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Lassiter 2365 (eBook)

Der Tod fährt mit nach Sacramento

(Autor)

eBook Download: EPUB
2017 | 1. Aufl. 2017
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-5425-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Lassiter 2365 - Jack Slade
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Die Postkutsche rollte tiefer ins Grasland hinein. Der Missouri und sein Uferwald blieben zurück, die Fassaden von Saint Joseph verschwammen bereits mit Viehkoppeln und Hügeln. Frank saß seinem Vater gegenüber am Fenster. Er blickte hinaus. Je deutlicher die Landschaft den Charakter der Prärie annahm, desto mehr beflügelte ihn ein Gefühl von Freiheit und Glück.
Unter blauem Herbsthimmel schaukelte die rote Concord nach Südwesten. Ihre Räder knarrten, die Fahrgastkabine schwankte. Draußen auf dem Kutschbock scherzten der Kutscher und der Conductor. Und Franks Vater tuschelte mit der jungen blonden Frau neben ihm. Sie war hübsch - kein Wunder, dass sein alter Herr bestens gelaunt war.
Nichts, aber auch gar nichts sprach dafür, dass der Tod längst auf der Lauer lag.

Frank Perkinsons Blick streifte wieder seinen Vater und die Blonde. Sie trug ein elegantes moosgrünes Kleid und hielt eine Handtasche aus Krokodilleder auf ihrem Schoß fest.

Gestern Abend im Saloon hatte Dad mit ihr getanzt. Ob sie danach mit auf sein Zimmer gegangen war? Gut möglich. Er war Witwer, ein paar Jahre schon. Die weiblichen Reize der Blonden waren auch Frank nicht verborgen geblieben, doch Dad war schneller gewesen.

Die beiden Waffenhändler neben ihr und Dad plauderten über ihre guten Geschäfte, die sie in Saint Joseph gemacht hatten. Sie wollten nach Fort Bridger. Außer ihnen saß noch ein älteres Ehepaar aus Saint Joseph mit in der Kutsche.

Voller Dankbarkeit betrachtete Frank seinen Vater. Keinen einzigen Stein hatte der ihm in den Weg gelegt, nachdem Frank ihm im Sommer eröffnet hatte, dass er gehen wollte. Eine ganze Nacht lang hatte er seinem Vater erklärt, warum er weder die Plantagen am Mississippi noch das große Anwesen in Baton Rouge übernehmen werde.

»Im Westen will ich ein neues Leben anfangen, Dad«, hatte er seinem alten Herrn eröffnet. »Allein.« Sein Vater hatte keine Luftsprünge vollführt, weiß Gott nicht, doch er hatte ihm auch keine Vorhaltungen gemacht.

Dankbar dachte Frank an seine Schwester Marylou. Sie hatte ihn in seinen Plänen unterstützt und dem Vater versichert, dass sie die Heimat niemals aufgeben würde. Schon seit sie neunzehn war, half sie Dad bei der Verwaltung des Gutshofes und der Plantagen.

Frank blickte wieder zum Fenster hinaus. Immer seltener sah man inzwischen Koppeln mit Vieh oder die Gebäude einer Ranch vorbeigleiten. Die Kutsche drang tiefer und tiefer in die endlose Ebene zwischen Missouri, Mississippi und den Rocky Mountains ein. Gut so.

In Saint Joseph hatten sie die notwendigen Bankgeschäfte erledigt, damit sein Vater ihm sein Erbe auszahlen konnte. Wells, Fargo & Company hatten den Kutscher und den Conductor als die besten Männer empfohlen, die für das Unternehmen arbeiteten. Die beiden würden sie nun nach Sacramento bringen. Tief sog Frank den Duft des Grases ein. Den Duft der Freiheit.

Schon als sie vor ein paar Tagen an Bord der Natchez gegangen waren, hatte ihn die Freude auf den bevorstehenden Neuanfang gepackt. Und danach, während der Fahrt den Mississippi hinauf bis nach Saint Louis, nicht mehr losgelassen. Wie hatte er die Reise genossen: die herbstlichen Uferwälder, die Hausboote, Fähren und Fischerkähne voller winkender Menschen und die Schwärme der Wildgänse, die dem Schaufelraddampfer entgegen gerauscht waren.

Ein wenig bange war ihm schon wegen des weiten Weges durch die Prärie, über die Rocky Mountains und über Salt Lake City bis nach Sacramento. Frank hoffte, noch vor dem Wintereinbruch anzukommen.

Die ältere Lady aus Saint Joseph hüstelte. »Machen Sie um Gottes willen endlich Ihre Zigarre aus, Sir!«, rief sie.

