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Indische Kriminalerzählungen (eBook)

eBook Download: EPUB
2025 | 3., Überarbeitete Fassung
146 Seiten
Null Papier Verlag
978-3-96281-032-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Indische Kriminalerzählungen - Rudolf von Rüts
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Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt der Kolonialzeit Indiens mit den 'Indischen Kriminalerzählungen' von Rudolf von Rüts. Diese packende Sammlung von Kurzgeschichten entführt Sie in eine exotische Kulisse voller Spannung, Geheimnisse und menschlicher Abgründe. Von den Straßen Bombays bis zu den verschlungenen Bergpfaden Darjeelings erwecken die Geschichten die lebendige Atmosphäre einer vergangenen Epoche. Mit präzisen Beschreibungen und einem Auge für Details schafft Rudolf von Rüts ein authentisches Bild des kolonialen Indiens - angereichert durch Wendungen, die Sie bis zur letzten Seite fesseln werden. Begleiten Sie die Protagonisten auf ihren gefährlichen Abenteuern, treffen Sie auf ungewöhnliche Charaktere und erleben Sie den schmalen Grat zwischen Recht und Unrecht. Ein literarischer Genuss für Liebhaber von Kriminalliteratur und historischen Erzählungen. Null Papier Verlag

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Der Gespenster-Bungalow.
1.
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9.
10.
11.
Der Schatz des Maharadscha.
Im Banne der Kali.

1.


Wir hat­ten uns in Bom­bay bei Wat­son ken­nen ge­lernt und spä­ter in Bena­res in Clarks Ho­tel wie­der­ge­se­hen. Wir hat­ten in Agra in dem­sel­ben Ho­tel ge­wohnt, und jetzt tra­fen wir uns mit­ten im Ge­bir­ge.

»Wirk­lich ein tol­les Stück!« mein­te Oberst But­ler und schüt­tel­te uns die Hand.

Ich sage: Mit­ten im Ge­bir­ge.

Nehmt eine Kar­te von In­di­en und legt den Fin­ger auf Dar­jee­ling. Fahrt mit ihm nach Nord­wes­ten – nach der Gren­ze von Ne­pal. Da wer­det ihr eine Stra­ße fin­den, eine große Stra­ße, die aus dem Ge­bir­ge kommt und nach der Ebe­ne hin­un­ter­führt. Der Ver­kehr auf der Stra­ße ist heu­te gleich null. Stre­cken­wei­se exis­tiert sie über­haupt nicht mehr. Oben ist sie noch vor­han­den. Win­det sich in hun­dert Krüm­mun­gen zum Pass hin­auf. Aber man konn­te es ver­ste­hen, dass der Oberst sie einen Schand­fleck für die gan­ze anglo-in­di­sche Ver­wal­tung nann­te. Denn die Stra­ße war mi­se­ra­bel, und wir ver­dank­ten es nur un­sern klei­nen, ti­be­ta­ni­schen Po­nys, dass wir nicht ohne wei­te­res den Hals bra­chen.

Der Weg lief auf stei­len, schma­len Ber­grücken ent­lang, klet­ter­te die kah­len Fels­kup­pen hin­auf und tauch­te wie­der hin­ab, in tie­fe, feuch­te Wäl­der aus Ei­chen, Lor­bee­ren, Kas­ta­ni­en, Zimt­bäu­men. Oder es ging im trock­nen Bett ei­nes Ge­birgs­bachs wei­ter. Rechts und links Bam­bus­rohr oder baum­ho­he Rho­do­dend­ren und Ma­gno­li­en. Un­se­re Gäu­le stampf­ten durch Bar­ri­ka­den von blut­ro­ten und wei­ßen, faust­großen Blü­ten, die ab­ge­fal­len wa­ren und einen star­ken, wür­zi­gen Duft ver­brei­te­ten.

Vom Hoch­ge­bir­ge war noch nichts zu se­hen. Mil­lio­nen von Sil­ber­tan­nen ver­schränk­ten oben die Aus­sicht. Wie ein schwar­zer Samt­gür­tel hiel­ten sie das wun­der­vol­le, tief­blaue Kleid des Him­mels zu­sam­men, an dem – als großer, ein­zi­ger Gold­knopf – die Son­ne prang­te.

