Der Bergdoktor 1872 (eBook)
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-4737-1 (ISBN)
Obwohl Sonntag ist und man eigentlich ausschlafen könnte, herrscht im Doktorhaus von St. Christoph schon seit Stunden ein fröhliches Treiben. Alle sind sehr aufgeregt. Schließlich findet im Dorf heute das 'Blumenfest' statt, und natürlich will ein jeder, dem Anlass entsprechend, besonders fesch ausschauen.
Eingeleitet wird das Fest mit einem Extra-Trachtenumzug für die Kinder. Anschließend wird rund um den Dorfplatz gefeiert, bis die Sonne untergeht.
Lächelnd betrachten Martin und Sabine Burger ihr bezauberndes Trio. Tessa, Filli und Nesthäkchen Laura tragen stolz ihre selbst gepflückten Blumensträußerl vor sich her. Doch natürlich winken die Burgers auch den anderen Kindern zu, die am Umzug teilnehmen.
Im allgemeinen Trubel fällt zunächst niemandem auf, dass die Geschwister vom Schalkenhof traurig am Rand stehen ...
»Jetzt haben wir es wirklich mal geschafft, uns mal paar freie Tage zu gönnen.« Dr. Martin Burger legte den Arm um seine Frau, die ebenfalls Ärztin war. »Es war nicht ganz einfach, auf die Schnelle eine Vertretung zu finden. Aber Dr. Helmer aus Schwaz hat uns beiden zuliebe seine lang geplante Auslandsreise um eine Woche verschoben, um mich in der Praxis zu vertreten, Mittwoch bis Montag zwölf Uhr. Nachmittags müssen wir wieder daheim sein – ab vier Uhr nachmittags werd ich dann wieder in der Praxis sein.«
Sabine blickte auf den blauen Wolfgangsee hinaus. Die Julisonne ließ das Wasser wie fein geschliffene Kristalle glitzern.
»Mit anderen Worten, am Montag in der Früh fahren wir zurück«, sagte sie.
»Ja. Aber unterwegs machen wir noch in Bad Gastein einen Zwischenstopp. Die Kuranlagen sind modernisiert worden, das müssen wir uns ansehen. Und natürlich könnten wir bei dieser Gelegenheit auch irgendwo im Gasteiner Tal ein gemütliches zweites Frühstück einnehmen, ehe wir weiterfahren. Es soll dort ein paar urgemütliche Gasthöfe geben.«
»Überall im Salzburger Land kann man nicht nur gut essen, sondern auch diese wundervollen Ausblicke genießen. Man kann gar nicht genug davon bekommen.«
Martin und Sabine Burger hatten eigentlich eine Kurzreise nach Wien geplant, Sabines Heimatstadt. Aber dann wäre die Zeit wieder mit Verwandtenbesuchen dahingegangen.
Nichts gegen Sabines liebe Verwandtschaft, aber den beiden stand im Moment der Sinn nach Zweisamkeit und Relaxen.
Einfach mal abtauchen und den Alltag vergessen, sich am Wolfgangsee im Hotel »Seehof« verwöhnen lassen, durch Salzburg bummeln und in Bad Ischl die »kaiserliche« Atmosphäre genießen, von der auch heute noch eine ganze Menge zu spüren war – war das nicht genau das Entspannungsprogramm, das sie sich beide wünschten?
Nun gut, Dr. Burger hätte gern das eine oder andere »sportliche Abenteuer« mit eingebaut. Aber er wusste, dass seine Frau nicht allzu begeistert davon gewesen wäre.
Immerhin plante er insgeheim eine Radl-Tour am Seeufer entlang. Nichts Großartiges, immer geradeaus und nicht etwa über Stock und Stein. Damit war seine Sabine bestimmt einverstanden.
Nachher stand jedoch erst einmal Salzburg auf dem Plan. Dem Charme der bezaubernden Stadt an der Salzach konnte sich niemand entziehen, »Ich mag die vielen schönen Geschäfte in der Getreidegasse, und dann müssen wir natürlich das Haus Nummer 9 besichtigen, Mozarts Geburtshaus. Einfach mal ohne Zeitdruck bummeln gehen, darauf freu ich mich wirklich. Und nachmittags gönnen wir uns im Café Tomaselli eine süße Köstlichkeit.«
»Da sag ich nicht Nein.« Dr. Burger lächelte. »Übrigens hab ich gehört, dass im Traditions-Restaurant Goldener Hirsch die besten Salzburger Nockerln serviert werden. Das dürfen wir uns nicht entgehen lassen.«
»Wir können uns aber nicht den ganzen Tag durch die Salzburger Spezialitätenküche futtern«, wandte Sabine ein.
