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Topkapi (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2017 | 1. Auflage
320 Seiten
Hoffmann und Campe (Verlag)
978-3-455-81410-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Topkapi -  Eric Ambler
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Indem er einen vermeintlichen Touristen am Athener Flughafen übers Ohr zu hauen versucht, stolpert der übergewichtige, schwitzige Kleinganove Arthur Abdel Simpson zwischen die Fronten von Gangstern, Polizei und Geheimdienst. Nichts Geringeres als ein Raub im Istanbuler Palastmuseum Topkapi ist geplant, wo der legendäre, mit Smaragden besetzte Topkapi-Dolch in der schwer bewachten Schatzkammer liegt. Bis der beispiellose Coup in vollem Ausmaß erkennbar wird, kann man dem angegrauten Schlitzohr Simpson nicht viel vorwerfen. Außer vielleicht, dass er seine eigene hochheilige Regel, niemals zu gierig werden, bricht - mit weitreichenden Folgen.

Eric Ambler, geboren 1909, gehört zu den Begründern des klassischen Noir- und Spionagethrillers und wurde für seine Arbeit vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Order of the British Empire, der ihm 1981 von Königin Elisabeth II. verliehen wurde. Eric Ambler starb 1998 in London.

Eric Ambler, geboren 1909, gehört zu den Begründern des klassischen Noir- und Spionagethrillers und wurde für seine Arbeit vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Order of the British Empire, der ihm 1981 von Königin Elisabeth II. verliehen wurde. Eric Ambler starb 1998 in London.

Cover
Titelseite
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Über Eric Ambler
Impressum

1


Ich hatte keine andere Wahl: Wenn mich die türkische Polizei nicht verhaftet hätte, so hätte mich die griechische hinter Schloss und Riegel gebracht. Ich musste tun, was Harper mir befahl. Dieser Harper war schuld an allem, was später geschah.

Ich hielt ihn für einen Amerikaner. Er sah aus wie einer – groß, einen etwas zu weiten, leichten Anzug, schmale Krawatte, Hemdkragen mit Knöpfen, Bürstenhaarschnitt und das glatte, alterslose Gesicht. Er sprach auch wie ein Amerikaner oder doch wie ein Deutscher, der lange in den Staaten gelebt hat. Jetzt weiß ich, dass er kein Amerikaner ist, aber damals machte er auf mich den Eindruck.

Sein Gepäck zum Beispiel: Kunstlederkoffer mit imitierten Goldschlössern. Das typische Gepäck eines reisenden Amerikaners.

Er landete mit einer Maschine aus Wien auf dem Flughafen von Athen. Er hätte mit dieser Maschine aus New York, London, Frankfurt oder Moskau kommen können – oder direkt aus Wien. Das genau zu wissen war unmöglich. Keinerlei Hotelzettel am Gepäck. Ich nahm eben an, dass er aus New York kam. Ein Fehler, der jedem hätte passieren können. Seinen Pass bekam ich nicht zu sehen.

Ich merke, ich entschuldige mich. Als ob ich mich dieser Sache schämen müsste; aber ich versuche lediglich zu erklären, was geschah, offen und ehrlich.

Ich ahnte wirklich nicht, dass er nicht der war, der er zu sein schien. Ich sprach ihn am Flughafen an. Ich vermiete meinen Wagen eigentlich nur, um mir nebenbei etwas zu verdienen. Von Beruf bin ich Journalist. Aber Nicki redete dauernd von neuen Kleidern, und außerdem war die Miete für die Wohnung in dieser Woche fällig. Ich brauchte Geld. Und dieser Mann sah so aus, als hätte er welches.

Ist Geldverdienen ein Verbrechen? Man könnte es fast glauben, wenn man manche so reden hört. Sicher, Gesetz ist Gesetz, und ich will mich nicht beklagen, aber was ich nicht leiden kann, ist Heuchelei. Wenn ein Mann auf eigene Faust ins Rotlichtviertel geht, schert sich keiner drum, aber wenn er einem anderen einen Gefallen tun und ihm den Weg zu einem wirklich guten Haus zeigen will, dann fangen sie alle an, zetermordio zu schreien. Dafür habe ich kein Verständnis. Wenn ich auf etwas stolz bin, dann auf meinen gesunden Menschenverstand – und auf meinen Humor.

Ich heiße Arthur Simpson.

