Gefährliche Affäre (eBook)
120 Seiten
MIRA Taschenbuch (Verlag)
978-3-95576-648-1 (ISBN)
Das Wiedersehen mit Suzanne, der Witwe seines Freundes Rick, stürzt den FBI-Agenten Hart Branson in einen Konflikt. Denn obwohl er Suzanne eine Mitschuld an Ricks Tod gibt, verzehrt er sich heimlich nach ihr ...
1. Kapitel
Der Motor des Flugzeugs röchelte erneut, und der Frontpropeller blieb stehen.
„N299V, falsche Landebahn. Wiederhole: falsche Landebahn!“
Suzanne Cassidy blickte zum Funkgerät, biss sich auf die Lippen und umklammerte den Steuerknüppel noch fester. Sie hatte keinen Treibstoff mehr, sie musste es darauf ankommen lassen.
Plötzlich gingen vor ihr sechs schwarze Cobra-Helikopter herunter.
Sie schrie auf, riss den Knüppel nach hinten und schloss die Augen.
Die Maschine bockte, die Nase kam kurz hoch, dann trafen die Räder hart auf dem Boden auf.
Suzanne wurde in den Sitz zurückgeworfen. Sie öffnete die Augen wieder und sah, wie die Cobras abrupt abdrehten. Die nagelneue Cirrus SR20, die sie und ihr Partner für die Firma erstanden hatten, schlidderte die Landebahn entlang.
Suzanne fluchte und bremste stärker.
Das Flugzeug brach seitwärts aus, runter von der Asphaltpiste. Die Räder gruben sich in Gras und Erde. Steine schlugen gegen das Fahrwerk.
Das rechte Rad verfing sich in einer flachen Grube, die Cirrus kreiselte und stand.
Irgendwo begann eine Sirene zu heulen.
Suzanne rang nach Luft. Das Herz hämmerte ihr gegen die Rippen, ihre Hände zitterten, sie fühlte sich völlig kraftlos. Dennoch stieß sie die Tür auf und kletterte hinaus auf die Tragfläche.
„He, was zum Teufel haben Sie hier verloren? Dies ist Militärgelände und keine Flugschule. Sie hätten uns alle umbringen können.“
Beim Klang der tiefen Stimme fuhr sie herum. Sie ließ sich auf den Boden gleiten und klammerte sich an den Tragflügel, um nicht den Halt zu verlieren. Panik überkam sie.
Sie war noch nicht bereit dazu, ihm gegenüberzutreten. Nicht hier. Nicht so.
Doch sie stand da wie gelähmt, atemlos, während er auf sie zukam. Und dann erkannte er sie.
Fast hätte sie die Nerven verloren. Vor beinahe einem Jahr hatte sie Three Hills verlassen, aber es war kein Tag vergangen, an dem sie nicht an ihn gedacht hatte.
Die Erinnerungen überwältigten sie, doch sie wehrte sie ab. Dafür war jetzt kein Platz. Nicht, wenn sie überleben wollte.
„Suzanne!“ Er spuckte ihren Namen aus wie einen Fluch.
Die heiße Nachmittagssonne schien sein dunkelblondes Haar in geschmolzenes Gold zu verwandeln. In seiner Pilotenbrille spiegelten sich der Hangar, die Wüste und sogar ihr Bild, während seine Augen verhüllt blieben. Suzanne brauchte seine Augen gar nicht zu sehen, sie erinnerte sich lebhaft daran. Sie waren so tiefblau wie der Himmel über der Wüste vor einem Gewitter. Dunkel, turbulent, drohend und anscheinend stets auf sie gerichtet.
Ein Beben ging durch ihren Körper, und sie versuchte wegzusehen. Stattdessen glitt ihr Blick über seine hohe, sehnige Gestalt in der Fliegeruniform. Sie nahm seine kantigen Gesichtszüge wahr. Züge, die alles andere als gefällig waren. Und dennoch, er wirkte unglaublich anziehend, ja sogar gewinnend.
War er Freund oder Feind? Die Frage beschäftigte sie seit Stunden, sie jagte ihr kalte Schauer über den Rücken. Jemand versuchte, sie zu vernichten, vielleicht zu töten, und Hart Branson war entweder ihre Rettung – oder der Verantwortliche dafür.
Sie war gekommen, um sich Klarheit zu verschaffen.
Wortlos drehte Hart sich um und ging auf einen Hangar zu.
Verwirrt sah Suzanne ihm nach. Sie griff nach ihrer Tasche und folgte ihm. Es mochte unklug sein, sich an ihn zu wenden, vielleicht sogar gefährlich, aber sie konnte nicht mehr zurück. Er war ihre einzige Chance.
„Hart, bitte, so hör doch …“
Er fuhr herum. „Was willst du von mir, Suzanne?“
Seine Feindseligkeit war offensichtlich. Warum? Womit hatte sie ihn dermaßen erbost?
Am liebsten wäre sie vor seinem kalten, bohrenden Blick geflohen. Sie widerstand. „Das … das FBI war bei mir zu Hause.“
Hart rührte sich nicht. Seine Züge waren wie versteinert.
Sie schluckte und zwang sich fortzufahren, obwohl sie seine Verachtung geradezu körperlich empfand. „Sie sagten, dass bei Ricks letztem Einsatz Militärgeheimnisse entwendet wurden.“
Da er nicht reagierte, sprach Suzanne weiter. „Sie hatten die Sache nicht weiter verfolgt, aber nun werden diese Informationen international gehandelt und sie … sie …“
Die Luft über dem Asphalt waberte in der gnadenlosen Hitze Arizonas, doch sein Schweigen war eisig.
„Sie behaupten, dass Rick lebt, Hart.“ Suzanne nahm den Anflug von Hysterie in ihrer Stimme wahr, die andrängenden Tränen, und fügte hastig hinzu: „Sie glauben, er habe seinen Tod vorgetäuscht und die Geheimnisse verraten – und dass ich seine Komplizin sei.“
Abgründige Wut stieg in Hart auf, doch er riss sich zusammen. Er hatte Verrat erfahren und würde vermutlich wieder verraten werden, aber so etwas würde er Rick nie unterstellen, und das wusste sie. Warum also war Suzanne hier? Er hatte nicht damit gerechnet, sie je wieder zu sehen, und das war ihm nur recht. Denn seiner Meinung nach trug sie die Schuld an Rick Cassidys Tod.
Er nahm die Sonnenbrille ab, betrat den Hangar, warf seinen Helm auf eine Werkbank und wandte sich um. „Und das soll ich dir wirklich glauben, Suzanne?“
Sie war ihm nach drinnen gefolgt, doch jetzt blieb sie stehen. Sein Hohn traf sie wie ein Hieb. Tränen traten ihr in die Augen, heiß und stechend. Verzweiflung stieg in ihr auf.
Sie nahm alle ihre Kraft zusammen, reckte die Schultern und richtete sich kerzengerade auf. „Es ist die Wahrheit.“ Es sollte klar und überzeugend klingen, doch es wurde nur ein bebendes Flüstern.
Mit schmalen Augen musterte Hart sie, das Misstrauen stand in sein Gesicht geschrieben. Jede Frau, die ihm nahegestanden hatte, jede hatte gelogen und betrogen. Zuerst seine Mutter, dann seine einzige Tante, diverse Pflegemütter und schließlich seine Exfrau. Doch Suzannes Schuld war die schwerste, denn sie hatte ihren Mann auf dem Gewissen.
Hart hatte früh genug gelernt, dass er nur sich selbst trauen durfte. Und einer Frau gar zu vertrauen war pure Dummheit.
Er wandte sich zu einer Werkbank, auf der eine Kaffeekanne stand. Während er danach griff, ballte er die andere Hand zu einer Faust. Sein Zorn wuchs.
Noch vor einem Jahr war Suzanne Cassidy die Frau des besten, des einzigen Freundes gewesen, den er je gehabt hatte. Dennoch hatte er sich vom ersten Augenblick an zu ihr hingezogen gefühlt. Er hatte sich dafür verabscheut und versucht, die Gefühle mit Willenskraft zu verdrängen.
Er erinnerte sich an einen Abend, an dem Suzanne zum Stützpunkt kam, um sich vor einem unvorhergesehenen Einsatz von Rick zu verabschieden. Als Hart sah, wie sie Rick küsste und ihm liebevolle Worte zuflüsterte, war ihm klar geworden, dass sie ihm mehr bedeutete, als für seinen Seelenfrieden gut war.
Am Tag seiner Rückkehr zur Basis hatte er um Versetzung gebeten. Aus den Augen, aus dem Sinn, hatte er sich gesagt. Die Versetzung wurde jedoch nicht gewährt.
Und dann war Rick umgekommen, und Hart gab Suzanne die Schuld, denn sie hatte etwas Unverzeihliches getan.
Warum also verspürte er nun den fast unwiderstehlichen Drang, sie in die Arme zu nehmen und sie zu küssen? Warum dieses brennende Verlangen bei ihrem Anblick?
Er empfand Selbstekel.
Heftig knallte er die Kaffeekanne wieder auf die Werkbank und merkte in seiner Wut nicht, dass das heiße Getränk auf seine Hand spritzte. Er drehte sich zu ihr um. „Rick war kein Verräter, Suzanne.“
Durch das Fenster hinter ihm fielen Sonnenstrahlen auf ihre Tränen, sodass sie glitzerten. Hart hielt sich an seinen Zorn, um das Mitgefühl abzuwehren, aber er konnte sich an ihrer Schönheit nicht sattsehen. Diese Mischung aus Zartheit und Kraft in ihren Zügen fesselte ihn. Und sie war inzwischen noch schöner geworden.
Suzannes Lippen waren von einer lockenden Fülle, die Konturen weich geschwungen. Die leichte Stupsnase verlieh ihr etwas Kesses, während das tiefe Braun ihrer Augen, durchsetzt mit goldfarbenen Pünktchen, ihn an die Unergründlichkeit der Wüste in einer mondlosen Nacht erinnerte.
Sein Blick glitt zu ihrer blassgelben Bluse, verharrte auf der Rundung ihrer Brüste, der schmalen Taille, dem sanften Schwung ihrer Hüften und den Jeans, die ihre langen Beine eng umhüllten.
Plötzlich brachen all die alten Sehnsüchte wieder über ihn herein. Es prickelte ihm in den Fingern, die dunkle seidige Fülle ihres Haars zu berühren, durch die üppigen Wellen zu fahren, die ihr über die Schultern fielen, sie im Nacken zu fassen und an sich zu ziehen, diesen verführerischen Körper zu streicheln, ihre Leidenschaft zu entfachen, bis …
Hart ballte jetzt beide Hände zu Fäusten, geschüttelt von trügerischen Emotionen. Er wollte diese Gefühle nicht.
„Ich weiß, dass Rick kein Verräter war“, sagte sie und beendete damit das eisige Schweigen. „Aber ich schwöre, ich sage die Wahrheit. Ich brauche Hilfe, Hart, und da dachte ich …“ Ihre Stimme versagte, doch sie zwang sich, weiter zu sprechen. „Ich dachte, du könntest vielleicht … du würdest …“
Er strahlte nichts als Feindseligkeit aus – nein, Hass.
Diese Erkenntnis schockierte Suzanne. Aber warum? Nun, das war nicht mehr wichtig. Ihre letzte Hoffnung war gerade gestorben.
Sie wandte sich zum Gehen. Wie dumm von ihr, hierherzukommen. Sie ließ ihren Tränen freien Lauf, drehte sich um, stieß gegen einen Stuhl, wischte sich über die Augen und hastete zum Tor.
...| Erscheint lt. Verlag | 8.5.2017 |
|---|---|
| Übersetzer | Leonore Hoffmann |
| Verlagsort | Hamburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | Augenblick • Begehren • Belletristik • Bestseller • bestseller 2018 • Bukowski • Cartoon • Daddy • Dessous • Dreiecksbeziehung • Ekstase • Erinnerung • FBI-Agent • Frauenroman • Freundschaft • Gefühle • Gefühlschaos • Gegenwartsliteratur • Geschwisterliebe • Gesicht • Gesichtsausdruck • Gewissenskonflikt • Heimatroman • Heimliche Liebe • Highschool • innere Stimme • Liebe • Liebesgeschichte • Liebesleben • Liebesroman • Liebesromane • Los Angeles • Lovestory • mass effect • Neuerscheinungen • New York • Polizistin • Romance • Romantik • romantisch • Romanze • Satire • Schlachtfeld • Sekretärin • Soldat • Taschenbücher • Thrill • Verbotene Liebe • Verdacht • verdammt • Verlangen • Vertrauen |
| ISBN-10 | 3-95576-648-9 / 3955766489 |
| ISBN-13 | 978-3-95576-648-1 / 9783955766481 |
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