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John Sinclair 2026 (eBook)

Der Höllenclown

(Autor)

eBook Download: EPUB
2017 | 1. Aufl. 2017
64 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-4695-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 2026 - Ian Rolf Hill
Systemvoraussetzungen
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(CHF 1,90)
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Horror-Clowns!

Im vergangenen Jahr hatten sie vor allem in den USA für Aufsehen gesorgt. Da verkleideten sich Menschen als Clowns und erschreckten unschuldige Passanten. Manche verfolgten ihre Opfer auch und verletzten sie sogar!

Sehr bald war diese morbide Art des Zeitvertreibs auch nach Europa herübergeschwappt. Und nachdem man länger nichts mehr von ihnen gehört hatte, schien es bei uns wieder so weit zu sein. Mehrere Horror-Clowns wurden in Claughton gesichtet.

Doch dort waren die Clowns anders ...

Viel war zu dieser Zeit nicht mehr in der Schankstube des kleinen, rustikalen Hotels am Rand der Schnellstraße los gewesen. Die letzten Zecher waren kurz nach Mitternacht in ihren Betten verschwunden. Es waren Trucker, die am nächsten Morgen wieder früh aus den Federn mussten und sich lediglich einen kleinen Schlummertrunk gegönnt und anschließend ein wenig verquatscht hatten.

Ephraim hielt es mit den Öffnungszeiten flexibel. Die Erfahrung zeigte, dass nach Mitternacht keine neuen Gäste zu erwarten waren, und er hatte Esther daher angeboten heute ein wenig früher Schluss zu machen. Das passte ihr gut, vor allem da sie wusste, dass Harold nicht eher ins Bett ging, als dass sie wohlbehalten zu Hause war. Sie hätte ihn auch anrufen können, damit er sie abholte, doch dann wäre sie sich selbst lächerlich vorgekommen. Außerdem half ihr der kurze Spaziergang durch die kühle Nachtluft, die nötige Bettschwere zu erlangen.

Heute war sie in Versuchung geraten, Harold aufzuscheuchen, damit er sie abholte und sie nicht durch den Regen musste, doch andererseits war sie ja nicht aus Zucker. Und so ging sie tapfer weiter, blieb aber jedes Mal stehen, wenn sie von hinten ein Auto nahen hörte. Beide Male, als dies geschah, trat sie zur Seite. Sie wusste ja nie, wer da angerauscht kam und ob der Fahrer sie in der Dunkelheit rechtzeitig bemerkte. Er brauchte nur müde und unaufmerksam sein, kurz am Steuer einnicken und von der Straße abkommen, dann würde der Wagen sie erfassen.

Das war das Einzige, vor dem sich Esther fürchtete, im Gegensatz zu ihrem Mann Harold, der nicht müde wurde, zu postulieren, was für kranke Menschen auf der Welt herumliefen. Serienkiller, Triebtäter, Stalker und was für Verrückte sich sonst noch so in der Nacht herumtrieben.

Vergangenen Herbst hatten sich einige Irre in den Staaten als Clowns verkleidet und vor allem abends, aber auch nachts und am frühen Morgen, harmlose Passanten erschreckt, verfolgt und angeblich sogar verletzt. Diese morbide Art des Zeitvertreibs hatte auf erschreckende Weise Schule gemacht und war schließlich sogar nach Europa herübergeschwappt. Nicht so extrem wie in den USA, aber dennoch derart bemerkenswert, dass die Polizei entsprechend reagierte, und in Deutschland gar null Toleranz gegenüber den Horror-Clowns gefordert wurde.

Aber auch hier in England nahm man das Phänomen durchaus ernst, zumal es immer wieder Vorfälle gab, in denen Clowns Kindern nach der Schule auflauerten. Und es waren keine freundlichen Zeitgenossen, denn die Masken waren alles andere als lustig oder fröhlich. Auch nicht traurig wie der legendäre Bajazzo, der seinen Kummer hinter einer Maske des Lachens verbarg.