»Du wirst bloß noch ’r­un­ter­fal­len, Car­ry!« knurr­te Oberst But­ler.

Mrs. But­ler lach­te und ließ ih­ren Pony noch nä­her an den Ab­hang her­an­ge­hen.

»Car­ry – –!!«

Der Oberst biss sich auf den di­cken, ei­sen­grau­en Schnurr­bart. Dann gab er sei­nem Pfer­de einen Schlag. Das Tier dräng­te nach vorn und rann­te ge­gen den Pony an, auf dem sie saß.

We­nig fehl­te, dann la­gen bei­de un­ten.

»Sind Sie des Teu­fels, Oberst?« brumm­te Rol­by, der vor­an ritt. Er pack­te mit sei­ner Rie­sen­faust den Pony am Zü­gel und riss ihn vom Ab­hang.

Mrs. But­ler war blass ge­wor­den. Sie setz­te sich wie­der im Sat­tel zu­recht. »Was mei­nen Sie, Mr. Rol­by – – – wenn er mich da hin­ab wür­fe?«

Rol­by be­hielt den Zü­gel ih­res Pfer­des in der Hand.

»Was ich mei­ne – –? Hm!« mach­te er. »Kal­ku­lie­re: Sind kei­ne fünf­und­zwan­zig Fuß. Wenn man nicht gra­de un­ter den Pony zu lie­gen kommt – –«

Sie lach­te. Es war ein ei­gen­ar­ti­ges La­chen. Ein lei­ses, heim­li­ches La­chen, und doch ein La­chen, das uns in je­dem Nerv vi­brier­te.

Rol­by hielt einen Au­gen­blick inne; dann fuhr er be­däch­tig fort:

»Wenn man nicht un­ter den Pony zu lie­gen kommt, braucht man nicht gra­de den Hals zu bre­chen. Sind dort un­ten höl­lisch viel Nes­seln und Ber­be­rit­zen. Gibt das ein kom­for­ta­bles Bett, mei­ne ich.«

Er sah sie mit sei­nen halb treu­her­zi­gen, halb ver­schmitz­ten Au­gen an.

Wir rit­ten wei­ter.

Der Oberst sah fins­ter drein. Er war wahr­haf­tig kei­ne an­ge­neh­me Rei­se­be­kannt­schaft. Sein tief ge­bräun­tes, fast schwar­zes Ge­sicht mit der plum­pen Nase und den gel­ben, ste­chen­den Au­gen hat­te et­was Bru­ta­les, Ge­mei­nes. Mit sei­ner Frau stand er of­fen­bar in schlech­tem Ein­ver­neh­men. Man konn­te sich gar kein Paar den­ken, das we­ni­ger zu ein­an­der pass­te. Der klei­ne, vier­schrö­ti­ge Mann mit sei­ner Bull­dog­mas­ke und die ele­gan­te Frau mit dem pracht­vol­len Haar und den be­rücken­den Au­gen …

Der Weg wur­de stei­ler, schlän­gel­te sich zwi­schen tief ein­ge­schnit­te­nen Was­ser­läu­fen und en­gen Schluch­ten zu ei­ner Berg­hal­de em­por, die bis zum Fuß der Tan­nen hin­an­stieg. Die kur­ze, glat­te Ra­sen­nar­be, auf der un­se­re Tie­re aus­rutsch­ten, ein paar ein­sa­me Roll­stei­ne von ko­los­sa­ler Di­men­si­on – Gra­nit­find­lin­ge, mit Gneis­adern1 durch­schos­sen und von schwe­fel- oder schar­lach­far­bi­gen Flech­ten und Moo­sen ka­riert und ge­spren­kelt – gold­ne Wol­ken aus lan­gem, trock­nem Fe­der­gras: al­les leuch­te­te in präch­ti­ger Ver­klä­rung. Gro­ße, schwar­ze Schmet­ter­lin­ge mit gel­ben oder pur­pur­ro­ten Au­gen auf den Flü­geln se­gel­ten durch die stil­le, hei­ße Luft; oder sie sa­ßen auf den glü­hen­den Fels­blö­cken, klapp­ten die stol­zen Schwin­gen aus­ein­an­der, gra­de als wenn sie uns ihre Schön­heit zei­gen woll­ten.

