Das Berghotel 137 (eBook)
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-4440-0 (ISBN)
Hedi lässt zufrieden ihren Blick schweifen: Die diesjährige Osterfeier ist ein voller Erfolg. Auf der Terrasse tummeln sich die Hotelgäste, bedienen sich an den köstlichen Tiroler Spezialitäten und plaudern ausgelassen miteinander. Überall ums Hotel herum sind kleine Nester mit Süßigkeiten versteckt, die die Kinder suchen können. Lächelnd beobachtet Hedi die Ebner-Madeln Ina und Paula, die Hand in Hand über die Wiese laufen.
Als die beiden kurze Zeit später nicht mehr aufzufinden sind, macht sich Unruhe breit. In den Augen der Eltern steht die blanke Angst. Schon macht sich Andi Kastler mit einigen Gästen zu einer großen Suchaktion auf, als Maria Ebner einen spitzen Schrei tut. Unten auf den Weiden rast in wildem Galopp ein Schimmel auf den Wald zu. Auf seinem Rücken klammert sich ein kleines Madel verzweifelt in die Mähne - es ist Ina ...
Die Sonne stand hoch am Himmel und sandte ihre warmen Strahlen über das Zillertal. Die Vögel zwitscherten und pfiffen ihre Lieder mit einer solchen Inbrunst, als wollten sie den Frühling voll Freude willkommen heißen.
Genussvoll atmete die Hotelchefin Hedi Kastler die frische Luft ein. Sie liebte den Geruch des Frühlings: die feuchte Erde, das frische Gras und die zarten Blüten, die sich der wärmenden Sonne entgegenreckten. Zu dieser Jahreszeit zeigte sich das Zillertal stets von seiner schönsten Seite.
Noch vor ein paar Wochen hatte hier um das Hotel herum Schnee gelegen, doch nun ließ nichts mehr darauf schließen. Der Winter war endgültig vorbei, Ostern kam in großen Schritten näher.
Hedi summte glücklich vor sich hin, als sie die farbenfrohen Blumen betrachtete, die so üppig blühten: dottergelbe Narzissen, violette Krokusse, schneeweiße Maiglöckchen.
Besonders hatten es der Hotelchefin die Tulpen angetan, die sie in einem großen Beet angepflanzt hatte und die in kräftigen Rot-, Gelb- und Pink-Nuancen blühten. Auch die Apfel- und Kirschbäume trugen ein Festtagskleid in Rosa und Weiß.
Das leise Summen von Bienen und Hummeln erfüllte die Luft. Hedi wäre gern noch länger hier draußen geblieben; hätte die milde Wärme und die sanfte Brise genossen, die Blumen bestaunt und den Insekten zugesehen, die sich zwischen den Blüten tummelten. Doch heute warteten noch ein paar Aufgaben, auf die sie sich bereits freute.
Gut gelaunt strich sie die weiße Schürze ihres lindgrünen Dirndls glatt und lief mit beschwingten Schritten ins Berghotel »Am Sonnenhang«. In der geräumigen Küche hatte sich bereits der Großteil der Mitarbeiter versammelt.
»Grüß dich, Chefin!«, rief ihr Lukas Einrieder entgegen.
Der fesche Sporttrainer stibitzte eine der hausgemachten Pralinen, die die Konditorin Rosi Stadler mit viel Liebe zum Detail hergestellt hatte. Rosi runzelte mit gespielter Strenge die Stirn und drohte mit dem Kochlöffel, konnte sich dabei aber ein Schmunzeln nicht verkneifen.
»Ich möchte wissen, wo der Bursche das alles hin isst«, brummte der Koch Leo Hofbacher verdrießlich und strich sich über seinen Bauch, der im Gegensatz zu Lukas’ Waschbrettbauch eine gemütliche Wölbung aufwies.
Lukas grinste frech. »Sport ist das Geheimnis. Wenn man dauernd in Bewegung ist, kann man essen wie ein Scheunendrescher.«
Leo lachte schallend. »Aber geh, das ist’s mir dann doch net wert. Gutes Essen hält Leib und Seele zusammen. Beim Sport gerät man nur ins Schwitzen, so was kann ja net gesund sein.«
Hedi klatschte in die Hände, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
»Ihr Lieben! Wollen wir anfangen mit unserer Besprechung?«
In dem Moment kam ihr Mann Andi schnaufend herein und legte ihr den Arm um die Taille.
