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Different Boys (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2017 | 1. Aufl. 2017
660 Seiten
beHEARTBEAT (Verlag)
978-3-7325-4478-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Different Boys - Norman Stark
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'Different Boys' erzählt die turbulente Geschichte von Colin und Tom, den Zwillingsbrüdern, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch beide nur versuchen, ihr Leben, die Liebe und das Glück zu meistern.
Colin hält Monogamie für den größten Betrug an der Menschheit und stürzt sich als Flugbegleiter von einem erotischen Abenteuer ins nächste.
Tom umgibt sich lieber mit anderen Dingen, die das Leben schöner machen. Er hat in Köln seinen eigenen Designladen für Wohnaccessoires eröffnet und träumt von dem perfekten Mann fürs Leben - bis der ihm eines Tages wortwörtlich vor die Füße fällt.
Liebe, Drama, Witz und Erotik - das ist die bunte Welt der Different Boys! Jetzt erstmals alle Folgen in einem eBook!

Kapitel 1


Tom: Happy Birthday, bro!

Colin: Auch Happy Birthday, bro!

Tom: Gleich bei Mama?

Colin: Jo, gleich bei Mama ☺

Der Typ sah einfach zum Anbeißen aus. Ein Körper, geformt wie der Prototyp einer griechischen Statue. Samtige schokobraune Haut umschmeichelte die runden Konturen seiner Muskeln. Wie vom Himmel herabgestiegen und sanft zu Boden geschwebt lag er vor ihnen.

»Ich nehme die Brust«, beschloss Tom, griff zum Messer und stach es in die Herzgegend des Adonis, während ihn etliche Augenpaare gespannt dabei beobachteten. Die übrigen Anwesenden tanzten ausgelassen zum stampfenden Beat aus den Lautsprechern, die sich mit gut gelauntem Gelächter ein Duell lieferten. Stickige Hitze hing im Raum – schließlich war der rappelvoll –, und an der Theke knubbelten sich dementsprechend viele Durstige und lechzten nach kühlem Bier oder Stärkerem. Kurzum: Es war eine gelungene Party.

»Du kannst die Brust haben, solange du mir das da übrig lässt«, grinste Colin und zeigte auf die dicke Beule unter dem knapp sitzenden Slip.

»Natürlich, Bruderherz«, säuselte Tom und reichte Colin das Messer. »Ich habe ja schon das Herz der Sahneschnitte erobert.« Während Colin das von ihm favorisierte Körperteil sorgfältig herausoperierte, biss Tom genussvoll mit geschlossenen Augen in das Bruststück in seiner Hand.

»Wirklich köstlich«, schwärmte er und schmatzte. »Lass mich raten … Aprikosenmarmelade?«

»Da kennt sich jemand aus!«, lobte Sophie und zwinkerte neckisch mit ihren grünen Augen.

»Mit Männern oder mit Torten?«, fragte Maren amüsiert. Wie ein unschuldiges Mädchen legte sie ihren grazilen Zeigefinger an ihre zu einem Kussmund geschürzten Lippen.

»Mit beidem«, befand Tom selbstbewusst und lachte. »Bei Männern ist Colin sicher erfahrener, aber bei Backwaren habe ich den feineren Geschmack.«

Während Tom den Prachtkerl entlang der Kanten seines Sixpacks aufteilte, stopfte Colin sich das Gemächt aus Biskuit, Sahne, Aprikosenmarmelade und Schokoglasur gierig in den Mund und stöhnte lustvoll. »Ich würde mal sagen, ich hab wohl das beste Stück abbekommen.«

»Unser Kuchen scheint euch ja zu schmecken. Aber verschluck dich nicht, Colin!«, warnte Maren kichernd, als sie sich ein Stück des Sixpacks reichen ließ, doch Sophie klopfte ihr beruhigend auf die Schultern und griff zielstrebig nach dem Happen mit dem Bauchnabel. »Glaub mir, meine Liebe, darin hat Colin Übung. Den haut ein großes Teil nicht so schnell aus den Socken!«

»Immerhin hättest du dann eine großartige Schlagzeile«, lachte Tom. »Kölner Flugbegleiter an Kuchen-Penis erstickt!«

