Maddrax 465 (eBook)
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-5438-6 (ISBN)
Während Matt, Tom, Xij und Hordelab in Amerika unterwegs sind, um weitere zivilisierte Völker mit Peilsendern zu versorgen, stoßen Grao und Ira endlich auf das Dorf der Daa'muren im nördlichen Indien. Doch das Wiedersehen mit den Artgenossen gestaltet sich anders als erwartet. Bald müssen sich die beiden entscheiden: Stehen sie auf der Seite der Menschheit oder der Daa'muren? Für Ira, die in den Menschen Freunde sieht, ist das schnell entschieden - aber Grao ist tief in seinem Inneren noch immer ein Kind des Wandlers. Wird er so weit gehen, Ira und ihre Mission zu verraten?
„Was haben sie vor?“, keuchte Gal’hal’ira und deutete auf einen Bildschirm.
Eine Außenkamera des Amphibienpanzers fing das Bild einer Barbarengruppe am Steilhang vor ihnen ein. Staub und Gesteinsbrocken rieselten über eine Absperrung aus Baumstämmen, als die in Leder gehüllten Gestalten sich daran zu schaffen machten.
Mit Entsetzen beobachtete Grao, wie die Barriere nachgab und eine Gerölllawine über den Abhang herabstürzte.
Fluchend beschleunigte er PROTO. Die großen Plastiflex-Räder trieben den Panzer vorwärts, rumpelten durch Schlaglöcher und über Felsbrocken. Es war nicht leicht, das Ungetüm auf der gewundenen Straße zu halten – allein mit seinen sechs Metern Breite ragte er darüber hinaus.
Dem Steinschlag zur anderen Seite hin auszuweichen war zu gefährlich. Dabei machten ihm die Bäume weniger Sorgen als die Felsblöcke, die zwischen ihnen lagen. Offenbar hatten diese Wilden ihre Geröllfalle nicht zum ersten Mal eingesetzt.
„Wir hätten nicht anhalten dürfen“, sagte Ira.
„Das hätten wir bei den letzten drei Zwischenstopps nicht“, antwortete Grao. „Je näher wir unserem Ziel kommen, desto verrückter gebärden sich die Primärrassenvertreter.“
„Achtung!“
Vor ihnen lag ein gewaltiger Felsblock auf der Straße.
Grao zwang den Panzer nach links, vorbei am Felsen in eine Senke voller Buschwerk und junger, dünnstämmiger Bäume. Knackend und krachend zog der fünfzehn Meter lange Koloss eine Schneise durchs Gehölz. Dreck spritzte hoch und Holz splitterte.
PROTO verlor rapide an Geschwindigkeit und der Antrieb heulte auf, als die Räder durchdrehten. Mit dem letzten bisschen Schwung kamen sie der Straße nahe genug, dass die Vorderräder wieder Halt fanden. Schotter flog und der Panzer nahm Fahrt auf.
Hinter ihnen ergoss sich die Gerölllawine auf die Straße und versperrte den Durchgang zum Dorf der Wilden.
Grao atmete auf und reduzierte das Fahrtempo, während die Felsformationen zu ihrer Rechten in flaches Geländer übergingen und hinter ihnen zurückfielen.
„In guter Mission unterwegs zu sein ist leider nicht immer erfreulich“, sagte Ira und lehnte sich im Copiloten-Sitz zurück. „Dabei hatte ich ein gutes Gefühl bei dieser Siedlung.“
„Gefühle werden überschätzt“, kommentierte Grao. „Wir sind Daa’muren und sollten der Logik vertrauen.“ Dass es nicht so einfach war, wusste Grao’sil’aana nur zu gut. Selbst er war mit der Zeit gegenüber Emotionen anfällig geworden; mit Daa’tan hatte es begonnen und bei Gal’hal’ira setzte es sich fort.
„Ohne Gefühle müsstest du auf das hier verzichten.“ Ira deutete mit einer Geste auf ihren Körper und lächelte verschmitzt. „Und du glaubst nicht, wie kalt eine einsame Nacht sein kann.“
Die Straße führte in südöstlicher Richtung und machte nach fünfzehn Kilometern einen Schwenk nach Süden, um sich dem Lauf eines breiten Stroms anzupassen.