»Tut mir leid, die Besprechung hätt ich beinah verschwitzt. Ich war ganz im Papierkram versunken.«
»Schaut so aus, als tät der Andi deinen Ratschlag schon in die Tat umgesetzt, den du eigentlich dem Leo gegeben hast, und mit dem Sport angefangen«, flüsterte Rosi Lukas glucksend zu. »Zumindest ist er hierher gerannt.«
Lukas grinste von einem Ohr bis zum anderen.
»Ein kleiner Sprint von Zeit zu Zeit ist net zu verachten. Danach fühlt man sich wie neugeboren.«
Hedi räusperte sich energisch und stemmte die Hände in die Hüften. Sofort verstummten alle scherzhaften Gespräche, alle Augenpaare waren auf die Hotelchefin gerichtet.
»Ostern steht vor der Tür, wie ihr ja alle wisst«, begann Hedi. »Und freilich wollen wir unseren geschätzten Gästen, die die Osterzeit hier verbringen, auch heuer wieder eine stimmungsvolle Atmosphäre bieten. Alles muss perfekt sein: Die Dekorationen, das Essen und eine tolle Osterfeier. Also immer her mit euren Ideen!«
Schon war eine rege Diskussion im Gange. Alle Mitarbeiter brachten eifrig ihre Vorschläge ein, um die Ostertage zu einer zauberhaften Zeit zu machen. Jeder hatte etwas beizutragen.
»Wenn das Wetter mitspielt, findet die Feier sicherlich auf der Terrasse statt, gell?«, fragte Rosi. »Auf die Tische könnten wir Sträußerl mit Frühlingsblumen stellen, und an den Stuhllehnen befestigen wir fliederfarbene und lindgrüne Bandeln.«
»Freilich wird’s die herrlichsten Osterspezialitäten geben, ganz traditionell«, warf Leo ein und rieb sich voll Vorfreude die Hände. »Neben Tiroler Schmankerln, einem würzigen Schinken mit Kren und flaumigen Pinzen könnt ich mir zum Beispiel gut den Kärntner Oster-Reindling vorstellen.«
»Für die Kinder wär’s sicher herrlich, Ostereier zu bemalen. Könnten wir da net was organisieren?«, überlegte die Hausdame Gerda Stahmer. »Ich weiß noch, wie viel Freude mir das bereitet hat, als ich klein war.«
Hedi war ganz in ihrem Element: Sie liebte es, sich in Planungen und Vorbereitungen zu stürzen. Das Wohl ihrer Hotelgäste war ihr das Wichtigste, also war sie fest entschlossen, die Osterzeit wie jedes Jahr zu etwas ganz Besonderem zu machen.
***
Viele Kilometer vom Zillertal entfernt, mitten in Wien, lagen abends zwei kleine Madeln in ihren Betten. Um ihre jüngere Schwester Ina nicht beim Schlafen zu stören, hatte Paula eine Taschenlampe unter der Bettdecke angeknipst und blätterte in einem Buch.
Doch Inas Husten konnte sie auch durch die dicke Daunendecke hindurch hören. Die Kleine rang heiser nach Luft.
Paula seufzte mitleidig: Schon wieder war ihre Schwester krank. Die Arme ließ kaum eine Infektion aus. Früher hatte sie beinahe immer gekränkelt, daran konnte Paula sich noch erinnern. Mittlerweile war das etwas besser geworden, doch immer hatte sie ein schwaches Immunsystem.
Rasch hüpfte Paula aus dem Bett, legte das Buch beiseite und tapste barfuß zu Ina hinüber. Sie reichte ihr das Wasserglas, das immer auf dem Nachttisch stand. Dankbar trank Ina ein paar Schlucke.
»Ist’s arg?«, fragte Paula leise. »Du klingst gar net gut.«
Energisch schüttelte Ina den Kopf.
»Ist gar net so schlimm«, erwiderte sie. Ihre dunklen Augen leuchteten auf, als ihr ein Gedanke kam. »Du, Paula? Liest du mir was vor? Damit ich wieder einschlafen kann!«
Paula schmunzelte. Ina konnte noch nicht lesen, doch sie war ganz verrückt nach Geschichten. Gewiss kam sie ganz nach ihrer großen Schwester und würde auch eines Tages eine große Leseratte werden.
