Jessica Bannister - Folge 038 (eBook)
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-5502-4 (ISBN)
In dem schottischen Städtchen Carlisle verschwinden spurlos junge Frauen, und Zeugen berichten von elfenhaften Wesen aus Licht, die die Frauen entführen. Jim Brodie und Jessica Bannister sollen sich um die Sache kümmern und machen sich auf nach Carlisle - und schon bricht das Übernatürliche über sie herein.
Da ist die unheimliche Ruine einer mittelalterlichen Abtei, dann eine Spukgestalt, die nachts die nebelverhangenen Gassen von Carlisle schreitet und Jim und Jessica beinahe in den Tod reißt. Bald erfahren die beiden auch, dass ein alter Hexenorden - die wicca - in Carlisle tätig ist und geheimnisvolle Rituale in den nahen Wäldern durchführt, dass es einen Hexenschatz geben soll, hinter dem der ruhelose Geist eines Inquisitors noch immer her ist - und schließlich erfährt Jessica den Sinn der Worte, die einst jener unheimliche Mönch in ihrer Vision zu ihr sprach ...
Das Johlen der tobenden Menge klang wie das heisere Zorngeschrei eines wütenden Dämons. Die Dunkelheit zur Ostseite des Marktes schien zu gerinnen und in unwirklicher Bewegung hin- und herzuwiegen, und dann spie die formlose Finsternis Menschen aus.
Ein ganzes Heer von Körpern zeichnete sich wie schwarze, vorwärtskriechende Scherenschnitte gegen den verhangenen Oktoberhimmel ab. Wolkenfetzen jagten vorbei. Ab und zu übergoss der Mond die Szenerie mit silbrigem, kalten Licht.
»Brenne! Brenne! Brenne!«
Aus der Menge ragten Sensen hervor, Sauspieße, Heugabeln. Die Ackergeräte wurden drohend im Takt der unzähligen Stimmen geschwenkt.
Die Menschen drängten hinter der kleinen Prozession vor ihnen her, die würdevoll über die schlammigen Straßen von Carlisle schritt. Sechs Männer rahmten eine einzelne Frau ein, eine ältere, ausgemergelte Bäuerin, wie es schien. Man sah ihr Spuren der Folter an.
Die Männer waren in grobe Mönchskutten gehüllt, und jeder trug eine blakende Fackel in der Hand. Allen voran schritt, in ein purpurnes, weites Gewand mit einer weiten Kapuze gehüllt, ihr Herr. Sein Gesicht war nicht zu erkennen, lediglich seine dürren, langen Finger umklammerten beinahe krampfhaft das auf einem langen Holzstab montierte Messingkreuz der Kirche.
Er war hier der Herr über Leben und Tod, und das zeigte seine Haltung auch deutlich sichtbar. Er war derjenige, der hier direkt nach der Instanz Gottes zu entscheiden hatte.
Der Inquisitor.
Die Menge schob sich vorwärts und grölte dabei wie ein Haufen irrsinniger Derwische.
Im zuckenden Feuerschein sahen die Gesichter gespenstisch aus, und ihre Schatten wurden unwirklich verschwommen an die Mauern der kleinen Häuser des Marktplatzes geworfen. Der Feuerschein half nicht viel. Die Dunkelheit, die sich scheinbar widerwillig vor dem Licht der Fackeln zurückzog, schien außerhalb des flackernden Lichtkreises nur noch dichter und undurchdringlicher zu werden.
»Brenne! Brenne! Brenne!«
Die ehemals friedlichen Bürger von Carlisle hatten sich in einen blutgierigen Mob verwandelt, der nicht eher wieder ruhen würde, als bis die Hexe endlich brannte.
Die Hexe Jasprey.
Die sechs Laienbrüder stießen die Frau grob vor sich her. Sie taumelte und wäre beinahe gestürzt, konnte sich aber im letzten Moment fangen. Keiner der Männer streckte ihr eine Hand entgegen, um ihr zu helfen.
Finster und drohend ragten die kleinen, schmutzigen Gebäude gegen den Himmel. Schlamm schmatzte unter den Füßen der Menschen, als sie sich jetzt in einem Kreis um den großen Scheiterhaufen formierten. Immer noch fuhr der kalte Wind klagend durch die momentan verlassenen Straßen und ließ die zornige Menge unwillkürlich erschauern.
Der Inquisitor blieb stehen und hob die Hand. Abrupt hielten die Kuttenträger inne, und gleichzeitig verstummte das Johlen der Menge. Eine unheimliche Ruhe kehrte über dem Platz ein. Nur der Wind war zu hören; kalt und böse.
Der Inquisitor verharrte eine Weile reglos, ehe er seine Hand wieder senkte. Langsam streifte er sich mit beiden Händen die Kapuze vom Kopf.
