Sarangkôr: Drei Logan-Romane (eBook)
360 Seiten
Uksak E-Books (Verlag)
978-3-7389-0209-9 (ISBN)
Band 1: LOGAN UND DAS SCHIFF DER KTOOR
Französisch Indochina, 1936...
Es war Nacht.
Der Mond stand als fahle Sichel über den Kronen der Urwaldriesen.
Eine Gruppe von vier Reitern zog samt Packpferden die schmale Dschungelstraße entlang. Sie hatte am vorherigen Morgen den Ort Siemreap hinter sich gelassen und bewegte sich nun langsam auf Kampong Thum zu, einen kleinen Flusshafen an den Ufern des Stoeng Sen - jenem Zufluss des gewaltigen Mekong, an dessen Oberlauf ein sagenhaftes, so gut wie unerforschtes Gebiet lag...
Die Straße führte an Sümpfen vorbei, die die Ufer des gewaltigen Tonle-Sab-Sees säumten.
Der Nebel waberte in dicken Schwaden über die Straße.
Manchmal war er so dicht, dass man nur wenige Meter weit sehen konnte.
Eine gespenstische Szenerie.
Lange hatten die Reiter geschwiegen.
Aber ein fremdartiger Chor von Tierstimmen drang aus dem nahen Dschungel bis hier her. Schreie exotischer Vögel, Geräusche gefiederter Jäger und das Zirpen von Grillen mischten sich zu einem einzigartigen Chor.
Die Luft war von Feuchtigkeit gesättigt. Drückend lastete die Hitze auf den Reisenden.
Dennoch erhob jetzt einer von ihnen seine Stimme.
Sie gehörte einem breitschultrigen Mann in den Fünfzigern.
Er trug kurzgeschorenes, graues Haar, darüber eine helle, ziemlich fleckige Schiebermütze.
Die obersten Hemdknöpfe waren offen. Um die Körpermitte trug er einen Munitionsgürtel. Ein Smith & Wesson-Revolver vom Kaliber .38 steckte in einem Quick Draw Holster. Auf der linken Seite baumelte eine Machete vom Gürtel.
"Was glaubst du, was wir am Oberlauf des Stoeng Sen finden werden, Ray?", fragte er.
Ray Logan, der Mann, der die Gruppe anführte, war Mitte dreißig und dunkelhaarig. Auch er trug Revolver und Buschmesser am Gürtel.
Hemd und Hose klebten ihm am Körper.
"Das weiß ich nicht, Pierre", antwortete Ray Logan auf die Frage seines Begleiters.
"Aber du hast eine Ahnung!"
"Der glühende Feuerball am Himmel... Die Berichte von eigenartigen Lichterscheinungen, die in der gesamten Umgebung unter der Bevölkerung kursieren... Natürlich kann es sich auch um einen gewöhnlichen Asteroiden-Einschlag gehandelt haben."
Aber daran glaubte Ray Logan nicht.
Und das war der Grund dafür, dass er die Strapazen dieser Reise in den südostasiatischen Dschungel auf sich genommen hatte.
Weltweit war vor einigen Wochen über diese Lichterscheinungen berichtet worden. Die wildesten Spekulationen waren ins Kraut geschossen.
Die meisten anerkannten Astronomen glaubten an den Absturz eines Meteoriten in den Tiefen des indochinesischen Dschungels.
Aber Ray Logan glaubte, dass es sich um etwas anderes handelte.
Das größte Ereignis in der Geschichte der Menschheit.
Die Landung eines außerirdischen Raumschiffs.
Logan war der Erbe eines großen Industrie-Vermögens, das er bei geschickten Managern in guten Händen wusste. Hin und wieder ließ er sich in seiner Villa in den Hamptons auf Long Island die Bücher zeigen, ansonsten kümmerte er sich kaum um die Geschäfte.
Er hatte einfach kein Talent dazu und war daher der Ansicht, dass es besser war, diese Dinge jemandem zu überlassen, der etwas davon verstand.
Logan hatte schon von frühester Jugend an andere Interessen gehabt.
Geschichten, von Außerirdischen, die die Erde heimsuchten, wie sie in Magazinen wie 'Weird Tales', 'Argosy' oder 'All Story' abgedruckt wurden, hatten seine Phantasien beflügelt.
Zähneknirschend hatte es sein Vater hingenommen, dass Ray sich dem Studium der Archäologie und alter Sprachen hingegeben hatte. Raymond J. Logan sen. war davon ausgegangen, dass sich diese Vorliebe ebenso verflüchtigen würde wie das Interesse an Pulp Novels über glupschäugige Monster.
Er sollte sich allerdings getäuscht haben.
Nach dem plötzlichen Tod seiner Eltern bei einem tragischen Verkehrsunfall auf der Straße nach Montauk, Long Island, hatte Ray Logan jun. die Leitung von Logan Industries nicht selbst übernommen, sondern sie in berufenere Hände gelegt. Der junge Logan hatte sich stattdessen seinen Studien gewidmet, in denen er außergewöhnlichen Phänomenen aller Art auf die Spur zu kommen hoffte.
Insbesondere suchte er nach Spuren außerirdischen Lebens auf der Erde.
Seine Expeditionen hatten ihn schon in die ganze Welt geführt.
Immer wieder jagte er Berichten von unerklärlichen Erscheinungen nach.
So auch diesmal, als er einem abgestürzten Meteoriten in den Dschungel des uralten Khmer-Landes gefolgt war.