»Dann machen wir heute den Anfang mit Cremeschnitten bei Tomaselli und einem Abendessen im Kaserer Bräu bei der Feste Hohensalzburg«, schlug Martin Burger vor. »Anno dazumal war das Hotel-Restaurant – übrigens ein Vier-Sterne-Haus – eine Klosterherberge. Also werden wir in historischen Räumen den Hauch der Vergangenheit spüren, denke ich. Morgen geht’s dann weiter mit dem Goldenen Hirschen. Andererseits ist es hier am See und in der Umgebung so schön, dass man gar nicht weg möchte.«
»Ein kleines Programm darf sein, Martin. Wir sind ja nicht zum ersten Mal im Salzkammergut. Aber unsere kleinen Touren durch Salzburg waren immer viel zu kurz.«
»Ja, das stimmt. Salzburg verdient mehr Aufmerksamkeit. Wir haben uns aber auch noch vorgenommen, dass wir die sogenannte Salzburger Landpartie machen wollen. Von Salzburg nach Fuschl am See, vielleicht auch hinauf zur Schnitzhofalm. Die Hütte hat angeblich schon vier Jahrhunderte auf dem Buckel und ist eine Sehenswürdigkeit. Almhütten haben wir natürlich auch bei uns in St. Christoph, aber keine, die so alt ist.«
Sabine seufzte. »Wir müssten zwei, drei Wochen Zeit haben, um all die schönen Winkel zu entdecken. Ich würde schrecklich gern mal das Gwandhaus Gössl besuchen, in dem die wunderbare Trachtenmode entworfen und genäht wird. Man kann sich dort jederzeit beraten lassen – mit Anprobe.«
»Dann setzen wir das Trachtenhaus Gössl auch noch auf unseren Plan, Schatz.«
Schon jetzt stand es fest, dass die wenigen freien Tage ein Tropfen auf den heißen Stein waren. Im Salzburger Land taten sich ungeahnte Möglichkeiten auf. Dr. Burger liebäugelte obendrein mit einer Wanderung in der Gegend um Kaprun oder im Lungau. Aber dazu würde die Zeit nicht reichen.
Das in der Nähe von St. Wolfgang gelegene Hotel, in dem sich die Burgers ein Zimmer mit Seeblick genommen hatten, war ein familiär geführtes Haus, in dem die Gäste Ruhe und einen aufmerksamen Service genießen konnten.
Das idyllische Seegrundstück mit bequemen Sonnenliegen, weißen Tischchen und Gartensesseln ließ auch gestresste Großstädter innerhalb kurzer Zeit wieder durchatmen.
Eine Gruppe Münchner war gestern Abend angekommen. Was die Schönheit der Landschaft betraf, waren Martin und Sabine allerdings eh ziemlich »verwöhnt«. St. Christoph im Zillertal konnte zwar nicht mit einem See samt Ausflugsschiffen und Raddampfer aufwarten, dafür aber mit einer grandiosen, hochalpinen Bergwelt, Wäldern und märchenhaft schönen Almen. Der Kuckuckssee, ein hoch gelegener Bergsee im Naturschutzgebiet, wurde von Quellen gespeist und eignete sich nicht als Badesee, außerdem war er – verglichen mit den Seen im Salzburger Land oder mit dem Tiroler Achensee – natürlich recht klein. Aber seiner Schönheit tat das keinen Abbruch.
Gern wanderte man vom Tal aus hinauf, sonnte sich am alten Bootshaus und beobachtete die Wasservögel, die auf keinen Fall erschreckt werden durften. Wer das tat, bekam es mit Förster Reckwitz zu tun, der zwar nicht überall zugleich sein konnte, aber seine Forstaufseher regelmäßig hierhin und dahin schickte.
St. Christoph galt unter Kennern und Liebhabern der Berge als Geheimtipp. Ein besonders schönes Hotel war das »Berghotel Am Sonnenhang«, in dem man rundum verwöhnt wurde. Wer nicht im Voraus reservierte, bekam nur selten ein freies Zimmer. »Leider ausgebucht«, hieß es meistens.
Ferien in St. Christoph galten als Gesundbrunnen.
Ein bisschen »auftanken« konnte das Ehepaar Burger aber am besten, wenn sie sich ein Wochenende oder – wie jetzt – drei, vier Tage ausklinkten. Oft kam das allerdings nicht vor.
Praxis, Familie, Haushalt und die drei Kinder plus Dackel Poldi mussten unter einen Hut gebracht werden. Man konnte nicht einfach die Reisetasche packen, sich ins Auto setzen und ins Blaue fahren. Aber es gab ja noch die kleinen Auszeiten: Nachmittage, Wochenenden oder ein paar Stunden »für die Seele«, wie Sabine es nannte.
Obwohl die Tage meistens bis zum Abend ausgefüllt waren und jeder seine festen Termine hatte, führten Martin und Sabine Burger eine überaus glückliche Ehe. Sie hätten an ihrem Leben sicher nichts geändert, selbst dann nicht, wenn eine Fee erschienen wäre, um ihnen drei Wünsche zu erfüllen. Nun ja, ein wenig mehr Zeit hätte die ganze Familie gern zur Verfügung gehabt, sogar die Kinder. Langeweile war ein Fremdwort für sie. Und es war so schnell immer wieder Abend und Schlafenszeit!
Doch ein Tag hatte nun mal nur vierundzwanzig Stunden, und davon sollte man als Erwachsener acht Stündchen schlafen, die Kinder noch mehr. Aber was, wenn nachts das Telefon klingelte und ein Patient unbedingt ärztliche Hilfe brauchte? Dann war die Nachtruhe dahin.
»Du denkst schon wieder zu viel nach, Liebes«, mahnte Dr. Burger lächelnd. »Ich seh’s dir an. Daheim wird bestimmt alles reibungslos über die Bühne gehen, zerbrich dir also nicht den Kopf. Unsere Kinder sind bei Tante Rika, Vater und die Zenzi hüten das Haus und kümmern sich um Poldi. Dr. Helmer ist seit zehn Jahren Arzt und verwechselt einen Schnupfen garantiert nicht mit einer Gallenkolik.«
»Meine Güte, Martin, sei doch net so albern.«
»Außerdem ist ja noch die Bärbel da«, setzte der Doktor hinzu. »Sie ist die beste medizinische Fachassistentin, die ich mir vorstellen kann. Ihr entgeht nichts. Ein paar Tage werden unsere lieben Patienten ganz bestimmt auf uns verzichten können!«
»Das bezweifele ich nicht.« Sabine wirkte ein bisschen unsicher. »Notfalls könnte Vater einspringen. Einmal Arzt, immer Arzt. Um die Praxis mach ich mir keine Sorgen.«
»Sondern?«
»Es ist wegen der Kinder.«
»Schatz, wir telefonieren dauernd mit ihnen. Es geht ihnen blendend. Bei Tante Rika werden sie nach Strich und Faden verwöhnt.«
»Ja, aber ich weiß, dass sie ein bisserl enttäuscht sind. Wir sind weggefahren, obwohl am Wochenende in St. Christoph das Blumenfest stattfindet. Ein Fest im Dorf ohne Mama und Papa, noch dazu eins, das es nur alle zwei Jahre gibt. Mit einem Extra-Trachtenumzug für die Kinder am Sonntag. Jedes Kind darf einen Blumenstrauß in der Hand halten, den es sich selbst ausgesucht hat. Pferde und Kutschen werden mit Blumen geschmückt, Musikanten kommen ins Dorf, und am Kirchplatz werden Stände aufgebaut.«
»Wir konnten aber nur jetzt wegfahren«, seufzte Martin Burger. »Die Kinder wissen das, sie sind vernünftig. Tessa ist acht, Filli fünf. Sie...
| Erscheint lt. Verlag | 13.6.2017 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Der Bergdoktor |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | Alpen • alphateam • Anna Basener • Arzt • Arztroman • Arztserie • Baccara • Bahnhofsroman • Berg • Berge • Bianca • Chicago Hope • Cora • Der Bergdoktor • Der Bergpfarrer • Der Landarzt • Die Schwarzwaldklinik • Dirndl • Doctor's Diary • Doktor • Dr. • Dr. Bruckner • Dr. Daniel • Dr. Laurin • Dr. Norden • Dr. Stefan Frank • Emergency Room • feel good • feelgood • Frau • Frauen • Frauenroman • Für alle Fälle Stefanie • Gefahr • Gefühle • General Hospital • Glück • grey • Grey's Anatomy • Groschenheft • Hallo • Hallo, Onkel Doc • Happy End • Hedwig Courths-Mahler • Heft • Heftchen • Heftchen-Roman • Heftroman • Heft-Roman • Heftroman-Liebe • Heftroman-Romance • Heftroman-Romantik • Heimatroman • Herzflimmern • Hilfe • Historical • Hoffnung • In aller Freundschaft • Julia • Kelter • Klassiker • Klinik • Klinikum Berlin Mitte • Klinik unter Palmen • Leidenschaft • Liebe • Liebesroman • Liebesromane • Mira • nikola • Onkel Doc • Private Practice • Pulp • Pulp Ficition • Rettung • Romance • Romanheft • Roman-Heft • Romanheft-Liebe • Romanheft-Romance • Romanheft-Romantik • romantisch • Schön • serial content • Serial Novel • Serial Novels • Serie • Serien • Seriennovellen • Stadtklinik • Tiffany • Tränen • Woman • Women |
| ISBN-10 | 3-7325-4737-X / 373254737X |
| ISBN-13 | 978-3-7325-4737-1 / 9783732547371 |
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