Nein, die Clowns, die in Großbritannien Kindern auflauerten und seit vergangenem Herbst zu einem besorgniserregenden Massenphänomen zu werden drohten, hatten schreckliche Horror-Fratzen mit überdimensionierten Reißzähnen, zerschnittenen Gesichtern, bedrohlich funkelnden Augen und aufs Grässlichste verzerrt.

Esther schüttelte sich und bekam allein bei dem Gedanken an diese widerlichen Gestalten eine Gänsehaut. Aber warum sollte irgendein fehlgeleiteter Kerl mit mangelndem Selbstbewusstsein sich mitten im strömenden Regen an eine unbeleuchtete Straße stellen? Für welches Publikum? Immerhin konnte er ja nicht ahnen, dass Esther um diese Zeit hier langgehen würde. Andererseits war es solchen Verrückten auch zuzutrauen, dass sie harmlose Autofahrer erschrecken wollten, was natürlich immens gefährlich war. Wie schnell konnte ein Auto dabei vom Weg abkommen?

Und da war wieder Esthers Angst vor einem Unfall. Unwillkürlich warf sie einen Blick über die Schulter zurück. Die Lichter des Fenwick Arms verschwammen hinter dem Schleier aus Regen, der heftig gegen den gespannten Plastikstoff des Schirms prasselte und klopfte. In der Ferne näherte sich ein weiteres Fahrzeug, doch Esther hatte bereits den von der Schnellstraße abführenden Weg Richtung Claughton erreicht.

Keine fünfzig Meter vor ihr blinkten vereinzelt die Lichter der Häuser. Dort waren Menschen, die ebenfalls noch nicht den Weg ins Bett gefunden hatten. Wenn Esther nicht alles täuschte, gehörte eines der Lichter sogar zu ihrem Haus. Klar, Harold würde noch vor der Glotze sitzen.

Esther beschleunigte ihre Schritte und erreichte den Ortseingang von Claughton. Die Croydons lebten in der Mitte des Orts, hinter der Schule und nahe der Kirche, wo sie einen kleinen Hof bewirtschafteten, den Harold zugleich als Werkstatt nutzte, denn er verdiente ihren Lebensunterhalt als Landmaschinenmechaniker.

Ein schrilles Kichern hinter Esther ließ die Frau auf der Stelle herumfahren.

Sie erschrak bis ins Mark und fühlte, wie ihr das Blut aus dem Kopf wich.

Niemand war zu sehen.

»Ist da jemand? Hallo?«, rief sie in die Dunkelheit.

Was sollte das? War ihr vielleicht einer der Trucker gefolgt? Einer von ihnen hatte ein wenig mit ihr geflirtet, der andere sie bloß angestarrt, beziehungsweise ihre Brüste, die unter der Bluse aber lediglich zu erahnen waren. Trotzdem waren es harmlose Gesellen gewesen, kaum anzunehmen, dass sie einer Frau in mittleren Jahren durch den strömenden Regen nachstellten.

Harold meinte, sie solle ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen und ihre Wirkung auf Männer nicht unterschätzen. Esther schüttelte den Kopf und wandte sich wieder um, um ihren Weg fortzusetzen, als sie einen Schatten vor sich in der Dunkelheit stehen sah. Zehn, fünfzehn Meter vor ihr. Der schwache Schein aus den Fenstern der umliegenden Häuser sorgte für ein Restlicht, und Esthers Augen hatten sich so weit an die Dunkelheit gewöhnt, sodass sie zumindest die Umrisse der Gestalt sehen konnte.

Es war ein Mensch. Ein kahlköpfiger Mann möglicherweise. Esther schluckte, als sie sah, dass sein rechter Arm länger war als der linke.

Er hielt etwas in der Hand, das leicht glänzte.

Ein Schwert oder eine Machete.

Esthers Mund wurde trocken, und sie fühlte ein Kratzen in der Kehle, die sich ihr regelrecht zuschnürte. Ein schwerer Klumpen lag in ihrem Magen und verursachte ein drückendes Gefühl der Übelkeit.

»B …bitte, wer ist da? Wer sind Sie?«

Esther wäre am liebsten weggerannt, doch wohin hätte sie laufen sollen? War das Kichern nicht eben hinter ihr erschienen? Vielleicht waren es mehrere, die hinter ihr her waren? Also doch die Trucker?