Nein! Ich hatte vor, offen und ehrlich zu sein, und dabei will ich bleiben. Mein korrekter, vollständiger Name lautet Arthur Abdel Simpson. Den Abdel verdanke ich meiner ägyptischen Mutter. Ich bin in Kairo geboren. Aber mein Vater war britischer Offizier, und ich bin Brite bis ins Mark. Selbst mein Werdegang ist typisch britisch.

Mein Vater diente von der Pike auf. Er war Feldwebel beim East-Kent-Infanterieregiment, als ich geboren wurde. 1916 wurde er zum Quartiermeister des Army-Service-Corps im Leutnantsrang befördert. Wir wohnten in der Offizierssiedlung für Verheiratete in Ismailia. Ein Jahr später kam er ums Leben. Ich war damals noch zu klein, als dass man mir die Einzelheiten erzählt hätte. Ich glaubte natürlich, die Türken hätten ihn umgebracht; aber meine Mutter erzählte mir später die Wahrheit. Er war von einem Lastwagen überfahren worden, als er eines Nachts aus der Offiziersmesse nach Hause ging.

Mutter bekam zwar ihre Pension, aber irgendjemand sagte ihr, sie solle an das Wohlfahrtsamt der Armee für die Söhne gefallener Offiziere schreiben, und die schickten mich dann in die Britische Schule nach Kairo. Als ich neun war, sagten sie, wenn ich Verwandte hätte, bei denen ich in England leben könnte, würden sie meine Erziehung dort finanzieren. Eine verheiratete Schwester meines Vaters lebte in Hither Green im Südosten von London. Nachdem das Wohlfahrtsamt zusagte, für meinen Unterhalt zu bezahlen, war sie bereit, mich aufzunehmen. Das war eine große Erleichterung für Mutter, denn nun konnte sie Mr. Hafiz heiraten, der mich nicht ausstehen konnte seit dem Tag, als ich sie miteinander im Bett erwischt und es dem Imam gesagt hatte. Mr. Hafiz war in der Gastronomie tätig und fett wie ein Schwein. Es war ekelhaft, dass ein Mann in seinem Alter mit meiner Mutter im Bett lag.

An Bord eines Truppentransporters fuhr ich in der Obhut der Sanitätsschwester nach England. Ich war froh, dass ich wegkam. Ich bin nie gern irgendwo gewesen, wo ich nicht erwünscht war. Die meisten Männer auf dem Schiff waren geschlechtskrank. Ich schnappte bei ihren Gesprächen eine Menge Nützliches und Wissenswertes auf, ehe die Schwester, eine alte Hexe, dahinterkam und mich für den Rest der Überfahrt dem Sportlehrer übergab. Meine Tante in Hither Green war auch eine Hexe, aber dort war ich willkommen. Sie war mit einem Buchhalter verheiratet, der meistens arbeitslos war. Die knapp zwölfeinhalb Schilling je Woche waren für sie ein Geschenk Gottes. Sie war korrekt, denn ein Mann vom Wohlfahrtsamt kam regelmäßig vorbei, um sich zu überzeugen, wie es mir ginge. Wenn ich etwas erzählt hätte, hätten sie mich weggenommen. Ich hatte es faustdick hinter den Ohren, wie wohl die meisten Jungen in diesem Alter.

Die Schule war in Lewisham bei Blackheath. Eine große Tafel mit goldenen Buchstaben hing über dem Eingang:

CORAM’S GRAMMAR SCHOOL

Für die Söhne von Gentlemen

Gegründet 1781

Über der Tafel hing das Schulwappen mit dem Motto: Mens aequa arduis. Der Lateinlehrer sagte, es stamme von Horaz; aber der Englischlehrer übersetzte es gern mit Kiplings Worten: »Wenn du dir einen kühlen Kopf bewahrst, wenn alle anderen ihn verlieren … dann erst bist du ein Mann, mein Sohn.«

