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Dr. Stefan Frank 2421 (eBook)

Auch im Herbst kann die Liebe erblühen

(Autor)

eBook Download: EPUB
2017 | 1. Aufl. 2017
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-5498-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Dr. Stefan Frank 2421 - Stefan Frank
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Die vierundzwanzigjährige Lenja hat gerade einen furchtbaren Schicksalsschlag hinnehmen müssen: Die geplante Hochzeit mit ihrem Verlobten ist einen Tag vor der großen Feier geplatzt. Seitdem scheint sich ihr Leben in einen Albtraum verwandelt zu haben.
Um sich von ihrem Kummer ein wenig abzulenken, beschließt die junge Frau, für einige Zeit nach München zu ihrem Großvater zu ziehen. Dort kann sie ihm in seiner Buchhandlung helfen und ihre Gedanken hoffentlich wieder auf erfreulichere Dinge richten.

In München angekommen, lernt sie auch Manuel kennen, einen sympathischen Mann mit einem offenen Lächeln, der in der Nachbarwohnung lebt. Er sucht offenbar ihre Nähe, aber für Lenja ist klar, dass sie sich nicht noch einmal auf eine Beziehung einlassen wird. Die Enttäuschung, die hinter ihr liegt und ihr immer noch das Herz schwer macht, war einfach zu groß. Von romantischen Zukunftsträumen hat sie sich endgültig verabschiedet. Doch diese Rechnung hat Lenja ohne ihren attraktiven Nachbarn gemacht ...

Das musste der zweitschlimmste Tag ihres Lebens sein! Lenja blinzelte in den stahlgrauen Herbsthimmel. Eine Schar Krähen kreiste über ihr, als wären sie auf der Lauer. Der dunkle Schwarm stieß unheilvolle Laute aus, bei dem sich die Härchen auf Lenjas Armen aufrichteten.

Lenja lag auf dem Rücken. Laub raschelte unter ihr, als sie ihren Arm hob und eine Bewegung machte, als wolle sie die Vögel vom Himmel wischen. Ein Ahornbaum breitete sein kahles Geäst über ihr aus und ließ ein einzelnes Blatt auf Lenja herabsegeln.

Benommen grübelte die Vierundzwanzigjährige, was an diesem Bild nicht stimmte. Warum lag sie bei gefühlten fünf Grad über Null auf einer Wiese? Und weshalb tat ihre rechte Seite so furchtbar weh? Was war denn nur mit ihr passiert?

Ihre Gedanken stoben davon wie aufgeschreckte Spatzen, als sie versuchte, sie festzuhalten und zu ordnen. Eine dunkle Erinnerung klopfte an ihrem Verstand an, aber sie kam noch nicht darauf, welche es war.

Sie befand sich in einem Park, irgendwo im Münchner Süden, so viel wusste sie noch. Nebel tastete sich zwischen den Bäumen hindurch wie knochige Finger. Er verschluckte das Licht der Parklampen und dämpfte jedes Geräusch. Es fühlte sich an, als hätte Lenja Watte in den Ohren. Unangenehm!

Fetzen von Erinnerungen blitzten in ihrem Kopf wie Schlaglichter. Jemand hatte sie entführt … sie bewusstlos geschlagen und eingesperrt. Und dann … der Kampf! Sie war in das Messer gestürzt … Diese Erinnerung fühlte sich seltsam an. Unwirklich. So etwas geschah in Fernsehkrimis oder Romanen, aber nicht im wahren Leben! Oder?

Sie führte ein behütetes Dasein. Warum sollte ihr jemand so etwas antun? Dafür gab es doch überhaupt keinen Grund! Sie war Bibliothekarin. Die einzige Gefahr, der sie tagtäglich ins Auge blicken musste, bestand darin, von einem aus dem Regal herabstürzenden Buch getroffen zu werden. Das war alles.

Oder auch nicht. Jemand hatte etwas gegen sie, sonst würde sie nicht hier liegen – allein in der Dunkelheit. Der Oktober neigte sich allmählich dem November zu. Die Luft war bitterkalt und zwickte in ihre Wangen. Vermutlich würde es nicht mehr lange dauern, bis es schneite.

Die Kälte kroch unter Lenjas Garderobe. Ihre Hände und Füße wurden allmählich taub. Sie musste hier weg, sonst würde sie sich den Tod holen. Falls dieser nicht ohnehin schon auf der Schwelle stand.

Vorsichtig setzte sie sich auf. Dabei explodierte ein heftiger Schmerz in ihrer rechten Seite, der sie wimmern ließ. Sie blickte an sich hinunter und bemerkte einen dunkelroten Fleck, der sich auf ihrer grauen Wolljacke ausgebreitet hatte. Ein fingerlanger Schlitz verunzierte den Stoff, wo die Klinge eingedrungen war. Warm und klebrig sickerte das Blut aus ihr heraus. Es roch metallisch.

