Commander Reilly #14: Im Licht des Roten Sterns: Chronik der Sternenkrieger (eBook)
150 Seiten
Uksak E-Books (Verlag)
978-3-7389-1162-6 (ISBN)
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Commander Reilly und seine Außencrew wurden von Shrrromwuarrr in einen salonartigen Raum geführt, der von drei Seiten mit holographischen Wänden versehen war, die den Weltraum auf ihre Oberfläche projizierten – und das in perfekter Drei-D-Qualität, sodass man den Eindruck hatte, mitten im Weltraum zu stehen.
Shrrromwuarrr schien immer nervöser zu werden und Commander Reilly war sich noch nicht so ganz im Klaren darüber, woran das eigentlich lag. Hatte es mit der allgemein angespannten Situation zu tun, die mit einer Bedrohung zu tun hatte, über die die STERNENKRIEGER-Crew bisher einfach noch nicht genug wusste, oder war da noch etwas anderes?
Zum Beispiel irgendetwas Persönliches zwischen Shrrromwuarrr und seinem Vorgesetzten - falls das überhaupt die richtige Charakterisierung ihres Verhältnisses auf dienstlicher Ebene sein sollte!
Reilly ließ die Szenerie in der Zentrale der Bastion des Nalhsara noch einmal, Revue passieren und hatte das Gefühl, der Lösung ganz nahe zu sein, sie aber aus irgendeinem Grund nicht erkennen zu können. Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen – muss das wirklich sein?
Unterdessen wurde den menschlichen Gästen ein Getränk angeboten. Ein Fulirr, der sich als Heremsherrrak vorstellte, sprach Reilly an. „Ich bin der Leitende Lebensmittelingenieur der Station und wir haben uns alle Mühe gegeben, Ihnen ein Angebot an Getränken zusammenzustellen, dass in Vielfalt und Qualität dem entsprechen dürfte, was Sie von anderen sozialen Anlässen auf Ihren Heimatwelten gewohnt sind.“
„Ich danke Ihnen sehr für Ihre Mühe!“, erwiderte Reilly, war aber eigentlich mit den Gedanken noch immer bei dem etwas eigenartigen Verhältnis zwischen Shrrromwuarrr und seinem Vorgesetzten, dem Kommandanten Tamrrrad.
Heremsherraks Ruhe schien Reilly nur zur Schau getragen. In Wahrheit war er genau wie alle Fulirr in der Bastion des Nalhsara mit den Gedanken bei der unbekannten Gefahr, die sich zweifellos auf dem Planeten manifestieren musste.
„Uns ist bekannt, dass Ihre Art das Einnehmen von Getränken zu einem Anlass sozialer Kommunikation macht oder umgekehrt betrachtet viele Ihrer sozialen Rituale ohne die Einnahme von Getränken kaum denkbar wären“, fuhr Heremsherrrak fort. „Wir haben daher eine Liste von Getränken zusammengestellt, die wir nach den bei Ihnen üblichen Rezepten zu synthetisieren vermochten. Allerdings war sich selbst ein langjähriger Botschafter auf der Erde nicht absolut sicher, was die jeweils passende Zuordnung der Getränke zu bestimmten Interaktionsformen angeht. Wir wären Ihnen also sehr dankbar, wenn Sie uns in dieser Frage aktiv unterstützen würden, denn es ist keineswegs in unserer Absicht, bei Ihnen einen Affront zu begehen.“
Sergeant Darren, der dies mitbekam, schüttelte nur den Kopf und raunte an Lieutenant Bergdorff gewandt: „Da musste aber der gesamte soziologische Wortschatz unseres Translatorsystems bemüht werden, um das zu übersetzen.“
Die Menschendelegation erhielt schließlich einen nachgemachten Syntho-Drink, wie der ansonsten auf der Erde oder an Bord von Space Army Corps Schiffen zur Standardbestückung von Getränkeautomaten gehörten.
Am liebsten hätte Willard Reilly die Getränke zurückgewiesen, denn es lagen ihm im Moment ganz andere Wünsche auf dem Herzen, als einen Syntho-Drink mit dem stellvertretenden Kommandanten der Station zu sich zu nehmen. Aber das wäre von den Fulirr wohl als extrem unfreundlich aufgefasst worden und so nippte er wenig später an seinem Glas.
Der leitende Lebensmittelingenieur zog sich danach mit ein paar Floskeln zurück.
Anschließend wandte wieder Shrrromwuarrr das Wort an seine Gäste. Reilly bemerkte dabei den winzigen Knopf an seinem Ohr. Offenbar trug er dort einen Funkempfänger, über den er ständig informiert wurde.
„Ich höre soeben, dass Ihr Schiff Gefechtsbereitschaft hergestellt hat“, sagte Shrrromwuarrr.
Reilly ging nicht direkt darauf ein.
Es konnte gut sein, dass sein Gegenüber ihn durch eine falsche Antwort nur bloßstellen wollte. Er durfte also nicht offenbaren, dass er von dem, was Shrrromwuarrr behauptete, gar nicht wusste, ob es stimmte. Wenn er jetzt den Kommunikator betätigte, um Soldo zu befragen, offenbarte das Schwäche und mangelnde Koordination.
„Nun, wäre denn eine Gefahr denkbar, die nur den ausgeschleusten Fulirr-Schiffen gilt – und nicht genauso auch der STERNENKRIEGER?“, fragte Reilly.
