Kommissar Platow, Band 8: Der Rächer aus der Römerstadt (eBook)
110 Seiten
mainebook Verlag
978-3-946413-66-0 (ISBN)
Martin Olden ist das Pseudonym des Journalisten und Kinderbuchautors Marc Rybicki. Er wurde 1975 in Frankfurt am Main geboren und studierte Philosophie und Amerikanistik an der Goethe-Universität. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Rybicki als Filmkritiker für das Feuilleton der 'Frankfurter Neuen Presse'. Ebenso ist er als Werbe- und Hörbuchsprecher tätig. Bei mainbook erscheint auch Martin Oldens Krimi-Reihe mit Kommissar Steiner: 1. Band: 'Gekreuzigt'. 2. Band 'Der 7. Patient'. 3.Band 'Wo bist du?'. 4. Band 'Böses Netz'. 5. Band 'Mord am Mikro'. 6. Band 'Die Rückkehr des Rippers'. 7. Band 'Vergiftetes Land'. Im Jahr 2013 veröffentlichte er zudem seinen ersten Thriller 'Frankfurt Ripper'. Weitere Titel von Marc Rybicki sind die Kinderbücher 'Mach mich ganz', 'Wer hat den Wald gebaut?', 'Wo ist der Tannenbaum?' und 'Graue Pfote, Schwarze Feder'. (Autorenwebsite: www.sonnige-sendung.de)
Martin Olden ist das Pseudonym des Journalisten und Kinderbuchautors Marc Rybicki. Er wurde 1975 in Frankfurt am Main geboren und studierte Philosophie und Amerikanistik an der Goethe-Universität. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Rybicki als Filmkritiker für das Feuilleton der "Frankfurter Neuen Presse". Ebenso ist er als Werbe- und Hörbuchsprecher tätig. Bei mainbook erscheint auch Martin Oldens Krimi-Reihe mit Kommissar Steiner: 1. Band: "Gekreuzigt". 2. Band "Der 7. Patient". 3.Band "Wo bist du?". 4. Band "Böses Netz". 5. Band "Mord am Mikro". 6. Band "Die Rückkehr des Rippers". 7. Band "Vergiftetes Land". Im Jahr 2013 veröffentlichte er zudem seinen ersten Thriller "Frankfurt Ripper". Weitere Titel von Marc Rybicki sind die Kinderbücher "Mach mich ganz", "Wer hat den Wald gebaut?", "Wo ist der Tannenbaum?" und "Graue Pfote, Schwarze Feder". (Autorenwebsite: www.sonnige-sendung.de)
1
Samstag, 26. Juni 1976
Die Neonreklame der Frankfurter Diskothek Number One warf ihr giftgrünes Licht auf den Asphalt. Ein Mann lief auf den Tanztempel in der Großen Friedberger Straße zu. An seinem drahtigen Körper klebte ein Rüschenhemd, feucht vor Schweiß. Er wischte sich mit dem Handrücken über die glänzende Stirn. Für einige Sekunden träumte er von einem kühlen Drink. Die Sommernacht war außergewöhnlich schwül. Seine gespannten Nerven brachten ihn zusätzlich in Hitze. Er fühlte, wie sich das Prickeln unter dem Ansatz des kurzen, dunkelbraunen Haarschopfs steigerte und bis in die Fußspitzen ausbreitete, je näher er der Disko kam. So muss ein Tiger empfinden, überlegte Max Bernstein, wenn er sich an eine Antilope heranpirscht. Aus schmalen Augen tastete er die Erker und Balkone der neobarocken Vorkriegshäuser nach verdächtigen Bewegungen ab. In den Schatten war nichts zu erkennen. Kein Empfangskomitee zu seiner Begrüßung. Niemand ahnte, dass er kommen würde. Gut so.
Hinter sich hörte Bernstein das Trippeln kleiner Füße auf dem Asphalt. Er drehte den Kopf. Eine Maus auf der Suche nach einem Mitternachtsimbiss. Ja, lauf nur, dachte er. Am Ende erwischt dich doch die Katze.
Bernsteins Blick streifte drei Schwarze vor dem Eingang zum Number One. Sie trugen Freizeitkleidung, trotzdem erkannte er in ihnen amerikanische Soldaten, anhand der Staturen und Haarschnitte. Das Trio diskutierte mit dem Einlasser an der Kasse. Der langhaarige Studententyp deutete auf das Pappschild über seinem Kopf. „Die Direktion hat das Recht, ohne Angabe von Gründen vom Hausrecht Gebrauch zu machen“, las er betont laut, als ob die Dunkelhäutigen den Sinn der deutschen Worte dadurch besser verstehen könnten. Die GIs zuckten mit den Achseln. Sie waren sich keiner Schuld bewusst.
