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Winter im Egerland

Eine Geschichte aus dem Kaiserwald

(Autor)

Buch | Hardcover
100 Seiten
2017 | 1. Auflage 2017
Ohetaler Verlag
978-3-95511-079-6 (ISBN)
CHF 19,90 inkl. MwSt
Renate Czech "Winter im Egerland"In dieser Erzählung wird das Leben in einem Dorf bei Marienbad (im Egerland) beschrieben. Die Autorin hat die mündlichen Überlieferungen über das Brauchtum und den Tagesablauf der Familie aufgeschrieben und gibt sie als Erinnerung an die Heimat der Vorfahren hier wieder.Vor der Kulisse des tief verschneiten Kaiserwaldes erlebt der 11-jährige Jakob eine Initiation in die Welt der Erwachsenen. Es ist die Zeit der 12 Raunächte, in denen schaurige Ungeheuer peitschenknallend über den Nachthimmel toben. Durch die Bewältigung seiner Angst in der kalten Dachkammer entwickelt Jakob ungeahnte Kräfte:Zuerst befreit er die Nachbarstochter Lena aus einem Eisloch. Vor allem aber traut er sich nun zu, mit seinem Großvater den Weihnachtskarpfen vom weit entfernten Kloster Tepl zu holen. Auf der stürmischen Schnee-Wanderung verunglückt der Großvater und droht zu erfrieren. Rettung kommt von unerwarteter Seite. Sie kehren jedoch ohne Fisch zurück. Den Heiligen Abend feiert Jakobs Familie bei den befreundeten Reuter-Bauern. Dort gibt es seltsame Riten, bei denen es um Leben und Tod geht und um die Ehrung der Verstorbenen sowie die Wertschätzung von Tieren und Pflanzen. Im Jahr darauf stirbt der Großvater. Jakob ist verzweifelt. Wie soll er ohne ihn den Karpfen für das nächste Weihnachtsfest besorgen? Bei der Lösung dieses Problems hilft ihm sein neuer Freund, der Hühnermichel."

Renate Czech Geboren 1943 bei Marienbad. Dort hat sie ihre ersten Lebensjahre verbracht. Sie arbeitete bei B.O.A.C., einer britischen Fluggesellschaft, später im Lektorat eines Verlages und zuletzt am Biologischen Institut der Universität Freiburg.

Prolog
Samstag, der 18. Dezember 1937
Die Rorate-Messe
Das Christuskind im Morgenkleid
Lena im Eisloch
Der Hühnermichel
Aufbruch zum Kloster
Großvater verunglückt
Im Schokoladenklosterhimmel
Verschwörung am Teich
Weihnachtskrimi mit Neinerlei und einem Apfel
Der erste Weihnachtstag
Im nächsten Jahr
Nachwort

Prolog „Halt an!“ Jakobs Großvater legte eine Hand ans Ohr. „Hörst du ihn?“ Der Junge drehte sich um und lauschte in den Wald. Die kullernden Laute des Birkhahns durchdrangen die Stille der Morgendämmerung. Noch bevor die Frühjahrssonne ihre ersten Strahlen durch die Wipfel sandte, legte der Hahn eine Pause ein. „Das ist das Morgengebet“, flüsterte der Großvater ehrfürchtig. Er bekreuzigte sich. „So nennen es die Jäger. Hier im Wald zeigt sich die Natur in Einheit mit den Kreaturen und der Unendlichkeit. Gleich wird der Hahn auf einen Baum oder eine Hecke fliegen und mit der Sonnenbalz beginnen. Wir wollen nicht stören. Lass uns weitergehen.“ Der Weg führte am versumpften Ufer des Moor-Sees entlang. Im aufsteigenden Tau atmete Jakob tief den Duft des Birkfilzes ein. In der Schule hatte er gelernt, dass die Hochmoore, auch Urwald-Filze genannt, von großer Bedeutung für den Wasserhaushalt des Kaiserwaldes waren - und es gab sie reichlich. Die Luft roch nach modrigem Holz und frischem Grün. „Hier herrschen die Gesetze des Wachsens und Vergehens“, sagte der Großvater. Von nun an werde ich ihn begleiten, so oft ich nur kann, nahm sich der Junge vor, denn er konnte sich nichts Aufregenderes vorstellen als hier zu sein mit seinem geliebten Großvater, wo sich das Wollgras im Winde wiegte, wo Torf- und Haarmützenmoos wuchsen, die freien Vögel ihre Lieder schmetterten und wo Sonnentau und das Fettkraut, zwei fleischfressende Pflanzen, offenbar gut gedeihen konnten. Durch das Gewirr der Sumpfkiefern bahnten sich die morgendlichen Sonnenstrahlen ihren Weg zu den Wassergräben. Einmal hatte das Wasser ein smaragdgrünes Leuchten, dann wieder blinkte es auf wie glänzendes Gold. “Das grüne Licht ist das Leuchtmoos, und das andere sind Leuchtalgen“, erklärte der Großvater. „Sie schimmern wie Gold.“ Er war stehen geblieben, und zum ersten Mal bemerkte Jakob, wie sein Großvater schwer atmete, als er fortfuhr: „Wir werden reichlich vom Wald beschenkt. Sofern wir nicht hungern oder frieren müssen, gibt es nichts, was diesen Wert übersteigt. Nichts auf dieser Welt!“ Drei Monate später, am 15. Juli 1938, Jakobs letztem Schultag vor den Sommerferien, nahm sein Großvater den Gehstock in die linke Hand und begab sich, wie so oft, vor Sonnenaufgang alleine in den Wald. Seiner Frau war nichts Außergewöhnliches aufgefallen. Er hatte, wie gewöhnlich, die Hand zum Gruß gehoben und sie hatte „Gott befohlen“ gesagt und die Haustür wieder geschlossen. Ein Fremder hatte ihn am Moorteich an einer Waldlichtung gefunden. Der alte Mann lag reglos auf einem Moosteppich neben dem Wurzelstock einer Fichte. Seine Stiefel standen ordentlich nebeneinander im Gras. Die Hände waren gefaltet und er sah aus, als sei er friedlich zu Bett gegangen zu einem langen ewigen Schlaf.