»Ich blase den Rauch doch zum Fenster hinaus, Ma’am«, erklärte Vater Perkinson in der ihm eigenen Freundlichkeit.

»Ich vertrage keinen Zigarrenrauch!« Ein Hustenanfall schüttelte die Lady, und nun bat auch ihr Gatte Franks Vater darum, die Zigarre auszumachen. Mit wehmütiger Miene drückte Perkinson senior seine glühende Tabakrolle an der Innenwand aus.

Frank lächelte. Nie war er seinem Vater so nahe gewesen wie in den vergangenen Wochen. Er rechnete es ihm hoch an, dass er trotz seines Alters die lange Reise nach Sacramento auf sich nahm, um ihn zu begleiten und zu beraten. Frank wollte Grundstücke und eine Orangenplantage von dem Geld kaufen, das sein Vater ihm ausbezahlt hatte. Er selbst war unerfahren in finanziellen Dingen.

Etwas krachte außerhalb der Kutsche. Ein Stein unter dem Kutschenboden? Donner? Frank blinzelte hinaus. War denn ein Gewitter aufgezogen? Plötzlich pfiff eine Kugel dicht an ihm vorbei. Schnell zog er den Kopf wieder ein. Die Kutsche nahm Fahrt auf, dennoch donnerte Hufschlag heran, Kugeln schlugen im Gepäckschrank ein.

»Überfall!«, brüllte draußen der Kutscher. »Festhalten!«

Franks Vater zog seinen Revolver unter dem Frack heraus. Glas splitterte zu beiden Seiten der Kutsche. Einer der Waffenhändler schrie getroffen auf und rutschte mit blutender Stirn in den Fußraum. Die alte Lady schrie und ihr Mann betete laut.

Frank feuerte aus seinem fabrikneuen Colt durch das Fenster, wo er zwei Reiter zu erkennen glaubte. Leider war er ein noch schlechterer Schütze als sein Vater. Schüsse explodierten nun schon dicht hinter der Kutsche und schlugen in den Holzwänden ein.

Draußen hörte Frank den Kutscher die Pferde anbrüllen und den Conductor fluchen. Der zweite Waffenhändler beugte sich weit aus dem Fenster und schoss aus einem Karabiner auf die Verfolger. Der Hufschlag rückte näher und näher.

Wieder splitterte Glas. Der betende Gentleman bäumte sich auf und presste seine Hände auf die blutende Brust. Die Blonde kramte eine kleine Waffe aus der Handtasche. Franks Colt machte nur noch Klick. Mit zitternden Fingern tastete er nach seinem Patronengurt.

Die Blonde zielte auf den Waffenhändler und schoss. Dem Mann glitt sein Karabiner aus den Händen. Stöhnend sackte er in den Fußraum. Die Blonde aber bohrte ihre Waffe in Dads Rücken. »Weg mit den Bleispritzen.« Mit einer knappen Kopfbewegung deutete sie zu Frank. »Du auch. Sonst erschieße ich deinen Vater.«

Vater und Sohn Perkinson ließen ihre Revolver fallen und hoben die Hände. Ein Schatten flog dicht neben dem Fenster an der Kutsche vorbei; Frank meinte, das Gesicht des Conductors zu erkennen. Der Körper des Mannes scheuerte an der Außenseite der Kutsche entlang und prallte ins Gras.

»Genug!«, brüllte Franks Vater. »Wir müssen uns ergeben!« Frank dachte an das viele Bargeld, das er bei sich trug. »Halten Sie an, Kutscher!«, forderte Vater Perkinson zum zweiten Mal. »Wir müssen verhandeln!«

»Das ist die Bristolbande!«, brüllte der Kutscher. »Die verhandelt nicht!« Kugeln schlugen wieder ein. Frank zog die Schultern hoch und beobachtete die Blonde. Ihr Blick war eiskalt. Er verachtete sie.

»Anhalten, sage ich!« Dad gab nicht auf. »Lieber verliere ich Geld und Gepäck als mein Leben!«

»Die Bristolband nimmt Ihnen beides weg!«

Nur einen Wimpernschlag später schrie der Kutscher auf. Frank sah ihn ins Gras stürzen.

Die Kutsche fuhr langsamer, der Schusslärm verstummte, die Kutsche rollte aus und stand still. Es war vorbei. Frank glaubte, an dem Kloß in seinem Hals zu ersticken.

»Aussteigen!«, zischte die Blonde. Mit zitternden Fingern versuchte Dad, die Kutschentür zu öffnen. Vergeblich. Er war leichenblass.

