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Dragon Lords – Das Gold der Narren (eBook)

Roman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2017
Heyne Verlag
978-3-641-20486-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Dragon Lords – Das Gold der Narren - Jon Hollins
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Spätestens seit Der Hobbit weiß jeder, dass Drachen schlechte Herrscher sind, die den ganzen Tag auf ihrem Goldschatz sitzen, die Steuern erhöhen und ihren Untertanen das Vieh von der Weide fressen. Das bekommt auch der arme, aber unbescholtene Bauer Will Fallow zu spüren, als eines Tages die Soldaten des Drachenkönigs Mattrax auf seiner Schwelle stehen, um ihn wegen Steuerhinterziehung in den Schuldturm zu werfen. In letzter Sekunde gelingt es Will, in die nahe gelegenen Wälder zu fliehen, wo er einer kleinen Gruppe von Rebellen begegnet. Gemeinsam ziehen sie nun gegen die Drachen in den Kampf, um sich ihr Gold zurückzuholen...

Jon Hollins wurde in England geboren, und die Begeisterung für Fantasy und Science-Fiction begleitet ihn schon sein ganzes Leben lang. Inzwischen lebt der Autor mit seiner Familie auf Long Island.

2

Lette und Balur

Das Problem mit Abenteuern, sinnierte Lette, war, dass sie eine bekloppte Methode waren, Geld zu verdienen.

Sie wischte sich den Schweiß von der Stirn. Dieser von allen Göttern verfluchte Gebirgspass. Sollten Berge nicht eigentlich kalt und verschneit sein? Wieso schwitzte sie sich überhaupt hier oben den Hintern ab?

Sie kannte die Antwort darauf, und diese Antwort schmeckte ihr nicht. Lieber wandte sie sich wieder dem nebulösen Feld der Finanzen zu. Insbesondere, wo dieses ihren eingeschlagenen Karriereweg kreuzte.

Das mit dem Abenteurerleben hatte anfangs noch nach einer richtig guten Idee geklungen. Monster verdreschen als Beruf. Im Gegenzug Reichtümer und Ruhm einheimsen. Und diesen Ruhm gab es wirklich – sie kannte wenigstens drei Personen, über deren Taten man Lieder geschrieben hatte. Vier, wenn man »Die Ballade von Schwanenhals, dem König der Huren« mitzählte, aber an deren Ende war Schwanenhals nicht mehr in einem Stück geblieben, von daher war der Ruhm in diesem Fall eher fraglich.

Und dennoch: Selbst wenn man sein eigenes Lied bekam und es dem Publikum gelang, den verschwitzten, blutverschmierten Bodensatz der Gesellschaft, den es vor sich sah, mit dem leuchtenden Idealbild besagten Lieds in Einklang zu bringen, blieb doch immer noch das Problem, dass alle Reichtümer, die man sich verdiente, das Resultat eines beträchtlichen Maßes an Gewalt und persönlichem Leid waren. Und Gewalt und Leid hatten die Tendenz, komplett außer Kontrolle zu geraten. Sehr schnell sogar. Lette weigerte sich zurückzublicken. Stattdessen konzentrierte sie sich lieber auf den festen Vorsatz, ihr Leben in geordnetere Bahnen zu lenken.

»Wie wäre es mit einer Bäckerei?«, fragte sie laut.

Ihr Begleiter blickte sie lange Zeit an.

Balur war gut acht Fuß groß, besaß kein Gramm Fett am ganzen Körper und hatte einen Schwanz. Er war ein Analesier, ein Echsenmensch aus den westlichen Wüsten. Seine gelben Schlitzaugen starrten ihr aus einem lang gezogenen Gesicht entgegen, das von großen braunen Schuppen bedeckt war, dick und knubbelig wie faustgroße Steine.

»Nein«, sagte er nach einer Pause, wobei seine Stimme wie mahlende Steine klang. »Nein«, sagte er abermals.

Die Analesier waren ein rauer Schlag von Leuten. Lette hatte das Gerücht gehört, dass ihre Sprache vierzig lautmalerische Ausdrücke für das Geräusch kannte, das ein Kopf erzeugen konnte, wenn man ihn mit einem Kriegshammer zerquetschte. Irgendwie hatte sie nie den richtigen Zeitpunkt gefunden, Balur zu fragen, ob das stimmte.

»Du sagst inzwischen nur noch selbstverständlich Nein«, beschwerte sie sich. »Du denkst nicht einmal mehr richtig nach.« Die Liste der von Balur verworfenen Geschäftsalternativen beinhaltete bereits eine Waffenschmiede, eine Hufschmiede, Landwirtschaft, Pferdezucht und eine Schule für exotischen Tanz. Der Fairness halber musste sie zugeben, dass sich Balurs Fähigkeiten vor allem darauf beschränkten, mit seinem Hammer fest auf Dinge einzuschlagen – aber gerade deshalb hatte die Idee mit den Schmieden so vielversprechend geklungen. Lettes Ansicht nach war Balur einfach nur sturköpfig.

»Schau«, sagte sie und deutete voraus. »Siehst du das?« Der Grat des Gebirgspasses war endlich näher gerückt. Jenseits davon lag das Tal von Kondorra, fruchtbar und voller Leben. »Das wird der Neubeginn. Ein neues Kapitel in der Geschichte unseres Lebens. Sobald wir die Grenze überquert haben, können wir alles sein, was wir wollen. Einfach alles.«

Balur nickte. »Gut.«

Lettes Stimmung hellte sich auf. Endlich ein Fortschritt. Endlich begann dieser dickköpfige Ochse …

»Ich will gerne ein Söldner sein«, sagte Balur.

Lette stöhnte. »Ja klar. Weil das ja so wunderbar leicht möglich ist.«

Da schlug der Wind um und blies ihnen entgegen, statt weiter den Hang hinabzupusten. Einen Moment lang füllte der Geruch von Rauch und Aas ihre Nase. Sie stöhnte abermals.

Augen nach vorn. Ein frischer Start! Neubeginn

Balur schritt weiter voran. Dann, mitten auf dem Grat, der Grenze zwischen Alt und Neu, blieb er stehen und hielt Lette seine dicke, vierfingrige Hand hin. »Ich hab ehrlicherweise nicht die Hände zum Backen«, sagte er. »Ungeschickte Finger.«

»Du könntest einfach nur den Teig kneten«, schlug sie vor. Was Balur ihrer Ansicht nach fehlte, war ein lösungsorientierter Ansatz.

Dann stand sie neben ihm auf dem Grat ihrer Vergangenheit und sah ihre gesamte Zukunft unter sich ausgebreitet. Kondorra.

Die Sonne stand in diesen frühen Herbsttagen tief, sodass ihr Glanz von den umliegenden Gipfeln noch teilweise verdeckt wurde. Flache Lichtfinger fielen auf die Wälder, die sich die Hänge hinabzogen. In der Ferne, am Grund des Tals, verliefen sich die Wälder in einem Flickenteppich von Äckern und Feldern, die auf der gegenüberliegenden Seite des Tals die Hänge erklommen, bis sie abermals dem Fels und Geröll der höheren Lagen wichen. Das Licht verwandelte den träge fließenden Fluss Kon am tiefsten Punkt des Tals in eine Linie weißen Feuers.

Dieses Tal war eine Welt für sich. Ein Mikrokosmos. Sie konnte Burgen sehen, die klein wie Kinderspielzeug waren, und Seen, und auch einen Sumpf und einen Berg, bei dem es sich möglicherweise um einen Vulkan handelte. Aus der Ferne war es alles winzig und so vollkommen wie ein gemaltes Bild in einem Buch. Nichts wurde durch die Nähe der Wirklichkeit verdorben.

»Schau dir das doch an«, sagte Lette abermals und zeigte mit dem Finger. »Dort unten können wir alles sein, was wir sein wollen.«

Balur zuckte die Schultern. »Ich bin einfach gerne Söldner.«

»Wie wäre es mit Metzger?«, schlug Lette vor, einer plötzlichen Eingebung folgend. »Als Metzger könntest du immer noch Sachen umbringen. Rinder. Du wärst ausgezeichnet dafür geeignet. Jedem einen raschen Schlag auf den Schädel.«

Balur legte den Kopf schief. »Das Metzgerhandwerk ist hauptsächlicherweise Messerarbeit«, wandte er ein.

»Die kann ich gern übernehmen.« Eine schnelle Geste mit den Fingern, und ein Dolch erschien in ihrer Hand, glitt weg und tauchte in der anderen wieder auf. »Du bringst bloß die Rinder um.«

Balur dachte etwas gründlicher darüber nach. Die langsamen Rädchen seines nicht menschlichen Verstands drehten sich. »Würden die Rinder denn auch richtig kämpfen?«, fragte er schließlich.

Die Frage brachte Lette kurz aus dem Konzept. »Die Rinder?«, vergewisserte sie sich.

Balur nickte. »Wären sie ernsthafterweise eine Herausforderung? Ich will nicht aus der Übung kommen – als Metzger.«

Lette blinzelte einmal, zweimal. Die Frage stand immer noch im Raum. »Rinder, das sind doch verdammte Kühe, Balur«, stellte sie klar. »Die kämpfen nicht. Die fressen Gras, die kriegen den Schädel eingeschlagen und werden dann zu leckeren Snacks verarbeitet.«

Balur dachte darüber nach. »Ich glaube, Söldner ist mir immer noch lieber«, sagte er nach einer Weile.

Lette widerstand dem Drang, ihn zu packen und zu schütteln. Wobei sie sich eingestehen musste, dass sie Probleme hätte, seine Schultern zu erreichen. Oder an ihm zu rütteln, selbst wenn sie groß genug dazu wäre. Stattdessen löste sie den schweren Beutel mit Goldmünzen von ihrer Seite und hielt ihn ihm entgegen. Das war das einzig Positive, das bei der Katastrophe, die hinter ihnen lag, herausgekommen war.

»Schau dir das mal an, Balur: Das kann alles sein, was wir wollen. Ein neues Leben. Ein besseres Leben!«

Balurs Augen verengten sich noch weiter. »Auch Wein und Huren?«

Lette schüttelte enttäuscht den Kopf. »Du bist ein Fremder aus einem weit entfernten Land. Eigentlich solltest du durch und durch exotisch und interessant sein.«

Balur zuckte die Schultern. »Ich bin zwei vierzig und rede ausdrucksweise etwas komisch. Das ist doch interessant.«

Lette überlegte, ob sie ihm in den Schritt oder lieber ins Auge stechen sollte.

Sie wurde von der Qual der Wahl erlöst, als plötzlich ein kleines schreiendes Etwas aus seinem Versteck hinter einem Felsen hervorsprang und sich auf sie warf. Ein Goblin, erkannte sie. Er segelte durch die Luft und schnappte ihr die Börse aus der Hand.

»Meins! Meins! Meins!«, schrie er, landete und raste auf seinen emsigen Beinchen den Pfad hinab davon. »Hab’s! Hab’s! Ist meins!«

Der Goblin schaffte noch exakt einen Schritt, ehe Lettes Dolch ihn im Nacken erwischte, wo er sauber zwischen zwei Wirbeln durchglitt und eine böse Schweinerei in seinem Kleinhirn anrichtete. Der Goblin war tot, noch ehe er den Boden berührte.

»Siehst du?«, sagte Balur. »Du bist eine gute Söldnerin. Du solltest berufsweise nach deinen Talenten gehen.«

»Meine Talente haben einer Menge Menschen Leid gebracht.« Lette lief zu dem Goblin und zog ihm den Dolch aus dem Nacken. Der Körper setzte ihr Widerstand entgegen. Sie brachte nicht gerne Goblins um – es waren merkwürdig klebrige Kreaturen. Hinterher dauerte es immer ewig, die Klingen von den letzten Stückchen zu reinigen.

Sie bückte sich gerade nach ihrer Börse …

… nur um sie abermals vor der Nase weggeschnappt zu bekommen, als ein weiterer Goblin aus seinem Versteck sprang und den Pfad hinabfloh.

»Bei Otzes haarigem Sack«, fluchte sie. »Wie viele von diesen kleinen Scheißern gibt es hier?«

Im Gegensatz zu seinem langsam abkühlenden Kompagnon, der ihm vielleicht eine Lehre gewesen war, redete dieser Goblin...

Erscheint lt. Verlag 13.6.2017
Reihe/Serie Dragon Lords-Reihe
Dragon Lords-Reihe
Übersetzer Oliver Plaschka
Verlagsort München
Sprache deutsch
Original-Titel Fool's Gold - The Dragon Lords
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Fantasy
Schlagworte Abenteuer • Drachen • eBooks • epische Fantasy • Fantasy • Goldschatz • High Fantasy • Queste • Serien • Trolle
ISBN-10 3-641-20486-0 / 3641204860
ISBN-13 978-3-641-20486-0 / 9783641204860
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