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Dr. Karsten Fabian - Folge 186 (eBook)

Da sprach sie den Landarzt schuldig

(Autor)

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2017 | 1. Aufl. 2017
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-4682-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Dr. Karsten Fabian - Folge 186 - Ulrike Larsen
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Dr. Fabian kann es kaum glauben - er ist wegen schwerer Körperverletzung angezeigt worden!

Dabei ist er sich sicher, dass er dem kleinen Patrick, bei dem er einen Luftröhrenschnitt wegen akuter Erstickungsgefahr machen musste, einen Tubus gelegt hat. Und anschließend hat er Patricks Mutter aufgefordert, umgehend den Rettungswagen zu rufen. Wenn Dr. Fabian nicht zu Wilhelm Preiß, der zur gleichen Zeit einen Herzinfarkt erlitten hat, gerufen worden wäre, hätte er sich natürlich persönlich darum gekümmert. Aber dort ging es auch um Leben und Tod.

Was der Landarzt nicht versteht, ist, dass der diensthabende Arzt im Krankenhaus bestätigt hat, der Junge sei ohne Tubus eingeliefert worden. Und warum wurde Patrick vom Großvater gebracht?

Es gibt Tage, an denen es besser wäre, im Bett zu bleiben. Und genau so einen Tag hatte Luise Bruhns heute erwischt. Schon beim Verlassen des Bettes rutschte sie auf dem Bettvorleger aus. In der Küche gingen zwei Tassen zu Bruch, und als sie jetzt den Braten aus der Röhre nahm, stieß sie einen Schrei aus.

Lammbraten mit Honigkruste stand heute auf dem Speiseplan. Von goldbrauner Färbung konnte nicht die Rede sein. Luise schossen Tränen in die Augen, als sie die Bratenkruste betrachtete, die zum tiefen Braun tendierte.

»Was ist denn, Luischen?«, fragte ihr Mann, der von ihrem Schrei alarmiert worden war.

»Die Küche bleibt heute kalt«, erklärte sie verdrossen.

»Nun mach nicht so einen Wind«, beschwichtigte Johannes, griff zu einer Gabel und einem großen Messer und machte sich ans Werk.

Skeptisch beobachtete Luise Bruhns, wie ihr Mann die oberen Zentimeter des Bratens abtrug.

»Ich packe heute gar nichts mehr an«, schimpfte sie. »Heute ist ein verflixter Tag. Ich werde mir den Liegestuhl in den Garten stellen und bin für niemanden zu sprechen.«

»Ooch, das kannst du mir doch nicht antun, Luise. Schau mal, unter der Kruste sieht das Fleisch doch recht gut aus.« Ein bisschen rau drückte Johannes sie an sich und gab ihr einen Kuss auf die Wange. »Nun komm schon, Luise, ohne dich schmeckt’s doch nicht.«

Mehr als dreißig Ehejahre hatten die beiden schon hinter sich, und Luise hatte sich längst daran gewöhnt, keinen romantischen Mann geheiratet zu haben. Johannes war wie das Land, in dem er geboren und aufgewachsen war: hart und rau, doch ausgesprochen herzlich und mit urwüchsigem Charme gesegnet.

»Also schön, aber ich will mit dem Abendessen heute nichts mehr zu tun haben«, erklärte sie kategorisch. »Ich fasse heute nichts mehr an.«

»Auch gut, von mir aus können wir auch in den ›Blechernen Krug‹ gehen und uns von der frommen Helene verwöhnen lassen«, gab er nach.

Aus Erfahrung wusste Johannes, dass es besser war, jetzt kleine Brötchen zu backen, wenn er seine Frau nicht vollends aus der Fassung bringen wollte.

Luise nickte zufrieden, wandte sich vom Herd ab und deckte dann aber den Tisch. Sie zuckte erschrocken zusammen, als es an der Haustür läutete, und im letzten Augenblick rettete sie den Teller, der ihr aus der Hand gleiten wollte.

Johannes ging zum offenen Küchenfenster.

»Die Tür ist offen!«, rief er.

Selten verirrte sich ein Fremder zum Hof des Heidschnuckenzüchters. Die Menschen, die bei Johannes und Luise vorbeisahen, waren Freunde oder gute alte Bekannte.

»Das ist ja wie früher«, sagte eine Frauenstimme, und kurz darauf tauchte ein dunkler Lockenkopf am Fenster auf.

Das Ehepaar wechselte erstaunte Blicke, denn dieses Gesicht hatten sie noch nie gesehen.

