Ich liebe Dich - noch immer (eBook)
130 Seiten
CORA Verlag
978-3-7337-7886-6 (ISBN)
Kates größter Wunsch - eine eigene Familie. Doch seit sie weiß, dass sie keine Kinder bekommen kann, widmet sie sich voll und ganz ihrer Karriere. Bis sie auf der malerischen Isle of Wight durch Zufall ihrem ersten Freund Gideon wieder begegnet. Der gut aussehende Restaurantbesitzer, inzwischen allein erziehender Vater zweier süßer Töchter, weckt lang verdrängte Gefühle in ihr. Wenn er ihr seine Liebe gesteht, wird sie für immer bei ihm bleiben. Doch Gideon schweigt...
<p>Auf die Frage 'Was willst du denn werden, wenn du groß bist?' hatte Natasha Oakley schon in der Grundschule eine Antwort. Jedem, der es hören wollte, erzählte sie, dass sie einmal Autorin werden würde. Ihr Plan war es, zu Hause bei ihren Eltern in London, wohnen zu bleiben und sich von ihrer Mutter in regelmäßigen Abständen Kaffee bringen zu lassen. Zu der Zeit mochte sie Kaffee noch nicht einmal, aber er gehörte zu ihrer Vorstellung einer fleißigen Autorin nun mal dazu. Die Kaffeesucht wurde tatsächlich zur Realität, auch wenn Natasha Oakley nicht mehr bei ihren Eltern lebt, sondern mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern in Bedfordshire, England. Mit dem Schreiben begann sie, als ihr fünftes Kind die Nächte durchschlief, und 2003 kaufte der Verlag Mills & Boon den zweiten Roman, den sie einsandte. In ihrer Freizeit, das heißt, wenn sie nicht gerade auf ihre 'Meute' aufpassen muss, geht Natasha Oakley gerne auf Antiquitätenmärkten und Auktionen auf Schatzsuche.</p>
1. KAPITEL
Die Seeluft schmeckte salzig auf ihren Lippen, eiskalte Regentropfen schlugen auf ihre Wangen. Kate Simmonds blickte starr auf das schiefergraue Meer, während ihr das Haar ums Gesicht wehte.
Sie war unterwegs nach Hause.
Zu spät.
Aunt Babs war tot.
Mit bebenden Fingern strich sich Kate die Haare zurück. Noch vor einer Woche war alles ganz anders gewesen – oder hatte zumindest so geschienen. Sie hatte viel Zeit gehabt, Zeit, um irgendwann nach Hause zu fahren, nur nicht sofort. Sie war noch nicht bereit dazu gewesen. Aunt Babs hatte es verstanden.
Nun war es zu spät.
Kate lehnte sich an die Reling auf dem Oberdeck der Fähre und blickte weiter unverwandt auf die See. Irgendwie rückte die riesige graue Weite alles in den richtigen Blickwinkel und ließ ihre bittere Lebensangst klein und geringfügig erscheinen. Sie hätte sich Zeit nehmen sollen!
Aunt Babs hatte ihr ein Zuhause gegeben und sie – die linkische, zornige Zehnjährige – von Anfang an wie ihre eigene Tochter geliebt. Ja, Aunt Babs war eine Pflegemutter gewesen, wie man unter Millionen nur eine findet, und sie hätte Besseres verdient gehabt als den wöchentlichen Anruf, zu dem Kate sich hatte aufraffen können. Oder die gelegentlichen Treffen in London. Ihr Versäumnis bereute sie jetzt – und es gab in ihrem Leben schon so vieles, was sie bedauerte.
Es war beinah sechs Jahre her, seit sie die Fahrt zuletzt gemacht hatte. Vieles hatte sich inzwischen geändert. Vor allem sie hatte sich verändert. Man hätte in ihr kaum die zweiundzwanzigjährige Katie von damals wiedererkannt. Sie hatte sich sozusagen neu erschaffen: als Kate Simmonds, selbstsicher und elegant, die ihr Leben im Griff hatte.
Wenn es nur wahr wäre! Insgeheim plagten sie noch immer Unsicherheit und ein verzweifeltes Verlangen nach Zugehörigkeit. Noch immer schmerzten sie die seelischen Narben der Zurückweisung. Und inzwischen gab es ein Kümmernis mehr, eine Pein wie von einem glühenden Brandeisen.
Kate schob die Hände in die Taschen ihres langen schwarzen Mantels und wandte sich von dem bedrückend grauen Märzhimmel ab.