Es war nicht gerade eine Schule wie Eton – es gab keine Internatsschüler, wir waren alle nur tagsüber dort –, aber sie wurde nach denselben Richtlinien geführt. Die Eltern oder, wie in meinem Fall, der Vormund mussten Schulgeld bezahlen. Es gab ein paar Jungen mit einem Stipendium – ich glaube, eine Auflage für den Zuschuss vom Erziehungsministerium –, aber es waren insgesamt nie mehr als zwanzig. 1920 wurde ein neuer Direktor ernannt. Sein Name war Brush, und wir tauften ihn »Die Borste«. Er war Lehrer in einem großen Internat gewesen, und er führte eine Menge Neuerungen ein. Nachdem er eingezogen war, spielten wir Rugby statt Fußball, absolvierten nicht mehr Klassen, sondern Semester und wurden angehalten, uns wie Gentlemen auszudrücken. Ein, zwei von den älteren Lehrern wurden an die Luft gesetzt, was nur gut war. Außerdem ließ »Die Borste« alle Lehrer in ihren Talaren zum Morgengebet antreten. Coram’s war, wie er betonte, eine Schule mit alter Tradition, und wenn wir auch nicht ganz so alt waren wie Eton und Winchester, waren wir doch ein gut Teil älter als Brighton oder Clifton. Alle Paukerei nützte nichts, wenn man nicht Charakter und Tradition hatte.

Wie gesagt, ich erinnere mich kaum an meinen Vater; aber ein paar von seinen Lieblingsaussprüchen sind mir in Erinnerung geblieben. Vielleicht weil er sie so oft wiederholt hatte. Einer hieß, wie ich mich erinnere: »Melde dich niemals freiwillig.« Ein anderer lautete: »Schaumschlägerei geht über Verstand.«

Wohl kaum die richtige Devise für einen Offizier und Gentleman, meinen Sie? Ich bin da nicht so sicher; aber ich will mich nicht streiten. Ich kann nur sagen, dass es die Devise eines praktisch denkenden Berufssoldaten war, und dass sie in Coram’s funktionierte.

Ich entdeckte zum Beispiel sehr bald, dass die Lehrer nichts mehr ärgerte als eine unordentliche Handschrift. Bei einigen war es tatsächlich so, dass die falsche Antwort, wenn sie nur fein säuberlich geschrieben war, beinahe gleich gut bewertet wurde wie die richtige Antwort in schlechter Schrift oder mit Klecksen und Flecken. So habe ich immer sehr sauber geschrieben. Oder wenn ein Lehrer etwas fragte und dann sagte: »Hand hoch, wer es weiß«, konnte man, auch wenn man es nicht wusste, ruhig die Hand heben, wenn man die Übereifrigen zuerst die Hand heben ließ und wenn man nur dabei lächelte. Lächeln – nicht grinsen oder feixen – war immer und zu allen Zeiten wichtig. Die Lehrer machten sich nicht allzu viele Gedanken um einen, wenn man aussah, als hätte man ein gutes Gewissen.

Mit den anderen Jungen kam ich ganz gut zurecht. Weil ich in Ägypten geboren bin, nannten sie mich natürlich »Kameltreiber«, aber da ich wie mein Vater helle Haare hatte, machte mir das nichts aus. Ich bekam sehr früh den Stimmbruch, mit zwölf. Einige Zeit später unternahm ich mit einem Fünftklässler namens Jones IV nächtliche Streifzüge in die Felder. Wir lasen Mädchen auf, »Hasenjagd«, um es mit einem militärischen Ausdruck zu bezeichnen. Ich entdeckte bald, dass es manchen Mädchen nichts ausmachte, wenn man ihnen unter den Rock fasste oder sogar noch ein bisschen weiter ging. Manchmal kamen wir sehr spät nach Hause. Das hieß, dass ich am nächsten Morgen früh aufstehen musste, um meine Hausaufgaben zu machen, oder aber meine Tante dazu bringen musste, mir eine Entschuldigung zu schreiben. Wenn alles schiefging, konnte ich immer noch von einem Jungen namens Reese abschreiben und die schriftliche Hausarbeit auf dem Klo erledigen. Er litt schrecklich unter Akne und hatte nichts dagegen, dass man von ihm abschrieb; ich glaube, es gefiel ihm sogar. Aber man musste vorsichtig sein. Er war ein Bücherwurm und hatte gewöhnlich alles richtig. Wenn man wortwörtlich von ihm abschrieb, riskierte man ein »Sehr gut«. In meinem Fall würde das den Lehrer misstrauisch machen. Ich schaffte einmal bei einer Chemiearbeit zehn von zehn möglichen Punkten, und dafür verprügelte mich der...

Erscheint lt. Verlag 12.9.2017
Übersetzer Elsbeth Herlin, Nikolaus Stingl
Verlagsort Hamburg
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Schlagworte Geheimdienst • Humor • Istanbul • Klassiker • Krimi • Kunst • Spannung • Spionage • Thriller
ISBN-10 3-455-81410-7 / 3455814107
ISBN-13 978-3-455-81410-1 / 9783455814101
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