»Zwanzig Jahre sind eine lange Zeit«, fuhr die Fremde fort. »Ich war damals gerade mal elf Jahre alt.« Sie lachte. »Tante Luise, ich bin’s – Sophie. Erinnerst du dich denn nicht mehr an mich?«

»Sophie?«, fragten Johannes und Luise fast wie aus einem Mund. »Die Sophie von meiner Schwester Gudula?«, hakte Luise nach.

»Ja, genau die. Darf ich hereinkommen?«

»Natürlich, Kindchen!« Luise lief zur Tür.

Vergessen war, dass sie bis jetzt nur vom Pech verfolgt worden war.

Mit ihrer Schwester Gudula und deren Tochter Sophie verbanden sich tausend Erinnerungen, und nicht einen Augenblick mehr dachte Luise daran, dass an einem Tag wie diesem nichts Gutes zu erwarten war.

Lachend breitete sie die Arme aus, um ihre Nichte ans Herz zu drücken, als sie den auffallend blassen blonden Jungen entdeckte, der sich hinter Sophie versteckte.

Luise beugte sich nach vorn.

»Und wer bist du?«, fragte sie lächelnd. »Ich bin Tante Luise.«

Sophie schob den Jungen auf die ältere Frau zu.

»Das ist Patrick, Tante Luise, mein Sohn.« Sie schubste den Jungen ein Stückchen nach vorn. »Nun gib Tante Luise schon die Hand, Patrick, und sag ihr Guten Tag.«

»Ich bin müde, Mama«, maulte er, gab Luise flüchtig die Hand und setzte sich auf den Mauervorsprung neben der Treppe.

»Schau mal, da drüben steht ein Liegestuhl«, sagte Luise und zeigte zum Apfelbaum. »Leg dich ein bisschen hin. Wir rufen dich, wenn das Essen auf dem Tisch steht.«

»Ich mag nichts essen«, antwortete der Kleine und trottete zum Apfelbaum.

»Ist der immer so?«, fragte Luise ein wenig pikiert.

»Nein, nein«, wiegelte Sophie Winrich sofort ab. »Er ist krank, und die lange Reise hat ihn ein bisschen mitgenommen.«

»Komm ins Haus, Sophie, sei uns herzlich willkommen.«

Gastfreundschaft wurde bei den Bruhns großgeschrieben, und auch Johannes begrüßte Sophie in seiner etwas rauen Art. Doch er gab Sophie deutlich zu verstehen, dass auch er sich über ihren Besuch freute.

»Du solltest den Lütten rufen«, sagte Bruhns, als er Sophie zum Tisch führte. »Ein saftiger Lammbraten bringt jeden Cowboy wieder auf die Beine.«

»Das ist lieb gemeint, Onkel Johannes, aber Patrick isst wie ein Spatz«, antwortete Sophie und setzte sich. »Wenn er ein oder zwei Stündchen geruht hat, schmeckt es ihm auch wieder.«

Dem Essen, das Luise auftrug, schenkte Sophie nur wenig Beachtung. Sie sah sich um. Kindheitserinnerungen drängten sich mit aller Macht in ihr Bewusstsein, und auf ihrem Gesicht lag ein fast andächtiger Ausdruck.

»Bei euch hat sich kaum etwas verändert«, bemerkte Sophie, »und das ist einfach wunderbar.«

»Na, na, ein bisschen moderner sind wir schon geworden«, widersprach Johannes, der ihr ein großes Stück Braten auf den Teller legte. »Die Heizung ist auf dem neuesten Stand, Bad und Dusche sind erst vor ein paar Jahren neu gemacht worden. Ja, selbst neben dem Gästezimmer haben wir jetzt ein Bad. Du siehst, wir werden auf unsere alten Tage noch richtig fein.«

Sophie musterte den Heidschnuckenzüchter unsicher. Sie wusste nicht, ob er es ernst meinte, oder ob er sich über sie, die aus einer Großstadt in Süddeutschland kam, lustig machte.

»Nimm ihn nicht so ernst«, bat Luise beschwichtigend und legte eine Hand auf Sophies Arm. »Hast du denn schon vergessen, dass er ein Schelm ist? Komm, greif zu, und lass es dir schmecken. Du bist so schmal und blass, ein richtiges Großstadtkind. Erzähle uns ein bisschen von dir, von deinem Vater, zum Beispiel, oder von deinem Mann. Er kommt doch sicher nach, oder?«

»Das glaube ich nicht«, antwortete Sophie ausweichend, schob einen Happen Gemüse in den Mund, sah nachdenklich aus dem Fenster und schwieg.

»Geschieden?«, warf Johannes trocken ein.

