Der Bergdoktor 1879 (eBook)
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-5185-9 (ISBN)
Eigentlich ist Jessicas Leben als Sennerin geprägt von Stille und Einsamkeit. Die Natur und die Tiere bestimmen ihren Rhythmus. Doch in diesem Sommer wird ihre abgeschiedene Alm hoch über St. Christoph zur Kulisse für eine Kuppelshow. Fünf Kandidaten, die ihr Liebesglück suchen, sollen einen ganzen Sommer lang auf der Alm wohnen und arbeiten - und sich dabei näherkommen.
Bald stellt sich allerdings heraus, dass nicht jeder geeignet ist, auf Komfort und Luxus zu verzichten. Eine Alm ist nun mal kein Wellness-Hotel. Trotzdem entwickelt sich - unbemerkt von der Kamera - eine bezaubernde Liebesromanze zwischen einem der Kandidaten und Jessica, der schüchternen Sennerin! Doch bevor sie sich ihre Liebe offenbaren, kommt es zu einem Zwischenfall. Ein Felssturz zerstört die Almhütte! Den Filmarbeiten droht das Aus ...
»Ich hab Angst, Papa.« Filli Burger schmiegte das blasse Gesicht an die Schulter seines Vaters. Ein Zittern lief durch seinen Körper, und er presste seinen Plüschbären fester an sich.
Vor den Fenstern des Doktorhauses flammte ein Blitz auf. Für den Bruchteil einer Sekunde zeichneten sich silbrige Adern am Himmel ab, ehe es schlagartig wieder dunkel wurde. Nur einen Herzschlag später krachte ein Donnerschlag, dass der Boden vibrierte.
Der Bub im Kinderbett zuckte zusammen.
»Na, na, Filli. Das Wetter ist kein Grund, sich zu fürchten.« Dr. Burger drückte seinen Sohn kurz an sich. »Schau, am Himmel stoßen dicke, schwere Wolken zusammen. Das rumpelt so laut.«
»Es ist gruselig.«
»Hier drinnen kann uns nichts geschehen, Filli.«
Das Doktorhaus gehörte zu St. Christoph – einem kleinen, beschaulichen Bergdorf. Es gab hier alles, was man zum Leben brauchte: einen Gemischtwarenladen, Friseur und Gasthof sowie eine Apotheke. Viele der Alpenhäuser hatten klangvolle Namen, die in schön geschwungenen Buchstaben an die Hauswände gemalt worden waren, beispielsweise Adlernest, Almluft oder Bergblick.
Ein hügeliger Wald umgab das Dorf und lud an sonnigen Tagen zum Wandern ein. Jetzt jedoch zerrte der Sturm an den Kiefern, sodass sie sich ächzend neigten und hin und wieder Äste zur Erde polterten. Die Nacht hatte ihren dunklen Mantel über das Zillertal gebreitet. Blitze jagten einander am Himmel und machten die nachfolgende Dunkelheit noch undurchdringlicher.
Im Anbau des Doktorhauses war die Arztpraxis untergebracht. Martin Burger hatte sie von seinem Vater übernommen. Er liebte seine Arbeit als Dorfarzt, achtete jedoch auch darauf, genügend Zeit für seine Familie zu haben. Das Leben hatte ihm schon etliche Wunden geschlagen, deshalb wusste er, wie zerbrechlich das Glück war und wie gut man es hüten und bewahren musste.
Er hatte seinem Sohn aus einem Märchenbuch vorgelesen. Nun klappte er es zu und legte es auf den Nachttisch.
»Schlaf jetzt, Filli.«
»Ich kann bestimmt noch net einschlafen, Papa.«
»Wir auch net.« Seine älteste Tochter erschien mit ihrer kleinen Schwester auf dem Arm in der offenen Tür. Tessa war barfuß und hatte ein blassrosa Nachthemd mit Blumendruck an. Klein Laura blickte schniefend aus großen Kulleraugen hoch. »Dürfen wir bei Filli übernachten, Papa?«
»Wenn er nichts dagegen hat?«
»Nö.« Der Bub klappte einladend seine Bettdecke zur Seite und wirkte auf einmal gar nicht mehr eingeschüchtert, sondern unternehmungslustig. »Das wird gemütlich. Wir können uns Gruselgeschichten erzählen!«
»Bloß net!« Tessa riss die Augen auf.
»Heute keine Geschichten mehr. Jetzt wird geschlafen«, sprach der Vater ein Machtwort.
»Na gut«, brummelte Filli.
Die Mädchen krabbelten in das Bett und kuschelten sich aneinander. Das leise Tappen von Pfoten verriet, dass Poldi hereinhuschte. Der Dackel sprang auf das Fußende des Betts, rollte sich zusammen und schnaufte zufrieden.
