Die Legende von Richard und Kahlan 04 (eBook)
Blanvalet Taschenbuch Verlag
978-3-641-21845-4 (ISBN)
Die Grenze zwischen dem Totenreich und der Welt des Lebens ist gefallen. Eine Armee Halbtoter rückt gegen den Palast des Volkes vor und droht, das D´Haranische Reich für immer auszulöschen. Nur wenn es Kahlan Amnell gelingt, Richard aus dem Totenreich zurückzuholen, hat dieser noch eine Chance, seine Welt vor dem Untergang zu bewahren - in einem Krieg, der bereits vor Jahrtausenden begonnen wurde. Die entscheidende Mission im Kampf gegen die okkulte Magie steht bevor ...
Terry Goodkind (*1948; ?2020) wurde in Omaha, USA, geboren und war nach seinem Studium zunächst als Rechtsanwalt tätig. 1994 erschien sein Roman 'Das erste Gesetz der Magie', der weltweit zu einem sensationellen Erfolg wurde und den Auftakt zu einer der erfolgreichsten Fantasy-Sagas aller Zeiten bildet. Er lebte bis zu seinem Tod in Maine, USA.
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Jäger blieb auch weiterhin ein Stück voraus, während die Frauen ihm vorbei an träge dahinplätschernden Bächen und durch ein Labyrinth aus kleinen, inmitten herabgefallener Äste und Laubstreu liegender Becken stehenden Wassers folgten. Trotz der undurchdringlichen Schatten unter den eng stehenden, hoch aufragenden Föhren blieb der Waldboden entlang ihrer Route so weit überschaubar, dass sich parallel zum Bach so etwas wie ein angedeuteter Pfad ergab. An Stellen, wo das Wasser spritzend in die Tiefe stürzte, lieferte die Gischt dichten Teppichen aus grünen, die Felsen überziehenden Moosen Nahrung. An manchen Stellen hatten umgestürzte, verrottende Baumstämme hohe Stufen geschaffen, derer sie sich bedienten, um höher gelegenes Gelände zu erklimmen, als die Ausläufer der Berge anzusteigen begannen, um sich mit dem noch immer fernen Gebirge zu vereinen.
Rechts und links von ihnen stieg das Gelände sogar noch steiler an. Mancherorts reckten sich Felswände empor und umschlossen sie. Die Wälder zu beiden Seiten waren von einer verschlungenen Pflanzenwelt aus Gestrüpp und dornigen Ranken durchzogen. Jäger wählte stattdessen eine mäandernde Strecke entlang des Bachbetts. Dichter Baumbestand sowie steile Fels- oder Geröllhänge zwangen sie immer wieder zum Überqueren des Bachlaufs, um einen kräftezehrenden Aufstieg zu umgehen. Ab und zu mussten sie unter großen Mühen durch Feuchtgebiete stapfen, geschaffen von natürlichen Terrassen; dies war zumindest einfacher, als sich durch das Gewirr aus dichtem Gestrüpp voranzukämpfen.
Das Gelände, dem sie bergan durch diese Gebiete voller Schmelzwasser folgten, war, wenn auch nicht ideal, doch wenigstens so übersichtlich, dass sich das Vorankommen vergleichsweise einfach gestaltete. In den Weiten der Wildnis der Dunklen Lande gab es kaum richtige, von Menschen genutzte Trampelpfade, und Wege noch viel seltener. Kahlan hatte in der Vergangenheit schon weitaus schwierigeres Gelände durchwandern müssen und wusste zu schätzen, dass Jäger sie die einfachste verfügbare Strecke entlangführte.
Wann immer er das strömende Gewässer überquerte, sprang er mit der mühelosen Eleganz einer Katze von Fels zu Fels. Immer wieder kam es vor, dass er mit Leichtigkeit durch eine winzige Lücke im dornigen Gestrüpp hätte springen können, sich stattdessen aber an Geländeabschnitte hielt, wo auch die anderen sich müheloser fortbewegen konnten. Trotzdem fiel es den fünf Frauen an manchen Stellen nicht eben leicht, auf den glitschigen Felsen die nötige Standfestigkeit zum Überqueren des reißenden Bachs zu finden. Mitunter mussten sie sich alle bei den Händen fassen, um beim Überqueren des wirbelnden Wassers nicht das Gleichgewicht zu verlieren.
Ab und an vernahmen sie Rufe aus dem dichten, seitlich wuchernden Gestrüpp und von oben aus den Bergen. Manche dieser heiseren Laute erkannte Kahlan als das Krächzen von Raben.
Jäger hielt es nur selten für nötig, sich danach umzuschauen, und wenn, dann offenbar eher aus Neugier denn aus Angst. Meist setzte er sich einfach hin und putzte mit rauer Zunge sein Fell, während er geduldig darauf wartete, dass sie aufschlossen. Der Wald, vermutete Kahlan, war sein natürlicher Lebensraum, weshalb er vertraut war mit den Lauten und Geräuschen dort.
Notfalls konnte sich das kräftige Tier einer Gefahr vermutlich durch einen beherzten Sprung ins Unterholz entziehen. Andererseits war er selbst ein Raubtier mit bedrohlichen Klauen und Zähnen sowie der dafür erforderlichen Kraft. Kahlan hatte ihn nie kämpfen oder jagen sehen, dank seines ruhigen Selbstbewusstseins wusste sie jedoch, dass er, wie seine Mutter, ein Respekt einflößender Kämpfer sein musste und zudem ein leidenschaftlicher Beschützer.
Als die zunehmende Dunkelheit die Orientierung immer mehr erschwerte und das Vorankommen in der Felsenlandschaft immer schwieriger wurde, entzündete Nicci mithilfe ihrer Gabe eine kleine Flamme, die sie von ihrer geöffneten Hand aufsteigen und Jäger hinterherschweben ließ. Obwohl nicht eben hell, leuchtete sie ihnen aber gut genug den Weg, um zu wissen, wohin sie ihre Füße setzen mussten. Jäger sah kurz auf und verfolgte die schwebende Flamme mit dem Blick, nur um – nachdem er festgestellt hatte, dass sie keine Gefahr bedeutete – seinen Weg fortzusetzen.
Als sie höher emporstiegen, wich das Geröllfeld aus Gesteinstrümmern weiter unten allmählich mächtigeren, zu Tage tretenden Felsenzungen. Die urplötzlich inmitten von Gräsern, Moosen und Gestrüpp vorspringenden Felsen wirkten mitunter, als würden sie von einem Netz aus knorrigen Wurzeln gehalten. Ab und zu hielt Jäger inne, setzte sich auf einem Felsen oder einer mächtigen Wurzel auf die Hinterläufe und beobachtete die Frauen, die Mühe hatten, mit ihm Schritt zu halten. Alle waren von dem anstrengenden Aufstieg außer Atem. Hatten sie dann endlich aufgeschlossen, sprang er sofort wieder davon, wie um sie zur Eile anzutreiben und keine Zeit zu verlieren. So sehr sie auch außer Puste waren, äußerte doch keine der fünf Frauen ein Wort der Klage, noch baten sie um einen Halt, um auszuruhen.
Je höher das Gelände sie führte, desto dichter wucherte der dunkle Wald von den Seiten heran, bis sie sich manchmal fast einen Weg durch einen Tunnel aus Pflanzenwuchs bahnen mussten, immer weiter bergan dem Bachlauf folgend, während dieser sich über Felsen ergoss und gurgelnd über steile, mit Streifen aus grünem und braunem Schleim überzogene Felsplatten in die Tiefe stürzte.
Als Jäger ihnen ein gutes Stück voraus und nur noch dann und wann zu sehen war, kam plötzlich ein Mann zwischen den Bäumen zu ihrer Linken hervorgestolpert und riss sie aus ihren eigenen Gedanken.
Er trug eine abgerissene Hose und kein Hemd. Seine knochigen Rippen waren bedeckt von Blut, das auch seine Hose durchtränkte.
Im ersten Moment war er von ihrem Anblick ebenso überrascht wie sie von seinem, als er zwischen den Bäumen hervortorkelte. Obwohl augenscheinlich schwer verletzt und orientierungslos, füllten sich seine Augen rasch mit Hass und Blutgier, als er sie erblickte. Sein Verhalten, wie auch die Ketten aus Knochen und Zähnen, die sein Haarbüschel auf seiner ansonsten kahl rasierten Schädeldecke aufrecht hielten, ließen keinen Zweifel, dass er ein Halbmensch war.
Er stürzte sich sofort auf Kahlan.
Noch während das Schwert aus der Scheide glitt und den Wald mit seinem unverwechselbaren stählernen Klirren erfüllte, packte Laurin den Kerl von hinten an seinem aufrecht stehenden Haarbüschel, riss seinen Kopf zurück und zerfetzte ihm mit einem raschen, wirkungsvollen Schnitt die Kehle.
Der Mann sackte zu Kahlans Füßen schwer auf die Knie, ihr Schwert dicht über sich, beide Hände auf die sprudelnde Wunde an seinem Hals gepresst. Die uralte Waffe hatte sie mit einem Hauch von Zorn erfüllt, einem Zorn, der promptes, brutales Handeln verlangte, auch wenn offenkundig war, dass der Gewalt bereits Genüge getan war und er keine Gefahr mehr darstellte. Sie trat einen Schritt zur Seite, als er nach vorne kippte, die Beine auf dem Ufer, während seine obere Körperhälfte in dem flachen Bachbett lag. Das hervorschießende Blut breitete sich bachabwärts wie ein Fächer aus.
Laurin machte ein ziemlich betretenes Gesicht. »Verzeiht, Mutter Konfessor. Ich wäre ja schneller gewesen …« – sie ließ ihren Strafer in die Hand schnellen, der an einer dünnen Goldkette um ihr rechtes Handgelenk hing –, »aber ohne die Bande zu Lord Rahl funktioniert er nicht. Deshalb musste ich ein Messer benutzen. Und das ist langsamer.«
»Es war schnell genug, und nur das zählt«, erwiderte Kahlan, während sie, das Schwert fest im Griff, den dunklen Wald mit den Augen absuchte und nach weiteren Männern Ausschau hielt, die sie jeden Moment aus dem Wald hervorzubrechen erwartete.
»Außerdem«, fügte sie klopfenden Herzens hinzu, »wissen wir nicht, was für okkulte Kräfte er womöglich besaß. Da ist ein Messer das Einzige, von dem wir sicher wissen, dass es funktioniert.«
Die drei Mord-Sith kamen herbei, stellten sich mit dem Rücken zu Kahlan schützend um sie, alle mit ihren Messern in den Händen.
»Spürt Ihr noch mehr von ihnen?«, erkundigte sich Kahlan leise bei Nicci.
Die Hexenmeisterin sah sich in den Schatten um. »Nein. Aber das heißt nicht, dass da keine sind. Ich vermute, dass sie manchmal okkulte Kräfte benutzen, um sich abzuschirmen.«
Kahlan wusste, normalerweise kamen Halbmenschen in einer überfallartigen Attacke johlend durch den Wald gestürmt. Im Augenblick war aus dem Dunkel hinter ihnen keinerlei Geheul zu hören.
Abermals ließ sich Jäger nicht weit oberhalb von ihnen auf einem Felsen nieder. Er beäugte den zur Hälfte im Bach liegenden Mann und gähnte dann.
»Sonderlich beunruhigt wirkt er nicht«, stellte Kahlan fest.
»Vielleicht war es ein Versprengter«, meinte Cassia. »Nach dem Fall der Barriere ziehen bestimmt etliche von ihnen durch die Wälder der Dunklen Lande.«
»Könnte sein«, sagte Kahlan, »allerdings befinden wir uns mitten im Nirgendwo, fernab von allem. Gut möglich, dass er von jeder Menge anderer begleitet wird.«
Cassia machte den anderen ein stummes Zeichen, woraufhin alle drei rasch in der Dunkelheit verschwanden, um sich umzusehen. Nicci stand auf einem kleinen Felsen, drehte sich langsam im Kreis und versuchte mithilfe ihrer Gabe festzustellen, ob noch mehr von ihnen in der Nähe waren.
Kurz darauf kamen die drei Mord-Sith wieder zum Vorschein.
»Nichts«, verkündete Vale.
Die beiden anderen schüttelten...
| Erscheint lt. Verlag | 18.12.2017 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Die Legende von Richard und Kahlan | Die Legende von Richard und Kahlan |
| Übersetzer | Caspar Holz |
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | Warheart |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Schlagworte | Das Schwert der Wahrheit • eBooks • Epos • Fantasy • Heroische Fantasy • High Fantasy • Richard und Kahlan • Serien |
| ISBN-10 | 3-641-21845-4 / 3641218454 |
| ISBN-13 | 978-3-641-21845-4 / 9783641218454 |
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