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Xenozid (eBook)

Die Ender-Saga 3 - Roman
eBook Download: EPUB
2017
Heyne Verlag
978-3-641-22150-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Xenozid - Orson Scott Card
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Ein neuer Krieg
Lusitania sollte die Welt sein, auf der Menschen und Aliens friedlich zusammenleben können. Doch auf dem Planeten wird ein Virus entdeckt, das alle Menschen, die sich damit infizieren, sofort tötet. Die 'Schweinchen', die Einheimischen, brauchen es jedoch, um erwachsen zu werden. Die Menschen fürchten das Virus so sehr, dass sie beschlossen haben, Lusitania zu vernichten. Sie schicken ihre Flotte aus - ein zweiter Genozid scheint unvermeidbar. Doch dann verschwinden die Raumschiffe einfach. Han Qing-jao, genannt Gloriously Bright, entstammt einer Familie aus Superintelligenten. Sie soll das Rätsel um die Flotte lösen. Doch wie wird sie sich in Bezug auf Lusitania entscheiden? Wird sie den Planeten und alle, die auf ihm leben, vernichten - oder kann Ender Wiggin sie aufhalten?

Orson Scott Card, 1951 in Richland, Washington geboren, studierte englische Literatur und arbeitete als Theaterautor, bevor er sich ganz dem Schreiben von Romanen widmete. Mit 'Enders Spiel' gelang ihm auf Anhieb ein internationaler Bestseller, der mit dem Hugo und dem Nebula Award ausgezeichnet wurde. Auch die Fortsetzung 'Sprecher für die Toten' gewann diese beiden prestigeträchtigen Auszeichnungen, somit ist Orson Scott Card der bislang einzige SF-Schriftsteller, dem es gelang, beide Preise in zwei aufeinanderfolgenden Jahren zu gewinnen. Orson Scott Card kehrte immer wieder in Enders Welt zurück und schrieb mehrere Fortsetzungen. Mit 'Enders Schatten' erschuf er einen zweiten Helden, dessen Geschichte parallel zu 'Enders Krieg' erzählt wird. 'Enders Game' wurde 2013 mit Asa Butterfield und Harrison Ford in den Hauptrollen verfilmt. Card lebt mit seiner Familie in Greensboro, North Carolina.

Kapitel 1

 

Ein Abschied

 

›Heute fragte mich einer der Brüder: Ist es eine schreckliche Fessel, dich nicht von der Stelle bewegen zu können, an der du stehst?‹

›Du hast geantwortet …‹

›Ich habe ihm gesagt, ich sei jetzt freier als er. Die Unfähigkeit, mich zu bewegen, befreit mich von der Verpflichtung zu handeln.‹

›Du, der du Sprachen sprichst, kannst so gut in ihnen lügen.‹

 

Han Fei-tzu saß in der Lotusstellung auf dem nackten Holzboden neben dem Krankenbett seiner Frau. Bis vor einem Augenblick hatte er vielleicht geschlafen; er war sich nicht sicher. Doch nun wurde er sich einer Veränderung bewusst, die so fein war, als wenn ein Schmetterling einen Lufthauch erzeugt.

Jiang-qing ihrerseits musste auch eine Veränderung in ihm gespürt haben, denn zuvor hatte sie nicht gesprochen, und nun sprach sie. Ihre Stimme war sehr leise. Doch Han Fei-tzu konnte sie deutlich verstehen, denn im Haus war alles still. Er hatte seine Freunde und Diener gebeten, während der Abenddämmerung von Jiang-qings Leben Ruhe zu bewahren. In der langen Nacht, die bevorstand, in der keine geflüsterten Worte mehr von ihren Lippen kommen würden, war noch Zeit genug für achtlosen Lärm.

»Noch immer nicht tot«, sagte sie. Sie hatte ihn, als sie während der letzten Tage erwacht war, jedes Mal mit diesen Worten begrüßt. Zuerst waren ihm die Worte wunderlich oder ironisch erschienen, doch nun wusste er, dass sie sie mit Enttäuschung sprach. Sie sehnte sich jetzt nach dem Tod, nicht etwa, weil sie das Leben nicht geliebt hätte, sondern weil der Tod nun unvermeidlich war und das, was nicht vermieden werden konnte, akzeptiert werden musste. Das war der Weg. Jiang-qing hatte sich während ihres Lebens nie auch nur einen Schritt vom Weg entfernt.

»Dann sind die Götter mir freundlich gesonnen«, sagte Han Fei-tzu.

»Dir«, sagte sie schwer atmend. »Worüber sinnen wir nach?«

Das war ihre Art, ihn zu bitten, seine ganz eigenen Gedanken mit ihr zu teilen. Wenn sich andere nach seinen Gedanken erkundigten, kam er sich bespitzelt vor. Doch Jiang-qing fragte stets nur so, als habe sie vielleicht denselben Gedanken gehabt; schließlich waren sie zu einer einzigen Seele zusammengewachsen.

