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Sonnensturm (eBook)

Roman
eBook Download: EPUB
2017
Heyne Verlag
978-3-641-21907-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Sonnensturm - Stephen Baxter, Arthur C. Clarke
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18 Monate bis zum Ende der Welt

Das Leben auf der Erde wird im April 2037 enden. Das Observatorium auf dem Mond beobachtet, wie sich eine gigantische Sonneneruption aufbaut, die unseren Planeten in Flammen aufgehen lassen wird. Der Menschheit bleiben noch 18 Monate, um die Katastrophe abzuwenden. Am Lagrange-Punkt zwischen Erde und Sonne soll ein gigantischer Spiegel gebaut werden, der den Ausbruch ablenkt. Das gewagteste Ingenieursprojekt aller Zeiten muss gelingen, wenn unsere Heimatwelt vor der Vernichtung bewahrt werden soll.

Ein Experte für Sonnenbeobachtung hat diese Eruption vorausgesagt. Eine Frau, die rein gar nichts über die Sonne weiß, kennt das Datum ebenfalls. Bisesa war Zeugin des Auseinanderbrechens des Zeitkontinuums, das die Fremden, die die Erde schon seit Millionen von Jahren beobachten, ausgelöst haben. Und sie weiß auch, wer für die drohende Katastrophe verantwortlich ist …



Stephen Baxter, 1957 in Liverpool geboren, studierte Mathematik und Astronomie, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Er zählt zu den international bedeutendsten Autoren wissenschaftlich orientierter Literatur. Etliche seiner Romane wurden mehrfach preisgekrönt und zu internationalen Bestsellern. Stephen Baxter lebt und arbeitet im englischen Buckinghamshire.

{ 3 } Royal Society


 

Siobhan McGorran saß allein in einem tiefen Armsessel. Sie hatte ihre persönliche Softscreen auf dem Schoß entrollt, eine Tasse starken Kaffees auf dem Beistelltisch neben sich und den Telefonhörer zwischen Ohr und Schläfe geklemmt. Sie probte den Vortrag, den sie in weniger als einer halben Stunde vor einem erlauchten akademischen Publikum halten würde.

»2037 verspricht das bedeutendste Jahr für die Kosmologie seit 2003 zu werden«, las sie laut, »als nämlich die Grundbestandteile des Universums – die Anteile baryonischer Materie, dunkler Materie und dunkler Energie – erstmals korrekt determiniert wurden. 2003 war ich elf Jahre alt, und ich erinnere mich, wie aufgeregt ich war, als die Resultate von der Anisotropen-Mikrowellensonde Wilkinson eintrafen. In dem Moment war ich wohl kein cooler Teenager! Doch für mich war MAP ein robotischer Kolumbus. Diese wackere Kosmologie-Sonde wurde in der Hoffnung entsandt, ein Dunkelmaterie-China zu finden und stolperte dabei über ein Dunkelmaterie-Amerika. Wie Kolumbus' Entdeckung die Geografie der Erde für immer in den Köpfen der Menschen verankert hatte, lernten wir im Jahr 2003 etwas über die Geografie des Universums. Und dank der Resultate, die wir von der neusten Anisotropen-Sonde Quintessenz erwarten, werden wir heute, im Jahr 2037 …«

Die Lampen im Raum blinkten und unterbrachen sie bei der Lektüre.

Sie hörte die Stimme ihrer Mutter. »Und so weiter und so fort«, sagte Maria, deren leiser irischer Singsang durch den kleinen Lautsprecher im Telefon übersteuert und verzerrt wurde. »Nach dem ganzen technischen Kram über das alte Raumschiff, an das sich eh kein Mensch mehr erinnert, kriegst du hoffentlich wieder die Kurve zum eigentlichen Thema.«

Siobhan unterdrückte einen Seufzer. »Mutter, ich bin die Königliche Astronomin, und dies ist die Royal Society. Ich halte die Eröffnungsrede! ›Technischer Kram‹ wird da von einem erwartet.«

»Und du warst noch nie sehr gut mit Analogien, Liebes.«

»Du könntest mich wenigstens ein bisschen unterstützen.« Sie nahm einen Schluck Kaffee, wobei sie darauf achtete, keinen Tropfen auf ihrem besten Anzug zu verschütten. »Ich meine, schau doch nur, wo dein kleines Mädchen heute ist.« Mit einem Fingerschnippen aktivierte sie die Bildfunktion des Telefons, damit ihre Mutter sie sehen konnte.

