Aus dem Leben des Politikers, Antifaschisten und Gewerkschafters Hans Jendretzky (* 20.07.1897, † 02.07.1992)
trafo Wissenschaftsverlag
978-3-86464-141-1 (ISBN)
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faschisten“ kommen, was nicht selten massiven Druck und härteste Parteistrafen zur Folge hatte. Jendretzky blieb davon weitgehend verschont, wohl auch, weil er sich als Leiter der Berliner Erwerbslosenbewegung (bis 1933) einen guten Ruf erworben hatte. Nach der Machtübernahme durch die Nazis 1933 leistete er als Mitglied der illegalen Leitung der Berliner KPD-Bezirksleitung aktiven Widerstand. Zwei Mal verhaftet, 1934 und 1944, waren seine Leidensstationen das KZ-Sachsenhausen sowie die Zuchthäuser Brandenburg-Görden und Nürnberg. Aus letzterem konnte er am 23. April 1945 fliehen.
Nach der Befreiung vom Faschismus übernahm er im Nachkriegsmagistrat unter dem Oberbürgermeister Dr. Arthur Werner das Amt des Stadtrats für Arbeit. Er war Mitunterzeichner des Aufrufs der KPD vom 11. Juni 1945, Mitglied des vorbereitenden Gewerkschaftsausschusses in Berlin und dann
1. Vorsitzender des FDGB-Bundesvorstandes. 1953, im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung um Herrnstadt und Zaisser wurde er als 1. Vorsitzender der Berliner SED seiner Funktion enthoben und aus der Parteiführung ausgeschlossen. Nach Neubrandenburg abgeschoben, übernahm er dort die Leitung des Rates des Bezirks. 1956 erfolgten die Rehabilitierung und die Wiederaufnahme ins ZK (dem er bis 1989 angehörte). Das Misstrauen blieb, auch wenn er wieder staatliche und gewerkschaftliche Funktionen in Ost-Berlin übernahm. Er war 1989 der letzte Alterspräsident der Volkskammer der DDR.
die Einberufung als Soldat zum Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg bis ins Jahr 1918, nachhaltig lernte er die Schrecken des Krieges kennen. Über die Unabhängige Sozialdemokratische Partei kam er 1920 mit dem linken Flügel zur Kommunistischen Partei Deutschlands. Anfangs übte er gewerkschaftliche Funktionen in verschiedenen Berliner Betrieben aus und wurde dort wegen seiner politischen Einstellung fristlos entlassen. Im Anschluss begann er eine hauptamtliche Tätigkeit als Funktionär der KPD, wurde Leiter des RFB Berlin-Brandenburg und geriet in Konflikt mit der Parteiführung der KPD. Im Februar 1927 wählten ihn seine Genossen in die Berliner Bezirksleitung der KPD. Im August 1928 übernahm er erneut die Leitung des RFB und wurde im selben Jahr Abgeordneter im Preußischen Landtag, dem er bis 1932 angehörte. Während dieser Zeit setzte sich Hans Jendretzky für eine Versöhnung zwischen KPD und SPD ein. Das ist insofern bemerkenswert, da auf beiden Seiten der Arbeiterbewegung die Fronten verhärtet waren. Leicht konnte man, insbesondere in der KPD, in den Ruch eines Abweichlers, Revisionisten oder gar „Sozialfaschisten“ kommen, was nicht selten massiven Druck und härteste Parteistrafen zur Folge hatte. Jendretzky blieb davon weitgehend verschont, wohl auch, weil er sich als Leiter der Berliner Erwerbslosenbewegung (bis 1933) einen guten Ruf erworben hatte. Nach der Machtübernahme 1933 durch die Nazis leistete er als Mitglied der illegalen Leitung der Berliner KPD-Bezirksleitung aktiven Widerstand. Zwei Mal verhaftet, 1934 und 1944, waren seine Leidensstationen das KZ-Sachsenhausen sowie die Zuchthäuser Brandenburg-Görden und Nürnberg, aus letzterem konnte er am 23. April 1945 fliehen. Nach der Befreiung vom Faschismus übernahm er im Nachkriegsmagistrat unter dem Oberbürgermeister Dr. Arthur Werner das Amt des Stadtrats für Arbeit. Er war Mitunterzeichner des Aufrufs der KPD vom 11. Juni 1945, Mitglied des vorbereitenden Gewerkschaftsausschusses in Berlin und dann 1. Vorsitzender des FDGB-Bundesvorstandes.
1953, im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung um Herrnstadt und Zaisser wurde er als 1. Vorsitzender der Berliner SED seiner Funktion enthoben und aus der Parteiführung ausgeschlossen. Er wurde nach Neubrandenburg abgeschoben und übernahm die Leitung des Rates des Bezirks. 1956 erfolgten die Rehabilitierung und die Wiederaufnahme ins ZK, dem er bis 1989 angehörte. Das Misstrauen blieb, auch wenn er wieder staatliche und gewerkschaftliche Funktionen in Ost-Berlin übernahm. Er war 1989 der letzte Alterspräsident der Volkskammer der DDR.