Nur eine Hand voll Touristen hatte sich ebenfalls nach draußen gewagt, um die Isle of Wight in der Ferne auftauchen zu sehen. Sie standen dicht beieinander unter ihren Regenschirmen.
Vage war sie sich eines fragenden Blicks bewusst, dann eines zaghaften Lächelns – ganz so, als würde die ältere Dame im roten Anorak sie kennen.
Rasch sah Kate weg. Nein, sie kannten sich nicht. Es war nur eine Illusion, wie so vieles in ihrem jetzigen Leben. Sie wollte sich nicht auf ein banales Gespräch einlassen – was unweigerlich folgen würde, wenn sie es zuließ –, sondern mit ihren Gedanken allein sein, so schmerzlich diese auch waren.
Unvermittelt wandte sie sich um und verließ das obere Deck. Nachdem sie die schwere Metalltür geöffnet hatte, stieg sie die steile Treppe hinunter – keine leichte Aufgabe in Stiefeln mit hohen Absätzen.
In der Cafeteria unten roch es nach ranzigem Fett und abgestandenem Zigarettenrauch, aber es tat gut, dem scharfen Wind entkommen zu sein. Kate schüttelte die Regentropfen aus dem Haar und stellte sich am Büfett an.
„Falls du Kaffee möchtest, bist du in der falschen Reihe.“
Überrascht sah sie beim Klang der Männerstimme hoch und Gideon Manser direkt in die Augen. Sein Name fiel ihr sofort wieder ein. Ja, sie erinnerte sich genau an Gideon, an seine dunkelblauen Augen und sein markantes Gesicht. Er besaß mehr Sexappeal als die meisten Filmstars und war der Held ihrer Jungmädchenträume gewesen. Unnötig zu sagen, dass er ihre Gefühle nicht erwidert hatte.
„Die Kaffeemaschine auf der Seite ist kaputt“, erklärte er gelassen und lächelte, wobei sich Fältchen um seine Augen bildeten.
Instinktiv hob Kate die Hand, um sich die Haare zu glätten, und war sich unangenehm bewusst, wie feucht und zerzaust sie ihr ums Gesicht hingen. Gideon hatte sich kein bisschen verändert. Oder doch – er war etwas dünner als früher. Und er sah müde aus. Abgekämpft. Doch er war noch immer sexy. Sehr sexy sogar.
„Danke für den Hinweis“, brachte sie schließlich heraus.
Nur allzu genau erinnerte sie sich, wie sie sich aufgeführt hatte, als er auf die Insel kam. Mit siebzehn hatte sie ihn für das wunderbarste Wesen gehalten, das jemals über die Erde gewandelt war – und es war ihr deutlich anzumerken gewesen.
Gideon war älter als sie, viel älter. Ein Starkoch aus London, der auch in Frankreich und Italien gelebt hatte und den Glamour und die Weltgewandtheit besaß, die sie für sich ersehnte. Beim Gedanken daran, wie sie ihn damals angehimmelt hatte, wäre sie jetzt am liebsten im Boden versunken.
Kate straffte die Schultern. „Du bist Gideon, stimmt’s? Erkennst du mich wieder? Ich bin Kate Simmonds. Früher nannte jeder mich Katie. Na ja, vermutlich erinnerst du dich gar nicht mehr an mich. Ich …“
Hör um Himmels willen auf, sinnloses Zeug zu plappern, ermahnte sie sich verzweifelt. Es wäre viel besser, wenn er sich nicht an sie erinnerte!
Er hatte sich nie für sie interessiert. Wahrscheinlich hatten die beiden – er und Laura – sie ausgelacht. Oder sie bemitleidet, was noch schlimmer wäre!
„Natürlich erkenne ich dich wieder!“, sagte Gideon und schüttelte ihr die Hand. „Was kein Wunder ist, denn Babs hat … hatte überall Fotos von dir stehen. Und Debbie wird nicht müde, darauf hinzuweisen, dass du beim Fernsehen bist. Du bist eine Berühmtheit: das Mädchen von der Insel, das eine großartige Karriere gemacht hat.“
„Ja, stimmt.“ Verlegen betrachtete Kate ihre Stiefel. Als sie den Job als Society-Reporterin in Los Angeles bekommen hatte, war Debbie begeistert gewesen. Und Aunt Babs stolz.
