sich gefragt, wie ein Mann wie Sherburn zu einer solchen Frau kam?

Nun ist er tot. Und sie ist in Gefahr. Alle kleinen Siedlungen und Farmen nach Norden zu sind in Gefahr.

Les Quinnahan ist nur wenig mehr als mittelgroß, dabei hager wie ein Wüstenwolf. Doch seine Schulterpartie, seine langen Arme und die geschmeidigen Hände verraten eine rasche, zupackende Kraft. Seine Handgelenke sind fast so breit wie die Handrücken. Er hat ein dunkles, etwas hohlwangiges Gesicht, dunkles Haar und helle Augen. Sein Gesicht kerben einige tiefe Linien, und in den hellen Augen funkeln zuweilen seltsame Lichter.

Er trägt zwei Revolver und in den weichen Stiefeln ein Green-River-Messer.

Als General Crook hier im Südwesten das Kommando übernahm, nachdem General Howard es nicht geschafft hatte, die Apachen zu befrieden und in Reservate einzusperren, wollte er Les Quinnahan gern als Chef-Scout gewinnen.

Doch Quinnahan wollte nicht.

Während er auf den Toten starrt, entschließt er sich, zu dessen Frau zu reiten und zu versuchen, sie zu retten. Dabei fällt ihm ein, dass Sherburn auch einen Sohn hat – einen noch kleinen Sohn. Bei diesem Gedanken durchfährt es ihn heiß. Denn er denkt an ein kleines Mädchen.

***

Les Quinnahan kennt sich in diesem Land aus wie die Apachen, denn er wurde hier geboren. Sein schottischer Vater kam ins Land, als es noch zu Mexiko gehörte. Quinnahan musste schon sehr früh erfahren, dass dieses Land mitleidlos ist und die Lebewesen darin keine Gnade kennen. Hier galt von jeher nur das Gesetz des Überlebens.

Dieses Land ist hart und grausam zu allen, die darin leben; es duldet nur wilde Geschöpfe.

Die Frauen brauchen ihre ganze Kraft – sonst zerbrechen sie.

Es ist ein unendlich wirkendes, verlorenes und schweigsames Land, mit gleißenden Sonnenuntergängen, kalten Nächten und tausend Farben. Coyoten und Wüstenwölfe, Klapperschlangen, Antilopen, Schwarzschwanzrehe, Adler und Pumas leben hier.

Eine Handvoll Soldaten versucht manchmal, Apachen zu töten, und wird zumeist selbst getötet.

Es gibt Rancher, Siedler, Geächtete und Goldsucher in diesem Land. Doch mehr oder weniger gehört es noch den Apachen.

Aber ein Mann wie Quinnahan kann es mit ihnen aufnehmen.

Er reitet den Rest des Tages, beschreibt dann in der Nacht einen weiten Bogen und rechnet sich aus, dass er die Kriegshorde überholt hat. Als er dann wieder auf dem richtigen Weg reitet, weiß er, dass sie seine Fährte entdecken werden. Doch er hat keine Zeit mehr zu verlieren, er muss den kürzesten Weg reiten.

Als es Tag wird, hält er an und späht von einem Hügel aus nach Süden.

Die Staubwolke ist etwa drei Meilen zurück. Er hat also trotz des großen Bogens, den er in der Nacht schlug, drei Meilen Vorsprung.

Noch weiter zurück steigt Rauch zum Himmel. Wahrscheinlich brennt dort ein Wagenzug, den sie im ersten Morgengrauen überfallen haben.

Die anderen, die sich nicht beim Wagenzug aufhalten, kommen auf ihren hageren Mustangs schnell vorwärts.

Les Quinnahans löwengelber Wallach, der in der Wüste geboren wurde, ist die ganze Nacht gelaufen. Dennoch schnaubt er willig, als sein Herr ihn wieder antraben lässt.

Die Zeit drängt. Die Apachen haben Quinnahans Fährte gefunden und sofort begriffen, dass er unterwegs ist, um ihr Kommen zu melden und um das ganze Land zu alarmieren. Sie wissen, dass er vor ihnen, die den Tod bringen, warnen will.

Zehn Meilen weiter trifft Les Quinnahan auf seinem schweißbedeckten Pferd die Postkutsche von Tucson nach Nogales. Er hält sie mit erhobenen Händen an und zeigt damit, dass er friedliche Absichten hat; denn der Begleitmann zielt mit einer Schrotflinte auf ihn, die mit Indianerschrot geladen ist, das ihn gewiss ein Pfund schwerer machen würde.

