Rücksichtslos und egoistisch (eBook)
100 Seiten
Blattwerk Handel GmbH (Verlag)
978-3-7409-1563-6 (ISBN)
Tessa Hofreiter ist in vielen Romangenres mit großem Erfolg aktiv. Einen ihrer zahlreichen Höhepunkte bildete fraglos die Serie um 'Das Chateau', die sich um ein französisches Weingut dreht. Immer populärer ist in jüngster Zeit 'Der neue Landdoktor' geworden, der den Nerv einer wachsenden Lesergemeinde trifft. Der Stil dieser Schriftstellerin ist unverwechselbar.
Tessa Hofreiter ist in vielen Romangenres mit großem Erfolg aktiv. Einen ihrer zahlreichen Höhepunkte bildete fraglos die Serie um "Das Chateau", die sich um ein französisches Weingut dreht. Immer populärer ist in jüngster Zeit "Der neue Landdoktor" geworden, der den Nerv einer wachsenden Lesergemeinde trifft. Der Stil dieser Schriftstellerin ist unverwechselbar.
Das Gestüt Sonnenbach lag außerhalb von Bergmoosbach. Umgeben von Wiesen mit einem weiten Blick auf die Berge bot das große Anwesen mit dem aus Sandstein erbauten Herrenhaus und den großen Stallungen einen prächtigen Anblick.
Cäcilia Sonnenbach war wie immer früh aufgestanden. Seit dem Tod ihres Vaters kümmerte sie sich gemeinsam mit Luis, der schon seit vierzig Jahren als Pferdepfleger auf dem Gestüt arbeitete, um die Pferde. Luis hatte seinen ursprünglichen Plan, in diesem Jahr in Rente zu gehen, erst einmal aufgegeben, als feststand, dass Arthur Sonnenbach seine Krankheit nicht besiegen würde. Kurz darauf erlag er dann auch seinem Herzleiden. Luis wollte nun bleiben, bis sich die Dinge auf dem Gestüt geklärt hatten, und so trafen er und Cäcilia sich jeden Morgen im Stall.
Es war ein großes geräumiges Gebäude mit dreißig Boxen. Fünfzehn auf jeder Seite, alle mit eigenem Fenster und einer Tür aus rustikalem Kiefernholz. Neben den Boxen gab es noch zwei Wirtschaftsräume, in denen das Futter und das Stroh für die Tiere gelagert wurde, einen Umkleideraum für die Reitgäste, ein kleines Büro und einen Raum für die Sättel und das Zaumzeug.
Luis war schon da, als Cäcilia in Jeans und langem Wollpullover hereinkam. Er hatte die Pferde bereits mit Futter versorgt und machte sich nun daran, die Boxen zu säubern. »Guten Morgen, Luis«, begrüßte sie den treuen Mitarbeiter, während sie in ihre Gummistiefel schlüpfte, die vor dem Umkleideraum standen.
»Guten Morgen, gut geschlafen?«, fragte Luis, der eine Schubkarre mit Stroh vor der ersten Pferdebox abstellte.
»Ehrlich gesagt, nein. Mir geht im Moment einfach zu viel im Kopf herum«, gestand Cäcilia dem langjährigen Vertrauten ihres Vaters.
»Das Rennen oder die Familie?«, fragte Luis und fuhr sich durch seine grauen Locken.
»Beides«, seufzte Cäcilia. Sie zog ein Gummiband aus ihrer Hosentasche, band ihr dunkles Haar zu einem Pferdeschwanz und sah Luis mit ihren großen hellbraunen Augen offen an. »Es hängt doch beides zusammen. Wenn ich das Rennen in zwei Wochen nicht gewinne, fehlt mir das Geld für die Renovierung des Gutes, dann werde ich vielleicht doch in den Verkauf einwilligen müssen, auf den Annemarie und Dina so sehr drängen. Die Wasserleitungen im Haus und auf dem Grundstück müssen komplett erneuert werden, die Heizungsanlage ist defekt, und einen neuen Anstrich könnten Haus und Stallungen auch vertragen.«
»Deine Stiefmutter und deine Stiefschwester willigen also nach wie vor nicht in deinen Vorschlag ein, einen Kredit für die Renovierung aufzunehmen?«
»Nein, sie wollen verkaufen. Es vergeht kein Tag, an dem sie nicht auf mich einreden. Jetzt, nachdem dieser Hotelkonzern, der hier unbedingt ein Wellnesshotel mit Park errichten möchte, bereit ist, weitaus mehr für das Anwesen zu bezahlen, als es wert ist, sind sie gar nicht mehr zu bremsen. Trotzdem werde ich nicht so einfach aufgeben. Aber da Papa nun einmal den beiden die Hälfte des Gestüts vererbt hat, muss ich mich mit ihnen arrangieren, und das wird noch eine Menge Energie kosten.« Cäcilia war inzwischen klar geworden, dass sie ihr Gefühl nicht getäuscht hatte, was Dina und Annemarie betraf. Sie konnte sich noch gut daran erinnern, als ihr Vater die beiden zum ersten Mal mit nach Sonnenbach brachte. Es war ein Jahr nach dem Tod ihrer Mutter, sie war gerade zwölf geworden, und ihr Vater meinte, sie brauchte wieder eine Mutter. Er hielt es für eine glückliche Fügung, dass die Frau, in die er sich verliebt hatte, eine Tochter mitbrachte, die in Cäcilias Alter war.
»Jetzt hast du eine Schwester, die auch deine Freundin sein wird«, hatte er gesagt und ihr die hochnäsige Dina präsentiert. Inzwischen waren fünfzehn Jahre vergangen und aus Dina, der hochnäsigen Göre, war eine arrogante junge Frau geworden, die von ihrer Mutter bewundert wurde und alles bei ihr durchsetzen konnte.
»Dein Vater hat Annemarie geliebt, deshalb hat er nicht sehen wollen, wie sie wirklich war. Hätte er es gesehen, hätte er dir das Gestüt allein vererbt. Er hat Annemarie vertraut und geglaubt, dass das Erbe seiner Familie ihr etwas bedeutet.«
»Sie und Dina konnten ihn um den Finger wickeln, das weiß ich. Mit Annemarie bin ich ja immer einigermaßen klar gekommen, aber Dina ist ein Biest.«
»Das stimmt«, entgegnete Luis schmunzelnd. »Aber mach dir keine Sorgen. Du wirst das Rennen gewinnen. Sommerwind ist in Topform, und du bist es auch. Es wird alles gut werden, und Dina bist du sicher auch irgendwann los. Sie zieht es doch ohnehin in die Stadt. Sobald sie den richtigen Mann gefunden hat, ist sie fort. Mit ein bisschen Glück nimmt sie ihre Mutter mit.«
»Ja, natürlich, und dann warten sie brav ab, bis ich das Geld zusammenhabe, um sie auszubezahlen. Was für ein schöner Traum«, sagte Cäcilia und versuchte zu lächeln.
»Es ist kein Traum, habe ich recht, Sommerwind?! Siehst du, er stimmt mir zu«, stellte Luis zufrieden fest, als ein lautes Wiehern zu hören war.
»Er stimmt dir immer zu, er liebt dich«, antwortete Cäcilia und klopfte Luis freundschaftlich auf die Schulter. »Aber wir beide werden auf jeden Fall unser Bestes geben«, versicherte sie ihm, bevor sie zu der mittleren Box auf der rechten Seite des Stalls lief. »Hallo, mein Süßer«, begrüßte sie den Hengst, der sie schon freudig erwartete. Liebevoll streichelte sie über seine Mähne und legte den Arm um seinen Nacken.
Aus dem jungen ungestümen Pferd, das ihr Vater vor drei Jahren auf einem Gestüt im Nachbartal für sie erworben hatte, war ein erfolgreiches Rennpferd geworden. Sie hatte Sommerwind sofort in ihr Herz geschlossen, als ihr Vater ihn mit nach Hause brachte. Alles an ihm gefiel ihr, sein Wesen, das goldfarbene Fell, die strohfarbene Mähne und die lange weiße Blesse in der Mitte seines Gesichts.
Sommerwind hatte schon einige Preise gewonnen und sollte nun zum ersten Mal an einem großen internationalen Wettbewerb teilnehmen. In zwei Wochen wollte Cäcilia mit ihm zu einem hochdotierten Rennen nach Österreich fahren. Sollten sie siegen, würde sie mit dem Preisgeld die Renovierung bezahlen und musste nicht länger bei Annemarie und Dina um ihre Zustimmung für einen Kredit betteln.
»Wir beide werden dafür sorgen, dass Sonnenbach erhalten bleibt«, sagte sie leise. »Du weißt, worum es geht, das sehe ich«, fügte sie lächelnd hinzu, als Sommerwind sie mit seinen großen dunklen Augen anschaute, während sie seine Mähne kämmte.