Ihr Magen verkrampfte sich. Jede Bewegung, ja, jeder Atemzug, verschlimmerte die Blutung noch! Hilfesuchend sah sich Lenja um. Im Dunst waren nur vage die Umrisse von Büschen und Bäumen zu erkennen. Die Isar rauschte in der Nähe. Menschen waren nicht zu sehen. Vermutlich mochte niemand bei diesem Wetter ins Freie gehen.

Plötzlich raschelte irgendwo rechts von ihr etwas, aber als Lenja den Kopf drehte, war niemand zu sehen. Vermutlich war nur ein Igel auf dem Weg zu seinem Unterschlupf.

Sie brauchte Hilfe, das spürte sie deutlich. Ihre Glieder wurden mit jedem Herzschlag schwerer, und ihre Gedanken drifteten davon wie ein Stück Treibholz auf dem offenen Meer. Sie verlor zu viel Blut. Nicht mehr lange und sie würde sich nicht mehr helfen können. Doch was sollte sie machen?

Ihre Tasche war ebenso verschwunden wie ihr Telefon. Ihre Kleidung war zerrissen. Sie hatte weder Papiere noch Schlüssel bei sich. Alles war ihr genommen worden.

Wie hatte alles so schiefgehen können?

Vor wenigen Monaten noch hatte eine glänzende Zukunft vor ihr gelegen. Und jetzt? Jetzt war es fraglich, ob sie die kommende Nacht überstand.

Ich muss in ein Krankenhaus. Wenn ich hierbleibe, werde ich verbluten.

Mit verzweifelter Entschlossenheit stemmte sich Lenja vom Boden hoch. Der Schmerz war kaum auszuhalten. Sie biss sich auf die Lippen, um einen Schrei zurückzuhalten. Das Stechen in ihrer Seite trieb ihr trotz der Kälte Schweißperlen auf die Stirn. Ihre Beine zitterten, als sie endlich stand.

Suchend schaute sie sich um und bemerkte die Umrisse einer Brücke, die sich undeutlich vor ihr im Nebel abzeichneten. Sie taumelte darauf zu. Die Isar sprudelte unter dem Bauwerk hindurch. Der Regen hatte den Fluss anschwellen lassen. Zweige und Blätter trieben auf dem Wasser und wurden mitgerissen, kaum, dass der Blick sie erfasste.

Unter der Brücke war eine karierte Decke festgeklemmt, wie eine Trennwand. Dahinter lag ein Bündel Decken und Zeitungen. Ein Lager? Leere Flaschen und Konservendosen lagen herum und verströmten einen Geruch, von dem sich Lenja der Magen umdrehte. Trotzdem taumelte sie mit letzter Kraft dorthin. Vor ihren Augen flackerte es, und ihre Beine fühlten sich taub an. Sie musste sich ausruhen. Nur ganz kurz …

Lenja stürzte auf die dicke Polsterung zu und sank darauf nieder. Erleichtert schloss sie die Augen. Zumindest von unten war sie nun vor der Kälte geschützt. Den scharfen Geruch von Urin und Alkohol nahm sie nur am Rande wahr. Sie war längst zu geschwächt, um sich daran zu stören. Mit jedem Herzschlag schien mehr von ihrer Kraft aus ihr herauszusickern.

Ich mache nur eine kleine Pause, dann gehe ich gleich weiter, nahm sie sich vor und lehnte matt den Kopf gegen den Beton der Brücke. Ihre Lider schlossen sich, aber sie fuhr sogleich wieder in die Höhe, als sie in der Nähe jemand schimpfen hörte.

„Das ist mein Unterschlupf! Such dir deinen eigenen!“

Ein hagerer Mann beugte seinen bärtigen Kopf zu ihr herunter. Es grenzte an ein Wunder, dass ihm seine Kleidung noch nicht vom Körper rieselte, so morsch wirkte der Stoff. Ein beißender Geruch ging von ihm aus. Seine grauen Augen waren gerötet. Er schien Schwierigkeiten zu haben, seinen Blick auf Lenja zu fixieren.

Die Schuhe schienen ihm zwei Nummern zu groß zu sein. Der Abstand zwischen seinen Fersen und dem Leder war mit zerknülltem Zeitungspapier ausgestopft. Er ballte die schrundigen Fäuste.

„Mein Unterschlupf“, wiederholte er grantig. „Also mach, dass du von hier weg … Warte mal!“ Er starrte auf das Blut an ihrer Taille. „Herrje, haben sie dich erwischt? Armes Ding.“ Seine Hände öffneten sich, und sein Blick wurde weicher. „Du lebst noch nicht lange hier draußen, oder?“

„Ich …“ Lenja wollte etwas erwidern, aber ihre Kehle war wie zugeschnürt. Die Worte kamen ihr nicht über die Lippen.