"Leider gibt es hier kein Netz von seismischen Messstationen", meinte Pierre Marquanteur. Ray Logan hatte den ehemaligen Fremdenlegionär vor allem deshalb auf seine Expedition mitgenommen, weil er einerseits mit einer Waffe umzugehen wusste und andererseits sich in Indochina gut auskannte. Er sprach unter anderem fließend Khmer. Damit war er einer der wenigen Europäer, die diese Sprache beherrschten.
Die französischen Kolonialbürokraten machten sich normalerweise nicht die Mühe, Vietnamesisch, Khmer oder einen der laotischen Dialekte zu erlernen. Und diejenigen, die es versucht hatten, waren zumeist daran gescheitert, von ein paar sehr hartnäckigen Missionaren mal abgesehen. Hin und wieder traf man auf einen Europäer, der ein paar Brocken Kantonesisch sprach, was vor allem für Geschäftsleute sehr wichtig sein konnte.
Schließlich wurde der Handel auf dem Mekong zwischen dem Delta südlich von Saigon bis hinauf in den Kern des alten Khmer-Reiches, das vor langer Zeit einmal ganz Südostasien beherrscht hatte, in erster Linie von Chinesen beherrscht.
Pierre Marquanteur war für Logan ein unverzichtbarer Begleiter, auch wenn ihm seine Söldnerseele etwas Unberechenbares gab.
Aber solange Logan den Ex-Legionär bezahlte, würde dieser auch loyal sein.
Die beiden anderen Reiter, die Logan begleiteten, waren Lon und Heng, zwei ortskundige Khmer, die sich im Übrigen auch darum zu kümmern hatten, dass die Lasttiere nicht verloren gingen. Insgesamt drei Packpferde führte die Gruppe mit sich.
Logan hätte gerne eine größere Expedition ausgerüstet. Aber damit hätte er unweigerlich das Misstrauen der französischen Kolonialbehörden auf sich gelenkt. Es war schon schwer genug gewesen, bis hier her zu gelangen, denn offiziell war das gesamte Gebiet am Oberlauf des Stoeng Sen seit dem mysteriösen Meteoriteneinschlag ein Sperrgebiet.
Allerdings war die französische Militärdichte in den unwegsamen Gebieten des alten Khmer-Reichs bei weitem nicht groß genug, um diese administrative, auf dem grünen Tisch der Bürokraten gesetzte Tatsache auch durchzusetzen.
Der Morgen graute bereits, als sie Kampong Thum erreichten.
Glutrot ging die Sonne jenseits des Stoeng Sen-Flusses auf und schimmerte geisterhaft durch die bodennahen Nebelbänke.
Die Reitergruppe erreichte den Flusshafen, der ein einzigartiges Gewimmel aus Booten verschiedener Größe darstellte.
In Anbetracht des kaum vorhandenen Straßennetzes waren die Wasserläufe des alten Khmer-Landes vor allem in den Dschungel-Regionen nach wie vor die wichtigsten Verkehrswege.
Im Hafen herrschte zu dieser frühen Stunde bereits Hochbetrieb. Die Fischer waren in der Nacht rausgefahren, um ihre Netze auszuwerfen. Jetzt, gegen Morgen, kamen sie zurück, um den Fang zu bergen.
"Fragt sich, wie wir jetzt weiterkommen", meinte Logan.
"Ich schlage vor, wir verkaufen die Pferde und nehmen ein Boot."
"Wird wohl das Beste sein."
Pierre Marquanteur wandte unruhig den Kopf.
"Was nicht in Ordnung, Pierre?"
"Irgendetwas stimmt hier nicht."
Auf der anderen Seite des Stoeng Sen lag Trapeang Veng, ein weiterer Flusshafen. Tagsüber verbanden Fähren die beiden Städte. Jetzt schimmerten die Häuser von Trapeang Veng wie die Schatten geisterhafter Skulpturen durch die Nebelwand hindurch, die sich über dem Fluss hielt.
Aufgeregtes Stimmengewirr drang an die Ohren der Ankömmlinge. Und auch Heng und Lon gerieten in Unruhe.
"Was ist los?", fragte Logan.
"Unsere Begleiter reden etwas von bösen Walddämonen... Sie müssen wohl irgendetwas von den Leuten hier aufgeschnappt haben."
Auffällig war in der Tat, dass sich von Dörflern kaum jemand für den Fang der Flussfischer interessierte.
Vor einem der Häuser war ein Menschenauflauf entstanden.
Die Leute redeten durcheinander.
Logan stieg vom Pferd ab, gab Heng die Zügel.
Pierre Marquanteur folgte seinem Beispiel.
Der ehemalige Fremdenlegionär spuckte aus und wischte sich mit dem schweißfeuchten Ärmel über den Mund.
"C'est drôle, n'est-ce pas? Hier interessiert sich offenbar keine Sau für uns!"
Nur wenige Blicke wurden den beiden Fremden gewidmet.
Dann verließ eine junge Frau das Haus. Sie war blond, trug enge Reithosen und ein Khaki-Hemd, das sich eng um ihre formvollendeten Rundungen schmiegte.
Die Einheimischen wichen zurück, bildeten eine Gasse vor ihr.
Dann begann die junge Frau in schlechtem Khmer zu reden.
Die Antwort war nur Schweigen.
Ob es daran lag, dass die Leute nicht antworten wollten oder die junge...
| Erscheint lt. Verlag | 8.9.2019 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction | |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| ISBN-10 | 3-7389-0209-0 / 3738902090 |
| ISBN-13 | 978-3-7389-0209-9 / 9783738902099 |
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