Oben am Wal­de mach­ten wir halt. Wir stie­gen ab und setz­ten uns in den Schat­ten, um auf un­se­re Leu­te zu war­ten.

»Was hat Sie ei­gent­lich nach In­di­en ge­führt?« frag­te Mrs. But­ler. »Sie sind doch Ame­ri­ka­ner, Mr. Rol­by?«

»Bin ich, Mrs. But­ler! Bin ich,« nick­te der.

»Und wo sind Sie drü­ben zu Hau­se, Mr. Rol­by?«

»Bin ein Mis­sou­ri­mann, Mrs. But­ler. Ein rich­ti­ger Mis­sou­ri­mann! – Un­ten vom Mis­sis­sip­pi.«

»Vom Mis­sis­sip­pi?« sag­te Mrs. But­ler. »Wir ken­nen New Or­leans und den Mis­sis­sip­pi. Nicht wahr, Char­ley?« Sie wen­de­te sich zu ih­rem Man­ne, der ver­drieß­lich zu­hör­te.

»Ist ein stol­zer Strom der Mis­sis­sip­pi,« fuhr Rol­by fort. »Der Meis­ter al­ler Strö­me! Schluckt Eu­ren Gan­ges über, ohne Ma­gen­schmer­zen zu be­kom­men, schnappt Eu­ren In­dus zum Früh­stück weg und guckt sich noch nach mehr um. Sage: Ist ein glor­rei­cher Strom – der Mis­sis­sip­pi; steckt alle Eure Strö­me, Flüs­se und Flüss­chen – wie sie auch hei­ßen mö­gen – in die Ta­sche.«

Ich un­ter­brach ihn. Denn ich kann­te sein Lieb­lings­the­ma und wuss­te, dass es schwer hielt, ihn da­von ab­zu­brin­gen. »Dick!« sag­te ich also, »Dick –«

Aber der Oberst kam mir zu­vor. »Mr. Rol­by,« frag­te er, »Sie ha­ben uns noch nicht ge­sagt, was Sie nach In­di­en führ­te.«

»Was mich nach In­di­en führ­te?« er­wi­der­te Rol­by. »Was mich nach In­di­en führ­te? – Du lie­ber Him­mel! – Woll­te Ti­ger schie­ßen, mit den Rad­schas Brü­der­schaft ma­chen – – woll­te Ele­fan­ten ja­gen und Ka­me­le rei­ten, woll­te Bud­dha und den an­dern Hei­den­ker­len mei­ne un­ter­wür­figs­te Ver­eh­rung ma­chen, woll­te – – – Ja, was woll­te ich nicht al­les, Oberst!«

Ich muss­te la­chen. Rol­by war bei al­ler Bie­der­keit ein neun­mal durch­ge­sieb­ter Bur­sche von ech­ter Yan­kee-Smart­ness. Er ge­hör­te zu ei­nem eng­lisch-ame­ri­ka­ni­schen Syn­di­kat, das die Koh­len­fel­der des Da­mu­da­tals aus­beu­ten woll­te. Nach Dar­jee­ling war er her­auf ge­kom­men, um dort die hei­ßes­te Zeit zu ver­brin­gen und mit mir über den Er­werb von Gold­sei­fen und Dia­mant­grä­be­rei­en im Vind­hya­ge­bir­ge2 zu be­ra­ten.

Aber der Oberst ließ nicht lo­cker. »Mr....

Erscheint lt. Verlag 1.7.2025
Reihe/Serie Krimis bei Null Papier
Krimis bei Null Papier
Verlagsort Neuss
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Schlagworte Dschungelbuch • Krimi • Mord • Mörder • Serienkiller • Sherlock Holmes • Spannung
ISBN-10 3-96281-032-3 / 3962810323
ISBN-13 978-3-96281-032-0 / 9783962810320
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