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Der Zorn des Adlers (eBook)

Roman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2017
320 Seiten
Heyne Verlag
978-3-641-21440-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der Zorn des Adlers - Simon Scarrow
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(CHF 9,75)
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Britannien, A. D. 44. Eisiger Frost lähmt die römische Invasion! Seit Monaten bringen verheerende Stürme über dem Kanal den dringend benötigten Nachschub zum Erliegen. Von Hunger und Furcht geschwächt, verliert die mächtige römische Armee allmählich ihren legendären Kampfeswillen. Und dann die schreckliche Nachricht: General Plautius' Familie wurde von den fanatischen Druiden verschleppt! Nur zwei Männer können jetzt noch ihr Leben retten: Centurio Macro und Optio Cato beginnen einen Wettlauf mit der Zeit - denn bald schon werden die grausamen Götter der Druiden ein Blutopfer verlangen ...

Simon Scarrow wurde in Nigeria geboren und wuchs in England auf. Nach seinem Studium arbeitete er viele Jahre als Dozent für Geschichte an der Universität von Norfolk, eine Tätigkeit, die er aufgrund des großen Erfolgs seiner Romane nur widerwillig und aus Zeitgründen einstellen musste.

1


Einen Moment lang erstarrten die gischtenden Wogen im Licht eines Blitzes. Rund um das Schiff war das Brodeln und Schäumen wie festgebannt, und die Schlagschatten der Matrosen und der Takelage fielen auf das grell erleuchtete Deck. Dann packte die Dunkelheit das Schiff erneut. Schwarze, tief hängende Wolken ballten sich über den grauen Wellen, die von Norden herangerollt kamen. Noch war die Nacht nicht hereingebrochen, doch der von Grauen erfüllten Mannschaft und den Passagieren kam es so vor, als hätte die Sonne sich schon längst von der Welt verabschiedet; nur ein winziger Fleck helleren Graus weit im Westen deutete ihre Bahn an. Der Geleitzug war in alle Winde zerstreut, und der Präfekt, der das neu in Dienst gestellte Triremengeschwader befehligte, fluchte wütend. Die Hand fest um ein Stag geklammert, beschirmte er mit der freien Hand die Augen vor der eiskalten Gischt und spähte über die brodelnden Wellenberge hinweg.

Lediglich zwei Schiffe seines Geschwaders waren noch zu erkennen. Ihre dunklen, schwankenden Silhouetten zeichneten sich ab, als sein Flaggschiff von einer großen Woge emporgehoben wurde. Diese beiden Schiffe trieben weit im Osten, und noch weiter östlich musste der Rest des Geleitzugs auf dem wütenden Meer verstreut sein. Vielleicht würden sie es noch in die Schiffsstraße schaffen, die landeinwärts nach Rutupiae führte. Für das Flaggschiff gab es jedoch keine Hoffnung mehr, noch das große Nachschublager zu erreichen, von dem aus die römische Armee mit allem Notwendigen beliefert wurde. Weiter landeinwärts rasteten die Legionen wohl geschützt in ihren Winterquartieren bei Camulodunum und warteten auf die Fortsetzung des Eroberungsfeldzugs. Trotz aller Anstrengungen der Ruderer wurde sein Schiff aber von Rutupiae weggefegt.

Als er so über die Wellen zum dunklen Saum der britischen Küste blickte, musste der Präfekt sich verbittert eingestehen, dass der Sturm ihn geschlagen hatte, und so erteilte er den Befehl, die Ruder einzuziehen. Während er über die verbliebenen Möglichkeiten nachdachte, setzte die Mannschaft eilig ein kleines Dreieckssegel am Bug, damit das Schiff stabiler im Wasser lag. Seit dem Beginn des Britannienfeldzugs im vergangenen Sommer hatte der Präfekt diesen Meeresteil schon hundertmal überquert, doch niemals unter so schrecklichen Bedingungen. Tatsächlich hatte er noch nie einen so schnellen Wetterumschwung erlebt. Noch am Morgen – inzwischen schien das eine Ewigkeit her – war der Himmel völlig klar gewesen, und ein frischer Südwind hatte eine schnelle Überfahrt von Gesoriacum versprochen. Normalerweise mied man die Seefahrt im Winter, doch General Plautius’ Armee gingen die Vorräte aus. Die Taktik der verbrannten Erde des britischen Befehlshabers Caratacus bedeutete für die Legionen, die die für die Fortsetzung des Feldzugs im Frühjahr benötigten Vorräte nicht allzu sehr angreifen wollten, dass sie nur durch den Winter kamen, wenn sie vom Festland aus ständig mit Getreide versorgt wurden. Daher waren die Geschwader weiter über den Ärmelkanal gependelt, wann immer das Wetter es zuließ. Die heimtückische Natur hatte ihn am Morgen mit wunderschönem Wetter dazu verlockt, seinen Frachtschiffen die Überfahrt nach Rutupiae zu befehlen, ohne ein derartiges Unwetter auch nur im Geringsten vorherzuahnen.

