Toni der Hüttenwirt (eBook)
100 Seiten
Blattwerk Handel GmbH (Verlag)
978-3-7409-1581-0 (ISBN)
»Mei, Liesel, war das eine Hitze heute Nacht!«, stöhnte Heinz.
»Erst mal guten Morgen!«, lächelte Elisabeth, die Liesel gerufen wurde.
»Entschuldige, mein Madl!«
Heinz nahm seiner Frau das große Tablett ab und stellte es auf den Küchentisch. Er nahm sie in den Arm.
»Ein herzliches guten Morgen!«, sagte er.
»Dir auch einen wunderschönen Tag«, antwortete sie.
Sie küssten sich.
Dann trug Heinz das große Tablett mit dem Frühstück hinaus auf die Terrasse, an die sich ein weitläufiger Garten anschloss.
Während Liesel den Tisch deckte, kurbelte Heinz die Markise ganz aus.
»Noch ist es ein bisserl kühl, aber in einer halben Stunde haben wir Sonne. Die Hitze hält jetzt schon drei Wochen an. Beim nächsten Regen tanze ich barfuß im Garten.«
Liesel goss Kaffee ein und sie frühstückten.
Um diese Zeit war es noch sehr still in der kleinen Siedlung des Dorfes unweit von München. Die Stille wurde gestört durch ein Auto.
»Wer kann das sein? Alle Nachbarn sind doch in Urlaub.«
Heinz Gerber stand auf und ging um die Hausecke nach vorn. Liesel hörte, wie er mit jemanden sprach. Wenig später kam er mit Emil zurück.
»Grüß Gott, Emil«, begrüßte Liesel ihn herzlich.
Emil reichte ihr eine Tüte mit Brötchen.
»Mei, die Polizei, dein Freund und Helfer!«, sagte Liesel in bester Laune. »Liefert ihr jetzt Frühstücksbrötchen aus? Hattest du Nachtschicht? Magst du einen Kaffee? Machst du deine Runde in der Nachbarschaft, bevor du dich schlafen legst? Wie schaffst du das, tagsüber zu schlafen? Wir finden nicht mal nachts Ruhe bei der Hitze.«
»Liesel, ja, ich hatte Nachschicht und Ja, ich nehme einen Kaffee«, antwortete Emil.
Sie kannten Emil schon, als er ein kleiner Bub war. Seine Eltern hatten das Nachbarhaus gekauft. Er war jetzt etwas über dreißig und verlobt. Der Hochzeitstermin stand fest und er wohnte bereits mit seiner Verlobten zusammen. Während seine Eltern in Urlaub waren, kam er regelmäßig vorbei, um bei Heinz und Liesel die Post seiner Eltern abzuholen.
Er setzte sich. Liesel schenkte ihm Kaffee in.
»Magst du etwas essen?«, fragte sie.
»Danke, aber ich bin dienstlich hier«, sagte er und rieb sich das Kinn.
Liesel und Heinz hielten in ihren Bewegungen inne und schauten ihn überrascht an.
Emil errötete und trank schnell einen Schluck Kaffee.
»Was gibt’s?«, fragte Heinz.
»Nun red’ schon, Bub!«, drängte ihn Liesel.
Emil räusperte sich.
»Als die Meldung hereinkam, dachte ich, ich hole euch nicht mitten in der Nacht aus dem Bett. Entgegen jeder Dienstvorschrift, aber natürlich mit dem Einverständnis des Kollegen, der mit mir Nachtdienst hatte, holte ich gleich Erkundigungen ein. Also, Vroni geht es gut. Im Augenblick schläft sie.«
Emil nahm aus seiner Jackentasche ein Blatt Papier und reichte es Heinz.
»Das ist die Durchwahl der Station, auf der Vroni liegt. Die diensthabende Schwester heißt Traudel. Der behandelnde Arzt ist Doktor Wagner.«
»Der Himmel stehe uns bei!«, schrie Liesel. »Hatte Vroni einen Unfall? Hoffentlich ist sie nicht schwer verletzt! Ich habe die letzten Tage immer gesagt, bei dem Wetter fahren alle wie die Deppen.«
Sie war bleich geworden.
Emil schüttelte den Kopf.
»Also noch einmal, Vroni geht es gut. Sie schläft im Augenblick. Wahrscheinlich wird sie morgen wieder entlassen.«
»Heinz, wir müssen sofort anrufen und hinfahren« sagte Liesel. »Das arme, arme Madl!«
Sie war aufgesprungen und wollte ins Haus stürzen.
Emil bekam sie am Arm zu fassen und drückte sie zurück auf den Stuhl.
»Liesel, du kannst jetzt nix machen. Vroni schläft. Lasst mich erzählen, was passiert ist!«
Heinz rückte mit seinem Stuhl dicht neben seine Frau und legte ihr den Arm um die Schultern. Ihre Ehe war kinderlos geblieben. So hatten sie damals keinen Moment gezögert, Veronika, die Vroni genannt wurde, bei sich aufzunehmen und sich um sie zu kümmern, als wären sie ihre Eltern. Später wurden sie für Vronis Zwillinge, Maren und Birger, Ersatzgroßeltern. Die Zwillinge besuchten ein Internat und kamen nur an den Wochenenden heim. Jetzt im Hochsommer geschah das selten. Dann waren sie bei ihrer Mutter. Vroni war eine gelernte Hotelkauffrau, hatte sich aber mit einer Würstchenbude selbstständig gemacht. Sie verkaufte Weißwürste auf jeder Kirmes in kleinen Dörfern im Umkreis bis zu fünfzig Kilometer. Die großen Volksfeste ließ sie aus. Dort hatte sie zu viel Konkurrenz.
»Was ist mit ihr?«, stieß Liesel fast tonlos hervor.
»Auf dem Parkplatz mit den Wohnmobilen der Schausteller hat es heute Nacht gebrannt.«
»Hat sie schlimme Verbrennungen?« Liesel wurde panisch.
»Nein, beruhige dich, Liesel! Sie hat nur eine Rauchvergiftung. Der Wohnwagen neben Vronis Wohnmobil fing Feuer und das Feuer griff über. Vroni wurde rechtzeitig herausgeholt.«
»Herr im Himmel! Maria und Josef!«
Tränen traten Liesel in die Augen. Sie nahm ihr Taschentuch und wischte sich die Augen.
»Heinz, wir müssen auf der Stelle etwas unternehmen. Lass mich los!«
Heinz verstärkte den Griff um die Schultern seiner Frau.
»Liesel, lass den Emil doch zu Ende erzählen«, sagte er.
Liebevoll strich er ihr über das Haar.
Emil berichtete weiter.
»Wie gesagt, im Wohnwagen neben Vroni war ein Brand entstanden. Zum Glück waren die Besitzer unterwegs. Die Feuerwehr vermutet einen technischen Defekt. Aber das wird noch näher untersucht. Es geschah nach Mitternacht. Vroni hatte sich schlafen gelegt. Ein Fenster stand offen. Qualm und Rauch zogen dort hinein. Vronis Wohnmobil fing an der Seite Feuer. Das Feuer wurde von anderen Schaustellern bemerkt, die noch im Freien beisammensaßen. Sie fingen sofort an zu löschen. Zwei holten Vroni aus ihrem Wohnmobil. Die Feuerwehr war schnell vor Ort. Es soll nur wenige Minuten gedauert haben, bis der Brand gelöscht war. Vroni wurde mit dem Krankenwagen nach München ins Krankenhaus gebracht. Sie hat eine leichte Rauchvergiftung und bekam Sauerstoff. Als ich die Meldung bekam, rief ich sofort an. Man sagte mir, dass sie schlafe.«
»Das arme, arme Madl«, stöhnte Liesel.
»Ich rufe jetzt das Krankenhaus an«, sagte Heinz. »Du bleibst sitzen und wartest!«
»Lass mich anrufen, Heinz!«
»Nix da, du bist viel zu aufgeregt. Du bleibst bei Emil. Emil, pass auf Liesel auf! Wenn es sein muss, lege ihr Handschellen an.«
»Dass du in einer solchen Situation noch scherzen kannst!«, fuhr Liesel ihren Mann an.
Heinz bewahrte die Ruhe.
»Du hast doch Emil gehört. Vroni hat eine leichte Rauchvergiftung und sie schläft. Um dich mache ich mir mehr Sorgen. Ich verstehe, dass du geschockt bist. Aber wir müssen jetzt die Nerven behalten und stark sein. Vroni braucht uns.«
»Ja, das Madl braucht uns«, seufzte Liesel.
Im Grunde war sie froh, dass Heinz die Sache in die Hand nahm. Sie war viel zu aufgeregt.
Heinz Gerber ging in sein Arbeitszimmer. Er schloss die Tür, während er telefonierte.
Für Elisabeth vergingen die Minuten wie Stunden.
Endlich kam Heinz zurück.
»Ich habe mit der Stationsschwester gesprochen. Vroni schläft noch. Sie gab uns als nächste Angehörige an. Und sie ließ extra notieren, dass Maren und Birger nichts davon erfahren sollen. Sie will nicht, dass sich die Kinder aufregen. Wir können jederzeit vorbeikommen. Doktor Wagner ist der Stationsarzt. Er möchte uns sprechen, bevor wir zu Vroni ins Krankenzimmer gehen.«
»Das hört sich nicht gut an, Heinz. Vielleicht ist unser Madl doch schwerer verletzt? Ach, Heinz, ich habe solche Angst um unsere Vroni. Was hätte da alles passieren können! Daran will ich gar nicht denken.«
»Das sollst du auch nicht, Liesel. Tatsache ist, dass sie Glück hatte. Die Schwester sagt, wir können beruhigt sein. Vroni hat ein Schlafmittel bekommen und wird bestimmt bis Mittag schlafen.«
»Kann ich eine zweite Tasse Kaffee bekommen?«, fragte Emil. »Und ein Brötchen nehme ich jetzt auch.«
Das brachte Liesel kurz auf andere Gedanken. Sie holte Teller und Besteck. Heinz fiel auf, dass Emil betont langsam aß. Dabei erzählte er von seiner Verlobten und den Hochzeitsvorbereitungen.
»Die Einzelheiten werden wir mit ihren Eltern und meinen Eltern bereden, wenn sie aus dem gemeinsamen Urlaub zurück sind. Ich bin gespannt, wie sie sich vertragen haben. Aber ich denke, sie müssten sich gut verstehen. Es war auch ihre Idee, zusammen eine Kreuzfahrt zu unternehmen.«
Nachdem er mit dem Frühstück fertig war, verabschiedete er sich. Heinz brachte ihn zum Auto. Er schüttelte ihm die Hand.
»Danke, dass du dich der Sache angenommen hast und persönlich vorbeikamst. Der Gang ist dir nicht leichtgefallen.«
»Es gehört zu meinem Beruf, Angehörigen auch schlechte Nachrichten zu überbringen. Wir Polizisten werden darauf geschult. Doch ich gebe zu, bei Fremden ist es leichter als bei Menschen, die man kennt, schätzt und mit denen man befreundet ist. Ich bin froh, dass Vroni nicht mehr passiert ist.«
»Das bin ich auch. Dem Himmel sei Dank!«
»Ja, sie hatte einen Schutzengel. Ich komme heute Abend noch einmal bei euch vorbei, bevor ich zum Dienst fahre.«
»Danke, Emil, aber du wirst uns nicht antreffen. So wie ich Liesel kenne, wird sie keinen Schritt von Vronis Bett weichen.«
Emil lächelte.
»Das verstehe ich. Okay, wenn ihr Hilfe braucht, meldet euch!«
»Das werden wir, Emil.«
Heinz rieb sich das Kinn.
»Was ist mit dem Wohnmobil,...
| Erscheint lt. Verlag | 2.3.2017 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Das Buch | Toni der Hüttenwirt - Das Buch |
| Verlagsort | Hamburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | Alpen • Arzt • Bauernhof • Bergmann • Bergpfarrer • Buch • Heimat • Landarzt • Liebe • Martin Kelter Verlag • Sonnenwinkel • Teschner • Toni • Toni der Hüttenwirt |
| ISBN-10 | 3-7409-1581-1 / 3740915811 |
| ISBN-13 | 978-3-7409-1581-0 / 9783740915810 |
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