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G. F. Unger Sonder-Edition 120 (eBook)

Der Colt war sein Schicksal

(Autor)

eBook Download: EPUB
2017 | 1. Aufl. 2017
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-5367-9 (ISBN)

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G. F. Unger Sonder-Edition 120 - G. F. Unger
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Dies ist die Geschichte von Jim Quaid, der als Junge die Härte und Grausamkeit des Krieges erfuhr und sich nach der Kapitulation der Südstaatenarmee in einen Lebenskampf hineingeworfen sah, der noch gnadenloser war als der Krieg, aus dem er kam. Sechszehn erst, ohne Eltern und Heimat, herumgestoßen und verachtet, kennt er nur den einen Wunsch: einmal ein stolzer, von der ganzen Welt respektierter Mann zu werden. Sein schneller Colt schien ihm hierfür das große Zaubermittel zu sein...

1

Es war am 12. April 1865, als wir zum letzten Mal unserer Fahne folgten, dem einst so stolzen Banner der Konföderation, dem sternenbesetzten blauen Kreuz auf rotem Grund.

Es war ein bitterer Tag für uns alle. Denn am 9. April hatte General Lee die Übergabe unterzeichnet und unsere Niederlage eingestanden. Er wollte dem sinnlosen Sterben seiner Armee ein Ende setzen.

Der Krieg war vorbei. Wir hatten verloren, waren besiegt worden.

Und so folgten wir am 12. April zum letzten Mal unseren zerfetzten Regimentsfahnen. Unser Weg führte nun in die Gefangenschaft.

Rechts und links standen die Divisionen der Yankees, der verhassten Blaubäuche. Das Regiment, zu dem ich gehörte, bestand nur noch aus siebzehn Mann.

Ich war der Jüngste von uns, denn ich war gerade erst sechzehn geworden. Und ich hinkte an einem Stock als letzter Mann.

Oha, wir waren ein zerlumpter, geschlagener Haufen, halb verhungert, und jeder war verwundet. Man sah es an den blutigen und verdreckten Verbänden.

Einige von uns weinten, denn sie waren einst stolze Männer gewesen, und konnten es jetzt nicht ertragen, besiegt zu sein.

Wir hatten die Hölle hinter uns und wussten nicht, was vor uns lag.

Alles war umsonst gewesen. Dieser verdammte Krieg hatte unzähliges Leid gebracht für beide Seiten. Wir wussten jetzt, wie grausam ein Krieg sein konnte – und wie dumm letztlich, weil die Menschen sich oftmals nicht gütlich und vernünftig einigen können.

Ja, das wussten wir jetzt genau – und dennoch war da immer noch ein Stolz in uns. Denn wir hatten gegeben und geopfert, was nur möglich war. Mochte alles sinnlos gewesen sein, wir brauchten unseren Stolz, denn er war etwas, an was wir uns klammern und aufrichten konnten.

Unser Fahnenträger erreichte nun die Stelle, wo der Unionsgeneral Chamberlain den oberkommandierenden General Grant vertrat, denn letzterer war schon unterwegs nach Washington.

General Chamberlain saß auf einem prächtigen Pferd, umgeben von hohen Offizieren.

Wir mussten an ihm vorbei mit unserer Fahne, die über unserem kleinen Haufen flatterte. Und ein Stück dahinter würden wir die Fahne und unsere Waffen abgeben müssen.

Plötzlich ging ein Ruck durch unseren Haufen.

Obwohl viele von uns hinkten, fielen wir plötzlich in unseren alten, schwingenden Marschschritt, reckten uns auf, hoben das Kinn. Wir richteten unsere Viererreihe aus – nur ich, der ich der siebzehnte Mann war, lief allein hinter den vier Viererreihen. Nein, auch ich hinkte nicht mehr.

Wir marschierten ohne Offizier an der Spitze. Denn unser Haufen hatte keine Offiziere und keine Sergeanten mehr. Und da geschah etwas.

Die Yanks ließen von einem Hornisten das Präsentiersignal blasen.

Dann klangen die Befehle. Und als wir an ihnen vorbeimarschierten, da präsentierten sie ihre Gewehre vor unserem zerlumpten Haufen und all den anderen Regimentern, die uns folgten.

Unser linker Hügelmann gab plötzlich für uns die Befehle wie ein Offizier.