»Wir sinnen über die Natur des Begehrens nach«, sagte Han Fei-tzu.

»Wessen Begehren?«, fragte sie. »Und worauf?«

Mein Begehren, dass deine Knochen heilen und stark werden, so dass sie nicht beim geringsten Druck brechen. Dass du wieder stehen oder sogar einen Arm heben kannst, ohne dass deine eigenen Muskeln Knochenstückchen wegreißen oder den Knochen unter der Anspannung brechen lassen. Dass ich nicht zusehen muss, wie du verfällst, bis du nun nur noch achtzehn Kilo wiegst. Ich habe nie gewusst, wie völlig glücklich wir waren, bis ich erfuhr, dass wir nicht zusammenbleiben können.

»Mein Begehren«, antwortete er. »Auf dich.«

»›Man begehrt nur, was man nicht hat.‹ Wer hat das gesagt?«

»Du«, sagte Han Fei-tzu. »Einige sagen: ›Was man nicht haben kann.‹ Andere sagen: ›Was man nicht haben sollte.‹ Ich sage: ›Du kannst nur wahrhaft begehren, worauf du auf ewig hungern wirst.‹«

»Du hast mich auf ewig.«

»Ich werde dich heute Abend verlieren. Oder morgen. Oder nächste Woche.«

»Betrachten wir die Natur des Begehrens«, sagte Jiang-qing. Wie zuvor benutzte sie die Philosophie, um ihn aus seiner Melancholie zu ziehen.

Er widerstand ihr, aber nur spielerisch. »Du bist eine harte Herrscherin«, sagte Han Fei-tzu. »Wie deine Vorfahrin-des-Herzens duldest du die Schwächen anderer Leute nicht.« Jiang-qing hieß nach einer revolutionären Führerin der Vergangenheit, die versucht hatte, das Volk auf einen neuen Weg zu führen, aber von Feiglingen mit schwacher Gesinnung verraten worden war. Es war nicht richtig, dachte Han Fei-tzu, dass seine Frau vor ihm starb: Ihre Vorfahrin-des-Herzens hatte ihren Gatten überlebt. Außerdem sollten Ehefrauen länger leben als Ehemänner. Frauen waren in sich vollständiger. Sie waren auch besser in der Kunst, in ihren Kindern zu leben. Sie waren nie so allein wie ein einzelner Mann.

Jiang-qing weigerte sich, ihn wieder seinen Grübeleien zu überlassen. »Wonach sehnt sich ein Mann, wenn seine Frau tot ist?«

Rebellisch gab ihr Han Fei-tzu die denkbar falscheste Antwort auf ihre Frage. »Neben ihr zu liegen«, sagte er.

»Die Begierde des Körpers«, sagte Jiang-qing.

Da sie entschlossen war, dieses Gespräch zu führen, nahm Han Fei-tzu den Themenkatalog auf. »Das Begehren des Körpers ist es zu handeln. Es schließt alle Berührungen ein, beiläufige und intime, und alle herkömmlichen Bewegungen. So nimmt er aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahr und glaubt, er habe gesehen, wie seine tote Frau über die Schwelle tritt, und er kann nicht eher zufrieden sein, bis er zur Tür gegangen ist und sich überzeugt hat, dass es nicht seine Frau war. So wacht er aus einem Traum auf, in dem er ihre Stimme gehört hat, und ertappt sich, wie er seine Antwort laut spricht, als könne sie ihn hören.«

»Was noch?«, fragte Jiang-qing.

»Ich bin der Philosophie überdrüssig«, sagte Han Fei-tzu. »Vielleicht fanden die Griechen Trost darin, aber ich nicht.«

»Das Begehren des Geistes«, sagte Jiang-qing beharrend.

»Weil der Geist von der Erde ist, ist er der Teil, der aus alten Dingen neue schafft. Der Gatte sehnt sich nach allen unerledigten Dingen, die er und seine Frau in Angriff genommen hatten, als sie starb, und all den niemals begonnenen Träumen darüber, was sie getan hätten, hätte sie gelebt. Daher wird ein Mann wütend auf seine Kinder, weil sie viel zu sehr ihm ähneln und nicht annähernd genug seiner toten Frau. So hasst ein Mann das Haus, in dem sie gemeinsam gelebt haben, weil er es entweder nicht verändert, so dass es so tot ist wie seine Frau, oder weil er es verändert, so dass es nicht mehr zur Hälfte von ihr geschaffen wurde.«

»Du darfst auf unsere kleine Qing-jao nicht wütend sein«, sagte Jiang-qing.