Sie befand sich hier in den City of London-Räumen in den Büros der Royal Society in Carlton Terrace. Sie wurde von gediegenen Antiquitäten umgeben, hatte Kronleuchter überm Kopf hängen und wurde von einem Marmorkamin flankiert.

»Was für ein schöner Raum«, murmelte Maria. »Wir haben den Viktorianern wirklich viel zu verdanken.«

»Die Royal Society ist viel älter als die Viktorianer …«

»Hier gibt es aber keine Kronleuchter, das kann ich dir versichern«, sagte Maria. »Nichts als müffelnde alte Leute, mich eingeschlossen.«

»Das ist ein Lehrstück in Demografie.«

Maria war im Guy's Hospital, in der Nähe der London Bridge und nur ein paar hundert Meter von Carlton Terrace entfernt. Sie wartete auf einen Behandlungstermin für ihren Hautkrebs. Für Leute, die unter einem löchrigen Himmel alt geworden waren, war das ein weit verbreitetes Leiden, und Maria musste sich anstellen.

Siobhan hörte erhobene Stimmen im Hintergrund. »Gibt es ein Problem?«

»Ein Stau am Getränkeautomaten«, sagte Maria. »Bei einer Person ist das Kredit-Chip-Implantat zurückgewiesen worden. Die Leute sind überhaupt ziemlich reizbar. Es ist schon ein komischer Tag heute, nicht wahr? Hat vielleicht etwas mit dem seltsamen Himmel zu tun.«

Siobhan schaute sich um. »Hier ist es auch nicht viel ruhiger.« Da die Konferenz gleich anfangen würde, war sie dankbar, dass sie mit ihrem Kaffee in Ruhe gelassen wurde und die Gelegenheit hatte, noch einmal die Aufzeichnungen durchzugehen – auch wenn sie sich verpflichtet gefühlt hatte, ihre Mutter im Krankenhaus anzurufen. Doch nun schienen sich alle am Fenster zu versammeln und in den seltsamen Himmel zu schauen. Sie fand den Anblick amüsant, dass eine Schar international renommierter Wissenschaftler wie kleine Kinder sich zusammendrängte, um einen Blick auf einen Popstar zu erhaschen. Aber was gab's dort überhaupt zu sehen?

»Was ist denn mit dem Himmel los, Mutter?«

»Vielleicht solltest du selbst mal einen Blick darauf werfen«, erwiderte Maria in einem schneidenden Tonfall. »Du bist schließlich die Königliche Astronomin und …« Die Telefonverbindung brach mit einem Zischen ab.

Siobhan war im ersten Moment perplex; das war noch nie passiert. »Aristoteles, Wahlwiederholung bitte.«

»Ja, Siobhan.«

Die Stimme ihrer Mutter war nach ein paar Sekunden wieder zu hören. »Hallo …?«

»Ich bin's«, sagte Siobhan. »Mutter, Astronomen betätigen sich heutzutage von Berufs wegen kaum noch als Sternengucker.« Und schon gar nicht eine Kosmologin wie Siobhan, die sich nur in den größten Maßstäben von Raum und Zeit mit dem Universum befasste, und bestimmt nicht mit einer Hand voll popeliger Objekte, die man mit bloßem Auge sehen kann.

»Aber dir muss doch heute Morgen die Aurora aufgefallen sein.«

Natürlich war sie ihr aufgefallen. Im Sommer stand Siobhan nämlich immer gegen sechs auf und absolvierte ihren täglichen Lauf im Hyde Park, bevor die Hitze des Tages unerträglich wurde. Obwohl an diesem Morgen die Sonne schon lang überm Horizont gestanden hatte, hatte sie diese verschwommene rotgrüne Schliere am nördlichen Himmel gesehen – dreidimensionale, helle Vorhänge und Bänder, eine riesige Struktur aus Magnetismus und Plasma, die über der Erde dräute.

»Eine Aurora hat etwas mit der Sonne zu tun, nicht wahr?«, sagte Maria.

»Ja. Protuberanzen, der Sonnenwind.« Zu ihrer Schande wurde Siobhan sich bewusst, dass sie nicht einmal sicher war, ob die Sonne sich bereits dem Maximum ihres Zyklus genähert hatte. Und da wollte sie sich als Königliche Astronomin profilieren.

