Winter im Egerland
Ohetaler Verlag
978-3-95511-079-6 (ISBN)
Renate Czech Geboren 1943 bei Marienbad. Dort hat sie ihre ersten Lebensjahre verbracht. Sie arbeitete bei B.O.A.C., einer britischen Fluggesellschaft, später im Lektorat eines Verlages und zuletzt am Biologischen Institut der Universität Freiburg.
Prolog
Samstag, der 18. Dezember 1937
Die Rorate-Messe
Das Christuskind im Morgenkleid
Lena im Eisloch
Der Hühnermichel
Aufbruch zum Kloster
Großvater verunglückt
Im Schokoladenklosterhimmel
Verschwörung am Teich
Weihnachtskrimi mit Neinerlei und einem Apfel
Der erste Weihnachtstag
Im nächsten Jahr
Nachwort
Prolog „Halt an!“ Jakobs Großvater legte eine Hand ans Ohr. „Hörst du ihn?“ Der Junge drehte sich um und lauschte in den Wald. Die kullernden Laute des Birkhahns durchdrangen die Stille der Morgendämmerung. Noch bevor die Frühjahrssonne ihre ersten Strahlen durch die Wipfel sandte, legte der Hahn eine Pause ein. „Das ist das Morgengebet“, flüsterte der Großvater ehrfürchtig. Er bekreuzigte sich. „So nennen es die Jäger. Hier im Wald zeigt sich die Natur in Einheit mit den Kreaturen und der Unendlichkeit. Gleich wird der Hahn auf einen Baum oder eine Hecke fliegen und mit der Sonnenbalz beginnen. Wir wollen nicht stören. Lass uns weitergehen.“ Der Weg führte am versumpften Ufer des Moor-Sees entlang. Im aufsteigenden Tau atmete Jakob tief den Duft des Birkfilzes ein. In der Schule hatte er gelernt, dass die Hochmoore, auch Urwald-Filze genannt, von großer Bedeutung für den Wasserhaushalt des Kaiserwaldes waren - und es gab sie reichlich. Die Luft roch nach modrigem Holz und frischem Grün. „Hier herrschen die Gesetze des Wachsens und Vergehens“, sagte der Großvater. Von nun an werde ich ihn begleiten, so oft ich nur kann, nahm sich der Junge vor, denn er konnte sich nichts Aufregenderes vorstellen als hier zu sein mit seinem geliebten Großvater, wo sich das Wollgras im Winde wiegte, wo Torf- und Haarmützenmoos wuchsen, die freien Vögel ihre Lieder schmetterten und wo Sonnentau und das Fettkraut, zwei fleischfressende Pflanzen, offenbar gut gedeihen konnten. Durch das Gewirr der Sumpfkiefern bahnten sich die morgendlichen Sonnenstrahlen ihren Weg zu den Wassergräben. Einmal hatte das Wasser ein smaragdgrünes Leuchten, dann wieder blinkte es auf wie glänzendes Gold. “Das grüne Licht ist das Leuchtmoos, und das andere sind Leuchtalgen“, erklärte der Großvater. „Sie schimmern wie Gold.“ Er war stehen geblieben, und zum ersten Mal bemerkte Jakob, wie sein Großvater schwer atmete, als er fortfuhr: „Wir werden reichlich vom Wald beschenkt. Sofern wir nicht hungern oder frieren müssen, gibt es nichts, was diesen Wert übersteigt. Nichts auf dieser Welt!“ Drei Monate später, am 15. Juli 1938, Jakobs letztem Schultag vor den Sommerferien, nahm sein Großvater den Gehstock in die linke Hand und begab sich, wie so oft, vor Sonnenaufgang alleine in den Wald. Seiner Frau war nichts Außergewöhnliches aufgefallen. Er hatte, wie gewöhnlich, die Hand zum Gruß gehoben und sie hatte „Gott befohlen“ gesagt und die Haustür wieder geschlossen. Ein Fremder hatte ihn am Moorteich an einer Waldlichtung gefunden. Der alte Mann lag reglos auf einem Moosteppich neben dem Wurzelstock einer Fichte. Seine Stiefel standen ordentlich nebeneinander im Gras. Die Hände waren gefaltet und er sah aus, als sei er friedlich zu Bett gegangen zu einem langen ewigen Schlaf.