Blattlose Wälder, Hitze und Staub dominierten Induu. Das hatten die beiden Daa’muren bereits aus der Luft beobachtet, als sie vor Wochen das Lonsdaleit für die Agarther in Induu beschafft hatten. Früher war das Land eine artenreiche Dschungelzone gewesen, doch seit sich der Mond der Erde annäherte, unterlag alles dem Wandel.
Grao lenkte den Panzer an das Steilufer und stellte den Antrieb ab. Während Ira durch die Heckluke ins Freie trat, kletterte Grao durch den Notausstieg an der Oberseite. Die zusätzlichen fünf Meter Höhenunterschied verhalfen ihm zu einer guten Aussicht.
Fahlgelber Boden beherrschte die weiten Ebenen, die toten Bäume waren großteils zerborsten und ragten wie Stachel aus dem kargen Erdreich. Nur einzelne ferne Waldstreifen durchzogen mattgrün das Land.
Grao setzte sich auf die aufgeheizte Panzerung. Seine Schuppen raschelten, als er eine Hautfalte öffnete und das Kristallfragment ans Licht der Vormittagssonne holte. Seit ihm dieses unerwartete Zeugnis daa’murischen Lebens in die Hände gefallen war, fühlte er sich seinem Volk wieder näher. So unsinnig dieser Gedanke auch sein mochte.
„Ein interessantes Land.“ Ira war ebenfalls auf das Dach gestiegen und leistete Grao Gesellschaft. „Ein bisschen heiß und zu aggressive Bewohner, aber wenigstens gibt es Wasser“, sagte sie und beschattete die Augen. „Sind wir hier richtig?“
Grao schloss die Hand um den grün glimmenden Daa’murenkristall und konzentrierte sich auf die leichte Vibration. „Er schwingt stärker als je zuvor“, antwortete er auf Iras Frage. „Aber die Richtung ist unklar. Wir sollten uns von der Vorstellung verabschieden, dass uns der Splitter bis vor die Tore der Daa’muren-Enklave bringt.“
„Ich bin sicher, dass wir die Siedlung nicht übersehen können, selbst wenn wir es wollten.“
Grao nickte. In Iras Worten schwang eine ungewisse Furcht mit. Auch Grao war unschlüssig, wie sich das Zusammentreffen gestalten würde, vor allem wegen der Entscheidung über die Evakuierung nach Novis.
Sie kehrten in den Amphibienpanzer zurück und studierten das gespeicherte Kartenmaterial, das mehr als fünfhundert Gestirnumkreisungen alt war und aus der Zeit vor der Ankunft des Wandlers stammte. Trotz der Veränderungen während dieser Zeit waren sie ausgesprochen nützlich. Der breite Strom vor ihnen musste der Ganges sein, der sich weiter südostwärts schlängelte, bis er sich in Allahabad mit dem Yamuna vereinte.
Sie führten die Reise fort und gelangten an eine Furt. Weil sie diesseits des Stroms wiederholt auf wilde Barbarenstämme gestoßen waren, setzten sie über und tauchten in eine der toten Waldungen ein.
„Ich mag diesen Ort nicht“, sagte Ira. „Er atmet Verderben. Alles ist verdorrt und die Bäume sehen aus, als hätten sie einen qualvollen Todeskampf hinter sich.“
„Und genau wie der ganze Planet haben sie ihn verloren.“
„Bei Sol’daa’muran!“, rief Ira und justierte eine Außenkamera nach. „Da war etwas!“
Grao richtete seine Aufmerksamkeit auf den Monitor und entdeckte tiefer im Wald einen Schutzwall. Er war aus dem Holz der toten Bäume erbaut und mochte an die sechs Meter hoch sein. Aus dem Augenwinkel bemerkte er eine Bewegung durch eines der vorderen Sichtfenster.
Das mutierte Horsay eines Gespanns scheute und bäumte sich auf, als Grao viel zu spät auswich. Der Wagen schleuderte und überschlug sich.