Seine bleichen Gesichtszüge und die dünne, grausame Hakennase wirkten in dem roten Feuerschein der Fackeln dämonisch. Um seinen schmalen, zusammengepressten Mund spielte ein leichtes Lächeln, als er seine Stimme hob und über den Platz brüllte.
»Wir, Henry James Trebleford, verkünden hiermit in Gottes Namen das Urteil, das der Hohe Rat über die Angeklagte Jasprey gefällt hat!«
Es war absolut still. Natürlich wusste jeder Einzelne in der Menge, welches Urteil die Frau zu erwarten hatte, aber trotzdem waren sie wie von einer seltsamen Spannung paralysiert.
Die Frau hielt sich hoch aufgerichtet. Silbrig glänzende Spuren auf ihrem schmutzigen Gesicht zeichneten den Weg der Tränen nach, die ihr beinahe unmerklich aus den Augen rannen. Sie verzog jedoch nicht einmal eine Miene.
»Wir konnten der Angeklagten die Buhlschaft mit dem Satan nachweisen. Sie hat schwarze Messen abgehalten und lasterhafte Frevel im Angesicht des Herren begangen.«
Die Menge schwieg atemlos. Der Inquisitor drehte sich betont langsam zu der Frau um und starrte ihr direkt in die Augen.
Sie wich seinem Blick nicht aus.
Seine Augen funkelten triumphierend. Er hob die Stimme noch ein wenig an, als er weitersprach.
»Wir verurteilen Jasprey zum Tod durch den Scheiterhaufen, auf dass ihre Seele geläutert werde und nicht der ewigen Verdammnis anheimfällt!«
Den Bruchteil einer Sekunde herrschte noch Ruhe auf dem Platz, dann brach ein unbeschreiblicher Tumult aus.
»Brenne! Brenne! Brenne!«
Das Toben der Menge hatte sich nun zu einem unmenschlichen, rasenden Zorn gesteigert. Die Menschen brauchten ein Ventil, jemanden, dem sie die Missernten der letzten Zeit zuschieben konnten. Und hier präsentierte der Kirchenmann den Sündenbock: eine Hexe.
Jasprey, die jetzt von den Laienbrüdern auf den Scheiterhaufen gezerrt wurde, zeigte keine Regung. Sie wusste, dass jede offene Träne, jedes Betteln um Gnade nur den Triumph des grausamen Inquisitors erhöhen würde.
Aber sie wusste auch, warum sie in Wirklichkeit hier brennen sollte.
Niemand hatte bisher zu behaupten gewagt, dass Jasprey eine Hexe war oder mit dem Teufel im Bunde stände. Im Gegenteil, keiner hatte etwas gegen die Frau und ihre kleine Anhängerschar gehabt, die tief in den Wäldern der Umgebung Kräuter geschnitten hatte. Alle hatten die Frau aufgesucht, um sie um Rat und natürliche Arzneien zu bitten, und der Erfolg gab ihren Behandlungsmethoden recht.
Viele Dorfbewohner hatten sich trotz ihrer eigenen Armut aus Dankbarkeit erkenntlich gezeigt und sie beschenkt, sodass sie mit der Zeit einen nicht geringen Teil an Wertsachen gesammelt hatte.
Und genau diese Wertsachen wollte Trebleford.
Der Inquisitor hatte irgendwoher Nachricht erhalten, dass die seltsame Alte im Wald Geld und Wertgegenstände hortete, und es war ihm sehr schnell gelungen, Jasprey mithilfe seines Einflusses und des Vertrauens, das die Menschen der Kirche entgegenbrachten, vor den Dorfbewohnern als Hexe darzustellen.
Sie hatte ihm kein Wort gesagt, während der Folter nicht, während der langen Wochen im Verlies der Portree Abbey nicht.
Und jetzt sollte sie brennen.
Die Männer hatten Jasprey mit einem starken Strick an den senkrecht in den Boden gerammten Holzpfahl gefesselt, und zu ihren Füßen war der Scheiterhaufen – dürres, trockenes Reisig, extra für den heutigen Tag gesammelt und gelagert.
Jasprey ließ ihren Blick über die Menge gleiten. Sie spürte tiefe, dumpfe Verzweiflung in sich aufsteigen, als ihr jetzt der Flammentod so nahe war. In der rasenden Menge sah sie bekannte Gesichter. Menschen, denen sie einstmals geholfen hatte und die jetzt verschämt den Blick zu Boden senkten, als Jasprey sie ansah.
Der Inquisitor nahm eine Fackel in die Hand und trat auf Jasprey zu. Er beugte sich vor, bis sein Gesicht beinahe das ihre berührte. Jasprey konnte die Hitze der Flammen neben ihrem Gesicht spüren.