»Freilich«, antwortete sie bereitwillig. »Was möchtest du denn gern hören?«
Da musste Ina nicht lange überlegen.
»Über Pferde!«, jubelte sie und klatschte eifrig in die Händchen.
Immer noch war sie blass, doch die Freude zauberte einen rosigen Schimmer auf ihre runden Wangen.
»Pst, net so laut!« Paula legte sich den Zeigefinger auf die Lippen. »Die Mama und der Papa glauben ja, dass wir schon schlafen.«
Sie griff nach Inas Lieblingsbuch, das mehrere kurze Pferdegeschichten und viele schöne Illustrationen enthielt, und begann, vorzulesen. Schon nach den ersten Worten lag ein seliges Lächeln auf Inas Gesicht. Das kleine Madel war ganz verrückt nach Pferden und allem, was damit zu tun hatte.
Dementsprechend hing ein Pony-Poster über ihrem Bett, sie hatte mehrere Spielfiguren in Pferdeform und träumte davon, eines Tages eine große Turnierreiterin zu sein.
Paula konnte das gut verstehen, denn auch sie fand die großen sanften Tiere faszinierend. Ihr Vorbild war ihr Onkel Vincent, der liebend gern auf dem Pferderücken durch die Natur preschte und dabei keine Angst kannte.
»Du, Paula?«, fragte Ina leise, als Paula gerade umblätterte. »Glaubst du, ich kann heuer auch reiten? Im Urlaub, mein ich.«
Paula schluckte. Sie wusste nicht so recht, was sie antworten sollte. Sie wusste ja, wie gern Ina auch einmal auf einem Pferd reiten wollte, doch bisher hatte sich dieser Wunsch nicht erfüllt.
Jedes Jahr fuhr die Familie in der Osterzeit ins Zillertal, um dort Urlaub zu machen. Für Paula und Ina war das stets der Höhepunkt des Jahres. Letztes Jahr hatte Paula dort Reitstunden genommen und die Ferien aus vollen Zügen genossen.
Ina hingegen hatte fast den gesamten Urlaub krank im Hotelzimmer verbracht. Und selbst wenn sie gesund gewesen wäre, hätten Mama und Papa vermutlich nicht zugelassen, dass sich das kleine Madel auf ein Pferd setzte: Sie machten sich immer große Sorgen um die kränkliche kleine Ina und versuchten, sie von allen Gefahren fernzuhalten.
Doch das war gar nicht das einzige Problem.
Paula biss sich auf die Unterlippe, bevor sie vorsichtig sagte: »Weißt du, ich hab gehört, wie die Mama und der Papa geredet haben. Ina, ich glaub, wir fahren heuer überhaupt net weg. Sie sagen, wir müssen sparen.«
Einen Herzschlag lang war es totenstill im Kinderzimmer. Ina starrte Paula aus schreckensgeweiteten Augen an und schien ergründen zu wollen, ob die große Schwester sich einen bösen Scherz erlaubte. Als sie erkannte, dass Paula es ernst meinte, zitterte ihr Kinn, und Tränen schossen ihr in die Augen.
Erschrocken versuchte Paula, sie zu beruhigen, doch es war aussichtslos. Weinend vergrub Ina ihr Gesicht im Kissen. Ihr ganzer kleiner Körper wurde von einem heftigen Schluchzen geschüttelt.
Rasche Schritte näherten sich, die Tür ging auf und die Mutter der Mädchen kam hereingelaufen.
»Ach, meine Madeln.« Maria seufzte. »Habt’s euch gezankt? Oder schlecht geträumt?«
Sie nahm die weinende Ina auf den Schoß und hielt sie mit einem Arm fest, den anderen...
| Erscheint lt. Verlag | 4.4.2017 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Das Berghotel |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | feelgood • Gefühle • Happy End • Herzschmerz • Hollywood • Liebe • Liebesgeschichte • Liebesroman • Liebesromane • Nicholas Sparks • PS ich liebe dich • Romance • romantisch • Romantische Komödie • tatsächlich liebe • wohlfühlen |
| ISBN-10 | 3-7325-4440-0 / 3732544400 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-4440-0 / 9783732544400 |
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