„Halt sofort an!“, forderte Ira. „Wir müssen nachsehen, ob jemand verletzt wurde.“
„Bist du verrückt? Bei unserem Glück auf den letzten viertausend Kilometern sind das abermals nur aggressive Einfaltspinsel. Und komm mir nicht damit, dass es die Daa’muren-Enklave sein könnte. Wir sind ihr zwar nahe, aber so nahe auch wieder nicht.“
Über Iras blassblau geschuppte Stirn zog sich eine Zornesfalte. „Den Unfall hast du mit deinen Fahrkünsten verschuldet. Halt sofort an!“
Einen Moment war Grao versucht, Iras Wunsch zu ignorieren, aber er wollte sich in den nächsten Stunden, vielleicht sogar Tagen nicht mit einer verärgerten Daa’murin herumschlagen.
Also bremste er ab und nahm, bevor sie ausstiegen, die Gestalt eines hochgewachsenen Technos an, den er immer wieder auf ihrer Reise imitiert hatte. Auch Ira blieb ihrer Wahl treu: eine langhaarige Amazone vom Volk der Dreizehn Inseln. Als Kleidung – ebenfalls aus ihren Schuppen geformt – trugen sie beide einen metallisch glänzenden Overall, wie er für Technos typisch war.
Sie verließen PROTO durch die Heckklappe und sicherten den Zugang. Waffen führten sie nicht mit sich, das würde nur die Primärrassenvertreter nervös machen, außerdem war ihr Körper Waffe genug.
Der verunfallte Wagen hatte sich quer vor einen Baum gelegt. Drei bärtige Männer, bedeckt mit Staub und Schmutz, versuchten ihn aufzurichten, was durch das angespannte Horsay erschwert wurde. Es tänzelte herum, zerrte am Geschirr und zertrat die herumliegenden Früchte und Wurzeln, die von der Ladefläche gerutscht waren.
„Entschuldigt!“, rief Ira und trat auf sie zu.
Die drei fuhren herum. Der Leinenkleidung nach zu urteilen gehörten sie keinem der Barbarenstämme an, aber für Technos schienen sie und ihr Gespann zu rückschrittlich. Außerdem trugen sie keine Waffen.
Ira wandte sich an einen Mann mit kurzgeschorenen Haaren. Mit seinen gut dreißig Jahren schien er der Älteste der Gruppe zu sein. „Wir waren abgelenkt und haben euer Gefährt zu spät bemerkt“, sagte sie entschuldigend. „Das ist Grao, mein Name ist Ira.“
Grao zweifelte, ob der Primärrassenvertreter überhaupt die Sprache der Wandernden Völker verstand. Doch die Miene des Mannes hellte sich auf. „Hari“, sagte er. „Das sind Uudai und Pratap. Wir kommen vom Wurzelfeld und … Vishnu sei Dank ist nichts Schlimmeres passiert.“ Seine Aussprache war holprig und manche Worte muteten verdreht an, dennoch waren sie zu verstehen.
„Mein Begleiter ist ein miserabler Fahrer“, sagte Ira und erntete von Grao einen missmutigen Blick.
Hari nickte. „Jeder macht Fehler, aber nicht jeder steht zu ihnen.“
Ira deutete auf das Horsay. „Ich kann gut mit Tieren. Darf ich …?“
Der Bärtige sah sie verblüfft an. „Ja … sicher.“
Ira stellte sich vor das Horsay und stieß seltsam kehlige Laute aus. Das gefährliche Stirnhorn des Tieres senkte sich, und tatsächlich wurde es schlagartig ruhiger. Grao schüttelte den Kopf. Er wusste, dass Ira anders war, aber dieses Einfühlungsvermögen war erschreckend. Er selbst hätte das Tier kurzerhand getötet, um Wagen...
| Erscheint lt. Verlag | 14.11.2017 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Maddrax |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction | |
| Literatur ► Krimi / Thriller / Horror | |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
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| ISBN-10 | 3-7325-5438-4 / 3732554384 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-5438-6 / 9783732554386 |
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