Zum Geleit9
Einleitung11
Sein Leben als Funktionär der KPD 29
Widerstand gegen den Faschismus, Zuchthäuser und Konzentrationslager der Nazis47
Neubeginn nach der Befreiung vom Faschismus 65
Im Sommer 1953 aus dem Politbüro, dem Zentrum der Macht, in die Provinz nach Neubrandenburg157
Rehabilitierung und Rückkehr nach Berlin179
Dokumentenanhang199
Quellen229
Literatur229
Verzeichnis der Abbildungen235
Verzeichnis der Abkürzungen239
Personenregister243
Über den Autor251
Zum Geleit Nachdem Lutz Heuer sich sehr engagiert mit den Biografien bekannter Arbeiterfunktionäre beschäftigt hat (Ottomar Geschke, Arthur Pieck, Fritz Reuter, Arthur Werner, Ernst Torgler, Paul Schwenk) breitet er nun in verdienstvoller Weise ein gründlich recherchiertes Panorama der bislang unbearbeiteten Biografie des Jahrhundert-Zeugen Hans Jendretzky aus, der mit all den Genannten auch ein Menge zu tun hatte. Hans Jendretzky war eine Persönlichkeit, die sich gut erinnern und viel über die selbst erlebte und an verantwortlicher Stelle mitgestaltete Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung erzählen konnte, aber vor der sogenannten Wende kaum Erinnerungen aufschrieb, wohl auch aus parteierfahrener Selbstzensur. Er war einer, der seine Reden weniger von Referenten schreiben ließ, sondern selbst formulierte oder mit unverwechselbarem Charisma äußerst anschaulich frei sprach, woran sich manche seiner Kampfgefährten noch nach Jahrzehnten erinnerten. Das war kein abgehobener Politiker, sondern einer zum Anfassen, kein Theoretiker oder Ideologe, eher ein Macher. Sein politischer Terminkalender war bis in seinem 90. Lebensjahrzehnten immer noch prall gefüllt. Ein Vollblut-Politiker, der allerdings wenig Zeit für Persönliches hatte. Als Sohn spielte ich eher die Rolle eines Zaungastes, wir lebten nie zusammen. Als Heranwachsender musste ich mir meine Geburtstagsgeschenke im Büro des Vielbeschäftigten abholen, nach vorheriger Terminvereinbarung mit seiner Sekretärin, die in seinen wechselnden Funktionen immer an seiner Seite blieb, wie auch sein Fahrer. Heute nennt man so etwas Team, damals war es mehr eine Kampfgemeinschaft. Dieser Mann hatte keine Bilderbuchkarriere absolviert, eher ein überaus wechselhaftes politisches Leben mit Höhen und Tiefen, steilen Aufstiegen (bis in die oberste Führungsriege) und jähen Abstürzen durch Misstrauen und Intrigen der eigenen Genossen, wenn man sich nur an die auch von Lutz Heuer beschriebenen dramatischen Ereignisse des Juni 1953 erinnert, als er aus dem Politbüro entfernt wurde. Es machte mich auch betroffen, dass das MfS in den 1970er Jahren hinter seinem Rücken, als er Staatssekretär war, ein von Misstrauen geprägtes „Streng Geheim“-Dossier über ihn angefertigte, das Lutz Heuer 2012 in Archiven fand. Wer den Auftrag zu dieser ominösen MfS-Überprüfung gab und in wessen Hände sie – außer Mielkes – gelangte, wird nicht mehr aufzuklären sein und es ist gut, das er es selbst nicht mehr erfahren musste. Ein paar Dinge konnte ich zu dieser kleinen Schrift beisteuern, aber durch Lutz Heuer auch manches erfahren, was ich bisher noch nicht wusste, wobei eine Menge Dokumente in seinem umfangreichen Nachlass noch der Auswertung harren. Hans Erxleben
| Erscheinungsdatum | 27.07.2017 |
|---|---|
| Reihe/Serie | BzG - Kleine Reihe Biographien ; 39 |
| Vorwort | Hans Erxleben |
| Zusatzinfo | Zahlr. Fotos und Abb. |
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 190 x 125 mm |
| Gewicht | 310 g |
| Einbandart | Paperback |
| Themenwelt | Literatur ► Biografien / Erfahrungsberichte |
| Literatur ► Essays / Feuilleton | |
| Schlagworte | Ackermann, Anton • André, Etkar • Brandt, Heinz • Dahlem, Franz • Ebert, Friedrich jun. • Fechner, Max • Friedensburg, Ferdinand • Geschke, Ottomar • Göring, Bernhard • Grotewohl, Otto • Herrnstadt, Rudolf • Honecker, Erich • Jacob, Franz • Jendretzky, Hans (* 20.07.1897, † 02.07.1992) • KPD • Leow, Willy • Matern, Hermann • Pieck, Arthur • Pieck, Wilhelm • Reuter, Ernst • SED • Suhr, Otto • Ulbricht, Walter • Werner, Arthur • Wittorf, John • Zaisser, Wilhelm |
| ISBN-10 | 3-86464-141-1 / 3864641411 |
| ISBN-13 | 978-3-86464-141-1 / 9783864641411 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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