„Ihr habt keine Clubkarte“, erklärte der Kassierer. „No club card – you understand?“
Einer der Drei zog einen Hundertmarkschein aus seiner Brusttasche. „Okay, let`s buy some cards.“
„Sind aus!“, kam die prompte Antwort. „No more cards left. Sorry. Kommt in einem halben Jahr noch mal! Dann gibt`s wieder welche.“
Max Bernstein wusste, dass der Jungspund Märchen erzählte. Man brauchte überhaupt keine Klubkarte, um in die Diskothek zu kommen. Es war eine billige Ausrede, damit die unbeliebten Schwarzen draußen blieben. Zutritt nur für Weiße – dieses Hinweisschild wäre passender gewesen. Bernstein fühlte sich an eine Zeit in Deutschland erinnert, die seine Eltern mit Glück überlebt hatten. Der Muff von tausend Jahren stank mancherorts noch immer zum Himmel. In jeder anderen Nacht wäre er für die GIs eingetreten. Allein schon deshalb, weil sich unter der Kundschaft seiner „Firma“ viele US-Soldaten tummelten. Vielleicht hätten sich auch diese Boys zu einem Geschäft überreden lassen. Aber Bernsteins Auftrag duldete keine Verzögerung. Mit einem angedeuteten Kopfnicken grüßte er den Kassierer, drückte ihm das Eintrittsgeld in Höhe von 2,50 Mark in die Hand und durfte unbehelligt passieren. Die dröhnende Musik traf seine empfindlichen Ohren mit der Wucht eines Vorschlaghammers. Die Bellamy Brothers sangen Let Your Love Flow. Zum Rhythmus des Liedes verrenkten entrückt lächelnde Paare ihre Arme und Beine, angestrahlt vom Flackerlicht einer rotierenden Kugel. Bernstein überprüfte die Gesichter auf der Tanzfläche. Kein Treffer. Wo steckte Ferit Yildiz? Dreißig Sekunden später entdeckte er den schmalzlockigen Türken im Halbdunkel einer Nische. Ferit war fünfundzwanzig Jahre alt, 1,80 Meter groß und kräftig. Die Goldkette um seinen Stiernacken hatte er der Tatsache zu verdanken, dass der Yildiz-Clan auch im Hochsommer Schnee schaufelte. Lässig lümmelte der Dealer auf der Polstergarnitur, flankiert von zwei Landsmännern und einer wasserstoffblonden Ingrid-Steeger-Kopie. Sie klemmte zwischen Ferit und seinen Bodyguards wie die Fleischfüllung in einem Fladenbrot. Bernstein ging auf die Gruppe zu.
„Guten Abend!“, rief er, um die Musik zu übertönen. Sein Finger wies auf Yildiz. „Sind Sie Ferit?“
Der Angesprochene wandte seine Aufmerksamkeit vom Ausschnitt der Blondine ab. „Und du?“ Ferits Stimme klang rau. Mürrisch kniff er die buschigen Brauen zusammen. „Was du wollen?“
„Mein Boss hat eine Nachricht für Ihren Vater. Es geht um Friedensverhandlungen.“
„Aha!“ Ferit ging ein Licht auf. „Du Mann von Zappa. Viel Mut, kommen hierher.“ Grinsend strich er über seinen Dreitagebart.
Der Mann an seiner rechten Seite, ein Spargeltarzan mit dünnem Schnurrbart, spuckte auf den Boden. „Scheiß Juden!“
Das blonde Gift blickte zu Yildiz. Aus ihren glasigen Augen sprach Bewunderung. „Du kennst Frank Zappa?“, nuschelte sie. „Wow!“
Bernstein schmunzelte. Das Mädchen hatte offensichtlich einen Trip geschmissen und schwebte fern der Realität über den Wolken.