Und so präsentierten auch wir im Vorbeimarsch. Ich selbst warf dabei zuvor schnell den Knüppel fort, den ich als Stock benutzt hatte. Heiliger Rauch, es tat uns gut, jetzt als Verlierer geehrt zu werden von den Siegern, ihnen beim Vorbeimarschieren in die Augen zu sehen und ihnen unseren Stolz zu zeigen.

Ja, das tat einem zerlumpten Haufen gut.1)

Aber dann erreichten wir auch schon die Stelle, wo wir unsere Fahne und unsere Waffen abliefern mussten – irgendwo in der Nähe von Appomattox auf freiem Feld. Und dann wehten und flatterten nur noch die Fahnen der siegreichen Union über uns. Es war vorbei.

Was wartete auf jeden von uns in der Zukunft?

***

Weil ich noch so jung war und einer Kommission auffiel, die unser Gefangenenlager besuchte und uns sagte, dass wir nun alle wieder gleichwertige und gleichberechtigte Amerikaner seien und mit dem Neuaufbau beginnen müssten, wurde ich schon sehr bald entlassen.

Zu dieser Kommission gehörten auch ein Bischof und einige feine Ladys.

Eine der Ladys interessierte sich für mich, winkte mich herbei und fragte:

»Sie sind wohl noch sehr jung?«

»Nur an Jahren, Ma’am, nur an Jahren.«

»Texaner?«

»Yes, Ma’am – vom Brazos. Mein Name ist Quaid, Jim Quaid, vom Brazos.« Ich sagte es stolz.

»Und wenn Sie entlassen werden, dann kehren Sie zu Ihrer Familie heim?« Sie fragte es in einer Art, so als wäre sie davon überzeugt, immer noch in einer heilen Welt zu leben.

Aber ich schüttelte den Kopf.

»Ich habe keine Familie mehr, Ma’am«, erwiderte ich. »Mein Vater und meine beiden Brüder wurden von den Yanks getötet. Meine Mom wurde von Comanchen ermordet, die sich die Pferde unserer kleinen Ranch holten. Wollen Sie sonst noch etwas wissen, Ma’am?«

Ich fragte es mit geduldiger Nachsicht.

Aber sie schüttelte heftig den Kopf und lief weg wie eine Henne, die von einem Wurm abgebellt worden war. Denn meine Probleme erschienen ihr zu groß, um sie für mich in Barmherzigkeit lösen zu können.

Aber noch am selben Tag wurde ich entlassen mit fünf Dollar. Das war in Virginia. Und so machte ich mich auf den Weg heim nach Texas.

***

Schon am zweiten Tag stahl ich einem Yankee-Offizier das Pferd, aber auch dieser hatte das Tier gewiss nicht von der Armee bekommen, denn es trug nicht das Brandzeichen der Union. Er hatte es also irgendwo requiriert. Ich kam mir also nicht wie ein Pferdedieb vor. Doch ich hätte wegen meinem kranken Bein auch jedem anderen Manne das Tier gestohlen bei ähnlich günstiger Gelegenheit.

Der Yankee-Offizier lag nämlich mit einer immer wieder glücklich jauchzenden Frau im Bett und hatte das Pferd hinter dem Haus im Garten angebunden. Durch das offene Fenster beobachtete ich das sich so menschlich vergnügende Paar einige Sekunden und war sicher, dass noch eine ganze Weile vergehen würde, bis der Mann sein Pferd vermisste, weil er es nicht mehr vorfand nach seinem Schäferstündchen.

Ich führte es ein Stück weg, bevor ich aufsaß. Aaah, was tat es gut, nicht mehr des Weges hinken zu müssen mit meinem zerschossenen Bein, dessen Wunde nicht so richtig heilen wollte und ständig eiterte. Vielleicht würde ich die Wunde nochmals ausbrennen müssen. Davor fürchtete ich mich. Zum Glück fand ich in der linken Satteltasche des Offiziers eine Flasche Schnaps. Damit hielt ich meinen Verband feucht.

Indes ich so ritt, spürte ich tief in meinem Kern das Bedauern eines Versäumnisses. Und dann dachte ich immer wieder: Ich hätte durch das Fenster klettern und ihm die Jacke und den Colt stehlen sollen. Denn in der Jacke war bestimmt seine Brieftasche mit dem jetzt allein gültigen Unionsgeld. Und den Colt werde ich gewiss bald so nötig brauchen wie die Luft zum Atmen.