Die Angst umklammerte ihr Herz wie eine eisige Klaue. Ihre Unterlippe bebte. Der Schemen vor ihr antwortete nicht und bewegte sich auch nicht von der Stelle.

Esther blieb stehen und wusste nicht, was sie tun sollte. Sie konnte doch nicht die ganze Nacht hier draußen im Regen verbringen. Harold würde sie frühestens in einer halben Stunde erwarten, doch meistens kam sie nicht vor zwei Uhr nachts nach Hause, und jetzt war es nicht einmal ein Uhr.

Vielleicht konnte sie Chopper rufen, aber der Hund würde das Gatter des Tores ohnehin nicht überwinden können …

Plötzlich war der Schatten vor ihr verschwunden. Esther blinzelte überrascht und wusste im ersten Moment nicht, wie ihr geschah. Hatte sie sich getäuscht? Hatte ihr ihre Angst einen Streich gespielt? Gut möglich, dass ihre Gedanken an Horror-Clowns dafür gesorgt hatten, dass ihr die Fantasie etwas vorgaukelte, was gar nicht dagewesen war.

Überlaut vernahm sie wieder das Klopfen des Regens auf dem Schirm und das Rauschen und Plätschern, mit dem das Wasser auf die Straße und die Hausdächer prasselte. Sie zitterte vor Kälte.

Oder war es immer noch die Angst?

Ohne sich umzublicken, rannte sie wie von Furien gehetzt die letzten Meter zu ihrem Haus. Waren da nicht Schritte in ihrem Rücken, die sich ihr näherten?

Esther schrie und wimmerte und rannte noch schneller. Die letzten Meter vor dem Tor des Hofes schleuderte sie den Regenschirm einfach beiseite. Das Tor war nicht abgeschlossen. Sie brauchte nur den Knauf zu drehen, damit es aufschwang. Esther schluchzte, als ihre Hand von dem kalten Metall abrutschte. Die Schritte kamen näher. Endlich schaffte sie es, das Tor zu öffnen. Es schwang auf, und sie stolperte in den Hof, warf das schmiedeeiserne Gatter wieder ins Schloss und taumelte zurück, die Augen vor Schreck geweitet.

Niemand war zu sehen.

Kein Wahnsinniger, der mit einem Schlachtermesser hinter ihr in der Dunkelheit lauerte.

Esther rieselte es eiskalt den Rücken hinunter.

Warum war Chopper so still? Wieso kam er nicht längst, um sie zu begrüßen?

Der Regen fiel ungehindert auf sie hinab, durchnässte binnen weniger Sekunden ihre Kleidung und sorgte dafür, dass sie am ganzen Leib schlotterte.

Esther weinte. Die vor Angst aufgerissenen Augen auf die Straße hinter das Tor gerichtet, trat sie zwei unsichere Schritte nach hinten, ehe sie sich umdrehte, und auf die Eingangstür zuging. Der Bewegungsmelder schaltete die Lampe darüber an, und ihr Schein fiel direkt auf den teuflisch grinsenden Clown, der vor der Tür stand und den Arm mit der glänzenden Machete hob.

***

»Grauenhaft, was der armen Esther gestern passiert ist!«

Neugierig hob Janine Helder den Kopf und verharrte mitten in der Bewegung. Sie war gerade dabei ihren wöchentlichen Einkauf zu verrichten, und wollte auch ihrem neuen Mitbewohner Horace eine kleine Köstlichkeit mitbringen. Daher stand sie mit ihrem Einkaufswagen gerade vor dem Regal mit dem Tierfutter, als sie hörte, wie sich Helen Dougherty und Mirren McLaughin lautstark unterhielten.

Falls jemand den neuesten Tratsch wusste, dann sicherlich eine dieser beiden Klatschbasen, die den lieben langen Tag nichts Besseres zu tun hatten, als sich...

Erscheint lt. Verlag 9.5.2017
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-7325-4695-0 / 3732546950
ISBN-13 978-3-7325-4695-4 / 9783732546954
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