„Ich versichere Ihnen nochmals, dass das Verhalten unserer hiesigen Flotte absolut keinen feindseligen Charakter hat. Jedenfalls nicht gegen Sie und Ihresgleichen.“
„Gegen wen denn dann?“
Shrrromwuarrr schwieg.
Reilly erkannte, dass sich sein Gegenüber mit den Gedanken nicht ganz bei der Sache war.
Und dann fielen Commander Reilly die Zusammenhänge auf einmal wie Schuppen von den Augen.
Er will Tamrrrads Nachfolger werden – wie jeder Stellvertreter!, erkannte er. Aber während sein ärgster Feind gerade die Gelegenheit nutzt, sich als ein Mann der Tat zu profilieren, ist Shrrromwuarrr gezwungen, sich um Gäste zu kümmern. Abgesehen vom Lebensmittelingenieur und uns wird niemand hinterher beurteilen und wertschätzen können, wie gut oder schlecht er das macht, weil das gesamte Interesse auf diese plötzlich auftretende Gefahr gerichtet ist!
Es war also viel einfacher, als Reilly zunächst gedacht hatte.
Shrrromwuarrr hatte nicht nur Angst vor dieser unbekannten Gefahr, so wie gegenwärtig wohl alle Fulirr innerhalb der Bastion des Nalhsara. Zusätzlich sah er auch noch seine Wahlchancen mit jedem Augenblick schwinden, in dem nun Tamrrrad durch die Umstände Gelegenheit hatte, sich als tatkräftiger und entschlussfreudiger Kommandant zu profilieren.
Kein Wunder, dass er schlechte Laune hat!, dachte Reilly.
„Ich appelliere an Sie, weihen Sie uns ein“, forderte Reilly nun unmissverständlich von seinem Gastgeber. Er hatte es einfach satt, weiter mit diplomatischen Samthandschuhen vorzugehen. Der Weg der Olvanorer war nicht immer derjenige, der am besten zum Ziel führte. „Andernfalls werde ich an meine Regierung melden müssen, dass man uns mit großem Misstrauen begegnete und uns nicht im Geringsten dabei geholfen hat, unsere verschollene Crew wieder zu finden. Und das würde Ihr Bild in unserer Öffentlichkeit sehr zum Nachteil beeinflussen.“
„Bündnisentscheidungen werden in Ihrem System durchaus auch mal gegen die Bevölkerungsmehrheit getroffen“, erwiderte Shrrromwuarrr.
„Darauf würde ich mich nicht verlassen.“
„Hören Sie. Ich will nicht unhöflich erscheinen, Commander Reilly, aber...“
„Nein, hören Sie mir jetzt mal zu, stellvertretender Kommandant! Der Riesen-Arachnoide, der nach der Schlacht im Sol-System fliehen konnte, war hier im Barasamdan-System. Das werden Sie nicht bestreiten können. Die Beweise dafür sind Lichtjahrweit anmessbar. Eine Forschungsstation hat dieses System unter intensiver Fernbeobachtung gehabt... Sie können es einfach nicht leugnen.“
Shrrromwuarrr machte eine Pause von fast einer halben Minute. Seinen Syntho-Drink hatte er lediglich aus Höflichkeit mitgetrunken, denn unter den Fulirr – so hatte Commander Reilly in einigen Dateien gelesen, die aus den Datenbeständen der Olvanorer-Brüderschule auf Sirius III stammten – war es eigentlich verpönt, in der Öffentlichkeit Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Was feste Nahrung anbetraf, sah das anders aus.
Schließlich fragte Shrrromwuarrr: „Hat die Menschheit den mit Ihnen verbündeten Xabo vielleicht alle Geheimnisse verraten? Haben Sie die Technologie der Gauss-Geschütze mit ihnen geteilt? Nein! Und das, obwohl dies doch durchaus sinnvoll hätte sein können, weil es den Xabo dann effektiver möglich gewesen wäre, auf Seiten der Menschheit in den Krieg gegen die Qriid einzugreifen.“
Seine Argumentation verriet zumindest, dass Shrrromwuarrr recht gut über die Menschheit informiert war.
Von der Sache her gab es kaum etwas, was sich dagegen sagen ließ.
„Sie wollen die Technologie des Riesen-Arachnoiden für sich selbst haben, nicht wahr?“
„Stünde sie uns nicht auch zu – mal gesetzt den hypothetischen Fall, dass dieses Raumfahrzeug tatsächlich den Weg hier her gefunden hätte!“
Reilly nickte. „Ja, das mag sein. Aber alles, was wir wollen ist den Verbleib jener Crew klären, die an Bord dieses Riesenraumers gelangte und dort vermutlich in Gefangenschaft gehalten wurde. Das ist alles. Den Riesen-Arachnoiden können Sie meinetwegen haben!“
„Ich glaube kaum, dass Sie jetzt für Ihre Regierung sprechen können.“
„Was ist mit diesem Riesenschiff nun geschehen“, ließ Reilly nicht locker. „Sie gehen kein großes Risiko ein, wenn wir uns zur Diskretion verpflichten. Aber die Angehörigen der Verschwundenen sollten nach all den Monaten, die sie nun schon verschollen sind, endlich Gewissheit darüber haben, was mit ihnen geschah...“
Erneut schwieg der Fulirr. Er ließ sich auf einem der neuen...
| Erscheint lt. Verlag | 13.7.2017 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| ISBN-10 | 3-7389-1162-6 / 3738911626 |
| ISBN-13 | 978-3-7389-1162-6 / 9783738911626 |
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