»Ja, leider.« Sophie seufzte. »Jonas ist ein notorischer Fremdgänger, und das hält keine Ehe auf Dauer aus. Deswegen habe ich auch meinen Mädchennamen wieder angenommen. Ich will nicht mehr an diesen Mann erinnert werden.«

Johannes hatte schnell gegessen, denn er hatte noch einiges auf der Südweide zu tun, auf der ein großer Teil seiner Heidschnucken stand. Zudem war er sicher, dass seine Frau sich mehr für die Eheprobleme ihrer Nichte interessierte als er.

Kaum war Luise mit Sophie allein, schaltete sie die Kaffeemaschine ein.

»Das Geschirr lassen wir erst mal stehen«, sagte sie über die Schulter. »Wir nehmen den Kaffee mit auf die Terrasse hinterm Haus. Da sitzt es sich wunderbar schattig, und wir können in Ruhe ein bisschen plauschen. Du, frag den Lütten doch mal, ob er ein Stück gedeckten Apfel will.«

»Ich bringe Patrick ein Stück zur Liege, wenn es dir recht ist.« Sophie fing Luises fragenden Blick auf und lächelte verlegen. »Ich spreche in seinem Beisein nicht gern über die Scheidung. Er hängt noch sehr an seinem Vater.«

»Das kann ich gut verstehen.« Luise holte den Kuchen aus dem Kühlschrank, legte ein Stück auf einen Teller und reichte ihn ihrer Nichte.

Als Sophie kurz darauf zurückkam, hatte Luise schon den Tisch auf der Terrasse gedeckt. Melancholie erfasste die Besucherin, als sie das kleine Tagetessträußchen in der Mitte des Tisches betrachtete.

»Es ist alles so wie früher«, sagte Sophie und setzte sich. »Ach ja, ich habe oft an euch gedacht, aber erst war es Papa, der euch nicht besuchen wollte, und später war es mein Mann.«

»Mir hat es oft leidgetan, dass Helmut und Johannes sich nicht verstanden haben. Wie geht’s Helmut denn so? Bastelt er immer noch so gern?«

»Er ist schon eine Weile tot«, antwortete Sophie leise.

»Und … und davon erfahre ich nichts?« Luise klang leicht verärgert.

»Tut mir leid, Luise, aber ich musste es Papa auf dem Totenbett versprechen, euch nicht über sein Ableben zu informieren.« Sie sagte es mit tiefem Bedauern. »Sein Hass auf Onkel Johannes war bis zur letzten Minute groß.«

»Dieser Dummkopf«, schimpfte Luise. »Dass Johannes etwas gegen ihn hat, war reine Einbildung. Und Johannes wollte auch Gundula nicht gegen ihren Mann aufwiegeln.« Luise verdrehte die Augen. »Da bewahrheitet es sich wieder einmal, dass Alter nicht unbedingt etwas mit Weisheit zu tun hat.« Sie winkte ab. »Lassen wir das, Kindchen, man soll nicht schlecht über Tote sprechen. Erzähl mir lieber was von deiner Ehe.«

»Ach, du meine Güte, da weiß ich gar nicht, womit ich anfangen soll!«, rief Sophie.

»Am besten ganz von vorn«, meinte die Gastgeberin schmunzelnd. »Weißt du, ich liebe Geschichten, die das Leben diktiert, denn so...

Erscheint lt. Verlag 23.5.2017
Reihe/Serie Dr. Karsten Fabian
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte alphateam • Anna Basener • Baccara • Bahnhofsroman • Bianca • Chicago Hope • Cora • Der Bergdoktor • Der Bergpfarrer • Der Landarzt • Die Schwarzwaldklinik • Doctor's Diary • Dr. Bruckner • Dr. Daniel • Dr. Laurin • Dr. Norden • Dr. Stefan Frank • Emergency Room • Für alle Fälle Stefanie • Gefühle • General Hospital • grey • Grey's Anatomy • Groschenheft • Hallo • Hallo, Onkel Doc • Happy End • Hedwig Courths-Mahler • Heft • Heftchen • Heftchen-Roman • Heftroman • Heft-Roman • Heftroman-Liebe • Heftroman-Romance • Heftroman-Romantik • Herzflimmern • Historical • In aller Freundschaft • Julia • Kelter • Klassiker • Klinikum Berlin Mitte • Klinik unter Palmen • Leidenschaft • Liebe • Liebesroman • Liebesromane • Mira • nikola • Onkel Doc • Private Practice • Pulp • Pulp Ficition • Romance • Romanheft • Roman-Heft • Romanheft-Liebe • Romanheft-Romance • Romanheft-Romantik • romantisch • serial content • Serial Novel • Serial Novels • Serie • Serien • Seriennovellen • Stadtklinik • Tiffany • Tränen
ISBN-10 3-7325-4682-9 / 3732546829
ISBN-13 978-3-7325-4682-4 / 9783732546824
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