Prolog"Halt an!" Jakobs Großvater legte eine Hand ans Ohr. "Hörst du ihn?"Der Junge drehte sich um und lauschte in den Wald. Die kullernden Laute des Birkhahns durchdrangen die Stille der Morgendämmerung. Noch bevor die Frühjahrssonne ihre ersten Strahlen durch die Wipfel sandte, legte der Hahn eine Pause ein."Das ist das Morgengebet", flüsterte der Großvater ehrfürchtig. Er bekreuzigte sich. "So nennen es die Jäger. Hier im Wald zeigt sich die Natur in Einheit mit den Kreaturen und der Unendlichkeit. Gleich wird der Hahn auf einen Baum oder eine Hecke fliegen und mit der Sonnenbalz beginnen. Wir wollen nicht stören. Lass uns weitergehen."Der Weg führte am versumpften Ufer des Moor-Sees entlang. Im aufsteigenden Tau atmete Jakob tief den Duft des Birkfilzes ein. In der Schule hatte er gelernt, dass die Hochmoore, auch Urwald-Filze genannt, von großer Bedeutung für den Wasserhaushalt des Kaiserwaldes waren - und es gab sie reichlich. Die Luft roch nach modrigem Holz und frischem Grün. "Hier herrschen die Gesetze des Wachsens und Vergehens", sagte der Großvater. Von nun an werde ich ihn begleiten, so oft ich nur kann, nahm sich der Junge vor, denn er konnte sich nichts Aufregenderes vorstellen als hier zu sein mit seinem geliebten Großvater, wo sich das Wollgras im Winde wiegte, wo Torf- und Haarmützenmoos wuchsen, die freien Vögel ihre Lieder schmetterten und wo Sonnentau und das Fettkraut, zwei fleischfressende Pflanzen, offenbar gut gedeihen konnten. Durch das Gewirr der Sumpfkiefern bahnten sich die morgendlichen Sonnenstrahlen ihren Weg zu den Wassergräben. Einmal hatte das Wasser ein smaragdgrünes Leuchten, dann wieder blinkte es auf wie glänzendes Gold. "Das grüne Licht ist das Leuchtmoos, und das andere sind Leuchtalgen", erklärte der Großvater. "Sie schimmern wie Gold." Er war stehen geblieben, und zum ersten Mal bemerkte Jakob, wie sein Großvater schwer atmete, als er fortfuhr: "Wir werden reichlich vom Wald beschenkt. Sofern wir nicht hungern oder frieren müssen, gibt es nichts, was diesen Wert übersteigt. Nichts auf dieser Welt!"Drei Monate später, am 15. Juli 1938, Jakobs letztem Schultag vor den Sommerferien, nahm sein Großvater den Gehstock in die linke Hand und begab sich, wie so oft, vor Sonnenaufgang alleine in den Wald. Seiner Frau war nichts Außergewöhnliches aufgefallen. Er hatte, wie gewöhnlich, die Hand zum Gruß gehoben und sie hatte "Gott befohlen" gesagt und die Haustür wieder geschlossen.Ein Fremder hatte ihn am Moorteich an einer Waldlichtung gefunden. Der alte Mann lag reglos auf einem Moosteppich neben dem Wurzelstock einer Fichte. Seine Stiefel standen ordentlich nebeneinander im Gras. Die Hände waren gefaltet und er sah aus, als sei er friedlich zu Bett gegangen zu einem langen ewigen Schlaf.

Erscheinungsdatum
Reihe/Serie Literatur aus Böhmen
Verlagsort Grafenau
Sprache deutsch
Maße 149 x 2100 mm
Gewicht 350 g
Einbandart gebunden
Themenwelt Literatur Historische Romane
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Belletristik: Erzählungen, Kurzgeschichten, Short • Czech Renate • Egerland • Egerland, Geschichte; Roman/Erzählung • Historische Romane/Erzählungen • Historischer Roman • Literatur aus Böhmen • Ohetaler Verlag • Tschechien
ISBN-10 3-95511-079-6 / 3955110796
ISBN-13 978-3-95511-079-6 / 9783955110796
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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