„Du zitterst ja. Die verdammte Kälte macht einen fertig. Warte, ich habe etwas, was dich wärmen wird.“ Er zog eine Flasche aus seinem Mantel und hielt sie ihr hin. „Trink! Das hilft auch gegen die Schmerzen.“

„Danke, ich möchte … lieber nicht.“

„Wie du meinst. Bleibt mehr für mich.“ Er schraubte die Flasche auf, setzte sie an die Lippen und nahm einen Schluck.

„Wie … heißen Sie?“

„Namen sind nicht von Belang. Wirst du noch lernen, wenn du so lange auf der Straße lebst wie ich. Wirst du noch lernen.“ Er kramte in den Lumpen, die neben Lenja aufgeschichtet waren, und brachte einen schmalen Streifen Stoff hervor. „Hier, das sollte gehen. Es muss aufhören, zu bluten.“ Er drückte einen Lappen auf ihre Wunde und wickelte den Stoff darum. Behutsam machte er einen Knoten.

In diesem Augenblick bellte in der Nähe ein Hund.

Der Kopf des Mannes ruckte herum. Er fuhr in die Höhe und murmelte etwas, was Lenja nicht verstand. Es hörte sich an wie: „Die dürfen mich auf keinen Fall kriegen!“ Jäh wirbelte er herum und stürmte mit langen Sätzen davon. Wenig später hatte ihn der Nebel verschluckt wie einen Geist.

Lenja blieb allein zurück. Sie drückte den Verband auf ihre Wunde. Vorerst würde der Stoff die Verletzung verschließen, aber damit waren nur ein paar Minuten gewonnen. Sicherlich nicht mehr. Ihr war so kalt. So entsetzlich kalt. Sie musste in ein Krankenhaus, aber den Weg würde sie wohl nicht schaffen.

Matt sank sie zurück auf das stinkende Lager.

Ja, das hier musste der zweitschlimmste Tag ihres Lebens sein. Daran gab es keinen Zweifel. Der allerschlimmste Tag lag bereits hinter ihr. Zwei Monate war das inzwischen her.

Es war an einem milden Sommerabend gewesen, als ihre ganze Welt ins Wanken geraten war …

***

Gemächlich plätscherte der Chiemsee gegen sein Ufer. Die Sonne ließ das Wasser glitzern wie einen kostbaren Edelstein. Der Wind war warm und lind wie ein Streicheln. Nur das Quaken der Enten im Schilf durchbrach die Stille. In der Ferne holte ein weißes Passagierschiff die Urlauber von der Herreninsel ab. Sie standen an der Reling und machten Fotos von der Kampenwand, dem See und den weißen Segelyachten.

Lenja räkelte sich auf der Sonnenliege. Ein hellgrüner Sonnenschirm schützte sie vor der Hitze. Sie konnte kaum glauben, dass es tatsächlich geschafft war: Alle Hochzeitsvorbereitungen waren abgeschlossen. Ihr großer Tag konnte kommen!

Trotzdem überlegte sie sich angestrengt, ob sie auch wirklich nichts vergessen hatte: Der weiße Pavillon am Seeufer war aufgebaut und mit zahllosen weißen Nelken für die Zeremonie geschmückt. Mit dem Caterer war alles abgesprochen. Die Haarstylistin würde in aller Frühe kommen und sich um ihre Frisur und das Make-up kümmern.

Ihr Brautkleid hing bereit: ein Traum aus champagnerfarbener...

Erscheint lt. Verlag 14.11.2017
Reihe/Serie Dr. Stefan Frank
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Anna Basener • arzt-geschichte • Arzt-Liebesroman • Arzt-roman • arztroman ebook • arztromane deutsch • arztromane kindle • arztromane kindle deutsch • arztromane kindle ebook • Arzt-Serie • Baccara • Bahnhofsroman • Bergdoktor • Bergpfarrer • Bianca • Cora • Der Bergdoktor • Der Bergpfarrer • Dr Bruckner • dr daniel • Dr. Daniel • dr laurin • Dr. Laurin • dr norden • Dr. Norden • Dr. Stefan Frank • feelgood • Fürstenklinik • Groschenheft • Happy End • Hedwig Courths Mahler • Hedwig Courths-Mahler • Heft • Heftchen • Heftchen-Roman • Heftroman • Heft-Roman • Heimatroman • Historical • Julia • Kelter • Klassiker • Klinik-roman • Krimi • Landarzt • Liebesgeschichte • Liebesromane • Mira • OP • Pulp • Pulp Ficition • Romanheft • Roman-Heft • romantisch • serial content • Serial Novel • Serial Novels • Serie • Serien • Seriennovellen • Tiffany • Wohlfühlroman • Wohlfühl-Serie
ISBN-10 3-7325-5498-8 / 3732554988
ISBN-13 978-3-7325-5498-0 / 9783732554980
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