»Wenn ihr in dieser Richtung weiterfahren wollt, so müsst ihr wissen, dass einige Meilen hinter mir Coloradas Victorio angebraust kommt«, sagt Les Quinnahan trocken zum Fahrer, während er näher an die Kutsche heranreitet.

»Na und?«, fragt der Fahrer und schiebt seinen Kautabak von einer Backentasche in die andere. Dann erst spricht er weiter: »Die Regierung hat mit den Apachen einen Vertrag, nach dem die Postwege offen sind. Das war schon bei Cochise der Fall und ist immer noch so. Wenn dieser Coloradas Victorio hinter Ihnen her ist, Amigo, dann bedeutet das noch lange nicht, dass wir uns Sorgen zu machen brauchen. Warum ist er denn hinter Ihnen her, ha?«

Les Quinnahan betrachtet den Kutscher fast ausdruckslos. Das ist seine Art; er drängt sich oder seinen Rat niemals auf. Wenn er gesagt hat, was zu sagen war, versucht er nie irgendwelche Überredungskünste. Denn er meint, dass jeder sein eigener Hüter ist und allein entscheiden muss.

Aber er beantwortet die Frage dennoch.

»Ihr wisst, dass man in Tucson Prämien für die Skalps von Bronco-Apachen zahlt. Es taten sich eine Anzahl Skalpjäger zusammen. Sie überfielen Coloradas Victorios Dorf, machten alle Frauen, Kinder und ein paar alte Krieger nieder. Der Rote Viktor und seine Krieger waren zu dieser Zeit noch drüben in Mexiko, um Pferde zu verkaufen. Sie kamen früher zurück, als die Skalpjäger erwartet hatten. Dann begann die Jagd, die sich über eine Strecke von fünfzig Meilen zog. Von den Skalpjägern lebt keiner mehr, obwohl sie ihre Skalps weggeworfen hatten, um nicht mit ihnen erwischt zu werden. Sie sind alle tot, alle! Und es waren insgesamt mehr als zwei Dutzend Burschen, die sich für hart hielten.

Mann, Red Vic ist unterwegs, um Rache zu nehmen! Ich sah kurz nach Tagesanbruch einen Wagenzug brennen. Und jetzt habe ich genug geredet, Leute!«

»Das hat er«, sagt der Begleitmann.

Der Fahrer nickt, spuckt seinen Priem aus und zieht das Sechsergespann herum. Als er es wieder auf der Straße hat, die eigentlich nichts anderes ist als eine ausgefahrene Spur von Wagenrädern, knallt er den Tieren die lange Peitsche um die Ohren und brüllt heiser: »Braah! Hoiiiya! Lauft, ihr dicken Tanten! Lauft nur, ihr Trampeltiere!...

Erscheint lt. Verlag 14.11.2017
Reihe/Serie G. F. Unger Sonder-Edition
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Abenteuer-Geschichte • Abenteuer-Roman • Abenteurer • alfred bekker • Anna Basener • Bahnhofsroman • Cassidy • Cora • Cowboy • Die Abenteurer • g f barner • G. F. Barner • G. F. Unger • Groschenheft • Heft • Heftchen • Heftchen-Roman • Heftroman • Heft-Roman • Indianer • Karl May • Klassiker • Laredo • Lassiter • Mira • Pulp • Pulp Ficition • Ringo • Romanheft • Roman-Heft • serial content • Serial Novel • Serial Novels • Serie • Serien • Seriennovellen • Western • western-bestseller • western country exklusiv • western deutsch • Western ebooks deutsch • western ebooks deutsch kindle • western exklusiv • Western-reihe • Westernroman • Westernromane • Western-Serie • western serie deutsch • Wilder Westen • Winnetou • Wyatt Earp
ISBN-10 3-7325-5442-2 / 3732554422
ISBN-13 978-3-7325-5442-3 / 9783732554423
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Ohne DRM)

Digital Rights Management: ohne DRM
Dieses eBook enthält kein DRM oder Kopier­schutz. Eine Weiter­gabe an Dritte ist jedoch rechtlich nicht zulässig, weil Sie beim Kauf nur die Rechte an der persön­lichen Nutzung erwerben.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich