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SCAR (eBook)

Roman
eBook Download: EPUB
2017
Heyne Verlag
978-3-641-19649-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

SCAR - Jack Ketchum, Lucky McGee
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(CHF 2,90)
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Mit elf Jahren ist Delia Cross bereits ein gefeierter Fernsehstar – aber nicht glücklich. Ihre Mutter ist von krankhaftem Ehrgeiz getrieben. Ihr Vater dem Alkohol verfallen. Ihr Bruder von Eifersucht zerfressen. Einzig der Familienhund Caity hält immer treu zu ihr. Dann droht ein tragischer Unfall, Delias Karriere für immer zunichtezumachen. Doch sogar ihre Narben werden gegen ihren Willen vermarktet. Bis sie beginnt, sich zu wehren …

Jack Ketchum ist das Pseudonym des ehemaligen Schauspielers, Lehrers, Literaturagenten und Holzverkäufers Dallas Mayr. Er gilt heute als einer der absoluten Meister des Horror-Genres. 2011 wurde er zum Grand Master der World Horror Convention ernannt. Er erhielt fünfmal den Bram Stoker Award, sowie 2015 den Lifetime Achievement Award der Horror Writers Association. Jack Ketchum verstarb am 24. Januar 2018 in New York City, New York.

eins

»Sieh’s dir doch einfach mal an.«

Patricia pickt eine Olive aus ihrem kleinen griechischen Salat und tunkt sie in das dickflüssige Olivenöl und die Fetakrümel auf ihrem Teller.

Bart, der ihr gegenübersitzt, hält ein Rippchen zwischen Daumen, Zeige- und Ringfinger, während er die Gebrauchsanweisung ihres nagelneuen kirschroten Firebird studiert. Delia knabbert an einem über Holzkohle gegrillten Hähnchenflügel. Robbie beißt in einen Mozzarellastick und saugt geräuschvoll die würzige rote Soße heraus.

Das ist das Schöne am Chicken Little: Man kann dort einfach alles zum Mitnehmen bestellen, von ganzen Maiskolben über Philly Cheesesteak bis hin zu Orzo und Schokoladenpudding. Die Speisekarte ist nahezu endlos.

Das Lieblingsessen der Familie sind allerdings Rippchen – sehr zum Leidwesen Caitys, die zwischen Bart und Delia auf dem Boden liegt. Lediglich zwei Rippchen sind der traurige Rest einer dreifachen Portion.

Pat schiebt Bart das iPad über den Tisch hinweg zu. Auf dem Bildschirm ist das Foto zu sehen, das sie heute Morgen ausgesucht hat.

Gestern im Studio hat einfach alles geklappt. Der Fotograf – Scott – ist zwar erst Ende zwanzig, dafür hat er ein gutes Auge und tut, was Pat ihm sagt.

Delia war großartig.

Sie saß auf einer Obstkiste vor einem einfarbigen Musselinhintergrund, Caity zu ihren Füßen. Caity befand sich immer in Delias Nähe oder zumindest in Sichtweite, egal, ob sie mit auf dem Foto war oder nicht. Der Hund ist so eine Art Glücksbringer. Das soll Pat nur recht sein, solange die Bilder gut werden.

Sie hat Scott bei der Auswahl der Linsen und der Folienfilter geholfen, dann ging es sofort los. Delia saß kerzengerade, selbstsicher und konzentriert da. Sie war so vertraut mit der Kamera, als wären sie und die Nikon alte Freunde, als wäre die Kamera ein lebendiges Wesen. Scott brauchte bloß auf den Auslöser zu drücken. Delia veränderte gehorsam ihre Kopfhaltung, hob das Kinn ein wenig, drehte sich millimeterweise in die ideale Position, genau wie er es haben wollte. Scott war begeistert und lächelte zurück.

Pat hatte alles unter Kontrolle.

»Okay. Konzentration, Delia. Scott? Kannst du dich in einer Linie mit mir aufstellen?«

»Kein Problem, Pat.«

Sie beobachtete auf dem Kontrollmonitor, wie er heranzoomte.

»Stopp«, sagte sie. »Genau hier.«

Und da hatten sie das Foto gemacht.

Das sanfte Licht verleiht der Szene die Anmutung eines Gemäldes – das allerdings nicht mit Ölfarbe, sondern mit Acryl gemalt ist: scharfe Kanten, leuchtende Farbtöne.

Bart nimmt einen Bissen von seinem Rippchen, legt die Gebrauchsanweisung beiseite und betrachtet mit zusammengekniffenen Augen das Foto. Sie beneidet ihn um die verfluchten Rippchen, die sie sich selbst verkneift. Zu viel Fett. Zu viel Zucker.

»Hübsch«, sagt er. »Sehr schön. Aber ich verstehe immer noch nicht so recht, was du gegen Mills Fotos hast? Wir können uns das leisten. Alle anderen lassen ihre Bilder doch auch dort machen.«

»Genau deshalb«, sagt sie. »Ihres soll auffallen. Siehst du, wie er den Bildausschnitt etwas weg von der Mitte gewählt hat? Das würde denen bei Mills Fotos nie einfallen, dabei kommt das Licht auf ihrem Haar erst dadurch so richtig zur Geltung. Siehst du?«

»Ja.«

»Außerdem kennt Delia Scott inzwischen. Sie fühlt sich wohl bei ihm.«

»Stimmt. Merkt man.«

Wohlfühlen ist nicht unbedingt das richtige Wort, denkt sie. Ungezwungen trifft es eher. Ihre Tochter hat die geradezu unheimliche Gabe, selbst die künstlichste Umgebung in ihr Spiel- oder Schlafzimmer, ihr Planschbecken oder ihren Hinterhof zu verwandeln. Und zwar unmittelbar.

Pat hat sie bereits auf diese äußerst nützliche Gabe angesprochen.

»Ich sehe es einfach«, hat Delia gesagt. »Ich sehe es, und es bleibt in meinem Kopf. So lange ich will.«

Pat ahnt, dass das nicht Scotts Verdienst ist. Scott ist nur ein netter, umgänglicher, einigermaßen talentierter Fotograf. Und nicht allzu teuer.

Delia greift über den Tisch.

»Ich will auch mal sehen.«

Lächelnd hält sie ihrer Tochter das iPad hin. Wieder einmal ist sie sehr stolz auf sie. Auf ihr Talent, ihr sicheres Auftreten, ihre Begeisterungsfähigkeit.

»Ich sehe ja aus wie du!«, sagt Delia.

Pat lacht. »Überhaupt nicht. Du siehst aus wie du. In einem Erwachsenenrock und einer Bluse.«

Delia betrachtet eine Weile das Foto.

»Ganz okay. Gefällt mir. Und die mit Caity?«

Jeder Fototermin endet mit mehreren Aufnahmen von ihr und Caity.

»Die Produzenten wollen dich sehen, Schatz, nicht deinen Hund.«

»Aber die Produzenten können mich nicht vor den Geistern beschützen, oder? Caity schon. Sie soll auch ein paar gute Bilder haben.«

»Geister?«

»Ja. Wie die in meinem Puppenhaus.«

»In meinem Puppenhaus. Es ist nur ausgeliehen, schon vergessen?«

Pat besitzt es, seit sie elf Jahre alt ist.

»Du kannst es wiederhaben. Es ist gruselig.«

»Was meinst du, gruselig?«

»Na, gruselig eben.«

»Was soll das denn heißen? Du hast es doch, seit du klein warst.«

»Aber es sind Geister drin.«

Robbie schnaubt verächtlich. Typisch für kleine Schwestern, soll das wohl heißen. Obwohl er Pats Bauch gerade mal sieben Minuten früher verlassen hatte.

»Deal, da sind nur ein paar alte Möbel drin«, sagt er. »Mach keinen Aufstand. Isst du das Rippchen noch?«

Eines der beiden übrig gebliebenen Rippchen ist verschwunden. Pat blickt auf den Boden. Caity wirft ihr einen dieser »Was, ich?«-Blicke zu, der im krassen Gegensatz zu dem etwa zehn Zentimeter langen abgenagten Schweineknochen zwischen ihren Pfoten steht. Dann blickt sie ihre Mitverschwörerin Delia an.

Delia ignoriert sie geflissentlich.

»Nein, nimm ruhig.«

»Danke, Schwesterherz.« Er greift nach dem Rippchen. »Darf ich weiter an meinen Modellen bauen?«

»Klar«, sagt Bart.

»Schmeckt dir der Krautsalat nicht?«, fragt Pat.

»Ich bin satt, Mom. Darf ich?«

Robbie fragt nicht nur Bart oder Pat, ob er aufstehen darf, sondern beide. Braver Junge.

»Moment«, sagt Delia. »Ich muss euch was zeigen.«

Sie steht auf und geht ins Wohnzimmer. Robbie kaut auf seinem Rippchen. Genau wie Caity. Jetzt, wo sie aufgeflogen ist, gibt es keinen Grund mehr, das heimlich und leise zu tun. Bart wendet sich wieder der Betriebsanleitung zu.

Delia kommt mit zwei Racquetbällen aus Gummi zurück, einer violett, einer blau. Sie setzt sich und sieht Caity an.

»Im Internet steht, dass Hunde den Unterschied zwischen Violett und Blau nur schwer erkennen können. Weil sie nicht so ein großes Speckrum sehen wie …«

»Spektrum«, korrigiert Pat.

»Nicht so ein großes Spektrum wie Menschen. Aber Caity eben doch. Caity ist nicht farbenblind. Passt mal auf.«

Delia hält ihr die Bälle hin. Einen in jeder Hand. Der Hund steht auf und schnuppert daran.

»Nimm den violetten, Caity. Den violetten.«

Ohne zu zögern, nimmt der Hund den violetten Ball zwischen die Zähne und setzt sich wieder. Robbie seufzt. Langweilig. Vielleicht ist er tatsächlich gelangweilt, vielleicht auch nicht. Er ist in jenem Alter, in dem das nur schwer zu sagen ist.

»Nein, warte«, sagt Delia. »Ich will den violetten. Du kannst den blauen haben.«

Caity richtet sich auf, legt den violetten Ball in Delias Hand, nimmt den blauen ins Maul und setzt sich wieder.

Robbie seufzt noch einmal. »So ein Schwachsinn.«

»Reiß dich zusammen, Sohnemann«, sagt Bart. »War das alles?«

Lächelnd schüttelt Delia den Kopf und nimmt Caity den Ball wieder ab, auf dem nun Sabberspuren zu erkennen sind.

Sie legt die Hände hinter den Rücken, vertauscht die Bälle mehrmals und hält sie dem Hund erneut hin. Diesmal mit den Handflächen nach unten, sodass das Tier sie nicht sehen kann.

»Caity? Dad will den violetten Ball und Robbie den blauen.«

Der Hund schnüffelt und stupst mit der Schnauze gegen Delias rechte Hand. Delia dreht sie herum. Der violette. Caity nimmt den Ball ins Maul und lässt ihn in Barts Schoß fallen. Dann nimmt sie den blauen Ball...

Erscheint lt. Verlag 10.4.2017
Übersetzer Kristof Kurz
Verlagsort München
Sprache deutsch
Original-Titel The Secret Life of Souls
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte eBooks • Familie • Fernsehstar • Horror • Hund • Kinderstar • psychologische Spannung • Thriller • USA / Amerika
ISBN-10 3-641-19649-3 / 3641196493
ISBN-13 978-3-641-19649-3 / 9783641196493
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