»Warum?«, fragte Han Fei-tzu. »Wirst du bleiben und mir helfen, sie zu lehren, eine Frau zu sein? Ich kann sie nur lehren, das zu sein, was ich bin – kalt und hart, scharf und stark, wie Obsidian. Wie kann ich umhin, zornig zu sein, wenn sie zu solch einem Menschen heranwächst, während sie dir doch so ähnlich sieht?«

»Weil du sie auch alles lehren kannst, was ich bin«, sagte Jiang-qing.

»Wenn ich irgendeinen Teil von dir in mir hätte«, sagte Han Fei-tzu, »hätte ich dich nicht heiraten müssen, um zu einer vollständigen Person zu werden.« Nun hänselte er sie, indem er die Philosophie benutzte, um das Gespräch von den Schmerzen fortzulenken. »Das ist das Begehren der Seele. Weil die Seele aus Licht besteht und in der Luft existiert, ist sie der Teil, der Vorstellungen entwirft und bewahrt, besonders die Vorstellung vom Selbst. Der Gatte sehnt sich nach seinem ganzen Selbst, das gemeinsam aus dem Mann und der Frau bestand. Daher schenkt er niemals irgendeinem seiner Gedanken Glauben, denn in seinem Kopf ist immer eine Frage, auf die die Gedanken seiner Frau die einzig mögliche Antwort waren. Daher kommt ihm die ganze Welt tot vor, denn er kann nicht darauf vertrauen, dass angesichts dieser nicht zu beantwortenden Frage irgendetwas seine Bedeutung behält.«

»Sehr tiefsinnig«, sagte Jiang-qing.

»Wäre ich ein Japaner, würde ich Seppuku begehen und meine Eingeweide in die Urne mit deiner Asche geben.«

»Sehr nass und schmutzig«, sagte sie.

Er lächelte. »Dann sollte ich vielleicht ein alter Hindu sein und mich auf deinem Scheiterhaufen verbrennen.«

Aber sie war der Scherze überdrüssig. »Qing-jao«, flüsterte sie. Sie erinnerte ihn daran, dass ihm die glanzvolle Tat, mit ihr zu sterben, verwehrt blieb. Jemand musste sich um die kleine Qing-jao kümmern.

Also antwortete Han Fei-tzu ihr in vollem Ernst. »Wie kann ich sie lehren, zu sein, was du bist?«

»Alles Gute in mir«, sagte Jiang-qing, »kommt vom Weg. Wenn du sie lehrst, den Göttern zu gehorchen, die Vorfahren zu ehren, die Menschen zu lieben und den Herrschern zu dienen, werde ich genauso wie du in ihr sein.«

»Ich würde sie den Weg als Teil von mir lehren«, sagte Han Fei-tzu.

»So nicht«, sagte Jiang-qing. »Der Weg ist kein natürlicher Teil von dir, mein Gatte. Selbst wenn die Götter jeden Tag zu dir sprechen, bestehst du darauf, in einer Welt zu leben, in der man alles mit natürlichen Ursachen erklären kann.«

»Ich gehorche den Göttern.« Er dachte verbittert, dass er keine andere Wahl hatte; schon den Gehorsam zu verzögern war eine Folter.

»Aber du kennst sie nicht. Du liebst ihre Werke nicht.«

»Der Weg ist, die Menschen zu lieben. Den Göttern gehorchen wir nur.« Wie kann ich Götter lieben, die mich bei jeder Gelegenheit erniedrigen und quälen?

»Wir lieben die Menschen, weil sie Geschöpfe der Götter sind.«

»Halte mir keine Predigt.«

Sie seufzte.

Ihre Traurigkeit schmerzte ihn wie der Stich einer Spinne. »Ich wünschte, du könntest mir auf ewig Predigten halten«, sagte Han Fei-tzu.

»Du hast mich geheiratet, weil du wusstest, dass ich die Götter liebe und dass es dir völlig an der Liebe für sie mangelte. So habe ich dich zu einem vollständigen Menschen gemacht.«

Wie konnte er mit ihr streiten, wenn er doch wusste, dass er selbst jetzt die Götter für alles hasste, das sie ihm jemals angetan hatten, für alles, wozu sie ihn jemals getrieben hatten,...

Erscheint lt. Verlag 27.11.2017
Reihe/Serie Die Ender-Saga
Die Ender-Saga
Übersetzer Uwe Anton
Verlagsort München
Sprache deutsch
Original-Titel Xenocide
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte Die Ender-Saga • diezukunft.de • eBooks • Enders Game • Enders Spiel Reihe • Ferne Zukunft • Military SF • Science-Fiction-Klassiker • Serien • Zukunftskrieg
ISBN-10 3-641-22150-1 / 3641221501
ISBN-13 978-3-641-22150-8 / 9783641221508
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