Colin boxte seinem Bruder gespielt entrüstet auf die Schulter. Sophie verzog den Mund ironisch zu einer Trauermiene. »Wir reisen extra aus Hamburg an, um euren Geburtstag zu feiern – und du stirbst einen qualvollen Erstickungstod, weil du bei Männern den Hals nicht vollkriegen kannst? Das wäre zu tragisch.«

»Das sagt die Richtige. Du und Maren wart immer meine leuchtenden Vorbilder«, schmunzelte Colin. »Niemand schleppt so elegant Männer ab wie ihr.«

Während sich nun auch andere Gäste am Kuchenmann erfreuten und seinen süßen Leib vertilgten, wechselten Sophie und Maren ein konspiratives Grinsen und schwiegen. Ein entlarvendes Schweigen, für das sie jedoch nicht die Spur von Scham verspürten. Ganz im Gegenteil. Colin und Tom kannten die beiden schon seit vielen Jahren und staunten immer über ihre wilden Sexabenteuer. Dabei gingen sie eigentlich einer seriösen Arbeit nach. Als Journalistinnen für das Boulevardblatt BLITZ holten sie die dunklen Geheimnisse der Größen aus Politik, Wirtschaft und Unterhaltung ans Tageslicht. Das hatten sie drauf. Aber ebenso geschickt, wie sie heikle Fakten an die Öffentlichkeit brachten, zerrten sie Männer ins Bett.

»Ich stehe euch für weiterführende Ratschläge jederzeit zur Verfügung«, schnurrte Sophie und schob den zarten Kuchen mit sanft geschlossenen Augenlidern zwischen ihre rot geschminkten Lippen, wobei sie lasziv ihre Zungenspitze hervorblitzen ließ.

 In diesem Moment drängelte sich ein kleiner Mann mit einem rundlichen Gesicht, über das sich ein fröhliches Strahlen zog, durch die dicht an dicht stehenden Gäste. Er lief nach vorne zur Theke und klatschte auffordernd in die Hände. Die Musik wurde heruntergefahren, und alle Blicke richteten sich erwartungsvoll auf ihn. Basti ist doch eigentlich gar nicht der Typ, der große Rede schwingt, wunderte sich Tom. Basti war die gute Seele in Toms Design-Laden, dem A-TOM auf Kölns Modemeile, der Ehrenstraße. Wer wissen wollte, wie man mit passenden Accessoires mehr Glanz in die eigenen vier Wände bringen konnte, war bei Basti an der richtigen Adresse. Wer den neuesten Klatsch und Tratsch aus der Szene erfahren wollte, ebenso.

Vor 60 Leuten zu stehen, war Basti aber offensichtlich nicht gewohnt. Verlegen knispelte er mit der rechten Hand an seinem linken Zeigefinger und lächelte unsicher. »Ich finde«, setzte er stammelnd an, »dass Tom und Colin jetzt ein Ständchen verdient haben.«

»Bitte nicht«, flehten Tom und Colin wie aus einem Mund. Aber Basti hatte seine Arme schon unerschrocken in die Luft gehoben und wirbelte sie wie ein Dirigent bei den ersten Takten einer Ouvertüre herum, während die Gäste artig Happy Birthday anstimmten. Basti ruderte furios mit seinen kurzen Armen, aber der Gesang eierte zielsicher an den richtigen Noten vorbei, wiederholte sich in dissonanten Tonhöhen und schwoll zu einem Crescendo an, bevor er nach einem tragend dahingeschluchzten »Hap-py Birth-day to you!« verebbte.

Colin und Tom klatschten frenetisch in die Hände. Trotz der miserablen Gesangseinlage hatten ihre Freunde ihnen mit der Ode eine riesige Freude gemacht. Die Brüder waren sich einig gewesen, dass sie es zum Start ihres 29. Lebensjahres noch einmal richtig krachen lassen wollten. Denn jenseits der 30er-Zone des Alterungsprozesses erwartete einen die Diaspora eines Lebens, in dem man auf die Hautpflege mit Faltenauffüllern umsteigen musste und auf den gängigen Dating-Plattformen wie Dudz gnadenlos durchs Suchraster flog. Da traf es sich gut, dass sie beide am selben Tag Geburtstag hatten und ihr Schicksal teilen konnten. Sogar fast auf die Minute genau: Colin war geschlagene zwei Minuten früher aus der beengten Bleibe gepresst worden, in der sie neun Monate miteinander verbracht hatten. Die Frau, die das alles tapfer ertragen hatte, stand hinter der Theke und strahlte voller Glück: Ela.