»Du also auch noch, Poldi. Dann schlaft gut, Kinder.« Martin Burger löschte die Lampe, sodass nur noch das Nachtlicht neben der Tür einen sanften Schimmer verbreitete. Dann ging er in sein Schlafzimmer.
Hier saß seine Frau im Bett. Sie hatte ihren Rücken an ein Kissen gelehnt und blätterte in einer Gartenzeitschrift. Ihre kurzen blonden Haare waren noch feucht von der Dusche. Sie trug ein weißes Nachthemd mit Spaghettiträgern. Die Farbe bildete einen reizvollen Kontrast zu ihrer sommerlich gebräunten Haut. Lächelnd blickte sie auf.
»Alles in Ordnung nebenan, Martin?«
»Ja, den Kindern geht’s gut.«
»Lass mich raten: Sie schlafen alle zusammen in einem Zimmer?«
»In einem Bett!«
»Ich hab’s geahnt. Bei dem lauten Donner ist mir selbst ein bisserl unheimlich zumute.« Sabine legte ihre Zeitschrift zur Seite und blickte zum Fenster, vor dem es wieder grollte. »Übrigens flackert die Lampe an unserem Badezimmerspiegel.«
»Schon wieder? Da werden wir wohl eine Neue brauchen. Am besten kaufe ich eine mit LED-Leuchten. Die sind schön hell.«
»Du weißt aber, dass wir jetzt in einem Alter sind, in dem man am Badezimmerspiegel net mehr, sondern weniger Licht mag, oder, Martin?«
»Ist das so?« Das Bett knarrte leise unter ihm, als er sich zu seiner Frau setzte und sie in seine Arme zog. »Warum denn das?«
»Wegen der Falten natürlich.«
»Du hast Falten? Wo denn? Lass mich mal nachsehen …«
»Ich … Oh! Net …« Lachend bog sie sich zur Seite. »Net kitzeln! Hilfe!«
Schmunzelnd zog er sie näher an sich heran und gab ihr ein Busserl. Sein Herz floss über vor Liebe. Mit ihrer Wärme und ihrem Lachen hatte Sabine das Glück in sein Leben zurückgebracht, und er war fest entschlossen, es für immer festzuhalten. Sie schmiegte sich an ihn und wurde weich und nachgiebig in seinem Arm. Für eine süße Ewigkeit versanken sie in ihrem Kuss. Bis von draußen ein Geräusch hereindrang.
»Hi … Hi … Hi …fe.«
Das Grollen des nächsten Donners verschluckte die Stimme beinahe. Sabine hörte sie jedoch und versteifte sich.
»Hast du das auch gehört, Martin?«
»Nein, was denn?«
»Es hat sich angehört, als hätte jemand um Hilfe gerufen.«
»Das wird der Sturm gewesen sein.«
»Nein, das Geräusch war menschlich. Glaub ich zumindest.«
»Fang du net auch noch an, Gruselgeschichten zu erzählen. Filli musste ich das auch schon ausreden.«
»Ich meine es ernst.«
Martin bemerkte die Besorgnis in der Stimme seiner Frau. Sie schien sich wirklich Gedanken zu machen, deshalb löste er sich von ihr und stand auf.
»Ich werde gehen und nachsehen. Warte hier auf mich, Liebes. Und merk dir, wo wir gerade stehen geblieben sind. Wir machen genau da weiter, wenn ich zurück bin.« Er zwinkerte ihr zu, dann verließ er die Kammer und stieg hinunter ins Erdgeschoss.
Hier war alles still. Sein Vater und seine Wirtschafterin schliefen bereits. Er öffnete die Haustür, spähte hinaus und verzog das Gesicht, als ihm der Sturm einen Schwall Regenwasser entgegentrieb. Blinzelnd klärte er seine Sicht und schaute sich prüfend um. Dicke Regentropfen trommelten vom Himmel herab. Das Licht der Straßenlaternen am nahen Bordstein spiegelte sich in den Pfützen. Die Dorfstraße lag menschenleer und verlassen da.
Wer sollte bei diesem Wetter auch draußen herumlaufen?
Noch dazu um diese späte Stunde?
Der Bergdoktor wollte gerade in sein Haus zurückkehren, als er aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm und unwillkürlich den Kopf drehte. Im nächsten Augenblick zuckte er zusammen wie unter einem Blitzschlag.
Grundgütiger! Dort drüben lag jemand! Die Gestalt war dunkel gekleidet und lag auf dem Bauch, deshalb war es unmöglich zu sagen, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelte. Doch unter dem verkrümmt daliegenden Körper breitete sich Blut aus!
***
Ein Jahr später
Der Bauernhof am Fuß des Rautensteins gehörte seit vielen Generationen der Familie Zimpl. Ein romantisches Bauernhaus im Alpenstil war es. In der ersten Etage führte ein Balkon um das Haus herum. In den Blumenkästen reckten sich rote Geranien dem Himmel entgegen. Und in den Kübeln neben dem Kiesweg zur Haustür blühten Lavendel und Hortensien. Ein Windspiel neben der Haustür gab glockenhelle Töne von sich.
Auf der Gartenbank hatte sich eine graue Katze zusammengerollt und ließ sich das Fell von der Sonne wärmen.
Hühner pickten im Hof nach einem Leckerbissen, ein besonders vorwitziges zupfte an Jessicas Flipflops. Die Sechsundzwanzigjährige kniete im Gras und strich den Gartenzaun in einem schönen, holzigen Zirbenbraun an. Ein Strohhut schützte sie vor der Sonne. Dazu trug sie ausgefranste Jeans-Shorts und ein T-Shirt mit Blumenmuster.
Während sie den Pinsel schwang, summte sie das Lied, das sie an diesem Morgen im Radio gehört hatte. Sie schwang den Pinsel im Rhythmus, bis sie plötzlich von hinten an der Schulter berührt wurde.
Ihre Reaktion erfolgte blitzschnell: Der Pinsel fiel ins Gras. Sie wirbelte herum, packte die fremde Hand und schleuderte den Besucher mit einem einzigen, gleitenden Schwung über ihre Schulter ins Gras! Mit einem überraschten Ächzen landete er auf dem Rücken.
»Himmel, Jessi! Ich bin’s nur!«
»Germo?« Verblüfft erkannte sie den Briefträger. Germo brachte ihrer Familie seit über zehn Jahren die Post. Sie streckte ihm die Hand hin, um ihm beim Aufstehen zu helfen. »Entschuldige bitte. Das war ein Reflex, weißt du?«
»Schon gut. Ich sollte mich wohl net anschleichen.« Er strich ein paar Grashalme von seinem Hemd. »Für eine so zierliche Person hast du ordentlich Kraft.«
»Hast du dir wehgetan?«
»Nur mein Stolz ist ein bisserl angekratzt.«
»Es tut mir wirklich leid.« Jessica bückte sich, um die Briefe aufzulesen, die bei seinem Salto mortale ins Gras gesegelt waren. Es war die heutige Post für ihre Familie. Überwiegend Rechnungen. Der Rest war Reklame.
Ein Seufzen entfuhr ihr. Seitdem ihr Vater krank war, stapelten sich die unbezahlten Rechnungen in der Küche. Es war ein Elend.
»Bis morgen, Jessi.« Der Postbote tippte sich an die Mütze, schwang sich wieder auf sein Fahrrad und radelte weiter, wobei die Lenkertasche mit...
| Erscheint lt. Verlag | 1.8.2017 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Der Bergdoktor |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | Alpen • alphateam • Anna Basener • Arzt • Arztroman • Arztserie • Baccara • Bahnhofsroman • Berg • Berge • Bianca • Chicago Hope • Cora • Der Bergdoktor • Der Bergpfarrer • Der Landarzt • Die Schwarzwaldklinik • Dirndl • Doctor's Diary • Doktor • Dr. • Dr. Bruckner • Dr. Daniel • Dr. Laurin • Dr. Norden • Dr. Stefan Frank • Emergency Room • feel good • feelgood • Frau • Frauen • Frauenroman • Für alle Fälle Stefanie • Gefahr • Gefühle • General Hospital • Glück • grey • Grey's Anatomy • Groschenheft • Hallo • Hallo, Onkel Doc • Happy End • Hedwig Courths-Mahler • Heft • Heftchen • Heftchen-Roman • Heftroman • Heft-Roman • Heftroman-Liebe • Heftroman-Romance • Heftroman-Romantik • Heimatroman • Herzflimmern • Hilfe • Historical • Hoffnung • In aller Freundschaft • Julia • Kelter • Klassiker • Klinik • Klinikum Berlin Mitte • Klinik unter Palmen • Leidenschaft • Liebe • Liebesroman • Liebesromane • Mira • nikola • Onkel Doc • Private Practice • Pulp • Pulp Ficition • Rettung • Romance • Romanheft • Roman-Heft • Romanheft-Liebe • Romanheft-Romance • Romanheft-Romantik • romantisch • Schicksale und Wendepunkte • Schön • serial content • Serial Novel • Serial Novels • Serie • Serien • Seriennovellen • Stadtklinik • Tiffany • Tränen • Woman • Women |
| ISBN-10 | 3-7325-5185-7 / 3732551857 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-5185-9 / 9783732551859 |
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