„Nein, Fräulein“, stellte er richtig. „Das ist nur ein Spitzname, weil mein Boss dem Rockmusiker ähnlich sieht.“ Falls die Kleine den Sinn seiner Worte begriff, wusste sie es gut zu verbergen. Bernstein nahm Yildiz ins Visier und hoffte, bei ihm mehr Verständnis zu finden. „Ihre Familie hat sich in unserer Stadt breitgemacht. Zappa hat nichts dagegen, dass Sie bleiben.“
„Cömert“, lächelte der Türke. „Wie sagt man Deutsch? Großzügig!“
„Allerdings …“, hob Bernstein an, „… wenn Sie vorhaben, weiterhin Ihre Ware in Frankfurt anzubieten, steigen wir als Partner mit ein. Andernfalls gibt es in dem Geschäft keine Zukunft für Burak Yildiz und seine Sippe.“
„Du drohen meine Baba?“ Ferit lächelte noch immer. Daumen und Zeigefinger formten eine Pistole. „Wir keine Angst. Du vergessen wir letzte Woche umlegen einen von euch?“
„Dafür liegt einer Ihrer Freunde auf der Intensivstation der Uniklinik, wenn ich mich nicht täusche.“
Yildiz schürzte die Lippen, während Zappas Unterhändler weitersprach. „Mein Boss möchte weiteres Blutvergießen verhindern. Warum sich gegenseitig das Leben schwer machen, wenn man zusammen Geld machen kann? Er hat ein spezielles Angebot für Ihren Vater ausgearbeitet, das Sie ihm übermitteln sollen. Aber es ist nur für Ihre Ohren bestimmt. In Gegenwart Ihrer Freunde darf ich darüber nicht sprechen“, fügte er mit einem Seitenblick auf die Leibwächter hinzu.
Der Dealer überlegte, nickte langsam und wies in Richtung der Toiletten. Max Bernstein schüttelte den Kopf. „Ist mir zu privat. Gehen wir auf die Tanzfläche. Dort ist es sicherer für uns beide.“
„Ich tanzen mit dir?“, schnaubte Ferit. „Sollen Leute mich halten für Schwuchtel oder was?“
Sein schnurrbärtiger Begleiter lupfte das Batik-Hemd. Der Knauf eines Revolvers wurde sichtbar. „Legen Drecksjuden um, ja?“
„Beweist ihr Türken so eure Männlichkeit, indem ihr auf Unbewaffnete schießt?“, fragte Bernstein herausfordernd und spreizte die Arme vom Körper ab. „Hab keine Kanone dabei. Na los, kommt her und überzeugt euch selbst! Ich bin in friedlicher Absicht gekommen.“
„Lass stecken Ömer!“, sagte Yildiz zu dem Kompagnon. „Du und Halil bleiben bei Anita. Ich gehen mit Falafel-Fresser. Hören Scheiße an.“
Die letzten Takte der Bellamy Brothers verklangen und gingen über in ABBAs Waterloo. Bernstein führte Yildiz mitten unter die Tanzenden, abgeschirmt von den Blicken der Bodyguards. Er ließ die Hüfte kreisen, schnippte mit den Fingern und trippelte dicht auf sein Gegenüber zu. „Wenn du mich anfassen, du tot“, ertönte die sofortige Warnung.
„Gott bewahre, ich fasse Sie nicht an. Hab nur keine Lust zu schreien.“ Er beugte sich zu Yildiz` Ohr. „Im Grunde könnte Zappa egal sein, was Sie und Ihre Familie treiben. Die Nigerianer haben ihn auch nicht gestört. Der Markt ist groß genug für alle. Doch Baba Yildiz verdirbt die Preise. Vor einem Jahr hat unsere Firma pro Gramm einen Spitzenerlös von 1000 Mark erzielt. Und was machen Sie? Verschleudern das Zeug für schlappe 200 Eier. Darüber ist Zappa mächtig sauer.“
„Er verkaufen Hongkong-Rocks. Ist dreckig, nix rein. Wir haben bessere Stoff.“
„Eben. Weißen Schnee. Heroin Nummer 4. Darum sind die Preise …“
„Freie Marktwirtschaft“, fuhr ihm Ferit über den Mund. „Ich gelernt in Almanya. Du verkaufen billig und viel – dann du bekommen mehr...
| Erscheint lt. Verlag | 23.3.2017 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Kommissar Platow | Kommissar Platow |
| Verlagsort | Frankfurt am Main |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | 70er • 70er Jahre • Andreas Baader • Deutscher Herbst • Die Baader-Meinhof-Bande • Frankfurt • Frankfurt-Krimi • Gudrun Ensslin • Krimi • RAF • Siebziger • Ulrike Meinhof |
| ISBN-10 | 3-946413-66-8 / 3946413668 |
| ISBN-13 | 978-3-946413-66-0 / 9783946413660 |
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