Ich konnte gut mit einem Colt umgehen. Schon als kleiner Junge hatte ich das von meinem Vater und den älteren Brüdern daheim in Texas gelernt. Und während des Krieges, den ich ein ganzes Jahr mitmachte, hatte ich oft genug mit dem Colt gekämpft.

Ich war kein Junge mehr.

Damals, als ich zur Armee ging, war ich fünfzehn. Dem Einstellungsoffizier log ich vor, achtzehn zu sein. Und obwohl er wusste, dass ich log, stellte er mich ein.

Nun, ich ritt also auf dem gestohlenen Pferd nach Südwesten. Zwischen mir und Texas lagen noch Tennessee und Arkansas, dazwischen war der mächtige Mississippi.

Oha, es war ein weiter Weg nach Texas.

Aber ich hatte ja ein gutes Pferd und fünf Dollar.

***

Zwei Tage später war ich wieder ohne Pferd.

Denn als ich durch einen Creek ritt, tauchte am gegenüberliegenden Ufer ein Bursche auf, der mich über einen Revolver hinweg angrinste.

Ich verhielt und blickte über die Schulter.

Und da war noch einer am anderen Ufer. Sie sahen wie Brüder aus und trugen wie ich die graue Uniform der einstigen Konföderiertenarmee.

»Hey, Kleiner, du kommst uns gerade richtig mit dem hübschen Pferdchen«, sagte der Bursche vor mir. »Denn wir sind jetzt lange genug gelaufen. Jetzt bist du mal wieder an der Reihe. Du wirst schon irgendwo in den nächsten Tagen einen anderen Gaul finden. Na los, mach schon, runter von dem Bock!«

Er wedelte mit dem Colt, und in seiner Stimme war nun erbarmungslose Härte.

Ich machte mir keine Illusionen. Die beiden Kerle blufften nicht, denn sie waren hartgesottene und hart gebrannte Kriegsveteranen, die den Glauben an alles verloren hatten und nur noch an den eigenen Vorteil dachten. Die Zeiten der flatternden Fahnen und der Ehre waren vorbei.

Jetzt herrschte nur noch der erbarmungslose Lebenskampf.

Und ich war ein Junge mit einem prächtigen Pferd und ohne Colt.

Ja, wenn ich einen Colt gehabt hätte!

Zum ersten Mal in diesen Tagen kam mir die Erkenntnis, dass ich in Zukunft ohne Colt überall im Nachteil sein würde.

Seufzend rutschte ich vom Pferd und stand bis zu den Knien im Wasser des Creeks. Der Mann hinter mir kam heran, verhielt kurz neben mir und sagte: »So ist das nun mal, Junge. Diese Welt wird jetzt noch schlechter, als sie es bisher schon war. Denn jetzt wollen sich alle wieder nach oben strampeln.«

Er nahm das Pferd, führte es hinüber zum anderen Ufer. Sie saßen beide auf und ritten davon.

Ich stand noch im Creek, und ich knirschte mit den Zähnen und hätte am liebsten losgeheult wie ein Wolf.

Ja, wenn ich einen Colt gehabt hätte!

Wieder dachte ich den Gedanken nicht zu Ende.

Langsam bewegte ich...

Erscheint lt. Verlag 19.9.2017
Reihe/Serie G. F. Unger Sonder-Edition
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Abenteuer-Geschichte • Abenteuer-Roman • Abenteurer • alfred bekker • Anna Basener • Bahnhofsroman • Bestseller • Bud Spencer • Cassidy • Clint Eastwood • Cora • Cowboy • Die Abenteurer • g f barner • G. F. Barner • g f unger • G. F. Unger • Groschenheft • Heft • Heftchen • Heftchen-Roman • Heftroman • Heft-Roman • High noon • Indianer • Italowestern • Karl May • Klassiker • Laredo • Lassiter • Lucky Luke • Mira • Pulp • Pulp Ficition • Ringo • Romanheft • Roman-Heft • serial content • Serial Novel • Serial Novels • Serie • Serien • Seriennovellen • Spiel mir das Lied vom Tod • TerrenceHill • Unger • Western • western bestseller • western country exklusiv • western deutsch • Western ebooks deutsch • western ebooks deutsch kindle • western exklusiv • Westernreihe • Westernroman • Westernromane • Western Romane • Westernserie • Western Serie • Western-Serie • western serie deutsch • Wilder Westen • Winnetou • Wyatt Earp
ISBN-10 3-7325-5367-1 / 3732553671
ISBN-13 978-3-7325-5367-9 / 9783732553679
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