 Ela hieß eigentlich Manuela, aber viersilbige Vornamen waren zu Zeiten, als sie selbst noch weit von der 30er-Zone entfernt war, nicht en vogue. Zum Soundtrack der 70er zwischen Abba, Bee Gees und den Jackson 5 passte etwas Peppiges wie Elap. Das Kabuff, in dem Colin und Tom die Vorstufe zum nächsten Lebensjahrzehnt feierten, war Elas Reich. In einer kleinen Gasse in der Kölner Altstadt gelegen, war die urige Kneipe zu einer Institution der Kölner Szene aufgestiegen. Hier fand man zwar kein extravagantes Interieur, wie in einem angesagten Club, und man bekam auch keine brandneuen Cocktail-Kreationen kredenzt, aber Elas gastfreundliches Naturell und auch der reichliche Kölsch-Ausschank hatten sie und das Kabuff fest in den Herzen etlicher Kölner Schwulen und Lesben verankert.

Nachdem alle feierlich auf die Zwillinge angestoßen hatten, trat Ela zu ihren Söhnen, breitete unter ihrem wallenden Umhang mit dem hawaiianischen Muster die Arme aus und legte sie ihren Jungs um die Schultern. Sie seufzte glücklich und zog die Köpfe der Zwillinge voll mütterlicher Herzlichkeit an ihre üppige Brust. »Wie gut, dass ich euch habe!«

Colin und Tom versanken mit ihren Gesichtern in Elas Busen wie in einem flauschigen Daunenbett. Schlagartig fühlten sie sich in ihre Kindheit zurückversetzt. Damals hatten sie die körperliche Nähe zur mütterlichen Brust dankbar hingenommen. Aber mit 29 Jahren waren sie nun doch zu alt dafür. »Ist ja gut, Mama«, schnaufte Tom erstickt und stemmte sich behutsam gegen ihre Umklammerung. »Wir haben dich doch auch lieb.«

»Hmpf!«, nickte Colin zustimmend. Seine Atemwege waren vollends von Elas Leibesfülle versperrt. Dann wurstelte er sich aus ihrer Umarmung und schnappte nach Luft, während Ela vor Rührung schluchzte.

»Bevor wir gleich alle in Tränen ausbrechen, habe ich ein passendes Gegenmittel«, versprach Daggi hinter ihrem Mischpult und ließ ihren Zeigefinger wie eine ballistische Rakete auf den Startknopf ihrer Schaltzentrale niedersausen. Explosionsartig fluteten die Klänge von Lady Gagas Poker Face den Raum, und flächendeckend begannen die dicht gedrängten Körper im Takt zu tanzen. Daggi war hauptberuflich Automechanikerin und hatte, trotz ihrer Vorliebe für Holzfällerhemden, ein gut ausgeprägtes Gespür für den richtigen Song zur richtigen Zeit. Deshalb hatten Colin und Tom die musikalische Gestaltung des Abends vertrauensvoll in ihre Hände gelegt.

Belustigt beobachtete Tom, wie Maren und Sophie mit ihrem Kennerblick zielsicher die einzigen Hetero-Männer in der Menge ausfindig gemacht hatten und sich nun mit aufreizenden Hüftschwüngen an sie herantanzten. Sie würden die Nacht bestimmt nicht allein verbringen. Genauso wenig wie Colin, an den sich gerade Adrian herantanzte, nachdem dieser ihn schon den ganzen Abend mit seinen Blicken ausgezogen hatte. Adrian hatte breite Schultern, eine kräftige Brust, starke Oberarme und den Nimbus eines potenten Mannes. Und damit passte er genau in Colins Beuteschema. Tom schüttelte den Kopf. Auch wenn ihm Adrian rein optisch gefiel, einen Jagdtrieb wie Colin hatte Tom nie entwickelt. Man...

Erscheint lt. Verlag 13.6.2017
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Boys Love • BoysLove • Bundle • Coming-out • Erotische Literatur • gay • gay romantic • Gay Romanzen • Gefühl • Gefühle • Homosexuell • LBGTQ • Liebe • Liebesroman • Male Male • Queer • Romance • Romantik • Schwul • schwule bücher • schwule Liebesromane • Schwule Romane
ISBN-10 3-7325-4478-8 / 3732544788
ISBN-13 978-3-7325-4478-3 / 9783732544783
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