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Osnabrück Hauptbahnhof nach Jerusalem - Hélène Cixous

Osnabrück Hauptbahnhof nach Jerusalem

(Autor)

Peter Engelmann (Herausgeber)

Buch | Softcover
152 Seiten
2018
Passagen (Verlag)
978-3-7092-0285-2 (ISBN)
CHF 28,70 inkl. MwSt
"Zu Zeiten, als meine Mutter Eve am Leben war, habe ich mir stets gewünscht, nach Osnabrück zu fahren, in die Stadt der Familie meiner Mutter, der Jonas". Und jetzt, wo niemand mehr da ist und das Gedächtnis sucht, wo, in wem es Zuflucht finden kann, jetzt, wo es zu spät ist, da ist es an dir hinzufahren, sagt mir das Schicksal, Hüter der genealogischen Mysterien.""Nach Osnabrück fahren ist wie nach Jerusalem fahren, ist verlieren und finden. Es heißt Geheimnisse ausgraben, Tote auferwecken, Stummen das Wort geben. Und es heißt, die absolute Freiheit verlieren, nach Belieben Jude oder Jüdin zu sein oder nicht zu sein, eine Freiheit, die ich bedingt genieße.Ich frage Omi, warum sie nicht 1930 mit ihren Töchtern abgehauen ist. Und 1933? Und 1935? Natürlich antwortet sie nicht. Als Omi ihren Bruder Andreas fragt: ,Worauf wartest du in Osnabrück? Was machst du 1941 und bis zum Zug von 1942?' regt sich zwischen den Pflastersteinen eine Stimme, es ist Andreas, der raunt, ich warte auf den Tod am Bahnhof von Osnabrück. Rührt nicht an meine Asche.Auf den Straßen hauchen, aus Schweigen geschnitzt, die scheuen Gespensterstimmen: steige hinab zu den Aschen hinter dem Vorhang.Ich bin hinter den Vorhang gegangen und habe beim Geheimnis meine Erbschaft an Tragödien eingefordert."

Hélène Cixous, geboren 1937 in Algerien, lebt als Schriftstellerin und Professorin in Paris.

"Zu Zeiten, als meine Mutter Eve am Leben war, habe ich mir stets gewünscht, nach Osnabrück zu fahren, in die Stadt der Familie meiner Mutter, der Jonas'. Und jetzt, wo niemand mehr da ist und das Gedächtnis sucht, wo, in wem es Zuflucht finden kann, jetzt, wo es zu spät ist, da ist es an dir hinzufahren, sagt mir das Schicksal, Hüter der genealogischen Mysterien."

"Nach Osnabrück fahren ist wie nach Jerusalem fahren, ist verlieren und finden. Es heißt Geheimnisse ausgraben, Tote auferwecken, Stummen das Wort geben. Und es heißt, die absolute Freiheit verlieren, nach Belieben Jude oder Jüdin zu sein oder nicht zu sein, eine Freiheit, die ich bedingt genieße.
Ich frage Omi, warum sie nicht 1930 mit ihren Töchtern abgehauen ist. Und 1933? Und 1935? Natürlich antwortet sie nicht. Als Omi ihren Bruder Andreas fragt: ,Worauf wartest du in Osnabrück? Was machst du 1941 und bis zum Zug von 1942?' regt sich zwischen den Pflastersteinen eine Stimme, es ist Andreas, der raunt, ich warte auf den Tod am Bahnhof von Osnabrück. Rührt nicht an meine Asche.
Auf den Straßen hauchen, aus Schweigen geschnitzt, die scheuen Gespensterstimmen: steige hinab zu den Aschen hinter dem Vorhang.
Ich bin hinter den Vorhang gegangen und habe beim Geheimnis meine Erbschaft an Tragödien eingefordert."

Erscheinungsdatum
Reihe/Serie Passagen forum
Übersetzer Esther von der Osten
Sprache deutsch
Maße 140 x 235 mm
Gewicht 265 g
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Geisteswissenschaften Philosophie Philosophie der Neuzeit
Schlagworte Exil • Judentum • Judentum; Berichte/Erinnerungen • Osnabrück
ISBN-10 3-7092-0285-X / 370920285X
ISBN-13 978-3-7092-0285-2 / 9783709202852
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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