Prolog"Halt an!" Jakobs Großvater legte eine Hand ans Ohr. "Hörst du ihn?"Der Junge drehte sich um und lauschte in den Wald. Die kullernden Laute des Birkhahns durchdrangen die Stille der Morgendämmerung. Noch bevor die Frühjahrssonne ihre ersten Strahlen durch die Wipfel sandte, legte der Hahn eine Pause ein."Das ist das Morgengebet", flüsterte der Großvater ehrfürchtig. Er bekreuzigte sich. "So nennen es die Jäger. Hier im Wald zeigt sich die Natur in Einheit mit den Kreaturen und der Unendlichkeit. Gleich wird der Hahn auf einen Baum oder eine Hecke fliegen und mit der Sonnenbalz beginnen. Wir wollen nicht stören. Lass uns weitergehen."Der Weg führte am versumpften Ufer des Moor-Sees entlang. Im aufsteigenden Tau atmete Jakob tief den Duft des Birkfilzes ein. In der Schule hatte er gelernt, dass die Hochmoore, auch Urwald-Filze genannt, von großer Bedeutung für den Wasserhaushalt des Kaiserwaldes waren - und es gab sie reichlich. Die Luft roch nach modrigem Holz und frischem Grün. "Hier herrschen die Gesetze des Wachsens und Vergehens", sagte der Großvater. Von nun an werde ich ihn begleiten, so oft ich nur kann, nahm sich der Junge vor, denn er konnte sich nichts Aufregenderes vorstellen als hier zu sein mit seinem geliebten Großvater, wo sich das Wollgras im Winde wiegte, wo Torf- und Haarmützenmoos wuchsen, die freien Vögel ihre Lieder schmetterten und wo Sonnentau und das Fettkraut, zwei fleischfressende Pflanzen, offenbar gut gedeihen konnten. Durch das Gewirr der Sumpfkiefern bahnten sich die morgendlichen Sonnenstrahlen ihren Weg zu den Wassergräben. Einmal hatte das Wasser ein smaragdgrünes Leuchten, dann wieder blinkte es auf wie glänzendes Gold. "Das grüne Licht ist das Leuchtmoos, und das andere sind Leuchtalgen", erklärte der Großvater. "Sie schimmern wie Gold." Er war stehen geblieben, und zum ersten Mal bemerkte Jakob, wie sein Großvater schwer atmete, als er fortfuhr: "Wir werden reichlich vom Wald beschenkt. Sofern wir nicht hungern oder frieren müssen, gibt es nichts, was diesen Wert übersteigt. Nichts auf dieser Welt!"Drei Monate später, am 15. Juli 1938, Jakobs letztem Schultag vor den Sommerferien, nahm sein Großvater den Gehstock in die linke Hand und begab sich, wie so oft, vor Sonnenaufgang alleine in den Wald. Seiner Frau war nichts Außergewöhnliches aufgefallen. Er hatte, wie gewöhnlich, die Hand zum Gruß gehoben und sie hatte "Gott befohlen" gesagt und die Haustür wieder geschlossen.Ein Fremder hatte ihn am Moorteich an einer Waldlichtung gefunden. Der alte Mann lag reglos auf einem Moosteppich neben dem Wurzelstock einer Fichte. Seine Stiefel standen ordentlich nebeneinander im Gras. Die Hände waren gefaltet und er sah aus, als sei er friedlich zu Bett gegangen zu einem langen ewigen Schlaf.
| Erscheinungsdatum | 10.08.2017 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Literatur aus Böhmen |
| Verlagsort | Grafenau |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 149 x 2100 mm |
| Gewicht | 350 g |
| Einbandart | gebunden |
| Themenwelt | Literatur ► Historische Romane |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | Belletristik: Erzählungen, Kurzgeschichten, Short • Czech Renate • Egerland • Egerland, Geschichte; Roman/Erzählung • Historische Romane/Erzählungen • Historischer Roman • Literatur aus Böhmen • Ohetaler Verlag • Tschechien |
| ISBN-10 | 3-95511-079-6 / 3955110796 |
| ISBN-13 | 978-3-95511-079-6 / 9783955110796 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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