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Eisige Gezeiten (eBook)

Roman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2017
Goldmann Verlag
978-3-641-21050-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Eisige Gezeiten - Morgan Rhodes
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Im Reich des Westens ist die junge Cleo aus dem besiegten Hause Auranos in der Ehe mit Prinz Magnus gefangen. Der Hass zwischen ihren Familien sitzt so tief, dass keiner von beiden sich eingestehen will, was sie wirklich füreinander empfinden. Doch Cleo fühlt sich auch zu dem kämpferischen Jonas von Paelsia hingezogen, der an nichts anderes mehr denken kann, als sie zu befreien. Derweil greift jenseits der Silbernen See eine gefährliche Macht nach der uralten Magie der Elemente, um die Herrschaft über alle Reiche an sich zu reißen. Nur ein Bündnis zwischen Magnus, Cleo und Jonas könnte die Gefahr noch abwehren.

Morgan Rhodes ist das Pseudonym einer beliebten Urban-Fantasy-Autorin. Mit ihrer High-Fantasy-Reihe 'Falling Kingdoms' ist ihr auf Anhieb ein großer Erfolg gelungen. Momentan schreibt sie an weiteren Bänden der Serie. Morgan Rhodes lebt in Ontario, Kanada.

KAPITEL 1

MAGNUS

LIMEROS

Frauen sind hinterlistige, gefährliche Kreaturen. Sie gleichen alle giftigen Spinnen, die mit einem einzigen Biss töten können. Denk immer daran.«

Dieser Rat, den sein Vater ihm einst gegeben hatte, klang in Magnus’ Erinnerung nach, während er vom Hafen in Rabenhorst zusah, wie das Schiff der Kraeshianer in der Dunkelheit verschwand. Der König hatte keiner Frau je völlig vertraut. Weder seiner Königin noch seiner früheren Geliebten und Beraterin, ja, nicht einmal der Unsterblichen, die ihm in seinen Träumen Geheimnisse zuflüsterte. Das meiste, was sein skrupelloser Vater sagte, ignorierte Magnus einfach, doch jetzt hatte er Bekanntschaft mit der gefährlichsten, hinterlistigsten Frau von allen gemacht.

Amara Cortas hatte die Essenz – eine Aquamarinkugel, die reine Wassermagie enthielt – gestohlen und auf ihrer Flucht eine Spur von Tod und Zerstörung hinterlassen.

Das bitterkalte Schneegestöber drang ihm unter die Haut und betäubte den Schmerz in seinem gebrochenen Arm. Es würde noch Stunden dauern, bis die Sonne aufging, und die Nacht war frostig genug, dass er sich den Tod holen könnte, wenn er nicht vorsichtig war.

Und dennoch starrte er weiter wie gelähmt auf das schwarze Wasser hinaus – irgendwo dort draußen war der gestohlene Schatz, der ihm zustand.

»Was jetzt?« Cleos Stimme riss ihn aus seinen düsteren Gedanken.

Einen Moment hatte er vergessen, dass er nicht allein war.

»Was jetzt, Prinzessin?«, stieß er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, und bei jedem Wort bildeten sich kleine Dampfwolken vor seinem Mund. »Nun, ich denke, wir sollten die kurze Zeit genießen, die uns noch bleibt, ehe die Männer meines Vaters hier auftauchen und uns auf der Stelle hinrichten.«

Auf Verrat stand die Todesstrafe, selbst wenn der Betroffene der Thronerbe war. Und er hatte zweifellos Verrat begangen, als er ebenjener Prinzessin, die nun neben ihm stand, zur Flucht verholfen hatte.

»Ich habe einen Vorschlag, Eure Hoheit.« Es war Nics schneidende Stimme, die die Stille durchbrach. »Wenn Ihr damit fertig seid, das Wasser nach Hinweisen abzusuchen, springt doch einfach rein und schwimmt diesem mörderischen Miststück hinterher.«

Wie üblich, wenn er mit Magnus sprach, troff die Stimme von Cleos Lieblingslakai vor unverhohlener Verachtung. »Wenn ich eine Chance sehen würde, sie zu fassen, würde ich es tun«, entgegnete er in ebenso giftigem Ton.

