Leefke (eBook)
384 Seiten
Lakota Moon (Verlag)
978-3-96217-509-2 (ISBN)
Suta Wanji ist ostfriesisches Urgestein aus dem Herzen Ostfrieslands.
Suta Wanji ist ostfriesisches Urgestein aus dem Herzen Ostfrieslands.
11. Erste Begegnung
….Mut und Sehnsucht….
Tabea und Peppi liefen den Weg zum Waldrand hoch. Trotz der düsteren Geheimnisse, die ihren Wohnort zu umschließen schienen, stand sie heute Morgen auf, um festzustellen, es ging ihr gut und diese positiven Gefühle sprudelten in ihrem Inneren. Sie hoffte, dort am See oder im angrenzenden Moor und Wald auf den Mann zu treffen, der sie beobachtete. Tief im Inneren fühlte sie eine Verbindung und die ging weiß Gott über rein körperliche Gelüste hinaus.
Peppi vermittelte ihr Vertrauen und Stärke, ließ sie über ihre momentanen Unzulänglichkeiten hinwegsehen und sie beherzt durch den Schnee schreiten. Peppi biss übermütig in Schneewehen und genoss den Spaziergang wie sie selbst auch.
Eiszapfen hingen an den Ästen, die sich unter der schweren Schneelast nach unten bogen. Die Luft war eisig kalt und klar. Tabea setzte sich auf einen umgekippten Baumstamm und ließ die Stille auf sich wirken. Die Sonnenstrahlen streichelten ihre Gesichtshaut und ließen sie Angst, Leid und Bitterkeit vergessen. Wohlige Wärme machte sich in ihrem Inneren breit.
Nach einer Weile spitzte Peppi die Ohren und fing an zu knurren. Stocksteif stand sie im Schnee und starrte in die Ferne zur Baumgrenze auf der anderen Seite des Sees. Tabea spürte Aufruhr im Inneren, konnte aber nichts sehen. Peppi lief aufgeregt hin und her, ihr Nackenhaar gesträubt. Nichts war zu sehen und doch fühlten sie sich beobachtet. Tabea spürte brennende Augen auf sich ruhen und konnte nicht feststellen, wo dieses Augenpaar zu suchen war. Peppi beruhigte sich, blieb trotzdem sehr wachsam. Es begann zu schneien, die Luft bestand nur noch aus wirbelnden Flocken, die die Sicht erschwerten. Tabea und Peppi setzten sich wieder in Bewegung Richtung Wald, vorbei an einsamen Bäumen am Wegrand, in denen Spinnennetze wie Perlenketten schimmerten. Schritt für Schritt setzte Tabea einen Fuß vor den anderen, einem unbekannten Ziel entgegen und angetrieben durch hohe Erwartungen.
Nach einer Weile setzte sie sich wieder hin, umgeben von Birken und abgestorbenen Bäumen. In ihrem Inneren kribbelte es unaufhaltsam, sie wusste, sie war nicht allein. Dann sah sie ihn, schemenhaft, sein langes Haar tanzte im Wind und Schnee. Regungslos stand er dort und starrte sie an, dessen war sie sich sicher. Mutig und doch auch unsicher winkte sie ihm zu…keine Reaktion. Er stand weiter einfach nur da und starrte sie an. Sie fühlte sich, als ob sich die Augen in ihr Innerstes brannten. Sie winkte noch einmal und sie fühlte sich gedemütigt, weil wieder keine Reaktion erfolgte. Sie stand auf und gemeinsam mit Peppi lief sie auf die Gestalt zu. Doch je näher sie kam, desto mehr schien sich die Gestalt zu entfernen, rückte immer mehr von ihr ab. Schon lange hatte
sie die Stelle erreicht, an der er vorher gestanden haben musste…nichts, nur riesige Fußabdrücke, die darauf schließen ließen, dass hier jemand gestanden hatte und Laufspuren, die tief ins Moor führten. Nichts war zu sehen, auch die Gestalt war verschwunden, das Kribbeln im Inneren war fort.
Tabea sah sich noch einmal sorgfältig um, dann rief sie die stromernde Peppi zu sich und gemeinsam begaben sie sich auf den Heimweg, raus aus dem Schneegestöber, hin zu Kamin und Ohrensessel und heißer Schokolade. Zu Hause zog Tabea die nassen Sachen aus, hängte sie zum Trocknen in den Heizungsraum. Peppi wurde ordentlich mit einem dicken Handtuch durchgerubbelt. Im Wohnraum begab sie sich direkt in ihren Korb, Tabea in die Küche. Sie kochte einen Topf voll Kakao, schenkte sich dazu einen Havanna Club ein und fütterte den Kamin. Sie zog sich Stricksocken an und holte sich einen Becher Eis aus dem Kühlschrank.
Bewaffnet mit ihrem Seelenfutter begab sie sich Richtung Ohrensessel. Bevor sie sich setzte, ging sie zu ihrem Sekretär und holte eine Dose und ein Feuerzeug aus der Schublade. In der Dose befanden sich Tabak und noch ein paar buds Silver Haze, ihrem Lieblingsgras. Bei gelegentlichen starken Schmerzen und auch bei starken Depressionen griff sie immer gerne darauf zurück, sie hatte für sich die Erfahrung gemacht, kein Pharmazeutikum half so gut und so schnell wie eine Zigarette mit sauberem Gras. Nach Schokolade, Eis und Havanna Club rauchte sie ihre Zigarette und entspannte sich sofort, ihr Geist war jedoch hellwach. Sie dachte über die Erscheinung im Wald nach und in ihrer Fantasie ließ sie sich noch einmal von seinem männlichen Anblick verzaubern.