Gideon sah zur anderen Reihe hinüber. „Wir sollten uns lieber anstellen, sonst haben wir keine Zeit mehr, Kaffee zu trinken.“
„Ja, richtig“, stimmte Kate zu und spürte ein nervöses Flattern im Bauch. Warum übte Gideon noch immer diese Wirkung auf sie aus? Lieber Himmel, sie war schließlich achtundzwanzig! In ihrer Welt wimmelte es von Männern mit Sexappeal. Sie hatte die meisten von ihnen bereits interviewt. Gideon war wirklich nichts Besonderes!
Und trotzdem …
Wahrscheinlich wurden gewisse – jahrelang verdrängte – Erinnerungen jetzt wieder geweckt, weil sie unterwegs auf die Insel war. Es brachte sie aus dem inneren Gleichgewicht. Oder war Gideon ein Symbol für etwas, was sie nicht haben konnte? Für noch etwas, was ich nicht haben kann, korrigierte sie sich im Stillen.
Sie betrachtete ihn eingehend. Den Jackenkragen hatte er gegen den kalten Wind hochgeklappt, er trug dunkle Jeans, und seine Hände waren … schön. Anders ließ es sich nicht beschreiben.
Er nahm ein Tablett vom Stapel. „Debbie sagte mir, dass du zum Begräbnis ihrer Mutter nach Hause kommst.“
„Ach so.“
„War es schwierig für dich, einige Tage freizubekommen?“ Als Kate sich ebenfalls ein Tablett nehmen wollte, stoppte er sie. „Lass nur, ich übernehme das.“
„Das brauchst du nicht. Ich kann …“, sie blickte ihn kurz an und ließ die Hand sinken. „Okay! Danke.“
„Also …“ Er wandte sich ihr zu und lächelte. „War es schwierig?“
Sein Lächeln war wie der Eingang zu einem Zeittunnel. Kate hatte das Gefühl, mit Lichtgeschwindigkeit in die Vergangenheit zu stürzen. So viele Erinnerungen blitzten auf … von der Art, die einen hinterrücks überfallen, wenn man es am wenigsten erwartet.
Mit siebzehn hatte sie sich ausgemalt, wie es wäre, ihn zu küssen. Nachts im Bett hatte sie sich vorgestellt, das Kissen wäre seine Schulter, und sie hatte davon geträumt, ihn sagen zu hören, wie sehr er sie liebte.
Sie war eine Närrin gewesen! Kein Wunder, dass ein Mann von sechsundzwanzig sich nicht für ein unreifes Mädchen wie sie interessiert hatte.
„Hattest du Probleme, dir für das Begräbnis Zeit zu nehmen?“ Gideon ließ nicht locker. „Debbie befürchtete, du könnest zu beschäftigt sein, um es zu schaffen.“
„Nein, es war kein Problem.“
Er schien sie kritisch zu betrachten. Wahrscheinlich fragte er sich, warum sie Aunt Babs und Debbie nicht häufiger besucht hatte, wenn es so leicht war.
„Wie lange bleibst du?“, erkundigte er sich weiter.
„Nicht lang. Nur bis Mittwoch, dann muss ich nach London zurück.“ Kate nahm einen Porzellanbecher, froh darüber, ihre Hände beschäftigen zu können. Sie stellte ihn unter die Kaffeemaschine und drückte den Knopf für koffeinfreien Milchkaffee.
„Du kehrst also nicht sofort in die USA zurück?“
„Nein.“ Sie stellte den Becher aufs Tablett und versuchte, sich endlich zu entspannen. „Und wie geht es dir, Gideon?“
„Na ja, soweit gut.“ Er zögerte kurz. „Du hast das von Laura gehört?“
Ihr wurde flau, und sie hatte das Gefühl, ihr würde der Boden unter den Füßen weggezogen. Verdammt! Ja, sie hatte gehört, was mit Laura geschehen war.
Mit vernichtender Klarheit erinnerte sie sich an Debbies Anruf. An die tränenerstickte Stimme. An den Schock, zu hören, dass Laura tot war.
Wie hatte sie jetzt nur so gedankenlos sein können?
„Ja, ich weiß. Sie ist … gestorben. Es tut mir so leid, Gideon!“ Sie fuhr sich durchs Haar. „Ich wollte dir damals schreiben, aber …“ Befangen verstummte sie.
Aber sie war damals völlig mit sich...
| Erscheint lt. Verlag | 29.7.2017 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Digital Edition |
| Digital Edition | Digital Edition |
| Verlagsort | Hamburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
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| ISBN-10 | 3-7337-7886-3 / 3733778863 |
| ISBN-13 | 978-3-7337-7886-6 / 9783733778866 |
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