»Wir werden uns die Essenzen zurückholen«, meinte Cleo. »Und Amara wird für ihre Taten büßen.«

»Ich bin mir nicht sicher, ob ich Eure Zuversicht teile.« Erst jetzt sah Magnus über die Schulter zu ihr hinüber; Prinzessin Cleiona Bellos, deren vertraute Schönheit momentan nur vom Licht des Mondes und ein paar Laternen entlang des Piers erleuchtet wurde.

Er sah sie noch immer nicht als Damora. Vor ihrer Hochzeit hatte sie darum gebeten, ihren Familiennamen behalten zu dürfen, und er hatte zugestimmt. Der König hatte ihn scharf dafür zurechtgewiesen, dass er ihr – einer Prinzessin, die zwangsverheiratet worden war, um die Eroberer, die ihr Königreich eingenommen hatten, in den Augen ihres Volkes besser dastehen zu lassen und hoffentlich einen Aufstand zu verhindern – überhaupt irgendwelche Freiheiten gewährte.

Trotz des pelzgefütterten Umhangs mit Kapuze, die sie sich über den Kopf gezogen hatte, um ihre goldenen Haare vor dem Schnee zu schützen, fröstelte Cleo. Ihr Gesicht war blass, und sie schlang die Arme fest um sich.

Auf ihrer zügigen Reise vom Tempel der Valoria zurück in die Stadt hatte sie sich kein einziges Mal über die Kälte beschwert. Überhaupt hatten sie bis jetzt kaum ein Wort miteinander gewechselt.

»Nenn mir doch einen einzigen Grund, warum du nicht zugelassen hast, dass Cronus mich einen Kopf kürzer macht«, hatte sie verlangt, als sie ihn in Lady Sophias Villa zur Rede stellte.

Und anstatt weiter zu leugnen, was er getan hatte – dass er den Hauptmann der Wache getötet hatte, weil der die eingekerkerte Prinzessin auf Geheiß des Königs hinrichten sollte –, hatte er ihr eine ehrliche Antwort gegeben. Die Worte hatten sich seiner Kehle entrissen, als hätte er keinerlei Kontrolle über sie.

»Du bist der einzige Lichtblick, den ich noch sehe«, hatte er geflüstert. »Und koste es, was es wolle, dieses Licht lasse ich nicht ausgehen

Magnus wusste, dass er Cleo mit diesen Worten viel zu viel Macht über sich gegeben hatte. Auch jetzt noch spürte er diese Schwäche – tausendfach verstärkt durch die Ereignisse letzte Nacht, angefangen mit dem welterschütternden Kuss nach seinem törichten Geständnis, wie viel sie ihm bedeutete.

Zum Glück waren sie unterbrochen worden, bevor er sich völlig in dem Kuss verlor.

»Magnus? Alles in Ordnung?« Cleo berührte ihn am Arm, doch er versteifte sich und entzog sich ihrem Griff, als hätte sie ihn verbrannt. In ihren blaugrünen Augen rangen Verwirrung und Sorge miteinander.

»Mir geht’s gut.«

»Aber dein Arm …«

»Mir geht’s gut!«, wiederholte er, diesmal nachdrücklicher.

Sie presste die Lippen aufeinander, und ihre Miene verfinsterte sich. »Schön.«

»Wir brauchen einen Plan«, warf Nic ungehalten ein. »Und zwar sofort, bevor wir hier draußen erfrieren.«

Magnus riss den Blick von der Prinzessin los und wandte sich dem rothaarigen, mit Sommersprossen übersäten Jüngling zu, der ihm immer wie ein schwächlicher Taugenichts vorgekommen war … zumindest bis heute Nacht.

»Du willst einen Plan?«, knurrte Magnus. »Hier hast du einen: Nimm deine heißgeliebte Prinzessin und verschwindet. Steigt aufs nächste Schiff nach Auranos. Wandert nach Paelsia. Macht, was Ihr wollt. Ich sage meinem Vater, Ihr wärt tot. Wenn Ihr am Leben bleiben wollt, müsst Ihr ins Exil gehen.«

Nics Augen funkelten vor Überraschung, als wäre dies das Letzte, was er von Magnus erwartet hätte. »Ist das Euer Ernst? Ihr lasst uns gehen?«

»Ja, verschwindet von hier.« Das war für alle das Beste. Cleo war zu einer gefährlichen Ablenkung geworden, und Nic war bestenfalls ein Ärgernis und schlimmstenfalls eine Bedrohung. »Das ist ein Befehl.«

Er schaute zu Cleo auf und erwartete, Erleichterung in ihren Augen zu sehen.