Bevor sich der Zigarettenrauch verzogen hatte und der würzige Geruch sich im Raum verteilt hatte, war Tabea, eingekuschelt in ihre Decke, eingeschlafen. Peppi tat es ihr gleich und keine von beiden bemerkte die Gestalt am Fenster, die sehnsuchtsvoll zu ihnen hinüber sah, die Stirn an die Terrassentür gelehnt, alles um sich herum vergessend. Beim Anblick der friedlich Schlafenden wurde er sich seiner Einsamkeit bewusst und er spürte heiße Tränen in sich aufsteigen. Zu gern hätte er dort mit der Frau am Kamin gesessen, den Hund zu Füßen. Wie gern hätte er eine zärtliche Berührung gespürt, wie gern die nasse Zunge des Hundes, der seine Hand ableckt.
So wie Tabea in ihrer Welt zeitweise von Traurigkeit eingehüllt war, so war er es in seiner Welt ebenso. All das, was Tabea schmerzlich vermisste, das vermisste er ebenso. Zwei getrennte Welten und doch nur getrennt durch eine Glasscheibe, nur dass sich keiner von beiden dessen bewusst war und doch schienen beide eine starke Strömung zwischen ihnen zu spüren. Er hatte sich aus Angst aus dem Staub gemacht, als sich die Frau auf ihn zu bewegte und ihm zuwinkte. Er bewunderte sie für ihren Mut. Auf andere schien er immer furchteinflößend zu wirken, nur bei ihr schien das nicht so zu sein und das nahm ihm seine Sicherheit. Er wusste nicht, dass es ihr genauso ging. Zwei Stunden stand er da, starrte beide liebevoll, hoffnungsvoll und versunken in Träume an, dann zog er sich zurück, als Peppi anfing sich zu strecken und ihn anstarrte. Langsam trottete der Hund auf die Tür zu und wedelte mit dem Schwanz. Sie drehte sich um, lief zu Tabea und drückte ihren Kopf unter ihre Arme, so dass
auch sie wach wurde. Nach Recken und Strecken wurden der Kamin neu befüllt und die Kaffeemaschine in Gang gesetzt. Peppi erhielt ein Leckerli und Tabea suchte in Ihrem Gefrierfach nach einem Mittagessen, das zum Wetter passte. Sie entschied sich für eine Portion „Insett Kohl“ und stellte den Topf zum Auftauen in die Mikrowelle.
Sie lief zur Terrassentür um Peppi kurz in den Garten zu lassen und um zu lüften. Sie bemerkte die frischen Fußabdrücke im Schnee und diesmal zauberte der Anblick ein Lächeln auf ihr Gesicht. Sie sah hinüber zum Waldrand, konnte aber nichts entdecken. Wärme hüllte sie ein, als ihr bewusst wurde, dass er sie wieder beim Schlafen beobachtet hatte. Im Polizeijargon hieß das stalken, was sie erfolgreich verdrängte.
Die Nacht war schlaflos, Tabea drehte sich von einer auf die andere Seite und versuchte das Gedankenrasen anzuhalten. Selbst Peppy war es irgendwann zu viel und legte sich vors Bett.
“Judas!“, entfuhr es Tabea im Halbschlaf.
Sie hatte keine Ahnung, wie spät es war, aber sie fühlte sich wach und so stand sie auf. Die Küchenuhr zeigte vier Uhr fünfzehn.
Tabea ließ Peppy in den Garten und kochte Milch für Kakao. Sie zog sich an und begab sich mit Kakao und Zigarette auf die Terrasse. Kaltes LED Licht ließ den Garten wie eine Eislandschaft wirken. Nebelschwaden umtanzten die Bäume und Staudenbeete, tauchten alles in eine unwirkliche beklemmende Landschaft. Ihr heißgeliebter Garten wirkte bedrohlich und lebensfeindlich. Alles war eingetaucht in ein unheimliches Grau. Die Gartenlampen tauchten alles in ein gespenstisches Licht.
Je lebensfeindlicher ihre Welt wurde, umso mehr wurde ihr klar, dass sie Leefke aufhalten musste aber ihr war auch klar, auf herkömmliche Weise war das nicht zu bewerkstelligen. Sie musste und wollte einen Weg finden, wollte alles verstehen und diese Antworten würde sie nur bekommen durch das Aufsuchen ihrer Ahnen. Diese Täterin war nicht aus dieser Welt, die Mittel sie zu bezwingen konnten daher auch nur aus einer anderen sein.
Sie beschloss die Reise in zwei Tagen anzutreten, damit hatte sie noch genügend Zeit diesen Schritt vorzubereiten.
…..Wanderin zwischen den Welten….
Tabea begann den Tag der Reise mit Reinigungsritualen und Heilungszeremonien für sich selbst. Sie hatte diesen Weg lange nicht mehr beschritten und wusste nicht, ob sie in der anderen Welt noch willkommen war oder sie überhaupt den Zugang finden würde. Sie wusste, sie hätte ihre Depressionen niemals so ausgelebt, wenn sie dem anderen Weg...
| Erscheint lt. Verlag | 14.7.2017 |
|---|---|
| Verlagsort | Vachendorf |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | Frauen • Ostfriesische Liebe • Ostfrieslandhorror • Ostfrieslandkrimi • Werwölfe |
| ISBN-10 | 3-96217-509-1 / 3962175091 |
| ISBN-13 | 978-3-96217-509-2 / 9783962175092 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
Digital Rights Management: ohne DRM
Dieses eBook enthält kein DRM oder Kopierschutz. Eine Weitergabe an Dritte ist jedoch rechtlich nicht zulässig, weil Sie beim Kauf nur die Rechte an der persönlichen Nutzung erwerben.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich