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Heimat Erde (eBook)

Roman
eBook Download: EPUB
2017
Heyne Verlag
978-3-641-21319-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Heimat Erde - Clifford D. Simak
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Friedhof Erde

Zehntausend Jahre, nachdem ein letzter vernichtender Krieg die Erde als radioaktive Einöde zurückgelassen hat, in der immer noch Kampfroboter die Kontinente auf der Suche nach Gegnern durchstreifen, wird es unter den Nachfahren der Menschen, die sich über die Galaxis ausgebreitet haben, zur Mode, sich auf der Heimatwelt bestatten zu lassen. Die Mother Earth Company verwandelt die Erde in einen schmucken Friedhof, und den irdischen Mutanten wird auf dezente Weise der Garaus gemacht, damit sie die Friedhofsbesucher nicht erschrecken. Fletcher Carson, ein Multimedia-Künstler, der in Begleitung seines Roboters Elmer und seines mobilen Computerinstruments Bronco einen Hauch der „alten Erde“ festhalten will, macht sehr bald die unangenehme Erfahrung, dass die Mother Earth Company alles andere als begeistert ist, als er außerhalb des Friedhofsgeländes herumzuschnüffeln beginnt. Sie scheint einen triftigen Grund dafür zu haben – und die junge Archäologin Cynthia Lansig bestätigt diese Annahme …

Clifford D. Simak, geboren 1904 in Millville, Wisconsin, arbeitete nach dem Studium bis zu seiner Rente 1976 als Zeitungsjournalist. Seit er als Kind die Romane von H. G. Wells gelesen hatte, interessierte Simak sich für die Science-Fiction. Er begann Anfang der Dreißigerjahre, seine ersten Science-Fiction-Kurzgeschichten in den Magazinen von Hugo Gernsback, vor allem in Wonder Stories und später in Astounding, zu veröffentlichen. Sein erster Roman, „Ingenieure des Kosmos“, erschien 1939 in Fortsetzungen und erinnerte noch an die Werke von E. E. „Doc“ Smith, doch Simak fand schnell seinen eigenen, ruhigen Stil. Dieser kam bei Fans wie Kollegen gut an: 1959 erhielt er seinen ersten Hugo Award; in den nächsten zwei Jahrzehnten folgten zwei weitere Hugos, darunter für seinen Roman „Raumstation auf der Erde“, ein Nebula Award und der SFWA Grand Maester. Sein bekanntestes Werk ist der Episodenroman „Als es noch Menschen gab“, der in einer fernen Zukunft angesiedelt ist, in der die Welt, wie wir sie kennen, längst zu einem Mythos geworden ist. Clifford D. Simak starb am 25. April 1988 in Minneapolis.

2


 

Maxwell Peter Bell, Manager der Mother Earth Inc., Abteilung Nordamerika, war ein dicklicher Mann, dem daran lag, dass man ihn mochte. Er saß in seinem abgewetzten, schweren, dick gepolsterten Sessel hinter einem wuchtigen, glänzenden Tisch in seinem Büro, das sich innerhalb eines Aufbaus auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes befand. Er rieb sich die Hände und lächelte mich beinahe zärtlich an, und es hätte mich nicht gewundert, wäre das runde, weiche Braun seiner Augen geschmolzen und wie Schokoladenguss über die Wangen gelaufen.

»Hatten Sie eine angenehme Reise?«, fragte er. »Hat Kapitän Anderson für Ihre Bequemlichkeit gesorgt?«

Ich nickte. »So gut wie möglich. Natürlich bin ich dankbar. Ich hatte kein Geld für den Flug auf einem Schiff der Pilgrim Tours.«

»Schweigen Sie von Dankbarkeit«, meinte er sanftmütig. »Wir sind es, die Grund zur Freude besitzen. Nur wenige Leute der Künste entwickeln Interesse an dieser unserer Mutter Erde.«

In seiner netten, glatten Art trug er eine Spur zu dick auf, denn im Lauf der Jahre hatten viele Leute der Künste, wie er sie nannte, der Erde ihre Aufmerksamkeit geschenkt, und zwar ausnahmslos unter der äußerst zuvorkommenden und mütterlichen Anleitung der Mother Earth Inc. selbst. Auch ohne das Wissen um diese Gönnerschaft vermochte man sie zu erraten. Das meiste ihrer Werke klang, las sich oder sah so aus wie hochdotierte Reklamemachwerke zur Werbung für den Friedhof.

»Eine freundliche Gegend hier«, sagte ich, eher gesprächsweise beiläufig als aus besonderem Grund.

Er wusste nicht, dass ich es hören wollte, aber das wollte ich. Er rückte sich bequemer im Sessel zurecht, wie eine Henne, die über ihre Eier das Gefieder plustert, bevor sie sich zum Brüten niederlässt.

»Gewiss haben Sie die Kiefern gehört«, sagte er. »Sie singen ein Lied. Sogar hier oben, wenn man ein Fenster öffnet, vernimmt man ihren Gesang. Auch nach dreißig Jahren kann ich ihnen noch stundenlang lauschen. Es ist das Lied eines ewigen Friedens, den man so vollständig nirgendwo zu finden vermag wie hier auf der Erde. Manchmal habe ich den Eindruck, dass es nicht bloß ein Lied der Kiefern und des Windes ist, auch nicht allein eins der Erde, sondern das Lied einer über die Galaxis verstreuten Menschheit, die am Ende gemeinsam hier in der Heimat ihre Ruhe findet.«

»Soviel habe ich nicht gehört«, antwortete ich. Mir war das Ächzen und Knarren der Bäume eher wie das Stöhnen unerlöster Seelen erschienen. »Vielleicht fällt es mir mit der Zeit noch auf, wenn ich länger gelauscht habe. Deshalb bin ich ja hier.«

Genauso gut hätte ich schweigen können. Er hörte mir gar nicht zu. Er hatte sein Sprüchlein aufzusagen, so eine großmächtige Leier, und er beabsichtigte das zu tun und sonst nichts.

»Seit mehr als dreißig Jahren«, sprach er weiter, »verneige ich mich in jedem bewussten Moment vor den großen Idealen der Letzten Heimkehr. Meine Aufgabe zählt nicht zu denen, die man leichten Herzens übernimmt. Viele Männer haben es vor mir getan, viele andere Manager haben schon vor mir auf diesem Platz gesessen, sehr viele, und jeder einzelne war ein ehrbarer und feinfühliger Mensch. Ich bin angetreten, um ihr Werk fortzusetzen, aber nicht nur das. Ebenso muss ich die großen Traditionen wahren, die die Mother Earth während ihrer gesamten Geschichte stets gepflegt hat.«

Er sank im Sessel zurück, und seine braunen Augen blickten womöglich noch sanfter drein und ein wenig wässrig.

»Bisweilen ist das keine leichte Aufgabe«, versicherte er. »Es gibt vielerlei Umstände, mit denen man sich auseinandersetzen muss. Da sind diese Andeutungen und Flüsterreden und unterschwelligen Vorwürfe, die man verbreitet, aber nie öffentlich ausspricht, so dass man sie widerlegen könnte. Ich nehme an, Sie haben dergleichen auch schon gehört.«

»Etwas davon«, sagte ich vorsichtig.

»Und sie geglaubt?«

»Etwas davon«, wiederholte ich.

»Wir wollen nicht um die Dinge herumreden«, sagte er mit einem Anflug von Schroffheit. »Betrachten wir die Angelegenheit einmal. Man kann unschwer feststellen, dass die Mother Earth Inc. eine Friedhofsgesellschaft ist und die Erde ein Friedhof. Aber sie ist weder ein raffgieriges Schwindelunternehmen noch ein Betrug mit der Frömmigkeit oder eine ausschließlich dem Profit nachjagende Maklerfirma, die aus wertlosem Grund und Boden Riesensummen herausschlüge. Selbstverständlich operieren wir im Rahmen allgemein zulässiger Geschäftsmethoden. Anders ginge es nicht. Nur auf diese Weise können wir der menschlichen Galaxis unsere Dienste bieten. Sie erfordern eine Organisation, die ausgedehnter ist als man sie sich zunächst vorzustellen vermag. Und weil sie so ausgedehnt ist, ist sie zwangsläufig locker. Es gibt keine ständige, straffe Kontrolle des Gesamtunternehmens. Daher besteht immer die Möglichkeit, dass wir hier in der Verwaltung von vielen Handlungen gar nicht erfahren, die wir niemals billigen würden. Wir beschäftigen eine umfangreiche Truppe von Public Relations-Spezialisten, um unser Unternehmen zu fördern. Notwendigerweise müssen wir bis hin zu den entferntesten Winkeln der von der Menschheit besiedelten Gebiete für uns Werbung betreiben. Wir geben gerne zu, dass wir auf jedem von Menschen bewohnten Planeten eine Vertretung unterhalten. Doch all das kann durchaus als normale Geschäftspraxis gelten. Und berücksichtigen Sie – indem wir unser Unternehmen so nachdrücklich führen, erweisen wir der Menschheit einen großen Nutzen, und zwar in wenigstens zweierlei Beziehung.«

»Zweierlei«, sagte ich erstaunt – mehr erstaunt über diesen Mann als über seinen Redestrom. »Ich dachte …«

»Die persönliche Seite«, unterbrach er mich, »daran haben Sie gedacht. Und natürlich ist sie die grundlegende Erwägung. Glauben Sie mir, es liegt eine ganze Welt von Trost in dem Bewusstsein, dass geliebte Menschen, sobald sie gestorben sind, in den heiligen Schoß von Mutter Erde heimkehren. Es liegt eine tiefe Befriedigung im Bewusstsein, dass man selber, wenn die Zeit schließlich gekommen ist, ebenfalls zwischen den Hügeln dieses liebreizenden Planeten zur Ruhe gebettet wird, auf dem die Menschheit ihren Anfang genommen hat. Es ist eine Rückkehr in die Heimat, den Ursprung.«

Unruhig wand ich mich in meinem Sessel. Ich schämte mich für ihn. Er bereitete mir Unbehagen, und ich empfand Widerwillen gegen ihn. Er muss, überlegte ich, mich für einen kompletten Dummkopf halten, wenn er glaubt, dass dieses blumige Geschwätz voller süßlicher Wendungen irgend welche meiner eventuellen Zweifel an der Mother Earth Inc. ausräumen und mich zum Friedhofsbüttel machen könnte.

»Darüber hinaus«, sagte er, »erweisen wir einen zweiten, vielleicht noch wertvolleren Dienst. Wir von der Mother Earth, so glaube ich ernsthaft, dienen als eine Art Bindemittel, das den Rassegedanken aufrecht erhält. Ohne das Wirken der Mother Earth wäre der Mensch ein heimatloser Wanderer geworden. Er hätte längst seine rassische Verwurzelung verloren. Nichts hätte ihn an dies relativ winzige Klümpchen Materie gebunden, das einen ziemlich unbedeutenden Stern umkreist. Gleichgültig, wie dünn das Band sein mag, es scheint von wesentlicher Bedeutung zu sein, dass überhaupt eins existiert, das alle Menschen verbindet, ein Umstand, der allen Menschen eine gewisse Gemeinsamkeit vermittelt. Was könnte dazu besser dienen als ein Gefühl persönlicher Verbundenheit mit dem Ursprungsplaneten ihrer Rasse!«

Für einen Moment zögerte er und starrte mich an. Vielleicht erwartete er irgendeine Reaktion auf diese konzentrierte Darstellung der Edelmütigkeit. Falls er das tat, enttäuschte ich ihn.

»Die Erde ist also ein riesiger galaktischer Friedhof«, fuhr er fort, als feststand, dass ich auf seine bisherigen Äußerungen nicht eingehen wollte. »Man muss jedoch bedenken, dass er weit mehr ist als eine normale Begräbnisstätte. Er ist zugleich Ort des Gedenkens und Denkmal und das Band, das die gesamte Menschheit eint, wo auch das einzelne Individuum sich befinden mag. Ohne unsere Arbeit wäre die Erde längst aus dem Gedächtnis der Menschheit verschwunden. Es ist keineswegs unvorstellbar, dass der Planet, worauf die Menschheit ihren Aufstieg begann, unter anderen Umständen zum Gegenstand rein akademischen Interesses und sinnloser Diskussionen herabgesunken wäre, auf dem Expeditionen blindlings nach schemenhaften Beweisen forschten, die die Vermutung zu untermauern hülfen, dass der Ursprung der Menschheit in diesem Sonnensystem zu suchen ist.«

Er beugte sich in seinem Sessel vor und stützte die Ellbogen auf den Tisch. »Langweile ich Sie, Mr. Carson?«

»Beileibe nicht«, erwiderte ich. Und ich sprach die Wahrheit. Er langweilte mich nicht. Er faszinierte mich. Mir schien es unglaublich, dass er bei gesundem Verstand all diesen blühenden Unsinn glauben konnte.

»Mr. Carson«, wiederholte er. »Aber der Vorname? Entschuldigen Sie, aber Ihr Vorname fällt mir im Moment nicht ein.«

»Fletcher«, sagte ich.

»O ja, Fletcher Carson. Und Sie haben diese Geschichten natürlich gehört. Darüber, wie wir die Leute betrügen würden, dass unsere Preise zu hoch seien, und wie …«

»Einige solcher Geschichten«, gestand ich, »habe ich kennengelernt.«

»Und Sie dachten, sie könnten wahr sein.«

»Mr. Bell«, sagte ich, »mir entgeht wirklich der Sinn …«

Er unterbrach mich. »Manche unserer Repräsentanten haben sich gewisse Exzesse geleistet«, bekannte er. »Es kann sein, dass der Enthusiasmus unserer Spezialisten zu etwas übertriebenen Werbemethoden geführt hat, die dem widersprechen, was der gute Geschmack vorschreibt. Doch im großen und ganzen haben wir uns stets...

Erscheint lt. Verlag 31.8.2017
Übersetzer Horst Pukallus
Verlagsort München
Sprache deutsch
Original-Titel Cemetery World
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte Atomkrieg • diezukunft.de • eBooks • Ferne Zukunft • Mutanten • Postapokalypse
ISBN-10 3-641-21319-3 / 3641213193
ISBN-13 978-3-641-21319-0 / 9783641213190
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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