Gerade, als die zerklüftete Küstenlinie Britanniens über dem kabbeligen Wasser in Sicht gekommen war, hatte sich ein dunkles Wolkenband am nördlichen Horizont zusammengezogen. Der Wind war rasch stärker geworden, hatte dann plötzlich gedreht, und die Männer des Geschwaders hatten immer verängstigter die dunklen Wolken beobachtet, die sich wie wutschnaubende, gierige Bestien auf sie zu stürzen schienen. Erschreckend schnell war das Unwetter über ihnen gewesen und hatte die Trireme des Präfekten, die an der Spitze des Geleitzugs fuhr, gepackt. Im heulenden Sturm krängte das Schiff so heftig, dass die Matrosen von ihren Aufgaben ablassen und sich irgendwo festklammern mussten, um nicht über Bord geschleudert zu werden. Als die Trireme sich schwerfällig wieder aufrichtete, warf der Präfekt einen Blick auf den Rest des Geleitzugs. Einige der Flachboden-Transportschiffe waren gekentert, und dicht bei den dunklen Rümpfen tanzten winzige Gestalten auf den schäumenden Wogen. Manche winkten verzweifelt, als dächten sie wirklich, ein anderes Schiff könnte sie jetzt noch retten. Der Geleitzug war inzwischen völlig aufgelöst, jedes Schiff kämpfte nur noch um sein eigenes Überleben, ohne sich um die Notlage der anderen kümmern zu können.

Mit dem Sturm kam auch der Regen. Große, eiskalte Tropfen peitschten schräg auf die Trireme nieder und stachen wie Nadeln auf der Haut. Angesichts der durchdringenden Kälte wurden die Matrosen rasch unbeholfener. In seinen wasserdichten Mantel gehüllt, erkannte der Präfekt, dass der Kapitän und seine Mannschaft mit Sicherheit die Kontrolle über das Schiff verlieren würden, wenn der Sturm nicht bald nachließ. Doch das Meer wütete weiter und trieb die Schiffe in alle Richtungen auseinander. Durch irgendeine Laune der Natur hatte der Sturm die drei Triremen an der Spitze des Geleitzugs mit besonderer Wucht getroffen, und bald waren sie weit von den anderen Schiffen abgetrieben – am weitesten die Trireme des Präfekten. So ging es den ganzen Nachmittag, und als die Nacht sich näherte, war noch immer kein Nachlassen zu spüren.

Sein Wissen über die britische Küste abwägend, ging der Präfekt die Möglichkeiten durch. Nach seiner Einschätzung waren sie schon weit von der Schifffahrtsstraße nach Rutupiae weggetragen worden. Steuerbord zeichneten sich ganz schwach die nackten Kreideklippen der Küstengegend um die Siedlung Dubris ab, und so würden sie dem Sturm ein paar Stunden widerstehen müssen, bevor sie die Landung auf einem sichereren Küstenstreifen wagen konnten.

Der Kapitän kam über das schwankende Deck auf ihn zugetaumelt und salutierte, die andere Hand fest um die Heckreling geklammert.

»Was ist denn?«, rief der Präfekt.

»Bilgewasser!«, rief der Kapitän, die Stimme heiser, nachdem er schon seit Stunden Befehle durch den heulenden Sturm gebrüllt hatte. Er stieß mit dem Zeigefinger nach unten, um seine Worte zu unterstreichen. »Wir laufen voll!«

»Können wir es ausschöpfen?«

Der Kapitän legte lauschend den Kopf schräg.

Der Präfekt holte tief Luft, legte die Hand an den Mund und schrie: »Können wir es ausschöpfen?«

Der Kapitän schüttelte den Kopf.