Doch stattdessen sah er nichts als ungläubige Wut.

»Ein Befehl, ja?«, fauchte sie ihn an. »Du hättest es bestimmt viel leichter, wenn wir nicht da wären, stimmt’s? Dann könntest du deine Schwester ganz einfach ausfindig machen und dir die übrigen Essenzen unter den Nagel reißen.«

Die Erinnerung an Lucia, die mit Alexius nach Limeros durchgebrannt war, um ihn zu heiraten, traf Magnus wie ein Schlag. Als sie den Tempel erreicht hatten, war überall Blut gewesen – und das konnte durchaus von Lucia stammen.

Sie muss noch leben. Er weigerte sich, irgendetwas anderes in Betracht zu ziehen. Sie war am Leben, und wenn er sie fand, würde er Alexius umbringen.

»Glaubt, was Ihr wollt, Prinzessin«, erwiderte er und wandte sich wieder dringlicheren Angelegenheiten zu. Natürlich wollte er die Essenzen für sich selbst. Erwartete sie etwa, dass er sie mit einem Mädchen teilte, das schon fast seit ihrer ersten Begegnung unentwegt auf eine Gelegenheit lauerte, ihren Thron zurückzuerobern? Mit der Macht der Essenzen könnte sie nicht nur ihren eigenen Thron erobern, sondern jeden Thron, den sie wollte.

Er selbst musste diese Macht erlangen – niemand sonst –, und dann würde er endlich die volle Kontrolle über sein Leben und seine Zukunft haben; dann müsste er sich vor niemandem mehr fürchten und wäre niemandem mehr Rechenschaft schuldig.

Daran konnte nicht einmal das, was zwischen Cleo und ihm vorgefallen war – was immer das auch gewesen sein mochte –, etwas ändern. Sie waren Widersacher, die beide für sich dasselbe wollten, und nur einer von ihnen konnte sein Ziel erreichen. Er würde nicht alles aufgeben, wonach er immer schon gestrebt hatte – für niemanden.

Ein bisschen Farbe war in die Wangen der Prinzessin zurückgekehrt, und ihre Augen blitzten vor Verärgerung. »Ich gehe nirgendwohin. Wir werden gemeinsam zum Palast fahren. Und wir werden gemeinsam nach Lucia suchen. Und wenn dein Vater kommt, um uns zu töten, werden wir uns seinem Zorn gemeinsam stellen.«

Magnus starrte die erboste Prinzessin grimmig an. Sie begegnete seinem Blick, ohne mit der Wimper zu zucken. Die Schultern gestrafft, das Kinn gereckt, erinnerte sie an eine Fackel, die selbst in dieser kalten, endlosen Nacht hell loderte.

Wie sehr er sich wünschte, er könnte sie hassen …

»Also gut«, stieß er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. »Aber vergesst nicht, diese Entscheidung habt Ihr ganz allein getroffen.«

Kurz nach Sonnenaufgang erreichte ihre Kutsche das Palastgelände von Limeros und passierte den bewachten Kontrollpunkt. Am Rande der Klippe gelegen, die zur Silbernen See hinabfiel, stand das schwarze Schloss in starkem Kontrast zu seiner blütenweißen Umgebung. Die Obsidian-Türme ragten hoch in den Morgenhimmel wie die Klauen eines dunklen, mächtigen Gottes.

Viele empfanden diesen Anblick als bedrohlich, doch Magnus fühlte sich hier zu Hause. Ein Anflug von Nostalgie durchströmte ihn; Erinnerungen an einfachere Zeiten, an Ausritte und Schwertkampf-Übungsstunden mit den Söhnen hiesiger Adliger. An Erkundungsausflüge mit Lucia, die immer ein Buch dabeihatte. An die Königin, die...

Erscheint lt. Verlag 18.9.2017
Reihe/Serie Die Falling-Kingdoms-Reihe
Die Falling-Kingdoms-Reihe
Übersetzer Anna Julia Strüh
Verlagsort München
Sprache deutsch
Original-Titel Frozen Tides
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Fantasy
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutige Schlachten • eBooks • Fantasy • Game of Thrones • High Fantasy • Intrigen • Königreiche • Liebe • Macht • Magie der Elemente • Mytica • Romantasy • Serien • Thronfolger • Young Adult
ISBN-10 3-641-21050-X / 364121050X
ISBN-13 978-3-641-21050-2 / 9783641210502
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