Wie dem auch sei – obwohl die Aurora unbestreitbar ein spektakulärer Anblick war und es auch ungewöhnlich war, dass sie so weit südlich wie London noch eine solche Leuchtkraft entfaltete, wusste Siobhan, dass es nur ein Effekt zweiter Ordnung der Wechselwirkung des Sonnenplasmas mit dem Erdmagnetfeld war und daher nicht von besonderem Interesse. Sie hatte ihren Lauf fortgesetzt und keine Lust gehabt, sich den Leuten anzuschließen, die mit ihren Hunden Gassi gingen und dabei mit offenem Mund zum Himmel hinaufstarrten. Und sie hätte auch gut auf die Panik verzichten können, als die Leute die Notdienste mit grundlosen Anrufen bombardierten, dass man den Eindruck bekommen konnte, als ob ganz London in Flammen stünde.

Sie standen noch alle am Fenster. Es war wirklich etwas sonderbar, sagte sie sich.

 

Sie stellte die Kaffeetasse ab und ging mit dem Telefon in der Hand zum Fenster. Sie sah aber nicht allzu viel über die Schultern der dicht gedrängten Kosmologen: einen Ausschnitt des grünen Parks und eines ausgewaschenen blauen Himmels. Das Fenster war geschlossen, weil die Klimaanlage eingeschaltet war, aber sie glaubte dennoch laute Verkehrsgeräusche zu hören: blökende Hupen und Sirenen.

Toby Pitt machte sie am Rand der Menge aus. Toby war ein jovialer Bär von einem Mann mit einem erstickt klingenden Home Counties-Akzent; er arbeitete für die Royal Society und war der Manager der heutigen Konferenz. »Siobhan! Ich werde auch keine Witze darüber reißen, dass die Königliche Astronomin die Letzte ist, die sich für den Himmel interessiert.«

Sie zeigte ihm das Telefon. »Das käme eh zu spät. Meine Mutter ist Ihnen schon zuvorgekommen.«

»Das ist aber schon ein Anblick. Kommen Sie und sehen Sie selbst.« Er legte ihr seinen kräftigen Arm um die Schultern und führte sie mit einer gelungenen Kombination aus körperlicher Präsenz und charmantem Lächeln durch die Menge zum Fenster.

Von den City of London-Räumen aus hatte man eine schöne Sicht auf die Mall und den dahinter liegenden St. James Park. Das Gras des Parks glänzte in einem satten Grün; es handelte sich nicht mehr um eine einheimische Sorte, sondern um eine zähe und anspruchslose Züchtung mit dicken Halmen, die aus Süd-Texas importiert worden war, und die unermüdlichen Rasensprenger schickten einen schimmernden Wassernebel in die Luft.

Der Verkehr auf der Mall staute sich. Die intelligenten Fahrzeuge hatten sich selbstständig zu einer optimalen Staukolonne konfiguriert, doch die frustrierten Fahrer veranstalteten in der feuchten, hitzeflimmernden Luft ein Hupkonzert. Siobhan schaute die Straße entlang und sah, dass die Verkehrsampeln und Leitsignale unkoordiniert blinkten: Kein Wunder, dass der Verkehr zum Erliegen gekommen war.

Sie schaute auf. Die hoch am Himmel stehende Sonne flutete den wolkenlosen Himmel mit Licht. Und wenn sie die Augen beschirmte, vermochte sie noch immer eine Spur von Aurorabändern am Himmel auszumachen. Und dann nahm sie ein Geräusch wahr, das vom Verkehrslärm in der Mall fast übertönt wurde – ein leiseres Geräusch, das von dem dicken isolierten Glasfenster gedämpft wurde. Es war der Unmut frustrierter Autofahrer, der sich in der ganzen Stadt zu entladen schien. Dann war dieser Stau also nicht lokal begrenzt.

Zum ersten Mal an diesem Tag spürte sie einen Anflug von Unbehagen. Sie dachte an ihre Tochter Perdita, die heute im College war. Die zwanzig Jahre alte Perdita war im Grunde genommen eine vernünftige junge Erwachsene. Aber dennoch …

Es trat wieder Stille ein, als die Lichtverhältnisse sich änderten. Die Leute regten sich...

Erscheint lt. Verlag 28.9.2017
Übersetzer Martin Gilbert
Verlagsort München
Sprache deutsch
Original-Titel Sunstorm
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte diezukunft.de • eBooks • Nahe Zukunft • Zeitreise
ISBN-10 3-641-21907-8 / 3641219078
ISBN-13 978-3-641-21907-9 / 9783641219079
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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