»Das ist die letzte Möglichkeit, mir zu sagen, wo du deine Schätze versteckt hast, elendes Kräuterweib«, zischte er. Speichel sprühte aus seinem Mund und besprenkelte ihr Gesicht.
»Ich werde es Euch nie verraten, Trebleford«, erwiderte sie mit fester Stimme. Sie blickte ihn stolz an.
»Sag es mir, und ich hole dich von diesem Scheiterhaufen herunter!« Seine Stimme klang verlockend, einschmeichelnd.
»Ihr belügt mich. Ich werde so oder so sterben.«
Das Gesicht des Inquisitors verzerrte sich für Sekunden in eine Grimasse des Hasses. Er drehte sich abrupt um und riss die Fackel in die Höhe.
»Sie weigert sich, ihre Freveltaten zu bereuen!«, schrie er dem Volk entgegen. »Möge der Herr sie gnädig aufnehmen!«
Und damit stieß er die Fackel in den Scheiterhaufen.
Sofort züngelten Flammen gierig empor. Eine heftige Hitzewelle wogte über Jaspreys Körper und in den Himmel.
Der Inquisitor trat ein paar Schritte zurück, legte den Kopf in den Nacken und begann, wie irrsinnig zu lachen.
»Ich werde ihn finden, Jasprey, verlass dich darauf! Ich finde ihn!«
Die Hitze wurde immer unerträglicher. Knisternd flogen Funken umher und brannten auf ihrer Haut. Es knackte und loderte gespenstisch. Jasprey verbiss sich den Schmerz. Tränen standen in ihren Augen.
»Niemals! Nur Angehörige meines Blutes können an meine Schätze gelangen!«
Der dürre Mann schüttelte sich vor Lachen. »Das werden wir ja sehen, Hexe! Ich schwöre dir, ich werde nicht eher ruhen, als bis ich den Schatz in meinen Händen halte!«
»So sei es«, murmelte Jasprey mit einem letzten Lächeln.
Dann erreichten die leckenden Flammen ihre Beine.
***
Ich saß vor meiner Schreibmaschine in dem weitläufigen Großraumbüro der Redaktion des London City Observer und grübelte.
Der allgemeine Lärm, die Hektik der umhereilenden Journalisten, das Stimmengewirr und das allgegenwärtige Schrillen der Telefone drang schon gar nicht mehr richtig zu mir durch. Wenn ich wirklich mit einer Sache beschäftigt war, konnte neben meinem Arbeitsplatz im Büro eine Bombe detonieren, und ich würde es nicht bemerken.
Ich starrte missmutig auf das mit wenigen Zeilen beschriebene Blatt Papier, das in meine alte Schreibmaschine eingespannt war.
Martin T....
| Erscheint lt. Verlag | 7.11.2017 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Die unheimlichen Abenteuer |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror | |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Abenteuer-Roman • Abenteurer • American Horror Story • Angst • Anna Basener • anne-alexander • Bahnhofsroman • Banshee • Barry Belmondo • Bastei • Buffy • Charmed • Cora • Dämonenjäger • deborah-court • Der Dunkle Turm • Der Geisterjäger • Deutsch • de-winter • Die Abenteurer • eBook • E-Book • eBooks • ellen-gaber • Familien-Geheimnis • Fantasy • Fortsetzungsroman • Frauen-grusel • Frauengrusel • Furcht • Geheimnis • Geister • Geisterjäger • Geschichten • ghost • Groschenheft • Grusel • Grusel-Krimi • Grusel-Roman • Gruselserie • Heft • Heftchen • Heftchen-Roman • Heftroman • Heft-Roman • Hexerei • H G Francis • Horror • horror deutsch • Horror-Roman • Horrorroman deutsch • Horror-Serie • horror thriller • Jason Dark • Jessica-Bannister • john Sinclair • Julia meyer • Kindle • Klassiker • Liebe • Lovecraft • Magie • Mark Hellmann • Mira • Monster • Monster,Schrecken • mooncastle • muriel-fendorf • Mysterie • Mysterien • Mystery • Nacht • pamela-menzel • Preacher • Professor Zamorra • Pulp • Pulp Ficition • Romanheft • Roman-Heft • Romanheft-serie • romantic-suspense • Romantic-Thrill • Romanticthriller • Romantic-Thriller • Romantik-Thriller • Romanze • Schicksal-Roman • Schrecken • serial content • Serial Novel • Serial Novels • Serie • Serien • Seriennovellen • Serienroman • sharon de winter • sharon-winter • Slasher • spannend • Spuk • Stephen King • Stranger Things • The Walking Dead • Thriller-Serie • Tony Ballard • Unheimlich • Van Helsing • Voodoo • Zombie |
| ISBN-10 | 3-7325-5502-X / 373255502X |
| ISBN-13 | 978-3-7325-5502-4 / 9783732555024 |
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