Diese Streicheleinheiten und die Fellpflege standen stets am Anfang ihres gemeinsamen Tages. Cäcilia wollte Sommerwind auf diese Weise zeigen, wie wichtig er für sie war. Nachdem sie sich um ihn gekümmert hatte, half sie Luis, die Boxen zu säubern, und schenkte auch den anderen Pferden die ihnen zustehende Aufmerksamkeit.
Wie immer nach dem Mittagessen wollte Cäcilia auch an diesem Tag mit Sommerwind ausreiten und holte ihn von der Koppel.
Luis würde erst gegen Abend noch einmal für zwei Stunden auf das Gestüt kommen, um mit ihr gemeinsam die Pferde zu versorgen, die am Tag alle draußen auf der Pferdeweide standen. Cäcilia legte Sommerwind den Sattel an, den sie auf der Holzbank vor dem Stall bereit gelegt hatte.
»Hallo, Schwesterchen, alles klar?«, flötete Dina, die in enger Hose und Spitzenblüschen über den Hof stolzierte.
»Danke, es geht mir gut«, erwiderte Cäcilia und streifte die junge Frau mit dem kurzen weißblonden Haar und den hellblauen Augen nur mit einem kurzen Blick.
»Na dann, überarbeite dich nicht.«
»Du könntest dir diesen Rat ersparen, wenn du dich ein bisschen nützlich machen würdest.«
»Ich bitte dich, ich tauge nicht für diese Art Arbeit, das weißt du«, entgegnete Dina entrüstet.
»Unsinn, ich weiß nur, dass du dich vor der Arbeit auf dem Gestüt drückst. Nicht einmal um Lorenzo kümmerst du dich.«
»Was heißt kümmern? Dein Vater hat mir dieses Pferd geschenkt. Ich reite es, wenn mir der Sinn danach steht, das heißt nicht, dass ich die Arbeit eines Stallburschen oder eines Pferdepflegers erledigen muss. Es ist nicht meine Schuld, wenn du dir diese Arbeiten selbst zumutest. Du könntest auch mehr Personal einstellen.«
»Ich versuche, finanzielle Rücklagen zu bilden.«
»Es scheint dir aber nicht zu gelingen, sonst hättest du uns nicht gebeten, einem Kredit zuzustimmen.«
»Du und deine Mutter, ihr habt in den letzten Jahren kräftig daran mitgewirkt, unsere Rücklagen zu schmälern. Teure Reisen, Designerklamotten und was ihr Papa sonst noch alles abgeschwätzt habt.«
»Dein Vater wollte, dass es uns gut geht, uns allen. Wenn du einen Kredit aufnimmst, dann müssen Mutter und ich mit unserem Anteil dafür bürgen. Wenn du das Gestüt gegen die Wand fährst, dann ist es nichts mehr wert, und wir haben einen Haufen Schulden. Die Sache mit dem Hotel ist das Beste, was uns passieren konnte. Aber wenn wir noch länger zögern, suchen die sich ein anderes Objekt. Stell dir doch einfach mal vor, du müsstest dich nicht mehr so mit dieser Arbeit abplagen. Willige in den Verkauf ein, dann bist du frei.«
»Das Gestüt ist mir keine Last, ich will es nicht loswerden.«
»Wie du meinst, dann schufte weiter. Ich warte nur noch auf Mutter, wir fahren in die Stadt zum Einkaufen. Du denkst daran, dass wir heute Abend ein kleines Fest mit Freunden im Garten veranstalten«, erinnerte Dina sie daran, was sie vor ein paar Tagen wie beiläufig schon einmal erwähnt hatte.
»Gibt es einen bestimmten Anlass?«
»Überraschung«, erklärte Dina mit einem geheimnisvollen Lächeln und stöckelte auf ihren Highheels zu dem roten Sportwagen, der vor dem Gebäude mit den Garagen...
| Erscheint lt. Verlag | 2.3.2017 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Der neue Landdoktor | Der neue Landdoktor |
| Verlagsort | Hamburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | Bergmann • Bergmoosbach • Bergpfarrer • Dr. Daniel • Dr. Laurin • Dr. Norden • Dr. Seefeld • Landarzt • Landdoktor • Martin Kelter Verlag • Sonnenwinkel • Teschner |
| ISBN-10 | 3-7409-1563-3 / 3740915633 |
| ISBN-13 | 978-3-7409-1563-6 / 9783740915636 |
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