Im Karibischen Meer muss ein U-Boot von einer Sekunde auf die andere seine Mission abbrechen. Dann verschwindet es spurlos. Die näheren Umstände sind ungeklärt. In seiner Verzweiflung wendet sich Sonderermittler John Clay an die Meeresbiologin Alison Shaw, der das scheinbar Unmögliche gelungen ist: Sie hat einen Weg gefunden, mit Delfinen zu kommunizieren. Clay schickt Alisons Schützlinge los, in der Hoffnung, die hochintelligenten Tiere könnten eine Spur des verschollenen U-Boots finden. Doch was sie auf dem Grund des Ozeans entdecken, wird die Menschheit in ihren Grundfesten für immer erschüttern...
Michael C. Grumley arbeitet in der Informationstechnologie in Nordkalifornien, wo er auch mit seiner Familie lebt. Er ist ein begeisterter Leser und träumt seit Jahren davon einen Science-Thriller zu schreiben, der eine einzigartige Geschichte erzählt. Breakthrough ist der Auftakt zur Science-Fiction-Serie von Michael C. Grumley.
4
Die silberfarbenen Türen öffneten sich, und John Clay trat aus dem übergroßen Aufzug. Er bog scharf nach rechts und stapfte dann den langen weißen Korridor des D-Rings im Pentagon entlang. Von der anderen Seite des Flurs erspähte Admiral Langford Clay und hielt mitten in seiner Unterhaltung mit einem anderen Offizier inne, ging auf ihn zu und drückte ihm eine dicke Akte in die Hand.
»Tut mir leid, Clay.« Der Admiral war einen halben Kopf kürzer, hielt sich aber derart aufrecht und bewegte sich so zackig, dass Clay sich des Gefühls nicht erwehren konnte, immer aufschauen zu müssen. Sie waren sich vor einigen Jahren das erste Mal über den Weg gelaufen, als Admiral Langford die Abteilung übernommen hatte. Seit dem Tag war er sein Vorgesetzter.
Clay eilte Langford hinterher, holte auf, öffnete die Akte und überflog die erste Seite. »Ein Computerfehler, Sir?«
»Anscheinend ist etwas mehr an der Geschichte«, erwiderte Langford ruhig. »Der Vorfall wurde zuerst als Bug abgeheftet, aber wir können ihn nicht reproduzieren.« Er nickte einer Frau zu, die an ihnen vorbeiging. »Das Navigationssystem funktionierte einwandfrei von dem Tag an, an dem sie ausliefen, aber plötzlich, von einer Sekunde auf die andere, sind sie fünfzehn Seemeilen vom Kurs abgekommen.«
Clay versuchte mit ihm mitzuhalten, während er weiter durch die Akte blätterte, die aus nichts weiter als beliebigem Computercode zu bestehen schien. »Eine Abweichung in eine andere Richtung?«
»Nein, die Richtung hat sich nicht verändert. Der gleiche Kurs, nur fünfzehn Seemeilen weiter.« Langford konnte zusehen, wie das Problem sich in Clays Kopf einnistete. Clay war einer der besten Analytiker, die ihm je untergekommen waren. Er besaß ein Gedächtnis wie ein Elefant. Langford hatte nie auch nur ein Wort wiederholen müssen.
»Hört sich an, als ob wir ein Abdriften oder Querströmungen ausschließen könnten. Im Falle eines der älteren U-Boote könnte man es auf die Motoren schieben, aber die neue Baureihe benutzt unter anderem auch GPS-Daten, um die Geschwindigkeit zu bestimmen. Gab es Probleme mit den Satelliten?«
Sie bogen ab und gingen einen weiteren Korridor entlang, der mit den Bildern ehemaliger Offiziere geschmückt war. »Habe ich zuerst auch gedacht, aber das war bisher der einzige derartige Vorfall.«
Clay redete weiter, ohne sich dessen bewusst zu sein. »Sämtliche Daten sind semi-synchron. Ein GPS-Empfänger meldet sich niemals sechsmal beim gleichen Signal an, was heißt, dass sie mittlerweile …«
»… Teil der anderen Datensets sind.« Langford holte eine Sicherheitskarte hervor und zog sie durch den Schlitz eines Lesegeräts neben einer Metalltür, auf der in großen Buchstaben DNI geschrieben stand. »Wir haben sämtliche von der Alabama benutzten Datensets identifiziert und den Output der ganzen Woche einzeln überprüft. Nichts.« Langford öffnete die große Tür. »Wie war der Urlaub?«
»Kurz, Sir.«
»Ich werde sehen, was ich für Sie tun kann.«
Das DNI, das Department of Naval Investigations, war groß und nahm einen beträchtlichen Teil des ersten Stockwerks der Ringe A bis E im Westflügel des Gebäudes ein. Es bestand aus mehreren Hundert Mitarbeitern, von denen die meisten auf rechtliche oder Personalangelegenheiten spezialisiert waren. Die Abteilung wuchs ständig – ein Resultat der Politik der letzten Jahre, in denen das Militär seine Schwierigkeiten gehabt hatte, sich den neuen Herausforderungen und Erwartungen des einundzwanzigsten Jahrhunderts zu stellen. Neben den Juristen und den Personalern war die Technikabteilung relativ übersichtlich. Und Clays Team war noch einmal ein gehöriges Stück kleiner. Elektronik und Signaltechnik war ein Spezialgebiet, von dem nur sehr wenige Menschen genügend Ahnung hatten, geschweige denn Interesse daran zeigten. Selbst die hohen Tiere, die oft zu den größten Verfechtern neuer Technologien gehörten, bewiesen keinerlei Neugier, wenn es darum ging, wie sie funktionierten. Ihnen reichte es vollkommen, wenn die Leute ihren Job machten. Clays E&S-Team war öfter damit beschäftigt herauszufinden, warum etwas nicht funktionierte, wo der Fehler lag und wie und warum er zustande gekommen war. Seine Arbeit bedurfte eingehender Kenntnisse einer großen Anzahl diverser Technologien – darunter auch Computerchip-Design, Netzwerkanalyse und Signaltechnik, sowie eines umfassenden Verständnisses des elektromagnetischen Spektrums.
Clay bog um die Ecke und ging an einer Reihe Büros vorbei. Seine Assistentin Jennifer hatte ihn offensichtlich schon erwartet, als er die Tür öffnete und eintrat.
»Hi, John«, begrüßte sie ihn und legte das Telefon auf. »Wie waren die Kaimaninseln?«
»Sie hätten es gehasst.« Er lächelte sie an und ging an ihr vorbei in sein Büro. »Kein Reality-TV.«
Sie grinste und folgte ihm mit einer Akte unter dem Arm. »Dann muss ich sie wohl von meiner Liste möglicher Urlaubsziele streichen.« Ehe Jennifer die Akte auf seinen Schreibtisch legte, schob sie einen Haufen Zettel mit Nachrichten beiseite, die Clay bestürzt anstarrte.
»So viele? Ich war doch nur drei Tage weg.«
»Sie scheinen beliebt zu sein.« Sie blätterte für ihn durch die Akte und zog eine Reihe von Papieren heraus. »Und diese hier müssen Sie unterzeichnen.«
»Was würde ich bloß ohne Sie tun?«
»Ach, jetzt lass gut sein, sonst bildet sie sich noch etwas darauf ein.« Beide drehten sich zu dem Neuankömmling um. Steve Caesare stand lächelnd im Türrahmen. Er war einen Meter achtzig groß und wirkte mit seinen dunklen Haaren und dem ebenfalls dunklen Schnurrbart einhundert Prozent italienisch, verfügte allerdings laut eigenen Angaben über keine Verbindungen zur Mafia. Caesare und Clay waren von Anfang an Freunde gewesen, trafen sich damals während der ersten Tage ihres mittlerweile zweiundzwanzig Jahre währenden Dienstes und verbrachten die meiste Zeit davon in denselben Abteilungen.
Jennifer lächelte und verließ Clays Büro. Als sie an Caesare vorbeiging, gab sie ihm einen Klaps auf den Arm.
Steve trat ein und nahm auf dem Stuhl gegenüber von John Platz. »Unsere Urlaube werden immer kürzer. Es dauert nicht mehr lange, bis sie kürzer als die übliche Mittagspause sind.«
Clay warf Langfords Akte auf den Schreibtisch und ließ sich in seinen Stuhl fallen, ehe er sich Caesare zuwandte. »Du hast Glück gehabt, dass du nicht mitgekommen bist. Je kürzer der Urlaub, desto schlimmer ist es, wieder nach Hause zu fahren.« Er holte tief Luft. »Erinnere mich bitte daran, warum wir das alles auf uns nehmen. Liebe zu unserem Land oder so etwas?«
»Die vielen Frauen.«
»Hat Langford dich schon auf die Alabama angesprochen?«
»Ja. Ich habe ihm die Akte da heute Morgen gegeben.« Caesare streckte die Beine aus und lehnte sich zurück. »Das ist schon merkwürdig. So etwas ist mir noch nie untergekommen. Es ist wahrscheinlich nichts Weltbewegendes, aber sie wollen so rasch wie möglich wieder auslaufen, damit die Mannschaft es sich nicht zu bequem macht. Wir haben mit den Ingenieuren und Technikern zusammengearbeitet und alles gründlich durchkämmt.«
»Und? Seid ihr fündig geworden?«
»Noch nicht. Als Nächstes werden wir sämtliche Kommunikation durchgehen.«
Clay seufzte und lehnte sich vor, um die Alabama-Akte zu öffnen. »Gab es andere Schiffe in der Umgebung, die die gleichen Satelliten anzapften?«
Caesare schüttelte den Kopf. »Nein. Der nächste Kahn nutzte lediglich vier Vögel, nicht genügend, um einen Vergleich zu starten …« Er wurde von dem Klingeln seines Handys unterbrochen und blickte auf die Anzeige, ehe er antwortete: »Hey, was gibt’s Neues? Okay. Ich bin schon auf dem Weg.« Er beendete das Gespräch und richtete sich auf. »Borger ist vielleicht auf etwas gestoßen.«
Will Borger war ein echtes Urgestein der Hippie-Generation, auch wenn er eigentlich einige Jahre zu jung war, um wirklich dazugehört zu haben. Er trug sein langes Haar in einem Pferdeschwanz, was wohl der zunehmenden Glatze geschuldet war, die sich auf seinem Haupt ausbreitete. Er trug eine runde Nickelbrille und locker sitzende Hawaii-Hemden. Er war der Inbegriff eines Computergeeks der ersten Tage, und Clay und Caesare hatten ihn in ihre Herzen geschlossen.
Die beiden traten in das Büro, in dem es von Computern und Gerätschaften nur so wimmelte. Einige davon waren derart komplex, dass selbst sie ihren Sinn kaum auszumachen vermochten. Auf den Regalen wucherte ein Durcheinander aus Drähten und Kabeln, die Dutzende Monitore, Computer, Oszillografen und Verstärker miteinander verbanden. Clay schätzte, dass Borger genügend Kupferdraht hier drinnen hatte, um eine eigene Fernsehanstalt zu gründen.
Auf einem hölzernen Schreibtisch lag beinahe ein Dutzend teilweise aufeinandergestapelter Tastaturen unter dem Schein einer alten Lampe.
Borger stand gebeugt über einem Tisch, auf dem eine gigantische rot-weiße Karte ausgebreitet lag. Er hob die Augenbrauen und blickte auf. »Hey, Clay. Hab ja gar nicht gewusst, dass Sie schon wieder zurück sind.«
»Ja, fühlt sich beinahe so an, als ob ich mir den Urlaub nur vorgestellt habe.«
»Na, dann haben die Sie wahrscheinlich wegen der Alabama zurückgeholt. Wie ich gehört habe, will man alles unter Dach und Fach haben, sodass sie nächste Woche wieder auslaufen kann.«
Caesare warf einen Blick auf die Karte. »Und was soll das sein?«
»Die Erde. Oder...
| Erscheint lt. Verlag | 11.9.2017 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Breakthrough-Serie | Breakthrough-Serie |
| Übersetzer | Wally Anker |
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | Breakthrough |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Abenteuer • action • Delfine • Der Schwarm • eBooks • Ozean • Science-Thriller • Serien • Spannung • Thriller • Wissenschaft |
| ISBN-10 | 3-641-21204-9 / 3641212049 |
| ISBN-13 | 978-3-641-21204-9 / 9783641212049 |
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