»Und jetzt?«

»Wir müssen vor dem Sturm herlaufen! Sonst gehen wir unter. Und dann müssen wir eine sichere Landestelle finden! «

Mit einem übertriebenen Nicken machte der Präfekt deutlich, dass er verstanden hatte. Na schön. Sie würden eine geeignete Stelle finden müssen, um das Schiff auf den Strand zu setzen. Etwa dreißig oder vierzig Meilen weiter westlich gingen die Klippen in Kiesstrände über. Wenn die Brandung nicht allzu heftig war, konnte man dort eine Landung versuchen. Zwar mochte die Trireme dadurch ernsthaft beschädigt werden, aber es wäre schlimmer, außer dem Schiff auch noch Mannschaft und Passagiere zu verlieren. Dabei dachte der Präfekt an die Frau und ihre kleinen Kinder, die sich unten im Bauch des Schiffes verkrochen hatten. Sie waren ihm anvertraut worden, deshalb hatte er alles in seiner Macht Stehende zu tun, um sie zu retten.

»Erteile den Befehl, Kapitän! Ich gehe unter Deck.«

»Jawohl.« Der Kapitän salutierte und kehrte zum Mittelschiff zurück, wo die Matrosen am Fuß des Masts kauerten. Der Präfekt beobachtete noch, wie der Kapitän seine Befehle brüllte und auf das eingeholte Rahsegel oben am Mast zeigte. Keiner rührte sich. Der Kapitän brüllte den Befehl erneut und trat dann böse nach dem erstbesten Matrosen. Der Mann kauerte sich noch mehr zusammen, kassierte aber sofort den nächsten Tritt. Da sprang er in die Takelage und kletterte nach oben. Die anderen folgten ihm, kletterten, an das Stag geklammert, die schwankenden Webeleinen empor und erklommen schließlich die Rah. Barfuß suchten sie mit den eiskalten Zehen Halt und schoben sich Stückchen um Stückchen auf die Rah hinaus. Erst als jeder Mann an seinem Platz war, konnten sie die Knoten lösen und das Segel in seiner am stärksten gerefften Stellung setzen. Diese geringe Segelfläche reichte aus, um das Schiff beim Abwettern des Sturms zu steuern. Bei jedem Blitz zeichneten sich Mast, Rah und Männer einen Moment lang als scharf gezeichnete, schwarze Silhouetten vor dem blendend hellen Himmel ab. Dem Präfekten fiel auf, dass die Regentropfen bei jedem Blitzschlag einen Moment lang mitten im Fall zu erstarren schienen. Trotz seines Entsetzens empfand er angesichts dieser Ehrfurcht erregenden Demonstration von Neptuns Macht auch eine begeisterte Erregung.

Endlich waren alle Männer in Position. Der Kapitän stellte sich mit seinen kräftigen Beinen breitbeinig aufs Deck, legte beide Hände trichterförmig an den Mund und blickte zum Mast empor.

»Bänder lösen.«

Die halb erstarrten Finger machten sich verzweifelt an den Lederbändern zu schaffen. Einige Matrosen waren geschickter, und so entfaltete sich das Segel ungleichmäßig schnell. Ein plötzliches Pfeifen in der Takelage kündigte ein erneutes Anschwellen des Sturms an, und die Trireme erbebte unter dem wütenden Angriff. Ein Matrose, der noch geschwächter war als seine Kameraden, verlor den Halt und wurde so schnell in die Dunkelheit hinausgeschleudert, dass keiner seinen Sturz verfolgen konnte. Doch die Matrosen hielten nicht in ihren Bemühungen inne. Der Wind zerrte an der freiliegenden Segelfläche und hätte sie den Matrosen fast aus den Händen gerissen, ehe es ihnen gelang, die Reffleinen festzuzurren. Sobald das Segel gesetzt war,...

Erscheint lt. Verlag 10.7.2017
Reihe/Serie Rom-Serie
Rom-Serie
Übersetzer Barbara Ostrop
Verlagsort München
Sprache deutsch
Original-Titel When the Eagle Hunts
Themenwelt Literatur Historische Romane
Schlagworte Abenteuerroman • Britannien • Druiden • eBooks • Historische Romane • Invasion • Italien • kleine geschenke für frauen • Legionäre • Rom • Serien
ISBN-10 3-641-21440-8 / 3641214408
ISBN-13 978-3-641-21440-1 / 9783641214401
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