Draußen verebbte der letzte Hufschlag, Gras raschelte, Schritte näherten sich. Jemand riss von außen die Tür auf. Frank blickte ins stoppelbärige Gesicht eines strohblonden Mannes. Dessen leicht aus den Höhlen tretenden Augen fielen ihm auf. Der Strohblonde zielte mit einem Gewehr in die Kutsche. Neben ihm tauchte ein Kahlkopf auf, der fuchtelte mit einem Revolver herum.

»Lassen Sie uns reden.« Dad streckte die Hände höher, und Frank dachte an die vielen Dollars in seinem Koffer, mit denen er in Sacramento ein neues Leben anfangen wollte.

Ein Mann mit grauen Locken erschien im hohen Gras und hinter ihm ein großer Mexikaner mit goldenen Ohrringen und langem Schwarzhaar. Frank prägte sich jede Einzelheit ihrer Erscheinung ein – für später, für den Steckbrief.

Mit erhobenen Händen stieg sein Vater als Erster aus. »Wer immer Sie sind, Gentlemen, die sie sich hier am Eigentum hart arbeitender, amerikanischer Bürger vergreifen …«

Ein Schuss krachte, sein Vater verstummte und kippte vom Trittbrett ins Gras. Der Kahlkopf hob den rauchenden Revolver, und Frank begriff, dass er niemals ein neues Leben beginnen würde. Nirgendwo.

***

Vier Monate später ritt ein Mann auf einem schwarzen Pferd die Mainstreet von Saint Joseph hinunter. Er trug einen hellen Stetson und eine schwarze Wildlederjacke. Und er sah aus, als hätte er einen langen Weg hinter sich.

Es war ein frühlingswarmer Samstagabend, und Reiter und Fuhrwerke verstopften die Straße. Auf dem Sidewalk drängten sich Fußgänger. Aufmerksam betrachtete der Mann die Fassaden der vielen Saloons und Hotels und las die Namen auf den Vordächern über dem Sidewalk. Er suchte einen ganz bestimmten Laden.

Der Mann hieß Lassiter und war nicht zum Spaß nach St. Joseph gekommen. Endlich erspähte er den Namen auf einem Vordachschild, den ihm sein Auftraggeber aus Washington nach Kansas City telegrafiert hatte. Das Hotel sah ziemlich teuer aus.

Es hieß Golden Meadow. Im Hinterhof übergab er seinen Rappen dem Pferdejungen. »Pass gut auf ihn auf.« Lassiter tätschelte dem Hengst den Hals. Er drückte dem Jungen einen Schein in die Hand. Dem fielen beinahe die Augen aus dem Kopf.

Im Saloon drängten sich die Leute, von irgendwoher klimperte ein Piano. Lassiter ergatterte den letzten Barhocker an der Theke, mietete ein Zimmer und orderte gebratenen Missourihecht und wilde Kartoffeln. Dazu Kaffee und Whisky.

Die Spesen von der Brigade Sieben waren besonders fett ausgefallen diesmal. Er würde das Geld gut gebrauchen können, schätzte er, doch zunächst einmal knurrte sein Magen.

Lassiter blickte sich um. Den meisten Männern im Saloon sah man an der Kleidung an, was sie die ganze Woche über getrieben hatten: Lederchaps über blauen Nietenhosen, gespornte staubige Stiefel, karierte Baumwollhemden unter schweißfleckigen, oftmals fransigen Jacken.

Cowboys, die ihre Dollars auf den umliegenden...

Erscheint lt. Verlag 14.11.2017
Reihe/Serie Lassiter
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Abenteuer-Geschichte • Abenteuer-Roman • Abenteurer • alfred bekker • Anna Basener • Bahnhofsroman • Cassidy • Cora • Cowboy • Die Abenteurer • erotisch • erwachsene Romantik • g f barner • G. F. Barner • g f unger • G. F. Unger • Groschenheft • Heft • Heftchen • Heftchen-Roman • Heftroman • Heft-Roman • Indianer • Karl May • Klassiker • Laredo • Lassiter • Mira • Nackt • Pulp • Pulp Ficition • Ringo • Romanheft • Roman-Heft • serial content • Serial Novel • Serial Novels • Serie • Serien • Seriennovellen • Sexy • Unger • Western • western-bestseller • western country exklusiv • western deutsch • Western ebooks deutsch • western ebooks deutsch kindle • Western-Erotik • western exklusiv • Western-reihe • Western-roman • Westernromane • Western-Serie • western serie deutsch • Wilder Westen • Winnetou • Wyatt Earp
ISBN-10 3-7325-5425-2 / 3732554252
ISBN-13 978-3-7325-5425-6 / 9783732554256
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